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Hanf – Das Kraut der germanischen Göttin

Viel wird und wurde über den Hanf erzählt, dass er aber - gerade im germanischen Glaubensbereich - auch als ein Kraut der Göttin angesehen wurde, das liest mensch nur eher selten. Eine alte Kulturpflanze also, die bei uns heimisch ist.

Bereits seit 9000 Jahren wird Hanf als Heil- sowie Nutzpflanze kultiviert. Bereits früh wusste man um die psychoaktive Wirkung des Hanfs gut Bescheid. Im antiken Indien und Ägypten, wie auch im europäischen Raum, wurde Hanf neben seiner Verwendung als Rauschmittel bereits medizinisch eingesetzt. Er sollte bei Hypochondrie helfen und galt auch schon früh als „Frauenheilmittel“. Schnell war es auch allgemein üblich, Hanf zur Steigerung der Lust einzusetzen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Hanf - der auch bei dem Germanen als Liebeskraut und Aphrodisiakum galt - der germanischen Liebesgöttin Freya zugesprochen wurde. Da Freya die Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings und Schutzgöttin des Lebens und der Ehe war, sollte Hanf den Menschen zu Fruchtbarkeit und Gesundheit verhelfen.


Cannabis plant, shot in
Himachal Pradesh, India
by Subhashish Panigrahi

Sogar Hildegard von Bingen…

Am deutlichsten akzeptiert finde ich, wird in Esoterik-Kreisen die Wichtigkeit eines Krauts, wenn man folgende Tatsache anmerkt. Ich würde fast sagen, sie ist über alle Zweifel erhaben: Bereits Hildegard von Bingen lobte und nutzte die heilende Wirkung von Hanf.
Dass Hanf schon früh einen gewissen Wert hatte beweisen Funde aus dem 5. Jahrhundert vor Christus in Brandenburg. Dort wurden Hanfsamen (von Cannabis sativa) in der Asche einer Graburne aus Wilmersdorf nachgewiesen. Anscheinend wurden solche Samen bereits bei südgermanischen Stämmen in prähistorischer Zeit als Grabbeigabe verwendet. In den Gräbern fand man neben den Samen zudem Hanffasern sowie Blütenstänge. Hanf wurde bei den Germanen gemeinsam mit Nutzpflanzen wie Getreide und Gemüse auf Äckern angebaut. Er hatte den Namen hanapiz, heanep oder hanaf. Ein interessantes Detail am Rande ist, dass Hanf angeblich nur von Frauen ausgesät, gepflegt und geerntet werden durfte. Galt diese Regelung bereits dem Ursprung, dass der Hanf der Liebesgöttin zugeordnet war, oder wurde uns ob unserer zarten Hände und der Kenntnis um den großen Wert des Hanfes das Vergnügen zuteil, die „Herrinnen des Hanfes“ zu werden? Leider konnte ich keine Aufzeichnungen dazu finden, ob auch die Mondphasen oder ähnliche äußere Einflüsse, die Art des Anbaus oder vielleicht der Ernte, mitbestimmten. Es heißt aber, dass sowohl Aussaat und Ernte von erotischen Ritualen begleitet wurden.


Mehr als nur ein Rausch

Hanf galt aber nicht nur als Faserlieferant. Er wurde als Aphrodisiakum sowie Heilmittel eingesetzt. Hanfstengel nahmen auch eine wichtige Rolle in der Austreibung des Winters ein. „Man legt einen solchen Stengel quer auf zwei Gartenböcke, schnellt ihn mit einer Gerte in die Luft … Diese fliegenden Hanfstengel stellen die Pfeile des Frühlings dar, durch die der Winter fortgeschossen wird.“ (A. R. von Perger, 1864).

Im Mittelalter wurde Hanf meist wegen des Hanföls angebaut, ein Fastenfett. Aber auch das Hanföl (Oleum cannabium) wurde gerne zu medizinischen Zwecken verwendet und wohl besonders eingesetzt bei Nervenschmerzen, Koliken, Magenkrämpfen und Verhärtung des Uterus und zwar indem man die betroffene Stelle damit einrieb. In Deutschland wurde zudem im 19. Jahrhundert der Gebrauch von Hanf als psychoaktives Aphrodisiakum explizit empfohlen. Natürlich schrieb man dies damals den serbischen Zigeunern in die Schuhe und war der Meinung, diese würden die Hanfblume gepulvert und gemeinsam mit Menstruationsblut vermischt einnehmen. Hanf wurde nur zu gern bei Liebeszaubern eingesetzt. Der deutsche Arzt Dr. Georg Friedrich Most beschrieb in seinem damals einflussreichsten „Arztbuch“, der „Encyklopädie der gesammten Volksmedicin“, bereits die vielseitige und wunderbare Wirkung der Hanfpflanze, von der Wurzel bis zur Blüte.


