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Die längste, dunkelste Nacht des Jahres

Diese wunderschöne Geschichte hat Anufa per Mail von einer guten Freundin bekommen, die sie im englischen Original auf einer Mailingliste entdeckt hatte. Leider war nicht zu eruieren, von wem dieses Yulemärchen stammt - aber falls vielleicht jemand von euch einen Hinweis für uns hat, melden wir uns natürlich sehr gerne beim ursprünglichen Autor!
Welcome to Bell Pine Art Farm.

Viele Eltern, die selber "alternativ religiös" sind, machen sich Gedanken, was sie ihren Kindern zu den Feiertagen anstatt der christlichen Weihnachtsgeschichte erzählen sollen.


Die längste, dunkelste Nacht des Jahres

Vor langer, langer Zeit lebte einmal eine wunderschöne junge Frau auf einer blaugrünen Insel. Sie hatte dort viele Freunde, Feen, Bäume, Blumen, Hasen, Rehe und Vögel … aber sie war das einzige menschliche Wesen, das dort wohnte. So gerne wollte sie ihre Freunde und ihre Geheimnisse mit anderen Menschen, wie sie selber einer war, teilen – deshalb begann sie zu gebären. Jeden Monate, sobald der Mond sich versteckte, gebar sie. Die ersten sechs Monde des Jahres gebar sie Töchter mit dunkler Haut und dunklen Augen. Die letzten sechs Monde des Jahres gebar sie Töchter mit heller Haut. Am dreizehnten Mond jedes Jahres gebar die erste Mutter die magische, heilige Eiche.

Die Jahre gingen ins Land und es wurden viele, viele Töchter geboren, natürlich auch etliche Eichen. Die Töchter spielten miteinander und mit den Tieren, sie kletterten durch die Zweige der Eichen und sammelten Blumen mit den Feen. Eines Tages gebar die erste Tochter der Ersten Mutter selbst. Die erste Mutter war sehr stolz und glücklich. Ihr bester Freund, Eiche (die sehr weise war) setzte ihr eine silberne Krone auf den Kopf und erzählte ihr, dass sie nun Großmutter wäre. Bald schon gebaren viele Töchter und die Insel wurde dadurch ein noch glücklicherer Platz, voll mit Babies, großen Mädchen und Müttern, die alle zusammen mit den Tieren, Bäumen und Feen spielten.

In einer Winternacht, als sich der Mond wieder versteckte, gebar eine der Töchter ein Kind, das sich von allem unterschied, was sie bisher gekannt hatten. Es war keine Tochter! Es war nicht einmal eine Eiche. Es war ein kleiner Junge! Es war eine sehr dunkle und sehr kalte Nacht, die längste Nacht des ganzen Jahres, und deshalb kuschelten sich die ganzen Töchter und Tiere zusammen um sich gegenseitig gemütlich warm zu halten. Nachdem ihre Aufregung darüber, dass ein völlig neues Kind geboren worden war, vorüber war, fiel den Töchtern und Tieren auf, dass es dem kleinen Jungen nicht gut ging. Er war nicht so stark und auch nicht so warm wie die Kinder und Bäume, die üblicherweise auf der Insel geboren wurden. Sie machten sich alle Sorgen um das neue Kind und bemühten sich es warm zu halten. Die Tiere mit dem dicksten Fell drückten sich nahe an die Mutter und das Kind, die Feen streuten Zauberstaub über ihn und die kleinen Mädchen sangen wundervolle Lieder und tanzten rund um den ganzen Raum.

