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Die Geschichte, warum Mutter Mond ist wie sie ist

Crysalgira hat wieder einmal eine wunderschöne Geschichte für Kinder und Eltern geschrieben. Vielen Dank fürs Teilen mit dem WurzelWerk!
Welcome to Bell Pine Art Farm.

Zu jener Zeit, als Mondmädchen und Sonnenjunge noch in der Welt lebten, kamen eines Tages Hase, Wolf, Bär, Adler und Pferd zu Bruder Wind, dem ältesten und weisesten der Geschöpfe, um ihm eine Frage zu stellen, die sie sehr beschäftigte. Salamander hatte ursprünglich mitkommen wollen, es sich dann aber doch anders überlegt und war lieber auf seinem warmen weißen Stein liegen geblieben.

Bruder Wind, kannst du bitte ein wenig stillhalten?“ sagte Hase. „Wir möchten dich gerne etwas fragen und du kannst uns bestimmt Antwort geben.“ Bruder Wind war sehr geschmeichelt. Ja, er wusste wirklich viel und lernte auch jeden Tag etwas Neues und er half gerne. Also tanzte er nur noch als kleiner Wirbelwind durch das Gras. „Fragt nur – für euch habe ich immer Zeit“, pfiff er freundlich.

Bruder Wind, dann sag uns doch bitte, warum Mutter Mond so ist wie sie ist! Wir wissen inzwischen, dass die Nacht der Sterne jene Zeit ist, wo sie sich bei Vater Sonne ausruht. Aber warum ist ganz dünn, bevor sie verschwindet? Ist sie da so müde? Und warum kommt sie noch dünner wieder, wenn sie sich doch ausgeruht hat? Warum ändert sie ständig ihre Gestalt? Vater Sonne ist doch auch immer gleich, auch wenn er hinter den Wolken steckt.“

Bruder Wind, dem ältesten und weisesten der Kinder von Mutter Mond und Vater Sonne, fiel etwas unangenehm auf. Er wusste die Antwort nicht! Diese Frage hatte er sich nie gestellt, es war einfach so, seit es ihn gab. Und das war schon sehr lange. Also hatte Bruder Wind jetzt ein Problem. Er konnte doch nicht zugeben, dass er etwas nicht wusste!

Ähhh – also – das ist, weil ….“ Er verstummte und dachte verzweifelt nach. „Da muss ich erst noch darüber nachdenken, wie ich euch das erklären soll. Morgen um die gleiche Zeit treffen wir uns wieder hier und dann sage ich es euch.“ Pfiff's und wirbelte davon, so schnell er konnte. Die Bäume bogen sich auf seinem Weg und knarrten empört.

Also wurde er etwas langsamer und entschuldigte sich bei dem Wald, den er gerade gehörig gerupft hatte. Ungeduldig wartete er, bis es Abend wurde. Kaum erschien der erste schwache Lichtschein von Mutter Mond am Horizont, sauste er zu ihr.

Guten Abend, mein lieber Wind!“ begrüßte Mutter Mond ihn freundlich.

Wind holte erst einmal tief Luft, was in seinem Fall hieß, dass er einen kräftigen Luftstrom erzeugte. „Hallo, Mutter Mond“, flüsterte er dann.

Wind, was ist denn los? Möchtest du es mir nicht erzählen?“

Bruder Wind hatte kein Problem, gegenüber Mutter Mond zuzugeben, dass er etwas nicht wusste. Und ein wenig schämte er sich auch für die Ausrede, die er gegenüber seinen Freunden gebraucht hatte. Also sagte er ihr auch, warum er es nicht wusste, weil er nie darüber nachgedacht hatte.

Ach, Wind, das ist doch nichts Schlimmes, wenn man einmal etwas nicht weiß. Man kann ja immer fragen! Wirklich dumm ist nur der, der nicht nachfragt. Und es ist auch nicht schlimm, dass du über manche Dinge nie nachgedacht hast. Ich weiß, du denkst sehr viel und bist sehr neugierig und willst alles wissen, was es zu wissen gibt – aber manche Dinge sind einfach und bedürfen keiner Erklärung.“

Hast du dafür vielleicht ein Beispiel, damit ich es auch ganz sicher richtig verstehe?“ fragte Wind schüchtern.

