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Bissige Betrachtung über die Fortschritte der modernen Wissenschaft
Forscher sagt: Menstruation ist überflüssig
Der brasilianische Reproduktionsbiologe Elsimar Coutinho ist der Meinung, dass die monatlichen Regelblutungen von Frauen überflüssig und sogar schlecht für die Gesundheit seien. Er rät deshalb Frauen, ihre Menstruation mit Hormonpräparaten zu unterdrücken, berichtet der New Scientist.

Coutinho, der ein Buch mit dem Titel "Ist die Menstruation überflüssig?" geschrieben hat, sieht den Einsatz von Hormonpräparaten wie die Pille nicht nur bei der Verhütung. Die tägliche Einnahme eines Hormons, ohne einwöchige Pause, unterdrücke die Menstruation und verhelfe damit Frauen zu einem besseren Leben. Sie würden nicht mehr unter den typischen monatlichen Stimmungsschwankungen und Krämpfen leiden. Zudem sinke das Gebärmutterkrebsrisiko deutlich bei Frauen, die keine Kinder bekommen.

Das erste Hormonpräparat, das verhüten und die monatlichen Blutungen verhindern soll, durchläuft zur Zeit klinische Studien in Amerika. Sollte die amerikanische Verwaltungsstelle für Lebensmittel und Medikamente das Präparat zulassen, wird es voraussichtlich im Frühjahr 2003 auf den Markt kommen.

Ja, meine Damen, jetzt ist es endlich soweit!
Keine monatlichen Stimmungsschwankungen, keine Krämpfe und kein Leiden mehr - die moderne Medizin macht es möglich. Ist es nicht wunderbar, dass wir von nun an gleichgeschaltet funktionieren können, ohne von einem monatlich wiederkehrenden Unbill aus dem gelobten Land der Produktivität hinausgeworfen zu werden? Ist es nicht erstrebenswert unseren armen männlichen Mitmenschen die monatlich wiederkehrenden Stimmungsschwankungen eines typischen Frauenleidens nicht mehr aufzubürden? Wo kämen wir denn da hin, wenn die Mama, die Geliebte, die Ehefrau, die Mitarbeiterin, einmal im Monat von hysterischen Anfällen beeinträchtigt ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen könnte? Was da nicht alles wegfallen würde - die Ausgaben für Monatshygiene (welch schönes Wort), Geruchsbelästigung durch unverbesserliche Bindenverwenderinnen, Kosten für Installateure (keine verstopften Toiletten an öffentlichen Plätzen mehr) und noch vieles mehr. Besonders dürfte sich der Wegfall der Aufwendungen für Verhütungsmittel in der Kasse bemerkbar machen, was uns wieder ein Stück Konsumfreiheit mehr bescheren würde.
Auf der anderen Seite haben wir doch mit der Anti-Babypille schon den ersten Schritt in diese Richtung getan. Ein sehr interessantes Zitat aus der deutschen Zeitschrift Der Spiegel.

Spiegel: Waren Sie eigentlich überrascht von den sozialen Folgen Ihrer Erfindung?
Djerassi: Das kann man wohl sagen. Ich glaube, dass alle Wissenschaftler sich gewundert haben, dass die Pille von den Frauen so schnell akzeptiert wurde. Für das Machtverhältnis zwischen Mann und Frau ist es aber mindestens genauso wichtig, dass sich die Befruchtung nunmehr vom Bett unters Mikroskop verlagert.
In den 1960ern dachten die Frauen noch, dass die Pille in erster Linie eine Erweiterung der persönlichen Freiheit wäre. Sex zu jeder Zeit und ohne lästige Nebenwirkungen - keine gerümpften Männernasen, weil gerade an "diesem" Wochenende plötzlich die Regel einsetzt, keine unerwünschten Schwangerschaften und mit ein bisschen Fingerspitzengefühl keine Regel im Urlaub (einfach die Pille durchnehmen und schon ist man die Blutung los...).

Aber was ist aus dieser Freiheit geworden? Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Männer wissen um die ständige sexuelle Verfügbarkeit von Frauen und fühlen sich in manchen Talkshows sogar von Pillenverweigerinnen betrogen, da das doch heute Standard wäre. Haben nicht viele Frauen "mein Bauch gehört mir" auf ihrem Banner stehen? Ja, aber damit fällt dann auch das Prinzip der partnerschaftlichen Empfängnisverhütung in vielen Fällen flach. Schwanger wird die Frau! Vielleicht ist der Segen mittlerweile wirklich teilweise zu einem Fluch geworden, oder haben wir Frauen nur nicht gelernt, für uns sinnvoll damit umzugehen (warum nur erinnert mich das an die Atomkraft?!).
Falls doch Kinder gewünscht werden sollten, um die Idealfamilie perfekt zumachen - genetisch kontrolliert natürlich - dann können die Hormone ja abgesetzt werden. Sollte das nicht zum gewünschten Erfolg führen, eine Hormonkur zur Steigerung der Fruchtbarkeit durchführen und schon ist die Gebärmutter wieder einsatzbereit. Sollte das auch nicht ausreichen, dann ist ja die künstliche Befruchtung im Reagenzglas die adäquate Lösung. Auch würde dann die wirklich unangenehme Sache der Alimentation von "Unfallkindern" der Vergangenheit angehören, ebenso wie die Zwangsheiraten aus gesellschaftlichen Gründen, die durch Schwangerschaft induziert wurden.
Natürlich haben die Mediziner, die solche Dinge ausarbeiten nur unser bestes im Sinn - schließlich wollen sie uns nur vor Krankheit und Verschlechterung unserer Gesundheit bewahren!
Es wäre doch einen Gedanken wert, sofort nach der Menarche diese Therapie auf Krankenschein einzusetzen (was vielleicht sogar ungeahnte volkswirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringen würde). What a "Brave New World"!


Trotzdem bleibt eine Frage bei mir offen: Warum ist diese wunderbare Idee keiner unter der Geißel Menstruation leidenden ForscherIn eingefallen??

Siehe dazu auch den kommenden Artikel in der KristallKugel.
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,187515,00.html

Anufa


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