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Die Göttin in der Schweiz - eine Spurensuche   Teil II

In diesem Artikel berichtet Nepthis über ihren Vortrag über die Göttin in der Schweiz, den sie Anfang Oktober anlässlich der Pagan Federation Konferenz hielt. Sie erzählt von ihrer Spurensuche, von ihrer Begegnung mit der Göttin und von den historischen Erscheinungsformen der Göttin in der Schweiz.

Maria, Madonna, Herrin über Leben und Tod

Auf den ersten Blick hat die Maria, wie wir sie aus dem Katholizismus kennen, wenig mit der machtvollen Göttin zu tun. Doch in der Schweiz  und in vielen andere Ländern gibt es einen ausgeprägten Madonnenkult. So spricht Margrit Rosa Schmid in ihrem Bericht „Schwarz bin ich und schön –Das Geheimnis der Schwarzen Madonna“ (2002) von mehr als hundert „Schwestern“ der Schwarzen Madonna von Einsiedeln. Diese wird seit über 600 Jahren mit Wallfahrten verehrt. Und dies nicht nur von Christen, auch Tamilen sehen in Ihr eine Göttin, „ihre Schutzgöttin der verlassenen Heimat“, wie Schmid schreibt. Jedes Jahr kommt auch eine Gruppe von Sinti und Roma zur Wallfahrt nach Einsiedeln. Sie mussten zehn Jahre für dieses Recht kämpfen und vor zehn Jahren konnten sie endlich zum ersten Mal ihre Madonna offiziell besuchen.

Doch wer ist diese schwarze Madonna? Eine ihrer Schwestern trägt einen Schwarzmondmantel und ist in Loretto, Italien zu finden. Dargestellt wird Sie oft auch als Himmelskönigin. Die Statue, die in Einsiedeln zu sehen ist, wurde während der Reformation entführt und als „heidnische Diana“ „verhöhnt“. Die Schwarzen Madonnen wurden verbrannt oder weiß übermalt und immer wieder verboten. Doch irgendetwas ist an dieser Schwarzen Madonna, daß das Volk Ihr immer treu geblieben ist. Und das obwohl, oder vielleicht gerade weil, es sich bei der Madonna nicht um „eine ausschliesslich demütig dienende und anspruchslose Maria“ handelt. Dies zeigt am eindrücklichsten die historisch gut dokumentierte Geschichte vom Marienbrunnen von Luther Bad. 1583 stand Jakob Minder wegen sechsfacher Kindstötung in Willisau vor Gericht. Seine Kinder waren alle innerhalb eines Jahres verstorben. Doch er wurde freigesprochen, denn dem Tod der Kinder ging ein wundersames Ereignis voraus. Er träumte in der Nacht auf Pfingstsamstag 1581 von der Schwarzen Madonna von Einsiedeln. Diese riet ihm, an einem bestimmten Ort zu graben: „Du wirst dort eine Quelle finden. Wasche dich mit dem Wasser und du wirst geheilt sein.“ Tatsächlich wurde er so von seiner Gicht befreit und viele andere Menschen kamen, um das heilkräftige Wasser zu trinken. (Schmid zitiert eine ältere Frau, die noch 1978 durch das Wasser der Quelle von Schmerzen geheilt wurde.) Doch im Traum hatte die schwarze Madonna auch gesagt: „ Ich werde deine Kinder innert Jahresfrist versorgen. Ich werde Mutterstelle an ihnen annehmen.“ Diese Begebenheit zeigt die ambivalente Seite der Göttin. Sie gibt nicht nur Leben, Sie nimmt es auch. Sie ist Herrin über Leben und Tod, die dunkle Mutter.


Verena vom Guggisberg

Als Göttinnengläubige gehört für mich der Tod also zum Leben mit dazu. Auch er ist göttinnengegeben und so verdränge ich Gedanken an den Tod nicht, sondern weiß bereits jetzt, dass ich eine Beisetzung in einem Friedwald möchte und dass Verena, eine meiner ältesten Freundinnen dabei das Guggisberglied singen wird. (Wer es sich einmal anhören möchte)

Doch wer ist diese im Lied erwähnte Verena? Sie findet sich in sehr vielen schweizerischen Volkslieder und auch viele Orte in der Schweiz sind nach ihr benannt, wie sich im Buch von Kurt Derungs „Der Kult der heiligen Verena: Auf den Spuren magischer Orte und Heilkräfte“ (2007) nachlesen lässt. Der Name Verena könnte von Venus oder von Freja stammen, viel wahrscheinlicher aber ist der Ursprung Belena/Bhelanna wobei keltisch Bhel für weiss und wir mit Anna wieder bei der Göttin Aubeth wären, die wie gesagt aus anderen Sagen bekannt ist.


Göttinnenglauben heute

Ich habe also die Spuren der Göttin doch noch gefunden. Zu verdanken ist dies den Historikerinnen, die genau hingesehen haben. Und natürlich auch den „aufmüpfigen feministischen Theologinnen“, die dafür „aus den Kirchen ausgeschlossen wurden“, Lehraufträge verloren und kein Geld mehr bekamen, wie Schmid berichtet. Nur weil sie es wagten, eine Verbindung zwischen der schwarzen Göttin und der Schwarzen Madonna herzustellen. Schmid berichtet weiter: „Durch das jahrhundertelange Redeverbot innerhalb der Kirche hatten die Frauen ihren Blick längst nach innen gerichtet und der dunklen Göttin zugewandt.“ Die Göttin wird auch als „Frau Weisheit“ in der Philosophie verehrt und als Shekina im Jüdischen, ist aber auch „unter dem Schleier“ zu finden, zum Beispiel als Fortuna in so manchem Namen von Fußballvereinen. Ich bin den Spurensucherinnen vor mir dankbar. Und es erzürnt mich, dass noch 1986 die evangelische Theologin Elga Sorge ihre Lehrerlaubnis verlor, weil sie z.B. ein „Mutterunsere“ schrieb, wie Edith Franke in ihrem Buch „Die Göttin neben dem Kreuz“ (2002) berichtet. Und doch gehe ich, und viele andere mit mir, noch einen Schritt weiter. Wir brauchen die Göttin und den Gott. Doch wir verehren sie nicht in Kirchen. (Außer wir sind gerade auf einer Wallfahrt nach Einsiedeln)
Wir leben unser Leben nicht nach dem Kirchenjahr, sondern nach dem keltischen Jahresrad. (Was uns nicht daran hindert, nach Jul gleich noch Weihnachten zu feiern.) Wir träumen von einem Göttinnentempel in der Schweiz, so wie es in Glastonbury bereits einen gibt. Wir wollen neue Spuren der Göttinnenverehrung hinterlassen. Und Sie begegnet uns. Als Bergsteigerin auf einer Hütte, wie Luisa Francia in „Mond Tanz Magie“ (1986) schreibt. Oder als Teilnehmerin an einer Pagan Federation Konferenz. Denn in meiner Religion gilt der indische Gruß: Namaste. Ich grüße das Göttliche in dir. Und so erkennen wir die Göttin auch in anderen Menschen, egal ob sie auch auf den Spuren der Göttin sind oder nicht.


Nepthis



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