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Die Welt der Märchen   Teil 1
Die Welt der Märchen hat die Menschen schon immer verzaubert, denn sie sprechen unser Innerstes an, die bildhafte und symbolträchtige Sprache lässt kaum jemanden unberührt. Märchen sind ein Kulturgut, das sich in vielen Völkern, Kulturen und Regionen der Erde findet. Pierre Grimal´s dreibändiges Werk „Mythen der Völker“ begleitet mich seit meiner Jugend und fasziniert mich immer wieder. Aus diesem Grund habe ich mich in Form einer Fachbereichsarbeit für ein Diplostudium verstärkt dem Thema „Märchen“ gewidmet.
Welcome to Bell Pine Art Farm.

Der Artikel basiert auf meiner Arbeit und ist ein kurzer Abriss der Thematik „ Märchen lesen, erzählen und schreiben – ein Projekt auf der Grundstufe 1“.

Noch vor einigen Jahren waren Märchen aufgrund ihres "zweifelhaften pädagogischen Inhalts" in der Arbeit mit Kindern verpönt – darauf gingen ja auch die Gebrüder Grimm in ihrer Vorrede im Buch „Kinder- und Hausmärchen“ ein.

„… Wir suchen die Reinheit in der Wahrheit einer geraden, nichts Unrechtes im Rückhalt bergenden Erzählung. Dabei haben wir jeden für das Kinderalter nicht passenden Ausdruck in dieser neuen Auflage sorgfältig gelöscht. Sollte man dennoch einzuwenden haben, dass Eltern eins und das andere in Verlegenheit setzte und ihnen anstößig vorkomme, so dass sie das Buch Kindern nicht geradezu in die Hände geben wollten, so mag für einzelne Fälle die Sorge begründet sein, und sie können dann leicht eine Auswahl treffen - im ganzen, das heißt für einen gesunden Zustand, ist sie gewiss unnötig. Nichts besser kann uns verteidigen als die Natur selber, welche diese Blumen und Blätter in solcher Farbe und Gestalt hat wachsen lassen; wem sie nicht zuträglich sind nach besonderen Bedürfnissen, der kann nicht fordern, dass sie deshalb anders gefärbt und geschnitten werden sollen. Oder auch, Regen und Tau fällt als eine Wohltat für alles herab, was auf der Erde steht; wer seine Pflanzen nicht hineinzustellen getraut, weil sie zu empfindlich sind und Schaden nehmen könnten, sondern sie lieber in der Stube mit abgeschrecktem Wasser begießt, wird doch nicht verlangen, dass Regen und Tau darum ausbleiben sollen. Gedeihlich aber kann alles werden, was natürlich ist, und danach sollen wir trachten. Übrigens wissen wir kein gesundes und kräftiges Buch, welches das Volk erbaut hat, wenn wir die Bibel obenanstellen, wo solche Bedenklichkeiten nicht in ungleich größerem Maß einträten; der rechte Gebrauch aber findet nichts Böses heraus, sondern, wie ein schönes Wort sagt, ein Zeugnis unseres Herzens. Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.“
Quelle: Vorwort der Gebrüder Grimm, KHM, Kassel, am 3ten Julius 1819

Im Zeitalter von Superhelden wie Yu-Gi-Oh, Pokemon, Dragonball & Co. haben sich die Bedenken, dass Märchen zu brutal und grausam seien, gelegt. Heute weiß man, dass Kinder Märchen brauchen, dass Märchen pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden können. Ich persönlich mag keine dieser genannten Serienhelden und versuche auch meine Kinder davon fern zu halten, das gelingt nicht immer, aber das begeisterte Anschauen des „Sonntagsmärchen“ im KIKA bestärkt mich, dass die Faszination von Märchen auch schon meine Kinder ergriffen hat.
Ich möchte mit diesem Artikel Wege aufzeigen, die einen zeitgerechten Umgang mit Märchen aufzeigen; Wege, die der Kreativität förderlich sind.
Das Erfinden und Schreiben von Märchen ist ein sehr kreativer Akt, darum lege ich auf diesen Punkt und Teilbereich besonders viel Wert, denn ich finde, dass die Aktivierung der künstlerischen Seite in jedem einzelnen von uns ein sehr wesentlicher Bereich in der Persönlichkeitsentwicklung ist.


