Pferdekrähe möchte ihr Kind heidnisch erziehen   Teil II

Das Babyblessing

Welcome to Bell Pine Art Farm.

Für mich war schon während der Schwangerschaft ganz klar, dass unser Kind nicht getauft werden wird und dass es auch keinen Religionsunterricht besuchen wird… es sei denn, die Schule hat bis dahin auch ein naturreligiöses Unterrichtsfach. Dies musste ich nun nur noch mit dem Papa aushandeln und der Verwandschaft beibringen. Das mit dem Papa war zu bewältigen, die Verwandschaft wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und musste dies wohl so hinnehmen.

Ich war mir zu Beginn nicht ganz sicher wie denn nun meine „heidnische Taufe“ aussehen sollte…würde ich alleine mit meinem Kind in den Wald gehen, ein kleines Ritual machen und den Göttern meinen Sohn vorstellen… würde ich ein paar Freunde mitnehmen? Da ich aber immer wieder, von Seiten der Verwandschaft, zu hören bekam, was ich dem Kind nicht alles wegnehme und vorenthalte, wenn ich es nicht Taufen und christlich aufwachsen lasse, keimte in mir schon bald die Idee: Emilian sollte eine „heidnische Taufe“ haben mit allem drum und dran… so schön und opulent wie es kein Christenkind hatte… Es sollte eine richtig schöne Willkommensfeier werden mit einem schönen Ritual…
Nur wer sollte dies machen? Es müsste Hand und Fuß haben und sollte auch was hermachen, schließlich galt es meine Verwandschaft zu überzeugen. Und die Person musste vor allem mir liegen, schließlich würde ich ihr gewisser Maßen mein Kind in die Hände legen…und da bin ich sehr eigen.

Oje, dies schien sehr schwierig zu werden…aber nein! Es war ja ganz einfach! Es durchfuhr mich förmlich: Anufa Ellhorn! Seit ich Anufa auf einem  Merry Meet Festival das erste Mal getroffen habe, war ich total hingerissen und überzeugt von ihr… Ja, Anufa würde die richtige sein und ihr würde ich mein Kind auch anvertrauen. Ich schrieb ihr eine Email und sie sagte mir auch sofort zu, allerdings hatte sie einen vollen Terminkalender und so zog sich der Termin ein halbes Jahr bis in den September. Am 22.September sollte das Babyblessing stattfinden und dieser Termin sollte sich im Nachhinein als perfekt rausstellen, denn das war das letzte schöne Wochenende in diesem Jahr. Danach wurde es kalt und neblig.

Die Vorbereitungen liefen auf vollen Touren. Es würde im Freien stattfinden, in unserem Garten, der groß genug war. Ich plante einen Sektempfang zur Begrüßung. Wenn alle da wären, sollte es mit dem Ritual von Anufa beginnen, danach plante ich Kaffee und Kuchen mit einem großen Kuchenbuffet. Am Abend sollte der Partyservice kommen und es würde ein Barbecue geben. Es gingen die Einladungen raus und 40 Personen meldeten ihr Kommen an, Freunde, Arbeitskollegen und die engste Verwandschaft. Sogar die achtzigjährige Uroma aus dem Schwarzwald wurde eingefahren.

Anufa wollte am Tag vorher anreisen. Ich, meine kleine Familie und die selbst gemachten Kässpätzle warteten gespannt auf ihr Ankommen. Leider kam Anufa in mehrere Staus und die Reise zog sich dahin, Stunde und Stunde. Wir telefonierten ein paar Mal. Sie hatte echt die Ruhe weg und ertrug ihr Schicksal tapfer. Ich war total besorgt und nervös und hoffte, dass alles gut ging und sie heil ankam. Das tat sie dann auch endlich um 21 Uhr 30. Den Göttern sei Dank!

Am nächsten Morgen war ich schon um sechs Uhr unterwegs um Blumen, Kastanien und Efeu für den Altar und zur Deko für die Tische zu besorgen… der Tag schien wunderschön zu werden, das Wetter versprach sich von seiner besten Seite zu zeigen. Die restlichen Vorbereitungen liefen problemlos. Anufa und ich richteten den Altar her, mein Freund und seine Kumpel bauten die Tische und Bänke im Garten auf und die Nachbarschaft half mit Sonnenschirmen aus. Von der Schwiegermama hatte ich unzählige weiße Tischdecken.

Genau 15 Minuten bevor die Gäste eintrafen, fing mein damals acht Monate alter Sohn an zu schreien und ließ sich nicht mehr beruhigen. Wahrscheinlich war ihm der ganze Trubel und die gestresste Mama einfach zu viel. Zu allem Überfluss konnte mein Freund die von mir georderten und in solchen Fällen sonst immer hilfreichen Chamomilla Kügelchen im ganzen Haus nicht finden. Ich fing an hysterisch zu werden, hörte ich doch wie die ersten Gäste eintrafen und stand oben im Schlafzimmer mit dem plärrenden Kind im Arm. Anufa kam zur Hilfe, beruhigte Mutter und Kind und so konnten wir nach unten gehen und die Gäste begrüßen. Nach dem Sektempfang im Hausgang ging es raus in den Garten.

