Betreuung gesucht für WurzelWerk's
Heidnische Kindererziehung
Morgane hat am MerryMeet Festival 2005 eine sehr gut besuchten Workshop abgehalten. Hier hat sie uns noch zusätzlich die Zusammenfassung als Artikel verpackt.
Welcome to Bell Pine Art Farm.

Der Grund für diesen Workshop war, Eltern und Interessierte in ihren Bemühungen um eine adäquate weltanschauliche Erziehung den Rücken zu stärken. Meine Intentionen dazu waren:

1) bestimmte Gemeinsamkeiten ethisch – spiritueller Natur als erzieherische Leitlinien heraus zu arbeiten, sozusagen die Essenz des Heidentums und
2) das Erarbeiten einer praktikablen Grundstruktur, in die sich je nach religiöser Richtung dann variable Elemente einbauen lassen ( Feste, Rituale, Lieder etc.).

Das soll ein laufender Prozess sein und kann dann bei Interesse von eurer Seite eventuell im Forum „Sternenkind – Erdenkind“ aktualisiert werden.

Grundsätzlich kann man neuheidnische Eltern als Pioniere bezeichnen, da es ja, ganz im Gegensatz zu etablierten Kirchen keinerlei Traditionen gibt (soweit mir bekannt ist). Wir und unsere Kinder werden es deshalb nicht leicht haben, weil als Religion bei uns nur das Christentum oder bestenfalls die Großreligionen gelten. Es heißt also, gegen den Strom zu schwimmen. Dazu bedarf es aber vor allem anderen einmal die Verankerung in der eigenen Überzeugung. Unsere Zeit fördert den Individualismus. Wir müssen nicht, wie die Menschen früherer Zeiten, einem vorgezeichneten Weg in einem Stammes – oder Sippenverband oder einer sozialen Klasse folgen und können auch unseren religiösen Weg frei wählen. Am anderen Ende des Spektrums aber steht Vereinzelung und eine gewisse Beliebigkeit. Kinder aber verinnerlichen Wissen und Werte nur über befriedigende, emotionale Bindungen an verlässliche Erwachsene. Das Tun und Erleben im Kreis einer Familie kann niemals durch noch so gute Institutionen ersetzt werden. Der Leitsatz über allem aber heißt:



Authentizität! Kinder übernehmen nur, was echt ist an unseren Werten!
In der Erziehung, heidnisch, christlich oder sonst irgendwie, geht es immer um die Weitergabe von Werten. Wir können aber nur weiter geben, was wir wirklich glauben. Selbstklärung tut also Not, genau so wie Selbsterziehung.
Beispiel : Respekt für Mitlebewesen. Wie sieht es damit bei uns selbst aus? Wie gehen wir selbst mit unserer Umwelt um? Genügt es, am Sonntag einen Baum zu umarmen, wenn wir am Montag nicht unser Konsumverhalten so gestalten, dass Bäume generell eine Überlebenschance haben?

Wir müssen uns auch fragen, wie es grundsätzlich um unser Heidentum bestellt ist. Ist es für uns ein Weg, sich wirkungsvoll vom Durchschnitt abzusetzen, oder sehen wir in unserer Religion eine gewisse Relevanz für die Gestaltung der heutigen Welt?

Frage: Was ist also Religion überhaupt, oder was kann sie sein?
Mögliche Antwort: der Glaube an die Sinnhaftigkeit des Kosmos und an unsere verantwortungsvolle Teilhabe daran.

Genau das ist es, was es den Kindern zu vermitteln gilt. Alles Andere, wie Gottesbilder, Rituale usw. fällt in den Bereich Religionsausübung und Kult, ist auch wichtig aber nicht das größte gemeinsame Vielfache. Alle Konfessionen sprechen metaphorisch in verschiedenen Bildern vom gleichen Inhalt. Das ist aber kein Grund für Beliebigkeit. Gott muss ein Gesicht und einen Namen haben, und das ist auch eine Metapher, natürlich.
Worin unterscheidet sich nun aber das Heidentum vom Christentum? Zentral einmal durch die Auffassung, dass der Mensch nicht das Gegenüber zur Natur ist, sondern ihr Bestandteil, die Natur (des Menschen) nicht etwas zu Überwindendes sondern grundsätzlich gesegnet.
Das Heidentum kennt keine alleinige, allein selig machende Wahrheit und anerkennt alle anderen Religionen als grundsätzlich gleichwertig an. Es gibt hier viele Wege, und „alle Götter sind ein Gott“. Alles ist beseelt und geistig, und alles ist mit allem verbunden. Dieser neue (alte Geist) ist es, der über sämtliche „Ismen“ und geschlossenen Systeme hinaus weist, und den wir unseren Kindern vermitteln wollen.


