Rituale für Fünfjährige   Teil II

Dieser Zweiteiler stammt aus der Feder von Niki Whiting, die ihn im Original auf ihrer Webpage, „My Own Ashram“ veröffentlicht hat. Wir freuen uns besonders für unsere Kinderrubrik einen Input direkt aus der Praxis gespendet bekommen zu haben. Wieder einmal hat Anufa für euch übersetzt.
Welcome to Bell Pine Art Farm.

Letzte Woche hatte mein Sohn sein „5 Jahre alt“ Ritual. Was bedeutet das?


Fangen wir am Anfang an

Mein Sohn wurde zu früh geboren und verbrachte den ersten Monat seines Lebens in der Kinderintensivstation. Das war mit Leichtigkeit der schlimmste Monat meines Lebens. Er wurde gesund und stark geboren, obwohl er sehr, sehr klein war. Trotzdem ist er aufgewachsen und hat die emotionale Stärke sowohl von seiner Mutter als auch seinem Vater geerbt. Obwohl er damit ein fröhlicher, gesunder und mitfühlender kleiner Kerl ist, ist er doch auch kämpferisch, müht sich besonders mit seiner Impulskontrolle ab und möchte die ganze Zeit im Mittelpunkt stehen. (Einiges davon ist ganz typisch für sein Alter, anderes ist sehr klar seine ererbte Persönlichkeit.)

Bild: Niki und ihr 24 Stunden alter
Sohn (mit grad mal 2,5 kg)

Adam und ich haben uns gefragt, ob einiges der emotionalen Intensität unseres Sohnes an diesem Monat auf der Intensivstation liegt. Natürlich haben Kinder keine Erinnerung an solche Dinge, oder? Es wurde für ihn gesorgt, er war relativ gesund und ich war fast die ganze Zeit bei ihm. Vor zwei Jahren wurden unsere Vermutungen dann bestätigt. Eines Tages saßen wir in Wales beim Frühstück um den Tisch. Adam und ich diskutierten unseren Umzug. Unser Sohn war gerade mal dreieinhalb Jahre alt. „Lasst mich nicht allein!“ sagte er. „Natürlich lassen wir Dich nicht allein,“ antworteten wir. „ Lasst mich nicht allein, wie damals im Spital,“ antwortete er. Nun weiß er, dass er einen Monat im Spital verbracht hat, aber wir haben ihm nie Details erzählt. Was er sagte, sprengte meine Vorstellungskraft. „Ihr habt mich im Spital allein gelassen und ich was einsam. Ich wollte diese Kleber abmachen, aber die Ärzte ließen mich nicht.“ Dabei berührte er genau die Stellen an seinem Oberkörper, wo die Kontakte der Monitore befestigt gewesen waren. Tatsächlich hatte er damals wiederholt versucht diese abzureißen. Zwei- oder dreimal war er in den ersten Wochen erfolgreich darin, seine Nahrungssonde heraus zu reißen. Abgesehen davon, dass mir das gezeigt hat, dass sogar Frühchen die Fähigkeit haben Gefühl und Gedächtnis zu entwickeln, bestätigte es mich darin, dass diese sehr frühen Erlebnisse die Intensität seiner Gefühlswelt verschärft haben.


Schneller Vorlauf in diesen Sommer

Auf einem Treffen, das ich diesen Mai in Kanada besucht habe, hatte ich das Vergnügen eine Familie zu treffen, die ihre Kinder in ihrer eigenen Tradition aufgezogen hatte. (Ich denke, das war eine Linie des Wicca). Ihr ältestes Kind, ein Junge, war vor kurzem durch das „Coming of Age“ Ritual gegangen. I fragte sehr viel, hörte die Geschichten, ihre Bedeutungen und war Zeuge, die selbstbeherrscht ihr vierzehnjähriger Sohn war. Ich war sehr berührt. Sie erzählten mir auch, dass sie das über die Jahre alles aufgebaut hätten. Das war nicht vom Himmel gefallen, sondern hatte alles einen Zusammenhang. „Coming of Age“ bedeutete etwas ganz spezielles in ihrer Familie und auch für die Gemeinschaft, mit der sie Rituale feierten.

Mein Mann und ich haben über die Jahre immer wieder über den Mangel an Ritualen in unserer westlichen Welt gesprochen. Wir haben sie zwar, erkennen sie aber natürlich nicht als Rituale an. Adam und mir wäre sehr daran gelegen, für unsere Kinder ein „Coming of Age“ Ritual zu haben, aber der Zusammenhang beginnt lang vor 12 oder 14 oder wann sie eben soweit sind. Deshalb entschieden wir uns mit fünf anzufangen.

Als ich mit meinem Sohn schwanger war, lebten wir in Kalifornien und der Staat hatte damals eine große Werbekampagne für gesunden Kinder; 0 – 5 Jahre war das Alter, das angesprochen wurde. Wie konnten all diese Altersstufen zusammengewürfelt werden? Ich war verwirrt. Wie sollten ein Säugling, ein Zweijähriger und ein Fünfjähriger gemeinsam haben? Jetzt habe ich meine eigenen Kinder und ich sehe, wie sinnvoll diese Gruppierung ist. Erst vor kurzem hat mein Sohn all die Spuren der Kleinkinderzeit hinter sich gelassen. Die Sprünge in der Entwicklung, die emotional, intellektuell und physisch aufgetreten sind, waren innerhalb dieser Jahre enorm und konstant. Mit fünf beginnen die Kinder in den Vereinigten Staaten mit dem Kindergarten. Damit kam mir fünf als das richtige Alter vor, mit diesen Ritualen anzufangen.

Im Laufe des Sommers haben wir öfters über das „Fünf Jahre alt“ Ritual meines Sohnes gesprochen. Er schien aufgeregt zu sein. Er konnte es kaum erwarten! Adam und ich hatten geplant, was wir machen wollten, was für ihn eine Bedeutung haben könnte, etc. Wir wollten ein Überraschungselement haben. Wir wollten einige Aspekte von Ritualen mit einbauen, wie Adam und ich sie selber erfahren hatten. Wir wollten einige unserer Geistverbündeten mit einbringen. Wir wollten einige Aufgaben stellen, die das Ende einer Ära und den Beginn von etwas Neuem markieren sollten und dabei die Stärken unseres Sohne nutzen. Und wir wollten feiern!

Letzte Woche war es dann endlich soweit! Und es war nicht so, wie wir das erwartet hatten …


Ende Teil I


Niki Whiting


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