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Die Welt der Märchen   Teil III
Die Welt der Märchen hat die Menschen schon immer verzaubert, denn sie sprechen unser Innerstes an, die bildhafte und symbolträchtige Sprache lässt kaum jemanden unberührt. Märchen sind ein Kulturgut, das sich in vielen Völkern, Kulturen und Regionen der Erde findet. Pierre Grimal´s dreibändiges Werk „Mythen der Völker“ begleitet mich seit meiner Jugend und fasziniert mich immer wieder. Aus diesem Grund habe ich mich in Form einer Fachbereichsarbeit für ein Diplostudium verstärkt dem Thema „Märchen“ gewidmet.

Welcome to Bell Pine Art Farm.

Erzählen und Zuhören – das Pflegen einer alten Tradition
Der Beruf des Märchenerzählers erlebt in unserem Jahrhundert eine Renaissance, so wird in Niederösterreich sogar im Rahmen des Projektes „Natur im Garten“ ein Märchenerzählerteam für die Schulen gesponsert (Merlin und Morgane). Diese Aktion, initiiert von Hr. Landesrat Sobotka, läuft heuer bereits das 4. Jahr und wurde nun auch von Kindergärten auf Volksschulen ausgeweitet.
Originalzitat von Merlin aus einem Post im Forum an mich, als ich ihm die Frage stellte, warum in seinen Augen das Erzählen von Märchen wichtig sei:

„Märchen sind Nahrung für die Seele. Warum selber erzählen? Und womöglich auch selbst erfinden? Weil erstens der Kontakt zwischen dem Erzähler und Kind intensiver wird. Weil viele "alte" Märchen den erhobenen Zeigefinger dabei haben und weil Märchen erfinden die eigene Kreativität anregt.“

Aber auch die Kinder selbst sind begnadete „Gschichtldrucker – Märchenerzähler“, wenn man sie nur lässt.
Erzählen und Zuhören fördern, heißt:

  • Die Sprach-, Sprech- und Lesekompetenz und den Hörhorizont erweitern.
  • Den Aufbau von nachhaltigem Wissen in allen Lebensbereichen unterstützen.
  • Soziales Verhalten und kommunikative Kompetenz fördern.
  • Konzentrationsfähigkeit, Fantasie und Kreativität anregen.
  • Werte vermitteln und zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen.
  • Gewalt vorbeugen, Unsicherheiten und Ängste verarbeiten.
  • Zur Verständigung zwischen den Generationen und den Kulturen beitragen.

Wer erzählt, gibt etwas von sich preis; wer zuhört, erfährt etwas über andere, über die Welt, aber auch über sich. Geschichten aus aller Welt öffnen Wege zu eigenen und fremden Kulturen und fördern Verständnis, interkulturelle Akzeptanz und Toleranz. Ein Zuhören, das sich am Verstehen und der Verständigung orientiert, trägt dazu bei, dass Kommunikation gelingt.
Besonders schön finde ich die Tradition des Sprechstabes, die ich von meiner Freundin Jessica gelernt habe. Angeblich stammt sie aus dem indianischen Kulturkreis, Beweise habe ich dafür noch nicht bekommen. Der Sprechstab ist ein einfacher Stab, der dem, der ihn in der Hand hält Redezeit gibt, das heißt, man darf nur sprechen, wenn man den Stab in der Hand hat. Natürlich kann man statt des Stabes auch einen Stein nehmen, der Fantasie sind auch hier keine Grenzen gesetzt.


Zuhören
Zuhören bedeutet, aus einem inneren Schweigen heraus etwas auf sich wirken zu lassen.
Es ist besonders wichtig, dass das Erzählen lebendig gestaltet wird, wie durch verschiedene Tonhöhen und Tonlagen für die einzelnen Charaktere. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass der Einsatz von Handpuppen von der eigenen Person ablenkt und die Kinder sich damit noch mehr in das Märchen hinein leben können.
Kindern fällt es oft sehr schwer sich bei Fantasiereisen oder einfach Zuhören zu konzentrieren. Es hilft ihnen, wenn man ihnen einen Fixpunkt in der Mitte anbietet.
Beruflich, aber auch privat gestalte ich den Mittelpunkt sehr gerne auf das Thema bezogen und mit den Kindern gemeinsam. Jeder hat seine eigene Vorstellung, wie denn dieser Mittelpunkt ideal aussehen muss oder was besonders wichtig ist.