Der Begriff Märchen
Das Wort "Märchen" leitet sich aus dem Wort "Mär" oder "Märe" ab. Bis ins 19. Jahrhundert verwendete man den Begriff "Märchen" in der Bedeutung von "Nachricht", "Kunde", "kleine Erzählung", aber auch im Sinne von "Gerücht".
Laut Definition der Literaturwissenschaft versteht man unter einem Volksmärchen eine kürzere volksläufig-unterhaltsame Prosaerzählung von phantastisch-wundersamen Begebenheiten ohne zeitliche und räumliche Festlegung

Volksmärchen
Der Begriff ,,Volksmärchen" wurde von Jacob Ludwig Karl Grimm (1785-1963) und Wilhelm Karl Grimm (1786-1859) geprägt. Er sagt aus, dass die Märchen aus dem Volksmund stammen und mit einer möglichst geringen Nachbearbeitung schriftlich festgehalten wurden. Die Gebrüder Grimm sammelten im deutschen Sprachraum Märchen, die teilweise nur mehr sehr wenigen Menschen bekannt waren und veröffentlichten sie im Buch „Kinder- und Hausmärchen“. Zu den bekanntesten Märchen der Sammlung gehören ,,Frau Holle", ,,Rumpelstilzchen", ,,Brüderchen und Schwesterchen", ,,Dornröschen" und ,,Rotkäppchen".
Im 19. Jahrhundert lebte auch der bekannte Märchensammler Ludwig Bechstein, in seinen gesammelten Werken findet man eine Unmenge an wunderbaren und sonderbaren Figuren. Für Bechstein stand der pädagogische Aspekt des Kindermärchens im Vordergrund.
Zur gleichen Zeit wuchs aber auch das Interesse an Märchen aus fremdländischen Kulturen. Am bekanntesten sind wohl die Märchen aus „1001 Nacht“, so hat auch noch im 21. Jahrhundert Walt Disney das Potential von „Aladin und der Wunderlampe“ als Kassenmagnet erkannt.

Kunstmärchen
Im Gegensatz zum Volksmärchen ist beim Kunstmärchen der Dichter bekannt, es ist daher auch kein einheitlicher Stil erkennbar, da jeder einzelne Dichter seine subjektive Art der Weltanschauung und Idee mit einbringt. Besonders in der Romantik erfreute sich das Kunstmärchen großer Beliebtheit. Ludwig Tieck (1773-1853), Novalis (Friedrich von Hardenberg, 1772-1801) und Clemens Brentano (1778-1842) verdanken wir märchenhafte Erzählungen wie „Gockel, Hinkel und Gackeleia“ (Brentano), „Der Runenberg“ (Tieck, 1797) und das „Märchen von Hyazinth und Rosenblüt“ (Novalis).
Auch die Märchen von Wilhelm Hauff (1802-1827) stehen im Zeichen der Romantik, er verarbeitet in seinen Märchen morgenländische und deutsche Stoffe. Sein wohl am bekanntesten Märchen ist die „Geschichte vom Kalif Storch“.
Der dänische Märchenerzähler Hans Christian Andersen überschreitet in der Art seiner Märchen den Rahmen des bisherigen und erschuf somit einen neuen Märchentypus innerhalb des Kunstmärchens.
Seine Märchen lassen den Bezug zur volkstümlichen Erzählung noch klar erkennen, aber im Mittelpunkt steht immer ein genau fixierter Ort. Aber auch das Wissen um das Leben und seine Gesetze kommt in seinen Märchen viel genauer zum Ausdruck. Viele seiner Märchen sind den Kindern auch durch Verfilmungen bekannt, wie etwa „Die Prinzessin auf der Erbse“, „Des Kaisers neue Kleider“. Der Geburtstag von Hans Christian Andersen wird seit Jahren weltweit als „Kinderbuchtag“ gefeiert, in diesem Jahr (2004) war der ganze April Lesemonat und selbst das Internet wurde miteinbezogen.
Aber auch in unserer Zeit gibt es noch Märchenerzähler, so ist mit Folke Tegetthoff ein Steirer einer der bekanntesten Erzähler. Folke Tegetthoff schreibt nicht nur Erstlese-, Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbücher, er macht auch Lesungen. Aber auch hier im Wurzelwerk tummeln sich ganz tolle Märchenerzähler und Erzählerinnen, von denen ihr noch Märchen zu lesen bekommen werdet.

