Magie wirken – das Patriarchat zerschmettern   Teil III

Geschrieben wurde dieser Artikel von Jedidjah de Vries und übersetzt von Distelfliege.

Das Selbst

Feministische Hexerei hat einen über das vorrangig sozial ausgerichtete Ritual hinausgehenden Effekt, der mehr ins Persönliche geht. Sie erlaubt die Konstruktion einer Gender-Identität, die dem binären männlich/weiblich-System entgleitet ohne das „Frau-
Sein“ aufzugeben, namentlich im Hexe-Sein.
Judith Butler sagte, dass Gender immer im Tun existiert, obschon es kein Tun eines Subjektes ist, das der Handlung vorausgeht. (Butler, 1990, S.25). Der Punkt ist hier nicht einfach, dass Gender-Identitäten soziale Konstrukte sind, sondern das Gender kein
statisches Attribut ist, etwas, das man ist, denn es ist vielmehr eine unaufhörliche Aktivität, die ausagiert wird, (Im Sinne einer Performance) teilweise, ohne dass man davon weiß und ohne eine Willensentscheidung, dies zu tun. (Butler, 2004, S.1)
Butler beschrieb dieses „Doing Gender“ oft mit dem Begriff der Performance. Analog dazu ist „Hexe“ nicht einfach ein statisches Label, sondern es ist an die Praxis der Magie und Rituale geknüpft, die vor allem ausgefeilte Performances sind, in denen etwas
konstruiert wird. In diesem Sinne kann „Doing Witch“ gleich verstanden werden wie „Doing Gender“.
Selbstverständlich nimmt die Identität der „Hexe“ nicht den selben Raum ein wie die Identität als „Frau“. Die Hexe ist eher eine Form von „drag“, was Butler als „parodistische Rekontexutalisierung“ analysiert, insofern, als dass in der Performance das biologische Geschlecht und das soziale Geschlechrt/Gender die Maske ihrer „Natürlichkeit“ verlieren, dass ihre Unterschiedlichkeit klar hervortritt, und dass der kulturelle Mechanismus der fabrizierten Einheit von Gender und biologischem Geschlecht dramatisch hervortritt.
Die Hexe ist deshalb eine Form von drag, weil sie eine andere Art von Frau darstellt, eine Frau, die sowohl extrem mächtig als auch extrem fürsorglich ist.

..wir in der Reclaiming-Tradition nennen uns selbst Hexen, aus genau dem Grund wieso sich andere nie so nennen würden. Es ist ein provokantes Wort. Wir, als FeministInnen und Menschen die unsere eigene Göttlichkeit und unser Verwoben sein mit Gaia, der Mutter, ehren, nehmen uns den Begriff „Hexe“ zurück.
(NightMare, 1998 )

Feministisches Hexentum nähert sich allmählich dem Entwicklungsstand einer vollständigen „Technologie des Selbst“, insofern, als
..sie es dem Individuum erlaubt, zusammen mit Anderen oder allein, eine Reihe von transformierenden Operationen ihrer Körper und Seelen, Gedanken, Verhaltensweisen und ihrer Lebensweise durchzuführen, um sich selbst zu transformieren, und soweit als möglich Glück, Reinheit, Weisheit, Perfektion oder Unsterblichkeit zu erlangen. (Foucault, 1984, S.18)
Daher haben die magischen Handlungen, die in den Ritualen des feministischen Hexentums ausgeführt werden, nicht nur eine Auswirkung auf die Umwelt (Durch die Manipulation von Zeichen), sondern auch auf die Praktizierende, und sie erlauben es ihr,
sich selbst als oppositionelles Subjekt im Patriarchat zu konstruieren.


Schlussfolgerung

Diese Arbeit legte dar, wie Magie in der feministischen Hexentradition wirkliche Effekte hat, indem sie der symbolische Gewalt über Frauen begegnet. Dazu werden Rituale benutzt. Darüber hinaus rekonstruieren diese rituellen Performances die Identität der
Handelnden als Hexen, was eine Herausforderung des Heteronormativen darstellt, und weiter gefasst auch das Patriarchat in Frage stellt. In aller Kürze: Magie ist real, nicht in einem okkulten Sinn, sondern weil sie eine Kraftquelle sein kann.


Zugrunde gelegte Literatur:
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Jedidjah de Vries


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