Hier einige Tipps von mir:

  • Besonders gut eignet sich ein Sitzkreis, es ist aber auch bequemes Lümmeln am Platz in Ordnung.
  • Versucht für die Mitte ein einzelnes, zentrales Objekt zu finden, dass zum Thema passt oder eine besonders angenehmes Gefühl vermittelt; bei dem Zaubermärchen “Sternenbäume“ könnte das eine Schale mit Äpfeln oder Bilder von Apfelbäumen sein.
  • Unruhigen Kindern hilft es auch, wenn man ihnen etwas zum Spielen in die Hand gibt – ein Lieblingsstofftier, einen Stein… Besonders ideal ist es, wenn der Gegenstand in direktem Bezug zur Mitte steht!


Märchenerfinder

Bei diesem Spiel geht es darum, dass die Kinder eigene Märchen mündlich neu erfinden, es muss nichts aufgeschrieben werden, kann aber mit dem CD-Player aufgenommen werden. Am Anfang könnte man noch herausarbeiten, wie Märchen meistens beginnen und enden.
Ganz geschickt finde ich den Einsatz von Bildkärtchen, auf denen einzelne Märchenmotive (Erbsen, Schuhe, Kissen, Spiegel,...) aufgezeichnet sind. Diese Kärtchen werden gemischt und verdeckt in die Mitte des Tisches aufgelegt. Es geht nun der Sprechstab reihum, jeder der den Stab in der Hand hat, darf ein Kärtchen umdrehen und zum Bild etwas erzählen. Wenn das Kind fertig ist, gibt es den Stab weiter und das nächste Kind oder ein Familienmitglied (Oma, Opa, Papa, Mama,...) dreht ein Kärtchen um und spinnt die Geschichte weiter.

Bei Kindern, die bereits Erfahrung im Erzählen von Märchen oder Geschichten haben, kann man auch etwas freier vorgehen und nichts vorgeben! Da können oft wunderbare Märchen und Geschichten entstehen.
Selbsterfundene Märchen werden auch im RegenBogen Platz finden – seid gespannt!


Literaturangaben für die Märchenkapitel:
Andersen, Hans Christian, Märchen, Weinheim
Bamberger, Richard (Hrsg.), Jugendschriftenkunde, Jugend und Volk, Wien, 1979
Bettelheim, Bruno, Kinder brauchen Märchen, dtv 1980, München
Deutsches PISA-Konsortium (Hrsg.), PISA 2000, Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich, Opladen 2001
Dietrich, Peter, Der Zusammenhang zwischen Entwicklung und Lernen nach Piaget, in http://chappa.piranho.de/piaget2.html , Universität Bielefeld 1992
Eibl, Gabriele, Kokott, Simonetta, Kopiervorlagen – Märchenwerkstatt, Oldenbourg Schulbuchverlag GmbH, München, 1999,
Grimal, Pierre (Hrsg.), Mythen der Völker 3, Fischer Taschenbuch Verlag, 1967
Grimm, Brüder, Kinder- und Hausmärchen, Lizenzausgabe Gondrom Verlag, Bayreuth, 1976
Hetmann, Frederik, Indianermärchen aus Mexiko, Fischer Taschenbuch Verlag, 1981
Institut für Jugendliteratur und Leseforschung (Hrsg.), Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart, Jugend & Volk, Wien, 1992
Lüthi, Max, Märchen, J.B. Metzler Verlag
Martin, Ellen, Kinder- und Jugendliteratur in der Schule – Überlegungen aus „literaturpädagogischer“ Perspektive, in www.lesepaedagogik.de/pdf/kjl-im-unterricht.pdf, ausgedruckt am 25.6.2004 um 22.30 Uhr
Martin, Ellen, Kreatives Schreiben im Deutschunterricht, in www.lesepaedagogik.de/pdf/kreatives-schreiben.pdf, ausgedruckt am 4.7.2004 um 22.57 Uhr

Sternenelfe


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