Aber ja!“ lächelte Mutter Mond. „Sieh mal, Vater Sonne und ich lieben unsere Geschöpfe. Das ist einfach so und das muss nicht erklärt werden.“

Glücklich schmiegte sich Wind an Mutter Mond. Ja, das war einfach so und es war gut. Nach einer Weile gewann aber doch wieder seine Neugier die Oberhand. „Und meine Frage?“ pfiff er leise.

Das will ich dir gerne erklären und du kannst es dann deinen Freunden sagen, wie du es ihnen versprochen hast.

Meine sich wandelnde Gestalt ist ein Sinnbild der Zeit, ein Sinnbild von Werden, Sein und Vergehen.

Wenn ein Kind geboren wird, wenn ein Pflanzensamen sprießt, dann sind sie klein und zart. Ich werde zwar nicht geboren -“ sie lächelte und Bruder Wind nickte stürmisch, das wusste er, Mutter Mond war ewig, wie die Sterne, „aber wenn ich nach der Nacht der Sterne zurückkehre, dann habe ich mich erneuert, so wie der Frühling nach dem Winter wiedergeboren wird.“

Erneut nickte Bruder Wind, wenn auch ein wenig langsamer. Er begann zu verstehen.

Wenn ein Kind erwachsen genug ist, wenn eine Pflanze die rechte Größe erreicht hat, dass sie selbst Nachkommen haben, dann sorgen sie damit dafür, dass der Kreis des Lebens immer fortbesteht, dann ist meine runde Gestalt ein Sinnbild für diese Zeit, für diesen Kreis des Lebens.“ Mutter Mond lächelte. „Ich glaube, du weißt wie es weiter geht, also sprich – versuch' es!“

Bruder Wind zappelte ganz aufgeregt. „Also, wenn ein Lebewesen dann älter wird, wenn eine Pflanze langsam vergeht, dann werden sie wieder schwächer und irgendwann kehren sie zurück in das Dunkel, wo sie sich ausruhen, bis sie wiedergeboren werden. Habe ich es verstanden?“

Ja“, nickte Mutter Mond. „Und du hast einen Teil ganz alleine herausgefunden, mit ein paar Hinweisen. Glaubst du, dass du nun deinen Freunden ihre Frage beantworten kannst?“

Das kann ich ganz sicher. Ich danke dir, Mutter Mond. Ich glaube, ich werde mich jetzt ein wenig ausruhen.“ Sprach's und rollte sich zusammen.

Als er am nächsten Morgen erwachte, war Mutter Mond natürlich schon weg. Aber trotzdem pfiff er ein lautes „Danke!“, denn er wusste, sie würde ihn hören, wo immer sie auch war. Er schüttelte sich ein bisschen, dass es staubte, und machte sich auf den Weg zu seinen Freunden.

Als er angewirbelt kam, warteten sie schon auf ihn. Dieses Mal war sogar Salamander mitgekommen. „Guten Morgen!“ pfiff er fröhlich. „Ich habe eure Antwort mitgebracht und Mutter Mond selbst hat sie mir gesagt. Naja, einen Teil habe ich selbst herausgefunden ….“

Nachdem er ihnen seine Unterhaltung mit Mutter Mond erzählt hatte, nickten die Freunde verständig. „So betrachtet ist es vollkommen klar. Danke, dass du für uns gefragt hast, Bruder Wind! Wenn wir wieder etwas wissen möchten, dann kommen wir wieder zu dir.“ Mit diesen Worten liefen, hoppelten, krabbelten und flogen sie davon.

Bruder Wind aber hatte noch etwas Wichtiges gelernt. Weisheit bedeutet auch, die richtigen Fragen zu stellen. Mit sich und der Welt wieder zufrieden sauste er davon.


Crysalgira


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