Ferner: der Mythos
Unserer Lebenswelt ist der Mythos abhanden gekommen. Für den Einzelnen und die Gesellschaft ist es aber wichtig, das Leben im Kontext größerer Zusammenhänge und eines letzten Sinnes zu sehen und das Leben eingebunden in den Kreis von Tod und Wiedergeburt zu erleben.
Wichtig sind z.B. Initiationen als Übergang von einer Lebensphase in die andere, vom Kleinkind zum Schulkind, vom Kind zum Pubertierenden, vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Bei Naturvölkern werden sie häufig sehr drastisch vollzogen. Die Kirchen kennen und praktizieren Initiationsrituale seit jeher (Erstkommunion, Firmung). Fehlende Initiationsriten in unserer Gesellschaft führen u. a. auch zu Erscheinungen wie gefährlichen Mutbeweisen bei Jugendlichen.
Beispiele für individuelle Inis: das Vergraben einer Locke, eines Milchzahnes, eines abgelegten Spielzeuges, erster selbständiger Einkauf, Menstruationsfeier bei Mädchen, Frauentanz, neue Kleider, Outdoorunternehmung mit dem Vater bei Jungen, div. (beaufsichtigte) Mutproben, Survivaltraining…


Traditionen bilden
Da es im eigenen Elternhaus hier kaum Vorbilder gibt, müssen wir selbst tätig werden: immer wieder zu bestimmten Zeitpunkten geübte Handlungen sind Rituale. Sie geben den Kindern das Gefühl für Zyklen und Zeitabläufe.
Identifikation mit Tieren und Pflanzen als fühlende Wesen fördern. Hier können Märchen und Geschichten hilfreich sein.
Naturerfahrung: das Heidentum ist eine Naturreligion! Geben wir den Kindern genug Gelegenheit zum Spielen mit Naturmaterialen, Wasser, Gatsch usw. Kleine Rituale, wie z.B. einen Baum begrüßen, kleine „Opfergaben“ in die Zweige hängen oder in Gewässer, „Feenspeisen“ zurück lassen, Tanzen und Singen auf bes. Plätzen und diesen Ort immer wieder aufsuchen, ihn pflegen usw. festigen die Verbindung zur Natur.
Eigenen heiligen Platz in Haus oder Garten gestalten, schmücken, auch zu den Jahresfesten. Dies ist der Ort für kleine Gebete und Meditationen. Hier kann der Muttergöttin/dem Vatergott alles anvertraut werden und eine intime Beziehung zum Numinosen aufgebaut werden. Gerade die Vorstellung einer Muttergöttin ist Kindern sicherlich nahe, weil sie die Mutter ja als zentrale Figur ihres Lebens erleben.
Magie entspricht dem kindlichen Erleben und kann Kindern gut vermittelt werden. Die Kraft des Wünschens und wie man Wünsche wahr macht wird von jüngeren Kindern ohnehin genützt, weil sie in einem magischen Bewusstsein leben.
Jahresfeste waren ursprünglich heidnisch und wurden später christlich überformt. Diese ursprüngliche Bedeutung kann mit schon bekannten Symbolen deshalb gut verbunden werden. Beispiel: Osterei, Weihnachtsbaum, Maibräuche, Halloween… Dramatisierungen, Verkleidung, Lieder, Tänze sind hier gefragt.


Bitte
Bitte, wenn ihr welche kennt, lasst uns brauchbare Lieder, Festvorschläge, Geschichten, Initiationsfeiern usw. für ein künftiges Kompendium zukommen!


Morgane


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