Weihnachtsgeschichten
Nun ist aber Merlins Sack schon ziemlich leer. Nur noch zwei Dinge warten darin, euch ihre Geschichte zu erzählen. Eines davon ist ein Glöckchen. Es stammt vom Geschirr eines der Rentiere des Weihnachtsmannes. Ganz fein und zart klingt es, wenn es uns seine Geschichte erzählt.
Welcome to Bell Pine Art Farm.

Warum Weihnachten am 24. Dezember ist und so einiges Anderes...
Weihnachtsmänner gibt es viele. In jedem Kaufhaus, in jeder Einkaufsstraße, bei vielen vorweihnachtlichen Festen könnt ihr einen treffen. Aber, so haben sich sicherlich schon viele von euch gefragt, welcher von ihnen ist wohl der Richtige, der Wahre, der Echte und Einzige? Wer kann das schon sagen? Und wie bitte, schafft er es eigentlich, überall zugleich zu sein? Lässt er sich klonen oder was? Bis jetzt war das ein ganz großes Geheimnis. Ich werde heute dieses Geheimnis für euch lüften, dann werdet ihr verstehen, was es damit auf sich hat.

Früher war Weihnachten nicht am 24. Dezember, wie heute, sondern am 21., wenn die Sonne wieder beginnt, am Himmel höher zusteigen. Und früher gab es auch nur den einen Weihnachtsmann. Er wohnte hoch im Norden, dort, wo der Winter zuhause ist, wenn er nicht gerade Urlaub im Süden macht. Er war ein freundlicher, alter Mann mit strubbeligem, weißem Bart und einem rundlichen Bäuchlein. Das kam davon, dass er sehr gerne aß, am liebsten Bratäpfel und Honiglebkuchen, das setzt sich an. Die Rentiere beklagten sich schon, sie mussten sich jeden Winter mehr und mehr mit dem Schlitten plagen, und der musste ja erst einmal in die richtige Flughöhe gebracht werden, bevor er dann einigermaßen von selber durch die Luft flog. Das Gewicht aber kam nicht von den vielen Geschenken, denn früher gab es nicht so viele. Die Menschen waren damals genügsamer und freuten sich auch über Kleinigkeiten, einen warmen Schal etwa oder eine Puppe. Und dann erst das Kaminrutschen! Wie ihr ja sicher alle wisst, kam der Weihnachtsmann früher durch den Kamin. Heute ist das anders, viele Häuser haben ja auch keinen richtigen Kamin mehr.
Ja, nun, was soll ich euch sagen, also, der Weihnachtsmann hatte sich seine Lieblingsspeisen wieder einmal so richtig gut schmecken lassen, so, dass er sich nur mehr mit allergrößter Mühe durch den Kamin pressen konnte. Beim ersten Haus ging es ja gerade noch. Es war groß und geräumig gebaut und hatte deshalb auch einen entsprechend breiten Rauchfang. Aber schon beim nächsten..... ich kann euch sagen, es war die reinste Katastrophe! Die Rentiere hielten über einem kleinen Häuschen. Es gehörte einem Schuhmacher und seiner Familie. Die beiden Kinder, Kathi und Fridolin freuten sich schon so sehr. Den ganzen Tag hatten sie schon Ausschau gehalten nach dem Schlitten. Immer wieder hatten sie ihre Eltern gefragt: „Wann ist es denn endlich so weit? Wieso kommt der Abend heute so lange nicht? Wird der Weihnachtsmann auch sicher nicht auf uns vergessen?“ Ihr wisst ja alle, wie das so ist, zu Weihnachten, und damals war es auch nicht anders.

Endlich war es soweit. Im Kamin brannte ein gemütliches Feuer, im Haus duftete es nach all den weihnachtlichen Köstlichkeiten, Papa wartete darauf, die Kerzen auf dem kleinen Weihnachtsbäumchen zu entzünden, und Kathi und Fridolin zappelten ungeduldig herum. Alles war, wie es sich gehörte, nur... Wo blieben denn die Geschenke? Papa sah ratlos zu Mama, und die zuckte, ebenso ratlos, die Schultern. Der Weihnachtsmann hatte sich bisher noch niemals verspätet. Hatten sie sich vielleicht im Datum geirrt? Nein, es war der 21. Dezember, was also...?
Plötzlich wurde es dunkel im Raum. Es rauchte und qualmte, es rußte und staubte. Es rumpelte und pumpelte, es rappelte und zappelte. Alle mussten furchtbar husten. Die Augen tränten so, dass keiner mehr etwas sehen konnte. Papa rief:„Der Kamin, es muss etwas im Kamin stecken, weiß der Kuckuck, was das ist!“ Er riss die Türe auf, um frische Luft ins Zimmer zu lassen und schaute zum Rauchfang hinauf. Da sah er sie, sah die Rentiere und den Schlitten über seinem Haus parken. Wo aber war der Weihnachtsmann? Ihr wisst sicher schon, wo der geblieben ist, nämlich... richtig! Der steckte im Kamin und konnte nicht vorwärts und nicht zurück! Und überall warteten die Kinder auf ihre Geschenke, ohne Geschenke aber konnte das Fest nicht beginnen! Die Rentiere scharrten ungeduldig mit den Hufen, dass die Wolken nur so staubten. Dadurch begann es auch noch ganz stark zu schneien. Natürlich, Weihnachten und Schnee, das gehört doch zusammen, werdet ihr jetzt sagen, und damit habt ihr ja auch Recht, aber, das ist erst seit damals so. Jetzt wissen wir, warum. Wenn es also schneit, dann lasst euch nicht einreden, die Frau Holle mit ihren Federtuchenten sei schuld daran. Wer, frage ich euch, hat heute denn noch Federbetten? Nicht einmal mehr die alte Dame, die, wie ja jeder weiß, eigentlich am Grunde eines Brunnens wohnt. Der Schnee aber, der kommt von oben. Eben. Zurück zu unserer Geschichte.