Anufa erklärte kurz den Ablauf und dann starteten wir damit, dass sich alle im Kreis aufstellen und sich an den Händen fassen sollten *breit grins*. Ich beobachtete gespannt meinen, in diesen Dingen doch eher konservativen Vater, der anstandslos die Hände von seinem Gegenüber nahm (!?!) und auch alle anderen machten mit. Da standen meine Gäste, sich an den Händen haltend in einem großen Kreis. Das sah sehr schön aus und ich freute mich. Junge Mütter sind ja so leicht gerührt.
Nur mein Onkel Klaus ließ nicht mit sich diskutieren. (Er ist bei der Presse und ich bat ihn Fotos zu machen, was er auch sehr pflichtbewusst tat.) Anufa fing an die Gäste zu begrüßen und hieß Emilian in unserer Gemeinschaft willkommen und bat die Anwesenden nicht nur an dem Tag sondern auch in Zukunft für Emilian da zu sein.
Sie segnete den Tontopf für Emilian, den ich extra in einer Töpferei anfertigen hatte lassen und füllte ihn mit der Energie des Kreises, die Emilian in Zeiten der Not für sich da wieder rausholen kann. Der materielle Inhalt des Topfes dient ihm als Verbindungsleine zu all denen, die persönliche Dinge mit beigesteuert haben. Auch hatte er eine eigene, rote „Taufkerze“ mit einem goldenen Pentagramm, seinem Namen und mit dem Datum vom Babyblessing darauf. Ich packte mein Baby ins Tragetuch, hatte den Tontopf in den Händen, die eine der zwei Patinnen hatte das Horn mit dem Met, der Papa hatte den Kuchen und wir gingen im Kreis reihum, damit jeder seine Wünsche für unseren Sohn in den Topf sprechen konnte. Danach durfte jeder aus dem Horn Met trinken und ein Stück vom Kuchen essen. Dies alles dauerte ein Weilchen, denn wirklich jeder wollte seine Wünsche in den Topf sprechen. Es wurde viel Gesundheit gewünscht, Improvisationstalent, Glück, und Liebe. Ein Freund wünschte unserem Sohn viele, schöne Frauen, wenn’s soweit ist und mein Vater und Opa von Emilian wünschte seinem Enkel, dass er so alt wie sein Vater, nämlich 94 Jahre alt werden wird. Ich war gerührt von den vielen, schönen und ehrlichen Wünschen der Angehörigen.

Anschließend machte Anufa unseren Sohn mit den Elementen bekannt. Die zwei Patinnen von Emilian, Mama und Papa gaben jeweils Haare von sich mit ihren Wünschen in den Topf. Die beiden Patinnen wurden schon Wochen vorher mit dieser Aufgabenstellung vertraut gemacht, was die eine, die sehr frisurbewusst war,  veranlasste sämtliche Haare aus dem Waschbecken zu sammeln und die andere, die sowieso eher weniger Haare hatte sammelte aus ihrer Haarbürste. Ich schnitt mir und meinen Freund großzügig eine Haarsträhne ab und gab sie in den Topf. Mama und Papa sollten zu ihren Wünschen für das Kind auch noch etwas Persönliches in den Topf mit rein legten. Und so opferte mein Freund sein Lieblingsfeuerzeug vom Zippo und ich das Messingpendel, das ich von meinem Opa vererbt bekommen habe.
Emilian scheint das ganze Ritual, ganz im Gegenteil zu den Vorbereitungen, sehr genossen zu haben. Es war keinerlei Gequängel von seiner Seite her zu hören und wie die Fotos zeigen war er mit voller Aufmerksamkeit bei der Sache.

Leider ist dieses Babyblessing schon fast zwei Jahre her und vieles hab ich jetzt sicher vergessen niederzuschreiben, aber Dank meines Onkels hab ich ein schönes Fotoalbum mit vielen Fotos von diesem Tag. Noch am selben Tag und Tage später bekam ich durchweg positive Rückmeldungen zu diesem Blessing. Es waren alle begeistert und nur die Uroma fragte wann denn nun getauft würde!
Das nächste Event, bei dem die Verwandschaft sagen wird, dass doch unserem Kind was fehlt, wird sein, wenn die Klassenkameraden von Emilian zur katholischen Kommunion gehen. Da werden wir dann wahrscheinlich mit ihm ins Disneyland nach Florida reisen.


Pferdekrähe


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