Aber der kleine Junge wurde einfach nicht warm genug und bald war er zu kalt und sogar zu müde um zu weinen oder die heilsame Milch seiner Mutter zu trinken. Die Großmutter fürchtete sehr um den kleinen Jungen. Sie versuchte ihre Tränen vor ihren Töchtern zu verstecken und lief hinaus in den Wald. Der Schnee lag sehr tief und glitzerte weiß. Sie versuchte zu gehen, aber er lag einfach zu tief. Deshalb trug sie ihre Freundin, die Eule, weit über den schneegefüllten Wolken tief in den magischen Wald, wo ihr erstgeborener, heiligster und sehr weiser Freund, die Eiche, wohnte. Die erste Großmutter wollte ihren Freund um Rat wegen des kleinen Jungen bitten. Sobald die Eule die Lichtung erreicht hatte, auf der die heilige erste Eiche lebte, keuchte die Großmutter! Dort lag kein Schnee auf der Erde und in der Mitte eines perfekten Kreises lag ihr Freund, die Eiche. Der Baum war umgefallen und in einen Haufen Stammstücke und Äste zerbrochen. Sie beeilte sich und kniete neben dem zerbrochenen Baum. Ihre Tränen verwandelten sich auf ihren Wangen in funkelnde Eiszapfen.

Während sie versuchte zu verstehen, was ihrem lieben Freund geschehen war, betrat ein Kojote den Kreis und tauchte neben ihr auf. Zuerst küsste der Kojote ihre Tränen weg und flüsterte dann ein Geheimnis ins Ohr der Großmutter. Die Großmutter nickte und sammelte mit Hilfe des Kojoten und der Eule einige Äste von ihrem ältesten Freund, der Eiche, ein und sie kehrten zu ihrer Tochter und dem kleinen Jungen zurück.
sie verwendeten die Geschenke der Eiche und das Geheimnis des Kojoten und damit entfachte die Großmutter das erste Feuer, das niemand auf der Insel zuvor gesehen hatte. Die Feen waren erschrocken. Sie hatten noch nie etwas ohne Flügel so tanzen sehen. Die Tiere lachten. Sie hatten noch nie so helle Farben gesehen, außer bei den Frühlingsblumen. Die Töchter wussten nicht, was sie tun sollten. Sie hatten noch nie etwas so Warmes gefühlt, wie der Sommersand am Strand und das mitten im Winter.

Die Mutter brachte den kleinen Jungen nahe ans Feuer heran, näher als jeden anderen (sie fürchteten sich noch immer ein wenig vor diesem neuen Ding, das sich Feuer nannte). Der kleine Junge öffnete seine Augen ein klein Wenig und begann seine Finger zu bewegen. Dann lächelte er und bewegte auch seine Zehen. Dann war er warm genug, kuschelte sich an seine Mutter und trank Milch von seiner Mutter. Bald waren sich alle sicher, dass es dem Kleinen gut gehen würde. Alle waren so froh, dass sie rund ums Feuer tanzten, ihre Lieblingslieder sangen und dem Feuer kleine Geschenke gaben.

Der kleine Junge wuchs und wurde, wegen des Geschenks der Eiche, stark und glücklich. Er hatte selber viele Söhne und brachte ihnen allen bei, am dreizehnten Vollmond des Jahres, Eicheln zu pflanzen, damit auf der Insel immer viele, viele Eichenbäume wachsen sollten. Jeden Winter, in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres, entfachten die Menschen auf der blaugrünen Insel, ein ganz besonderes Feuer. Sie brachten einen ganz speziellen Baum in die Häuser, schmückten ihn mit leuchtenden Verzierungen und glitzerndem Feenstaub. Sie suchten einen ganz besonderen Ast oder Stamm aus und sangen ihre Lieblingslieder während sie ihn schmückten. Dann stellten sie diesen wunderschönen Stamm als Geschenk in den Mittelpunkt und alle Kinder hörten die Geschichte des Geschenks der ersten Eiche.

Wann immer ihr in der längsten Nacht des Jahres eine Kerze anzündet oder ein Feuer entfacht, erinnert euch an die Geschichte der ersten Großmutter und den Kojoten, der ihr ein Geheimnis verriet. Ganz egal wie kalt und dunkel es scheint, die Sonne wird immer wiedergeboren werden und uns wieder Licht und Wärme bringen.


Übersetzt von Anufa


Verf. unbek.


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