Kinderkunstmärchen sind in den letzten Jahrzehnten auch vermehrt von Autoren wie Janosch, Astrid Lindgren, Vera Ferra-Mikura, Friedl Hofbauer und Michael Ende geschrieben worden. Besonders durch Michael Ende begann auch der Siegeszug durch andere Medien, wie Kino und Fernsehen. Vermutlich haben mehr Kinder „Momo“ oder die „Unendliche Geschichte“ gesehen oder gehört als gelesen.
Janosch ist besonders durch sein Buch „Janosch erzählt Grimm`s Märchen“ bekannt geworden, besonders die Kleineren sind begeistert von seinen „verdrehten“ Märchen. Plötzlich sind die Gänse nicht mehr „dumm“, sondern „schlau“ und sperren den Fuchs ein, ein richtiges Antimärchen eben.


Ursprung des Volksmärchens
Es gibt die verschiedensten Ursprungstheorien über die Entstehung bzw. Herkunft der Volksmärchen. So vertraten die Gebrüder Grimm die These, dass die Götter- und Heldenmythen der Vergangenheit in den Märchen weiterleben. Das mythologische Denken der Romantik war sicherlich auch maßgebend daran beteiligt.

„ Die seltsame Landschaft, durch die der Märchenheld auf seiner „Reise“, auf seiner Wanderung kommt, stellte einst für die Menschen, die davon hörten, eine Art „jenseitige“ Wirklichkeit dar: Man hat schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die Gegenden, durch die nach den russischen „Totenklagen“ der Verstorbene zu ziehen hat, völlig mit den Schilderungen der Märchenreiche übereinstimmen. Er muss etwa einen riesigen Strom überwinden, einen Glasberg ersteigen und so weiter“
(Sergius Golowin,1973, S.192)

Aber man findet nicht nur in russischen, sondern in fast allen Volksmärchen ähnliche Situationen wieder.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte man auch immer mehr die Vielfalt der orientalischen, speziell die der indischen Märchen. So entstand eine weitere Theorie, die die These vertrat, dass die Wiege der Märchen in Indien liegt.
Eine dritte Theorie sah den Ursprung der Märchen in der Seele des Menschen selbst liegen. Fast idente Urbilder und Urideen findet man in fast allen Mythen, Sagen und Märchen wieder. Carl Gustav JUNG übernahm aus einer antiken Überlieferung den Begriff des „Archetypus“, damit sind im kollektiven Unterbewussten angesiedelte Urbilder gemeint. Besonders die grundlegendsten Erfahrungen wie Geburt, Ehe, Mutterschaft, Trennung und Tod haben in der Seele des Menschen eine archetypische Verankerung, man findet, wie bereits oben erwähnt, überall auf der Welt ähnliche Bilder und Märchen dazu.

„ Ein anderer, wohlbekannter Ausdruck der Archetypen sind der Mythos und das Märchen. Auch hier handelt es sich um spezifisch geprägte Formen, welche durch lange Zeiträume übermittelt wurden. … Alle mythisierten Vorgänge, wie Sommer und Winter, Mondwechsel, Regenzeiten und so weiter, sind nichts weniger als Allegorien eben dieser objektiven Erfahrungen, sondern vielmehr symbolische Ausdrücke für das innere und unbewusste Drama der Seele, welches auf dem Weg der Projektion, das heißt gespiegelt in den Naturereignissen, dem menschlichen Bewusstsein fassbar wird.“ (C. G. Jung, 10.Auflage 2003, S. 9/10)

Eindeutig kann auch die Märchenforschung bis heute den Ursprung der deutschen Märchen nicht angeben, trotzdem ein kleiner Exkurs über die Geschichte des Märchens.


