Betreuung gesucht für WurzelWerk's
Rituale für Fünfjährige   Teil II

Dieser Zweiteiler stammt aus der Feder von Niki Whiting, die ihn im Original auf ihrer Webpage, „My Own Ashram“ veröffentlicht hat. Wir freuen uns besonders für unsere Kinderrubrik einen Input direkt aus der Praxis gespendet bekommen zu haben. Wieder einmal hat Anufa für euch übersetzt.
Welcome to Bell Pine Art Farm.

Nachdem wir beide Kinder ins Bett gebracht hatten, weckten wir unseren Sohn auf und sagten ihm, dass er sich wieder anziehen solle. Er hatte bloß zehn Minuten geschlafen, aber er schläft sehr tief und wollte nicht wirklich aufwachen. Wir erzählten ihm von Kuchen, der am Ende des Rituals auf ihn warten würde - das passte!


Das Ritual im Hinterhof

Während ich draußen noch ein paar Sachen herrichtete, musste er Adam helfen in der Feuergrube ein Feuer in Gang zu bringen. Er trug selber das Holz und lernte Zündhölzer anzuzünden. Da war er schon sehr munter und zufrieden. Wir saßen auf dem Boden und machten eine kleine Erdungsmeditation. Ich sagte das "Heilige Mutter" Gebet und bat Ganesha und unsere Ahnen um Führung.
Zu diesem Zeitpunkt saß unser Sohn mit den Händen über den Ohren auf dem Boden. Er mochte all diese Gebete nicht. Ich nahm dann eine, für den Geist besonders nährende Räucherung und er streute den dann ins Feuer, mehr als freiwillig.


Dann verwandelte sich alles in ein grausliches Chaos aus Beschimpfungen, Tränen und Geschrei

Der Hinterhof war finster, außer dem Feuer in der Feuergrube. Unser Sohn rannte durch den Hinterhof, sagte uns, dass unser Feuer ein "Deppenfeuer" wäre, weil es den Platz nicht ausleuchten könnte. Er war zornig und weinte. Adam und ich waren geplättet. Hatte er sich darauf nicht sehr gefreut? Wir mussten unsere drei Aufgaben neu erfinden und das Ritual überdenken.


Bild: Ganesha Murti

Als erste Aufgabe hatten wir angedacht, mit unseren Körpern so etwas wie einen Bauch nachzubilden und ihn hinaus zu schieben. Küchenpsychologen die wir sind, hofften wir damit ihm ein wenige das Gefühl von Abschluss und Stärkung rund um seine Geburtssituation geben zu können. Zu guter Letzt haben wir das nicht gemacht, aber es gab körperliche Auseinandersetzung, weil er auf mich zukam, versuchte, mich aus dem Sessel zu kippen, mich zu schlagen und einen Ziegelstein nach mir zu werfen. Also hielten wir ihn fest und er schrie und stieß uns weg.

Seine nächste Aufgabe war über das Feuer zu springen. Während ich ihn hielt und versuchte ihn dazu zu kriegen mit dem Geschrei aufzuhören (es war zehn Uhr am Abend, mitten unter der Woche und die Nachbarn wollten auch schlafen), fing Adam an übers Feuer zu springen. Das brachte ihm die Aufmerksamkeit unsere Sohnes ein. Dann sagten wir ihm dass seine Aufgabe wäre übers Feuer zu springen. Er glaubte nicht daran, dass er das tun könne. Wir versprachen ihm, ihm zu helfen und erklärten ihm, dass es in Ordnung wäre, sich zu fürchten. Endlich waren wir in der Lage ihn zu überzeugen. Wir hielten seine Hände als wer anfing zu laufen und als er sprang, hoben wir ihn übers Feuer. Das jagte ihm einen ordentlichen Schrecken ein und wer fing wieder an zu weinen.
Da beschlossen wir, nach drinnen zu gehen und die Nachbarn nicht wieder aufzuwecken. Ich trug die Sachen nach unten in Adams Büro und Altarraum. Adam  und unser Kleiner machten das Feuer aus. Als wir dann alle unten waren, setzen wir uns wieder hin um uns zu erden und baten unseren Sohn uns zu erzählen wie sein Leben bis jetzt für ihn gewesen war. Er ist sehr wortgewandt und hat ein unschlagbares Gedächtnis, aber er wollte unsere Hilfe haben. Wir überredeten ihn und er erzählte uns von den Ereignissen in seinem Leben an die er sich erinnerte.

Schlussendlich segnete ich ihn mit Wasser aus dem Krug, in dem ich geweihtes Wasser der Kali aufbewahre. Er wischte sich das sofort wieder ab. Wir sagten ihm dann, dass wir sehr stolz auf ihn währen und dass er nun nicht länger das Baby wäre sondern ein Junge. Wir schenkten ihm seine eigene Statue von Ganesh, mit einem kleinen Räucherstäbchenhalter und Streichhölzern. Er kicherte vor Freude an der Statue, umarmte sie und rief, " Mein ganz eigener Ganesha!" Wir beendeten mit kleinen Kuchen. Verausgabt räumten wir alles auf und machten uns bettfertig.
War das jetzt für ihn ein traumatisches Erlebnis? Ich fragte mich, ob das die Dinge nicht schlimmer gemacht hatte. Was für eine verwirrendes und viel frustriererendes Erlebnis als wir erwartet oder erhofft hatten. Hatten wir das Falsche getan und gedacht, dass das angebracht wäre? Als ich ihn unter die Decke packte, sagte er, dass ich bei ihm schlafen solle und er kein Junge sein, sondern ein Baby bleiben wollte. Dann rollte er sich ein und war eingeschlafen.
Das faszinierende daran war, dass er am nächsten Morgen aufwachte und sofort seiner Schwester erzählte, dass er sein "Fünf Jahre alt Ritual" gehabt hätte. Dann gingen wir alle zusammen aus zum feierlichen Mittagessen. Neben uns saßen zwei Kinder, so ungefähr fünf und sieben Jahre alt. Unser Sohn meinte, dass die vielleicht ihre Rituale auch schon gehabt hätten. Seine Großeltern kamen am Nachmittag unvorbereitet zu Besuch und er erzählte ihnen stolz über sein Ritual.
Später erzählte mir Adam, dass er sich dafür entschuldigt hatte, uns beschimpft zu haben , und dass er sich gefürchtet hätte und deshalb die furchterregenden Dinge einfach beenden hatte wollen (das Ritual). Aber er hätte nicht gewusst wie und deshalb hätte er uns beschimpft.

Schlussendlich war es eine völlig andere Geschichte als Adam oder ich erwartet hatten. Wir haben viel über unseren Sohn gelernt. Wir lernten, dass Rituale mit Kinder niemals so laufen, wie geplant. Aber es erfüllte auch seinen Zweck. Unser Sohn hat das Gefühl etwas wichtiges getan zu haben und er ist stolz auch sich. Das sind wichtige Dinge, die er in sich tragen wird, wenn er in zwei Wochen in den Kindergarten gehen wird.


Niki Whiting


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