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Der Kindergartengott und Ideen des Polytheismus

Neulich vor unserem Morgengebet meinte Kilian, er wolle diesmal zwei Gebete sprechen, eines an Helios und eines an den Kindergartengott. So stand er da, machte einmal eine Art Kreuzzeichen und faltete die Hände und breitete danach die Arme weit aus um Helios zu grüßen.
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Für ihn ist das kein Problem. Nachher meinte er auch ganz zufrieden, dass der Kindergartengott ihn bestimmt gehört hat, denn er wohnt ja nicht weit weg.


Der Kindergartengott, wie Kilian ihn nennt

Das ist jener Gott, der ihm im katholischen Kindergarten täglich beim Tischgebet und auch zu anderen Anlässen begegnet. Wie er uns bislang erklären konnte, ist es ein Gottvater, der einen Sohn hat und einen heiligen Geist(es-Amen). Seinen Vermutungen nach spielt das Jesuskind auch eine Rolle, und wird irgendwann ans Kreuz genagelt. Man kann nicht behaupten, dass ihm im Kindergarten religiöse Inhalte näher erklärt werden würden, da geht es eher um die Sachen „die man so macht“, wie das bereits genannte Kreuzzeichen, das Tischgebet generell aber u.a. auch das Fasten. Aber auch hier gibt es keine genauen Anleitungen, er beobachtet halt, ahmt nach und macht dadurch mit, im Wesentlichen nicht viel anders als zuhause. Wir versuchen zwar so viele Dinge wie möglich für ihn verständlich zu erklären und ihn dazu zu ermutigen auch mal nachzufragen, warum man dieses oder jenes macht, aber es ist fraglich, wie viel er davon wirklich verarbeitet.

Eines scheint für unseren Sohn jedenfalls völlig normal: dass jeder unterschiedliche Götter hat oder haben kann, zu denen er betet, und dass die Handlungen durch die wir mit diesen Göttern in Kontakt treten ebenso unterschiedlich sind. Einmal die Hände zu falten, ein anderes Mal die Arme in die Luft zu heben oder ein Trankopfer zu machen, ist für ihn normal und gehört jeweils zum Gebet zur jeweils angesprochenen Gottheit, wie auch die Abläufe und Regeln beim Mittagessen sich unterscheiden je nachdem ob er zuhause, bei seiner Oma oder im Kindergarten isst. Letztendlich ist es aber immer das Selbe, es gehört zusammen… einmal ist es das Essen und das andere Mal ist es das Beten. Es gibt keine einzigwahre Form zu beten, aber es gibt verschiedene Varianten je nachdem zu welchem Gott gebetet wird. Keine davon schließt die andere aus und ich denke, hier berühren wir ganz stark den praktizierten Polytheismus der Antike.


Polytheismus, wie er gewesen sein könnte

Das große Heiligtum des Gottes XY liegt einen Tagesmarsch entfernt und das schönste Schaf kommt auch gleich mit, zumindest auf dem Hinweg. Die Göttin Soundso hingegen bevorzugt blutlose Opfergaben, besteht aber auf ausführliche Reinigungsrituale bevor wir ihr diese darbringen dürfen. Und wer dem Gott Irgendwer opfern möchte, muss schon das große Fest abwarten, welches alle drei Jahre in seinem Heiligtum stattfindet. Beim Fest der einen Göttin sollte man sich auch blicken lassen, selbst wenn man nicht viel mit ihr anzufangen weiß und zuhause eher zur Göttin Z betet. Das berühmte Orakel hingegen befragt man nur zu den wirklich wichtigen Dingen, schließlich muss man ordentlich Geld und Zeit aufwenden, bevor man seinen Spruch erhält.

Ich halte es für wichtig zu betonen, dass die hellenische Religion mehr die Verbindung einzelner, teilweise völlig unterschiedlicher Kulte darstellt als ein einheitliches Glaubensgebäude, wie wir es vielleicht aus unserer christlichen Vergangenheit gewohnt sind. Sie ist einst historisch zusammengewachsen. Bunt, vielfältig und dennoch ein Ganzes, wie dies überhaupt auch für Griechenland selbst gilt. Ich denke hierin liegt auch die besondere Kraft und Ausstrahlung des Hellenismos, die mir wertvoll und erhaltenswert erscheint.

Allzu starre Liturgien welche kaum verändert für alle Festanlässe eingesetzt werden, und sich schließlich nur durch den Austausch der Götternamen unterscheiden, ansonsten aber gleich bleiben, oder gar Feste, die zu „All-Götter-Feiern“ verkommen, würden den Hellenismos eines wesentlichen Merkmals berauben. Freilich gibt es  einzelne Elemente, die einem immer wieder begegnen werden. So wird es wohl kaum ein Fest geben, bei dem nicht geopfert wird, ob es sich aber um Trankopfer, Speisenopfer oder etwas anderes handelt und wie dieses ausgeführt wird, kann sich durchaus unterscheiden.


Ich tue wo will?

Ich bitte allerdings darum das nicht als „Ich tu, wie’s mir gefällt“-Freibrief auszulegen. Es geht nicht um Beliebigkeit oder zügellosen Synkretismus, sondern um den Erhalt des Wesenkerns der ein Fest oder einen Einzelkult ausmacht. Was ist den Thargelia eigen und inwiefern unterscheiden sie sich z.B. von den Anthesteria? Auf welche Weise ehren wir Zeus und wie werden wir Athene gerecht?

Hat man zu diesem Kern gefunden, so sollte man ihn auch bewahren und pflegen, damit die Thargelia die Thargelia, die Anthesteria die Anthesteria und der Zeuskult der Zeuskult bleibt, auf ihre jeweils individuell unterschiedliche Weise im Rahmen des hellenischen Glaubens, so wie es uns unser Sohn vorlebt, der mit dem Kreuzzeichen in Kontakt mit dem Kindergartengott tritt, Helios mit einem Handkuss grüßt und mit erhobenen Armen zu unseren Göttern betet.


Sassa


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