Sonnen- und Schattenseiten eines Krauts

Ebenso diente Hanf, wie andere Pflanzen, denen eine Fruchtbarkeits-steigernde Wirkung zugesprochen wurde, als Heiratsorakel. Da vielleicht ein paar der jungen Damen gerne wissen möchten, ob und wen Sie einmal heiraten werden, bin ich relativ sicher, dass sich nun einige der LeserInnen auf dem Weg zur nächsten Hanfstaude befinden um diese eingehend zu befragen. Aber all jene, die das Kraut lieber rauchen oder daraus Hosen weben möchten, anstatt ein gesittetes Gespräch mit eben diesem zu führen, müssen an dieser Stelle nicht verzweifeln. Wie wir wohl alle wissen kann ein guter Rausch sowohl beim Erkennen eines potentiellen Liebespartners, sowie beim Liebesakt selbst, Wunder bewirken. Wie immer gilt hier auch hier: die Dosis macht das Gift. Auch dies war bereits früh bekannt: „Übrigens hat dieser Missbrauch des Hanfes doch auch, wenn er zu lange fortgesetzt wird, Dummheit, Blödsinn und große Körperschwäche zur Folge“ (Dr. Georg Friedrich Most). Dummheit – wir können das in vielerlei Hinsicht interpretieren. Wer hat sich denn nicht schon mal am nächsten Morgen gewünscht, er hätte sich weniger intensiv dem Rauschmittelchen hingegeben und mehr darauf geachtet, seine kognitiven Fähigkeiten weiterhin an erster Stelle zu wissen. Wo der Alkohol einen – zumindest in der eigenen Wahrnehmung bis zu einem gewissen Punkt unangefochten gültig – zum Superhelden mutieren lässt, trägt der Genuss von Hanf tatsächlich (oder sollte ich sagen angeblich?) zu einer übertriebenen Liebesfähigkeit bei, die durchaus dazu führen kann, mit sich und der Welt dermaßen im Einklang zu sein, dass selbst hartgesottene Sarkasten Gefahr laufen, sich taumelnd in Glück und Liebe zu verlieren. Wie gefährlich dieses Kraut sein kann, bemerkt man wohl erst, wenn am nächsten Morgen das gegenüber im Lichte des Tages eine nicht mehr allzu aphrodisierend anmutende Wirkung besitzt. In diesen schweren Momenten kann man nur hoffen, noch eine Dosis griffbereit zu haben. Sofort sind alle Zweifel ausgeräumt und man kann sich langsam an die Entscheidungsfindung der letzten Nacht erinnern. Darf man als emanzipierte Frau so etwas sagen? Von schlechten One Night Stands sprechen und davon, wie kleine Rauschmittelchen einem die Entscheidung abgenommen haben? Nehmen wir es doch heute mal nicht so genau. Hallo also, Göttin der Liebe, dir sei der Hanf gewidmet, du wusstest wohl schon immer was gut ist. Die Schande liegt nun auf unserer Seite, denn wir können wohl nicht mehr allzu gut mit diesem Geschenk umgehen.


Theodor von Hörmann:
Hanfeinlegen

Hier noch ein paar angebliche Hausmittelchen, basierend auf Hanf:

Pomade für den Haarwuchs
Zutaten
- ca.120 Gramm Hühnerfett
- ca.120 Gramm Hanfsamenöl
- ca.120 Gramm Honig
Alle Zutataen mischen und so lange rühren, bis sich eine schöne fette Pomade ergibt. Den Kopf damit 8 Tage hintereinander einreiben.


Noch ein weiteres Rezept für den Haarwuchs

Zutaten
- 2 Handvoll Wurzel des weißen Weinstocks
- 2 Handvoll Wurzel vom Hanf
- 2 Handvoll Kohlstrünke
Alle Zutaten trocknen und dann verbrennen. Aus der Asche eine Lauge machen und vor dem Waschen des Kopfes mit dieser Lauge den Kopf mit Honig massieren. Dies sollte man 3 Mal hintereinander tun an jedem zweiten Tag.


Quellen:
„Heimische Pflanzen der Götter“, Erwin Bauerreiß, 1995


Leilani


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