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Wo ist hier meine Schublade, bitte?!   Teil II

Auf der Suche nach der richtigen Schublade habe ich mich im Laufe der letzten 15 Jahre mit so vielen spirituellen und religiösen Lehren befaßt das ich mehr und mehr das Gefühl habe, in eben keine der vorhandenen hineinzupassen. Bildlich gesprochen fühle ich mich weniger einer Schublade, mehr dem ganzen Schrank zugehörig. Doch was soll man von einer solchen Art der Spiritualität halten?Vorspann

Der offene Blick

Ich zähle es zu meinen Stärken mit einer großen Toleranz und Empathie durch die Welt zu schreiten. Dies ermöglichte mir mich mit vielen Traditionen und Lehren zu beschäftigen ohne ihnen vorher einen Stempel aufzudrücken oder ihnen feindseelig gegenüber zu stehen. Es war mir zum Beispiel immer gut möglich christliche Lehren, Mystik und Spiritualität auf mich wirken zu lassen ohne sie mit der Institution der Kirche und den damit verbundenen Gräultaten zu verbinden. Während in meinem heidnisch-religiösen Umfeld oftmals eine sehr starke Abneigung gegen das Christentum vorherrschte konnte ich ihm mit Offenheit gegenübertreten ohne vor zu verurteilen. Dies hat niemals dazu geführt das ich mich dem Christentum wieder zugewandt hätte, aber ich kann die Ausübung dieser Religion mit wohlwollenden Augen sehen, mit meiner sehr gläubigen Tante wunderbare Gespräche über das Leben- und Erleben ihres Glaubens führen und dabei Gemeinsamkeiten erkennen auch wenn wir auf zwei vollkommen verschiedenen Ausgangspunkten stehen. Es ermöglichte mir auch die Beschäftigung mit heiklen Themen wie „Engeln“ die von vielen als durchweg christlich von vorneherein abgelehnt werden. Mich hingegen interessierten die Ursprünge und Hintergründe des Glaubens an Engel, sowie Zusammenhänge und Ähnlichkeiten zu helfenden „engelhaften“ Wesen in anderen Kulturkreisen und Religionen. Ich erlaubte es mir mich von Lehren, Götterbildern und Heilsystemen berühren zu lassen auch wenn sie nicht meinem Kulturkreis entspringen oder zu meiner gewählten Religion gehören. Darf ich kein Reiki anwenden oder mit meinen Chakren arbeiten wenn ich mich als Hexe sehe? Ist die Übertragung von Deekshaenergie falsch, unmöglich oder unglaubhaft weil sie einem anderen Glaubenssystem entspring als dem meiner Religion? Läßt sich eines nicht mit dem anderen verbinden? Darf mir ein elefantenköpfiger Gott namens Ganesha nicht sympathisch sein nur weil ich mich nicht dem Hinduismus zugehörig fühle?


Religion – ein großer Spielplatz

Das Wort Religion kommt vom lateinischen religare – sich „rückverbinden“. Wie wahrscheinlich schon deutlich wurde ist mir persönlich die Art und Weise der Rückverbindung die ein Mensch findet unwichtig. Für mich persönlich bedeutet es die Rückverbindung mit meinem göttlichen Ursprung in einer nicht festgelegten Form. Ich glaube das es der göttlichen Urquelle ziemlich egal sein dürfte ob ich sie Ganesha oder Morrigan nenne, es ist nur für mich persönlich wichtig denn hier habe ich zwei Ausdrucksformen gefunden die mich ansprechen und etwas in mir zum klingen bringen. Dabei ist es mir egal ob sie meinem oder gar dem gleichen Kulturkreis entspringen oder nicht. Ich lebe in einem kostbaren Zeitalter in dem ich Zugang zu den verschiedensten Philosophien, Religionen und Weltansichten habe. Nie zuvor war uns ein Einblick in die Anschauungssystem andere Völker und Kulturkreise so möglich wie heute. Es mag an meinem Fokus auf Gemeinsamkeiten statt auf Widersprüchen liegen, aber ich entdecke auf meinen Ausflügen in Fremde Gefilde andauernd Gemeinsamkeiten. Ein Aha-Erlebnis reiht sich an das nächste, ein Puzzelteil kommt zum anderen. Für mich wirken die Religionen der Menschen oft wie große Spielplätze, irgendwie hat jeder eine Rutsche, eine Schaukel und einen Sandkasten. Wenn ich nun zu einem anderen Spielplatz hinübergehe werde ich dort vielleicht andersfarbige Förmchen finden oder unterschiedlich geformte Klettergerüste, aber im Grunde spielen wir alle das gleiche Spiel.