Geschichte des Märchens
Über die Existenz von Märchen in vorgeschichtlicher Zeit sind nur Vermutungen möglich. Diese Frage gehört aber zur Theorie des Märchens und nicht zu seiner Geschichte. In der Literatur des Altertums hingegen, können jedoch schon Spuren des Märchens gefunden werden. Ich möchte hier einen kleinen und unvollständigen Exkurs in die Geschichte des Märchens machen.

Altertum
Aus dem alten Ägypten wurden Erzählungen gefunden, die sogar märchenähnlichen Ablauf haben. Die auf Papyrus aufgezeichneten Geschichten sind aber keine eigentlichen Volksmärchen, sondern schriftliche Aufzeichnungen für die Schicht der Gebildeten bestimmt.
Noch spärlicher sind dem Märchen nahe Texte im alten Babylon, wie das Gilgamesch-Epos (um 2000 v. Chr.), zu finden. Die Art des Märchens im alten Israel kann man in den Geschichten von Moses, Joseph oder David spüren.
Im alten Griechenland und Rom findet man in der Literatur Hinweise auf Kinder- und Ammenmärchen und Altweibergeschichten. In griechischen Sagen und Erzählungen existieren Elemente, die nicht nur den Motiven, sondern auch dem Aufbau unseres Märchens zu gleichen scheinen, hier sehe ich auch eine Querverbindung zur Göttertheorie, aber auch zu den Archetypen.

Mittelalter
Man findet auch in der aus dem Mittelalter überlieferten Literatur teilweise märchenhafte Elemente, die man als Hinweis für die Existenz von Volksmärchen auffassen könnte. Märchenmotive aus der Edda können ihren Ursprung aber auch in Mythen oder Sagen stammen.
Aus dem Orient erreichten uns orientalische Erzählungen, wie das indische Pancatantra, diese verbreiteten sich über Byzanz und Spanien unter anderem im Zuge der Kreuzzüge. Weitaus stärker als durch indische und orientalische Erzählungen wurde die europäische Literatur durch keltische Geschichten beeinflusst.

Neuzeit
Aus dem 16.Jahrhundert ist weitaus mehr überliefert als aus Altertum und Mittelalter. Die verschiedenen Aschenbrödelvarianten in Deutschland, Frankreich und Portugal weisen auf die sichtliche Existenz und weite Verbreitung von Volksmärchen hin.
Im 17.Jahrhundert trug vor allem die italienische Literatur mit dem ,,Pentamerone" unter dem Titel ,,Das Märchen aller Märchen oder Unterhaltung der Kinder" von G. Basile zum Bestand des Volksmärchens bei. Es ist anzunehmen, dass Basile die Geschichten durch mündliche Überlieferung kennen lernte und sie später, durchsetzt von typisch barocken Wortvariationen, Allegorien und Schnörkel, weitererzählte und niederschrieb.

Als Beweis für die Existenz von Märchen in Deutschland gilt auch die Erzählung des Bärenhäuters in den ,,Simplicianischen Schriften" von Grimmelshausen. Großer Beliebtheit erfreuten sich auch die so genannten Feenmärchen, die aus einer phantastischen Kombination von orientalischen Erzählungen und eigener Erfahrungen stammten, in Irland und Island ist diese Art der Märchen heute noch lebendig.
Das entscheidende Ereignis in der Geschichte des deutschen Volksmärchens war zweifelsohne die Herausgabe der gesammelten ,,Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm. Die Veröffentlichung einer derartigen Sammlung hatte zwei wichtige Folgen, so wurde das lange Zeit verachtete Volksmärchen nun gesellschaftsfähig gemacht, andererseits kam es nun in ganz Europa zu Aufzeichnungen und Veröffentlichungen nach Vorbild der Brüder Grimm. Damit wurden zwar einerseits viele, schon in Vergessenheit und somit dem Untergang geweihten Märchen gerettet, andererseits trat das Buch anstelle der mündlichen Erzählung von Generation zu Generation.

