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Die Göttin in der Schweiz - eine Spurensuche   Teil I

In diesem Artikel berichtet Nepthis über ihren Vortrag über die Göttin in der Schweiz, den sie Anfang Oktober anlässlich der Pagan Federation Konferenz hielt. Sie erzählt von ihrer Spurensuche, von ihrer Begegnung mit der Göttin und von den historischen Erscheinungsformen der Göttin in der Schweiz.

Die Göttin in der Schweiz - eine Spurensuche

Vortrag anlässlich der ersten Pagan Federation Konferenz in der Schweiz - Manchmal übt man einen Vortrag so oft, dass man beim Vortragen dann den wichtigsten Satz vergisst. So erging es mir bei meinem Vortrag während der ersten Pagan Federation Konferenz in der Schweiz, die am 6. und 7. Oktober 2012 stattfand: „Wir befinden uns in Biel, eine Stadt, deren Namen man von Belena ableiten kann, also wahrscheinlich auf Verena zurückzuführen ist, von der ich in meinem Vortrag berichtet habe. Vielleicht spürt ihr ja genauso wie ich, dass dieser Ort hier kein Zufälliger ist.“ Doch möglicherweise war dieser Hinweis von meiner Seite her gar nicht nötig, denn offensichtlich spürten es die über vierzig Menschen, die aus verschieden Ländern zu dieser Konferenz zusammengekommen waren. Denn die Göttin ist immer noch da. Es braucht nicht viel, um dies zu erkennen. Aber doch einigen Aufwand, Sie oder besser gesagt Ihre Spuren zu finden.


Warum es (nicht) einfach ist, die Göttin zu finden

Mir war es wichtig, einen Vortrag zu halten, der zwar geprägt von meiner Weltsicht und inspiriert von meiner Religion ist, aber doch auf wissenschaftlichen Fakten gründet. Wo konnte man historisch gesehen die Göttin finden? In welcher Gestalt wurde Sie in der Schweiz verehrt? Ich begann meine Suche in der Bibliothek der theologischen Fakultät Zürich, zu der auch der Bereich Religionswissenschaft gehört, suchte dann weiter in der Zentralbibliothek Zürich und danach noch in der Bibliothek der historischen Fakultät. Doch ich fand kaum etwas. Wie war dies möglich? Erst jetzt begriff ich so langsam, dass mein Weltbild (katholisch-feministisch erzogen, naturreligiös) immer noch irgendwie exotisch ist. Ich dachte an den Moment zurück, als ich 2008 die Ausstellung „Gott weiblich“ in Fribourg besuchte und feststellte, welche Sensation für viele diese Ausstellung war, während ich nur immer dachte: Das ist doch alles schon länger bekannt. Der Katalog dieser Ausstellung befand sich immerhin bei den drei Büchern, die ich bei meiner Literaturrecherche fand. Ich hatte es mir einfacher vorgestellt, beschloss dann aber, aus meiner eigenen Bibliothek mehr oder weniger wissenschaftliche Literatur heranzuziehen. Doch natürlich blieb der Fingerzeig nicht aus. Warum suchte ich Sie denn in Büchern? Ich lief durch den Lichthof der Universität Zürich und da war Sie: Ein wenig kopflos zwar, aber immerhin beschirmte Sie mich mit Ihren Flügeln: Die griechische Siegesgöttin Nike. Und während ich noch über Alma Mater nachdachte und mein Mittagessen bezahlte, fiel mein Blick auf die Münzen: Da, auf der größeren war Helvetia abgebildet. Eine Göttin, die es streng genommen „nie“ gegeben hat, aber die doch offensichtlich für unseren Wohlstand sorgt. Und auf dem „Füfi“, der zurzeit kleinsten Münze, der Kopf der Göttin Libertas. Offensichtlich war es doch einfach, Sie zu finden. Doch seit wann war Sie denn im Gebiet der heutigen Schweiz bekannt?


In einem Land vor unserer Zeit...

