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Wo ist hier meine Schublade, bitte?!   Teil I

Auf der Suche nach der richtigen Schublade habe ich mich im Laufe der letzten 15 Jahre mit so vielen spirituellen und religiösen Lehren befaßt das ich mehr und mehr das Gefühl habe, in eben keine der vorhandenen hineinzupassen. Bildlich gesprochen fühle ich mich weniger einer Schublade, mehr dem ganzen Schrank zugehörig. Doch was soll man von einer solchen Art der Spiritualität halten?

Bedeutet dies nicht eine gewisse Wurzellosigkeit? Früher sprachen wir gerne von „Fluffy Bunnys“ und meinten damit diese freifliegenden Hexen welche sich aus allen Kuchenstücken die Rosinen rauspickten, nur mitnahmen was schön, einfach und bequem ist um allem anderen ignorant den Rücken zu kehrten. Bedeutet ein „sich nicht festlegen“ vielleicht ein „sich nicht einlassen können“? Und wie kommt es das ich mich in einer so unspezifisch wirkenden Definition meiner Spiritualität so zu Hause fühlen kann wir nirgends sonst? Vor einigen Wochen hörte ich in diesem Zusammenhang das erste Mal den Ausdruck „Metrospiritualität“. Wenn es bei Metrosexualität laut Wikipedia um Männer geht die „keinen Wert auf Kategorisierung in ein maskulines Rollenbild legen“, heißt dies im Umkehrschluß das ich metrospirituell unterwegs bin und keinen Wert auf die Kategorisierung in ein religiös/spirituelles System und Rollenbild lege? Darüber nachdenkend kann ich dieser Definition sogar zustimmen, denn mein Bedürfnis mich einem bestimmten System zugehörig zu fühlen und in mich in einer gewissen Rolle zu bewegen ist mir mehr und mehr unwichtig geworden.

Groß geworden bin ich in einem christlich geprägten Elternhaus. Mein Vater evangelisch getauft aber überzeugter Atheist, meine Mutter katholisch, gläubig aber keine Kirchengängerin. Mir wurde eine sehr freie Erziehung zu Teil in der Religion zwar eine Rolle spielte, sich aber mehr an christlichen Werten wie Nächstenliebe orientierte als an verstaubten Ritualen und langen Bibeltexten. Wir gingen meistens nur zu Weihnachten in die Kirche, ab und zu stöberte ich in meiner hübschen Kinderbibel und gemeinsam mit meiner Mutter beendete ich den Tag mit einem „Müde bin ich, geh zur Ruh, mache beide Äuglein zu…“. Doch mein Interesse galt weniger meiner religiösen Praxis sondern vielmehr unserem wundervollen Garten, den Pflanzen und Tieren mit denen ich unaufhörlich sprach, meinen blühenden Fantasiereichen in denen ich auf Pferden durch die Wildnis ritt, Feentau von den Blättern sammelte und mich mit der Natur verbunden fühlte.


Bevor der Bruch kam…

Ich war ungefähr 13 Jahre alt als ich durch pubertäre Auswüchse und Wunschvorstellungen erstmals mit Theorien über Magie, Okkultismus und Esoterik in Kontakt kam. Ungefähr mit 14 Jahren las ich mein erstes Buch über das Hexentum. Gehofft hatte ich auf eindrucksvolle Magie und hochwirksame Zaubersprüche, was ich statt dessen fand veränderte und bereicherte mein Leben bis heute. In jenem Buch fiel zum ersten Mal das die Wörter Wicca, Naturreligion, Göttin und Gott. Mit jeder Zeile dieses Buches prickelte meine Kopfhaut, spürte ich mein Blut heiß durch meine Adern fließen und mein Herz schrie mir förmlich zu: Das ist es! Damals hatte ich das Gefühl jemand beschrieb all dies was ich mir immer zu glauben und leben gewünscht hatte, von dem ich nur nicht ahnte das es wirklich existiert. Damals war mir die Vorstellung einer Muttergöttin um so vieles mehr sympathisch als dieser in meiner Vorstellung ältere Herr von dem im Christentum immer die Rede war. Ich las von der Verehrung der Göttin und ihres Gefährten im Verlauf des Jahreskreises, von den Vorstellungen und Mythen rund um die Hexensabbate. Kurz um – es war um mich geschehen. Es folgten Jahre voller Lektüren über das Hexentum, von freifliegend bis britisch traditionelles WICCA. Ich lernte andere Hexen und Heiden über das Internet kennen, mein Interesse war ungebrochen und wuchs immer weiter.

Neben all der Literatur über das Hexentum studierte ich weitere Bücher über Magie, Kräuterheilkunde, Okkultismus, Esoterik, Runen, Schamanismus, Druidentum, Baumkunde, Chakren… ein nie enden wollender Wissenstrom in den ich eintauchen konnte. Ich besuchte Stammtische, schrieb in unzähligen Foren, traf mich mit Gleichgesinnten zu Ritualen, war für einige Monate in einem Hexenzirkel, trug Pentagramme um den Hals und fühlte mich in meiner Haut und in meinem ganzen Glaubenssytem pudelwohl. In meinem Dunstkreis fanden sich viele Asatru wieder weswegen ich mich längere zeit mit nordischem Heidentum auseinandersetze. Mein Herz schlug jedoch von Beginn meiner Beschäftigung mit vorchistlichen Kulturen an vor allem für den keltisch/irischen Zweig. Nur naheliegend also das ich mich eingehend mit der irischen Götterwelt, den Síde, Ogham und auch dem Druidentum auseinandersetzte. Wann aber kam der Bruch?