Das Märchen wurde in der Zeit ab 1870 bis ins 20. Jahrhundert hinauf wenig geschätzt, weil man der Meinung war, dass das Märchen von der Realität ablenke.
Ein schwarzes Kapitel in der Geschichte des Märchens ist der Nationalsozialismus mit seiner pseudoromantischen Einstellung; so wurden viele Märchen zur Propaganda genützt.
Erst ab 1950 nahm sich die Wissenschaft der Märchenforschung unter volkskundlichen und pädagogischen Aspekten an, so flossen die neuesten Erkenntnisse der Tiefenpsychologie, Völkerkunde und Soziologie ein.
In den 60er Jahren entstanden dann Umkehr- und Antimärchen, als eine Art Protestbewegung; besonders ist hier aber F.K. Waechter hervorzuheben, der durch die Dokumentation von Grimm-Märchen das Gegenteil bewies.
Verena Kast und Eugen Drewermann sind jüngste Beispiele dafür, dass das Märchen auch heute noch für die Tiefenpsychologie interessant ist. Mir liegen besonders die Bücher von Verena Kast am Herzen, denn sie sind nicht nur für Psychologieversierte sondern auch für Laien sehr gut lesbar.


Kennzeichen und stilistische Merkmale des Volksmärchens
Die Hauptfigur oder die Hauptfiguren des Märchens sind stets so dargestellt, dass sie zur Identifikation anregen. Die Aufgaben und Eigenschaften sind klar und einfach definiert, ausführliche Gedanken oder Emotionen kommen fast nie zur Sprache; es steht fast immer eine einzelne Emotion oder Eigenschaft im Vordergrund. Das stilistische Merkmal der Polarisation ist besonders kennzeichnend für die Personencharakteristik im Märchen (wie Fleiß – Faulheit bei „Frau Holle“).
Beim Märchen gehen auch die zwei Welten der Realität und der Magie ineinander über, das Diesseitige ist nahtlos mit dem Jenseitigen verbunden (wie durch den Brunnen in „Frau Holle“). Da der Märchenheld keinerlei Probleme beim Überschreiten der Grenzen hat, spricht man auch von der Eindimensionalität im Märchen.
Die erzählerische Grundkonstellation ist fast immer durch einen Konflikt gegeben, der meist im Erfahrungsbereich Geburt, Ehe, Mutterschaft, Trennung und Tod seinen Ausgang nimmt. Im Märchen wird aber eine einfache Moral realisiert, die einem sehr naiven Sinn für Gerechtigkeit entspringt; so kann auch in der Märchenwelt nur geschehen, was dieser Ordnung und Moral entspricht.
Die Märchenhelden, meist Menschen gewöhnlicher Art, leben in einer gewöhnlichen irdischen Umwelt von Mitmenschen, Tieren und Pflanzen. Aber dies Gewöhnliche, Irdische wird fast immer gepaart und durchkreuzt mit einem Wunderbaren, der Wirklichkeit Widersprechenden. Und zwar handelt es sich dabei entweder um eine phantastische Steigerung des Wirklichen oder um die Einfügung eines vollkommen Unwirklichen, Übersinnlichen. So stehen den Helden zum Teil redende und Menschengestalt annehmende Tiere zur Seite (wie in „Der Gestiefelte Kater“), er trifft auf Tier- oder Pflanzengestalt annehmende verwunschene Menschen und kommt in Konflikte mit Hexen, Zauberern, Feen, Zwergen, Riesen, Drachen u. ä., wobei diese ihm aber auch hilfreich zur Seite stehen können.
Selbst die Pflanzenwelt nimmt an einer solchen Erhöhung ins Übernatürliche teil. Apfelbäume tragen ihre Früchte wie sonst, aber es sind Äpfel aus Silber oder Gold, Äpfel, die gesund machen oder ewiges Leben, ewige Jugend verleihen. Hier wachsen Früchte, deren Genuss Kinder erweckt oder Hörner wachsen und verschwinden lässt, Blätter, die Tote ins Leben rufen. Hier wachsen Bäume buchstäblich in den Himmel oder sie lassen, geschüttelt, kostbare Kleider herabfallen. Auch Steine finden sich wohl mit wunderbaren Kräften und Eigenschaften ausgestattet.
Vor allem aber sind die Märchen voll der seltsamsten Gegenstände, denen wunderbare Fähigkeiten eignen. Da gibt es Tischlein-deck-dich und Knüppel-aus-dem-Sack, ewig gefüllte Beutel und nie versiegende Töpfe und Krüge, Mäntel und Hüte, die unsichtbar machen und andere Zauber- und Wunderdinge in endloser Fülle.
In der Erzählweise wird die ganze Welt eingefangen: alles in ihr ist an seinem Platz.
Das Volksmärchen ist auf einfache, naive Weise eine erzählerische, in sich geschlossene Bewältigung der Welt. Die Sprache mutet oft sehr formelhaft an, so beginnt fast jedes Märchen mit „Es war einmal…“ und endet fast immer mit „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“
In den meisten Märchen finden wir auch die Zahlensymbolik unserer Vorfahren wieder, wie die Zahlen „3“ oder „7“. Es gilt gewöhnlich, dreimal Gefahren zu bestehen, drei Nächte hindurch die Alpqual zu erdulden, drei Wunschdinge nacheinander heimzuholen, drei Aufgaben zu lösen - immer mit fortschreitender Steigerung des Umfangs, der Schwierigkeiten und damit der Spannung.