Wie die Figuren belegen, die auch im Museumskatalog von Othmar Keel der Ausstellung „Gott weiblich“ abgebildet sind, gibt es Spuren einer Göttin, die mehrere Zehntausend Jahre alt ist. So zum Beispiel die sogenannte Venus vom hohlen Fels. Wie in einem anderen Vortrag während der Konferenz von Marco Nektan berichtet, gab es auch im Balkangebiet bereits in frühster Urzeit Göttinnen, wie diverse Funde belegen. Doch wenn man sich die Karte der Fundstätten der Venus-Figurinen in Europa im Buch „Die Göttin“ von Husain Sharukh ansieht, fällt einem auf, dass im Gebiet der heutigen Schweiz keine Funde verzeichnet sind, dafür umso mehr in Frankreich. Ob die Göttin in jenen Zeiten also auch hier im Gebiet der heutigen Schweiz verehrt wurde? Sicher ist, dass wir Ihre Spuren in der keltischen Zeit finden. Die dreieinige Göttin wurde von den Kelten als Epona, Dana und Artio verehrt, also als weiße Jungfrau, rote Mutter und schwarze Alte. (Es handelt sich meines Erachtens übrigens um eine Vierheit, denn natürlich gehört auch die Dunkelmondin dazu, nur dass Sie als Todin unsichtbar bleibt.) Diese finden wir in alten Sagen als Ambeth, Borbeth und Wilbeth wieder. So spricht in einer der von Robert Hermann Seiler, einem Schweizer Sagenforscher, im Buch „Bärwolfgeschichten“(1977) „die dritte der drei Frauen“: Ja, ich bin Wilbeth, die Mutter des Mondes.“ Im katholischen Volksglauben überlebten die Beten als die drei heiligen „Madl“: Margareta, Barbara und Katharina.


Römische Religion als Privatsache?

Nach den Kelten kamen die Römer ins Gebiet der heutigen Schweiz und führten die heute noch lebendige Tradition ein, Münzen mit dem Gesicht der Göttin zu prägen. Nur dass auf der anderen Seite nicht wie heute üblich eine Zahl stand, sondern das Gesicht des aktuellen römischen Herrschers. So fanden sich Claudius/Minerva- und Caligula/Vesta-Münzen. Doch nicht nur Geld brachten die Römerinnen und Römer mit, sondern offenbar auch die Verehrung der Göttin Isis. So wurde mündlich überliefert, dass auf dem Isenberg im Knonauer Amt ein Tempel der Isis gestanden hätte. Hans Trümpy stellte aber in seinem Bericht „Die Göttin Isis in schweizerischen Sagen“ ( 1986) fest, die gefunden Mauerreste seien kein Tempel, sondern gehörten zu einer römischen Villa, es sei also nur ein privates Heiligtum gewesen. Immerhin hinterließ dieser eine private Tempel einen solchen Eindruck, dass, wie Trümpy ebenfalls berichtet, noch 1729 in der Gegend das Sprichwort galt „dass sie von einem, der sich aus der Kirchen verschlägt, sagen, er seye in Iselis Kirchen gewesen.“ Und an einem anderen Ort, in Otelfingen gab es wohl 1918 immer noch alte Bäuerinnen, die im Isenbühl einen Stein oder eine Handvoll Erde auf das Grab einer Heidenfrau namens Isis warfen. Ein weiterer Hinweis auf die Verehrung der Göttin Isis in der Schweiz in römischer Zeit ist die Isis-Inschrift in Baden. Sie war also doch hier. Doch was geschah in der nachrömischen Zeit?


Mittelalter und heute

Lassen wir unseren Blick über die heutigen Landesgrenze hinwegsehen, dann finden wir in Bayern eines der schönsten Zeugnisse für die Verehrung der Göttin im Mittelalter: Es ist dies die Carmina Burana (ungefähr 11. – 13. Jahrhundert). Darin wird Fortuna, die Glücksgöttin erwähnt, die sich wie der Mond verändert und natürlich Venus, die Göttin der Liebe: „ Quidquid Venus imperat labor est suavis.“ „Was auch Venus befiehlt, ist süßes Bemühen.“ Und im Christentum? Lässt sich Maria als Göttin sehen? Ist sie denn eine würdige Nachfolgerin der Dreieinen? Kann es in monotheistischen Religionen überhaupt eine Göttin geben? Die drei Töchter Allahs, die im Koran in Sure 53,13 erwähnt sind, Al – Lat, al – Uzza und Manat gelten nach offizieller muslimischer Lesart als Eingebung Satans. Im Alten Testament wird die Göttin Isthar zwar erwähnt, aber immer nur als Gefahr, als eine, die die Menschen vom rechten Glauben abbringt. Doch jede Theologiestudentin heute weiß, dass Inschriften belegen, dass JHW nicht alleine war: Erwähnt wird immer wieder Seine Aschera. Doch die einzige Frau, die in der katholischen Kirche wichtig ist, ist nicht Aschera, sondern Maria.


Ende Teil I


Nepthis



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