Der Weihnachtsmann steckte also im Rauchfang fest, und das ließ sich auch nicht ändern. Im ganzen Land weinten die Kinder, weil Weihnachten ohne Geschenke einfach nicht richtig Weihnachten ist, Christbaum hin, Glockengeläute her. Als allen klar wurde, dass der Weihnachtsmann heuer aus irgendeinem unerfindlichen Grund nicht kommen würde, banden sich im ganzen Land Väter und Onkel, große Brüder und Großväter Wattebärte vors Gesicht und schlüpften in mehr oder weniger weihnachtsmännliche Verkleidungen. Dann bastelten sie mit Hilfe der Mütter kleine Geschenke zusammen, um mit „Hohoho!“, so zu tun, als kämen sie gerade aus dem Rauchfang. Die meisten Kinder erkannten natürlich sofort, wer hinter der Maskerade steckte, aber sie mochten die Freude der Erwachsenen nicht zerstören. Die freuten sich doch so sehr über die Freude der Kinder. Die Kinder wieder aber taten so, als glaubten sie, den echten Weihnachtsmann vor sich zu haben. So waren alle einigermaßen glücklich und zufrieden. Die Kinder fragten sich natürlich schon, was denn nur heuer mit dem echten Weihnachtsmann passiert war, aber, wie schon gesagt...

Im Haus der Schusterfamilie war es eisigkalt. Der Kamin konnte nicht eingeheizt werden, denn da steckte ja... richtig, der Weihnachtsmann, der Echte nämlich. Sie mussten für ein paar Tage zu ihren Nachbarn ziehen. Das fanden die beiden Kinder wieder sehr lustig, denn dort gab es ebenfalls Kinder. Darüber vergaßen sie fast das seltsame Verschwinden des Weihnachtsmannes.

Der arme Kerl konnte sich in seinem Rauchfang-Gefängnis nicht rühren. Er wurde zusehends hungriger. Weil es im Kamin aber weder Bratäpfel noch Honiglebkuchen gab, schrumpfte sein dicker Bauch von Tag zu Tag ein wenig mehr. Am dritten Tag endlich war er so schlank geworden, dass er, plumps, mit Ruß und Krach durch den Kamin in die Stube fiel. Verschämt sah er sich um, aber zu seiner großen Erleichterung war niemand zuhause. Wie wir ja wissen, war die Schusterfamilie bei den Nachbarn einquartiert. Er schämte sich fürchterlich. Schnell machte er mit Besen und Schaufel die Bescherung wieder sauber. Dann legte er die Geschenke vor den Kamin und verschwand flugs, auf dem selben Weg, auf dem er gekommen war. Die Rentiere sahen ihren Herrn erstaunt an. „Na, geht’s jetzt endlich weiter, wir sind doch Rentiere und keine Stehtiere!“, maulten sie vorwurfsvoll. „Ja ja, hmm, hm, soso hmhm“, grummelte der Weihnachtsmann verschämt in seinen Bart. Dann warf er schnell alle Geschenke durch die Kamine in die Häuser. Es wäre ihm viel zu peinlich gewesen, sich jetzt, mit drei Tagen Verspätung, noch persönlich sehen zu lassen. War das ein Hallo, als es nun, nach drei Tagen noch einmal Geschenke gab!

Der Weihnachtsmann aber fand, das die Väter, Großväter, Brüder und Onkel ihre Sache sehr gut gemacht hatten. Er war ja nun auch schon ziemlich alt geworden und hatte ein wenig Ruhe nötig. Und der Termin am 24. Dezember war eigentlich gar nicht so schlecht. So hatte man ein wenig mehr Zeit für die Vorbereitungen. Seit damals feiern wir also das Weihnachtsfest am 24. Dezember. Seit damals lässt sich der Weihnachtsmann auch gerne hin und wieder von den nicht ganz so echten Weihnachtsmännern vertreten. Wenn ihr aber unbedingt wissen wollt, ob ihr es mit dem echten Weihnachtsmann oder mit einer Vertretung zu tun habt, dann müsst ihr ihn nur ganz, ganz vorsichtig am Bart ziehen, um zu sehen, ob der echt ist oder nicht. Aber wirklich nur ganz, ganz sanft. Versprecht ihr mir das? Denn die Weihnachtsmann - Vertreter geben sich für euch solche Mühe. Wir wollen sie doch nicht kränken, oder? Weihnachten ist ja schließlich ein Fest der Freude, und das gilt auch für Weihnachtsmänner.


Morgane


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