Inhalte des Volksmärchens
Ursprünglich waren die Volksmärchen für erwachsene Zuhörer gedacht, in ihnen wurden die bereits erwähnten zentralen Themen des Lebens aufgegriffen und verarbeitet. Aber auch Fragen nach dem Woher, Warum und nach dem Sinn des Lebens, soziale Probleme, Sehnsüchte und Ängste wurden verschlüsselt dargestellt. So kommen im Märchen, aber auch in Sagen Liebessymbole (Apfel, Gürtel, Rosen), Machtsymbole (Krone, Zepter, Zauberstab), Angstsymbole (Wald, Höhle, Wolf) und Initiationssymbole (Gestaltveränderung durch Zauber, Schlaferweckung) vor. Sie alle sprechen Urbilder in uns an.
Folgende Themen stehen in fast allen Kulturen im Vordergrund:

  • Liebe: Liebe besiegt den Tod, sie überwindet alle Grenzen und hat die Macht zu verändern.
  • Selbständigkeit: Initiationen und Ablösung vom Elternhaus werden hier unterschiedlichst aufgearbeitet.
  • Tod: Die Grenzsituation des Sterbens wird meist gestaltlich dargestellt, teilweise ist er auch eine bildhafte Darstellung der Wandlung.
  • Gott – Götter: Es werden nicht nur alltägliche Erfahrungen und Erlebnisse in den verschiedensten Kulturen aufgegriffen und aufgearbeitet, es personifizieren sich auch die Gottheiten recht vielfältig.
  • Heldenmythos: Der ganz gewöhnliche Mensch wächst an seinen Aufgaben über sich hinaus, er vollbringt wahre Wunder zum Wohle der Allgemeinheit.

Folgende Charaktere finden sich im Volksmärchen wieder:

  • Der junge Held/Mann: Er ist meist von unschuldigen, naiven Wesen. In seiner Unerfahrenheit macht er meist Fehler und bekommt von mächtigen, oft übernatürlichen Wesen Hilfe.
  • Das junge Mädchen/Prinzessin/Tochter: Sie ist meist ein gutes, bezauberndes Wesen, das Hilfe benötigt, weil es verzaubert wurde oder der Erlösung bedarf. Am Ende des Märchens wird sie meist vom Held gerettet und ist ihm in Liebe verbunden.
  • Der alte Mann: Meistens ist er der gütige Vater oder König, nur ganz selten verkörpert dieser Typus den Widersacher.
  • Die alte Frau: Sie verkörpert fast immer beide Seiten; einerseits ist sie die liebevolle Mutter und Beschützerin, andererseits ist sie die Böse, die Widersacherin. Die Figur der Alten kommt fast immer zweimal im Märchen vor.

Nicht die Begegnungen mit Hexen, Zauberern, Prinzessinnen und ihren Helden sind wirklich, sondern die menschlichen Erfahrungen, die dahinter stecken. Diese Erkenntnis kommt wiederum aus der Tiefenpsychologie, es sind die Archetypen, die in uns weben und leben!


Sternenelfe


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