Ein jedes hat seine Zeit

Im Grunde kam er nie, nicht in Form eines Sinneswechsels, einer vollkommenden Neuorientierung oder des Abstoßens meiner alten Ansichten. Statt dessen befand ich mich seit Beginn meiner spirituellen Orientierung in meinem zarten Jugendalter immer in Bewegung. Religion, Spiritualität – für mich war und ist dies nie etwas Statisches gewesen. Im Grunde ist es mir wie ein großes Puzzel und ständig kommen neue Puzzelstückchen hinzu. Ich brauchte den Cut vom Christentum hin zur vorchristlichen Naturreligion um in eine neue Welt einzutauchen. Zu meiner Pubertät und dem Auflehnen gegen Althergebrachtes und mein Elternhaus passend wendete ich mich erst einmal vollkommen ab. Jedoch war für mich von Beginn meiner Reise an klar das mein eigentliches Weltbild – im gewissen Sinne eine Form des Panen- und Polytheismus – immer gleich blieb. Ich erinnere mich noch sehr genau daran wie ich in der Buchreihe „die Nebel von Avalon“ einmal das vergleichende Beispiel las, dass Göttliche sei wie ein Licht welches auf einen geschliffenen Kristall fiele und sich dort in unzählige regenbogenfarbene Fragmente breche. Wir Menschen würde einzelne dieser gebrochenen Lichtstrahlen wahrnehmen und uns anhand dessen ein Bild vom Göttlichen machen obwohl es im Grunde nur eine Facette der Quelle ist. Dieses Bild entspricht sehr dem, welches ich im Grunde vom Göttlichen habe. Für mich gab es schon immer die verschiedensten Zugänge zu Gott in Form und Ausdruck vieler verschiedener Religionen und Glaubensrichtungen. Das Bild einer großen Göttin welche sich in viele Namen und Gesichter kleidet sprach mich zur damaligen Zeit am allermeisten an. Es war mein ganz bewußt gewählter Zugang, aber es war für mich niemals der einzig richtige oder einzig wahrhaftige. Ich habe mich vor vielen Jahren der Göttin geweiht und mich ihr als Dienerin und Botschafterin verschrieben. Dieses Gelübde ist für mich ein lebenslanges Versprechen, denn es entspringt ebenfalls meiner Innersten Überzeugung das ich niemals vom göttlichen getrennt bin, sondern das ich selbst Teil des göttlichen – der Göttin – bin wie jede andere Form der Schöpfung dieses Universums auch. Dies wird sich niemals ändern, mir war jedoch ein Versprechen wichtig mir dieser Verbindung bewußt zu bleiben und mich ihr in aktiver Hingabe zu widmen. Es spielt dabei keine Rolle ob ich zur großen Mutter bete, ob ich sie Isis, Astarte oder Diana nenne, ob sie für mich weiblich oder männlich ist oder ob ich sie mit Gott, großem Geist, Schöpfer oder Universum anspreche.


Das Interesse an Heilung als Möglichkeit der Perspektivwechsel

Da ich mich schon früh für heilerische Tätigkeiten interessierte lies ich mich mit 18 in den ersten Reikigrad einweihen und kam somit mit Energieheilsystemen und darüber hinaus erstmals mit indisch-fernöstlicher Spiritualität in Berührung. Durch meinen Reikimeister der neben Anhänger des Hexentums und traditionellem WICCA auch Yogalehrer war, las ich das Buch „Autobiografie eines Yogi“ von Yogananda Paramahansa. Es folgten in den kommenden Jahren noch weitere Auseinandersetzungen mit Yoga, Reiki, Chakrenlehre, Kundalini, vedischer Philosophie, Deeksha und Ayurveda. Über mein Interesse für verschiedenste Ernährungs- und Medizinsysteme erhielt ich Zugang zur traditionell chinesischen Medizin, der fünf Elemente Ernährung, ayurvedische Grundlagen und der Makrobiotik sowie den damit verbundenen Weltbildern. Mein Interesse an Heilwissen brachte mich ebenfalls zum Schamanismus, wobei ich sowohl Praktiken und Lehren aus fernen Ländern als auch aus dem europäischen Raum kennenlernen durfte. Auf Grund meines beruflichen Werdegangs traf ich sogar auf die Anthroposphie, jene Lehren Rudolf Steiners welche auf die Theosophie gründet und in der ich einen Aha-Effekt nach dem anderen verbuchen durfte da mir die Grundlagen dieses Weltbildes auf Grund meiner esoterisch-okkulten Interessen durchweg mehr als bekannt waren. Mein Interesse an Möglichkeiten der Heilung ließen mich mit offenem Blick in viele spirituelle Richtungen blicken. Ohne mich selbst dabei aus den Augen zu verlieren stecke ich meine Nase mal hier, mal dort hinein. Manche Entdeckungen stießen mich ab oder ließen mich kalt, andere kitzelten mich oder gaben mir eine Form von Erkenntnis und Verstehen.


Ende Teil I


Karmindra


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