Naturspirituell – nur die Rosinen?

Wenn ich gefragt werde welcher Religion ich angehöre, so nenne ich mich vorzugsweise „naturspirituell“. Denn dieser Begriff beschreibt für mich am allerbesten. Ich feiere und zelebriere weiterhin den Jahreskreis, beschäftige mich eingehend mit der mich umgebenden Pflanzenwelt, glaube an Naturgeister und Spirits, an die Beseeltheit von Allem, jedes Tier, jede Pflanze, jeder Stein hat sein Wesen. Ich glaube an Reinkarnation und verschiedene Welten, im Grunde ist mein Weltbild sehr schamanisch. Die Rückverbindung und Wiederentdeckung unserer heimischen Spiritualität ist mir wichtig, daher beschäftige ich mich gerne mit unserem versteckten spirituellen Erbe zum Beispiel in Form von Märchen und Sagen. Ich erlebe es für mich als praktikabler im rituellen und schamanischen Handeln Zugang zu dem Gebiet zu finden in dem ich lebe und in Kontakt mit den hiesigen Geistern und Energien zu kommen als blind irgendwelche fremden Riten und Bräuche aus fernen Ländern zu übernehmen, es sei denn ich hätte eine persönlich Bindung dazu aufgebaut. Ich empfinde meine Spiritualität keinesfalls als weichgewaschen oder oberflächlich. Ganz im Gegenteil, sie ist Teil meines täglichen Lebens, sie ist Alltagsnah und immer da. Krankheit, Sterben, Tod, Abschiede, Krisen, Schattenarbeit sind ebenso fester Bestandteil, denn sie sind Teile des Lebens. Ich empfinde es nicht als stimmig mich als Schamanin zu titulieren, denn dafür gehört für mich weitaus mehr als das Studium diverser Bücher und den Besuch von einigen Workshops und Ausbildungsgängen. Ebenso sehe ich mich nicht als Druidin da ich die Zugehörigkeit zum Druidentum für mich nicht über einen Fernkurs und meine vorhandene Mitgliedschaft im OBOD ausmachen kann. Trotz Ermangelung einer offiziellen Religion fühle ich mich in meiner Spiritualität tief verwurzelt und beheimatet. Ich erlaube mir die Yogapraxis mit ihrer dahinterstehenden Philosophie zu studieren ohne Wurzeln in Indien zu haben, ebenso ist es für mich kein Widerspruch ein buddhistisches Mantra während einer Meditation zu rezitieren wenn mir dies bei jener Form der Innenarbeit hilft. Zu Hause habe ich einen Schrein zu Ehren einer meiner höchsten Göttinnen, trotzdem wende ich mich in meinen Gebeten manchmal auch ganz formlos an „Gott“. Einer meiner Lieblingstexte ist auch heute noch „die Offenbarung der Sternengöttin“ welche mir in vielerlei Hinsicht ins Blut übergegangen ist und eine Art stilles inneres Manta bildet.

Verehrt mich mit frohlockendem Herzen,
denn siehe, alle Akte der Liebe und der Freude
sind meine Rituale.

Lasst in euch sein
Schönheit und Stärke,
Kraft und Mitgefühl,
Ehre und Demut,
Heiterkeit und Ehrfurcht.

Und ihr, die ihr mich erkennen wollt, wisset,
dass  all euer Suchen und Sehnen vergeblich sein werden
wenn ihr das Mysterium nicht kennt:
Wenn ihr das, was  ihr sucht, nicht in eurem Inneren findet,
werdet ihr es im Außen niemals finden.

Vor allem die letzten Zeilen finde ich bzgl. meiner religiös-spirituellen Ausrichtung sehr erhellend, denn schlußendlich habe ich mich von einer äußeren Form abgewandt und meinen Frieden mit dem Finden meiner Tradition, Religion und offizieller Zugehörigkeit gemacht um mich meinem Inneren zuzuwenden und dort zu erkennen was wirklich wichtig ist.


Karmindra


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