Anderswelt - Geschichten   Teil I
Mein Name ist Morgane. Ich bin eine Fee und außerdem eine Bewohnerin der Anderswelt. Was ist das, die Anderswelt, werden sicher einige von euch fragen. Wo liegt diese Welt, und wie kommt man dorthin? Eine gute Frage, finde ich.
Welcome to Bell Pine Art Farm.

Es gibt nämlich kein Reisebüro, das Reisen dorthin anbietet. Kein Flugzeug, keine Eisenbahn und kein Autobus können euch dorthin bringen, ja, nicht einmal eine Rakete oder ein Raumschiff. Die Anderswelt ist ein Land, in dem alles möglich ist. Alles, was ihr euch ausdenkt, wird dort zur Wirklichkeit, wirklich alles! Jeder von euch ist schon viele Male dorthin gereist, beim Träumen zum Beispiel oder wenn ihr euch Sachen ausdenkt. Es gibt aber einen Zauber, der führt euch dorthin, wann immer ihr es wollt, in einem Augenblick. Ihr müßt dazu nur die Windpferde rufen. Sie sind das einzige Verkehrsmittel in die Anderswelt. Diese Windpferde gehorchen jedem, der den richtigen Zauberspruch weiß. Ihr müßt nur die Augen schließen, euch dreimal um euch selbst drehen und dann sagen:

Flattermähne, Wolkenschweif,
Pferdchen, wie ein Nebelstreif,
Wesen aus Wind,
trag' mich geschwind,
dorthin, wo Märchen Wirklichkeit sind!
Eins, zwei, drei,
Pferdchen, komm herbei!

Anschließend klatscht ihr fest in die Hände und öffnet die Augen. "Was, das soll die Anderswelt sein?" werdet ihr vielleicht enttäuscht ausrufen, "Hier schaut es doch genauso aus wie immer!" Ja, das scheint vielleicht so. Aber probiert es einmal mit diesen Anderswelt - Geschichten: alles, was hier passiert, könnt ihr mit euren inneren Augen wirklich sehen. Es wird euch so scheinen, als hättet ihr einen kleinen Fernsehapparat im Kopf, in Wahrheit aber habt ihr jetzt Zauberaugen bekommen, und ihr könnt damit die Anderswelt sehen. Das ist aber noch nicht alles. Ihr könnt dort alles sein, was immer ihr auch wollt: Ritter und Zauberer, Feen und Prinzessinnen, aber natürlich auch Superman oder Harry Potter. Jedoch alles im Leben will geübt sein, auch das Reisen in die Anderswelt. Versprecht mir aber bitte nur das Eine: übt es nicht gerade in der Mathestunde. Am besten ist aber, ihr lernt, immer ein bisschen hier wie dort zu sein. Eines aber müßt ihr unbedingt noch wissen: ein klein wenig von dieser anderen Welt bringt ihr immer mit hierher zurück, ein wenig Ritter, Königin, Fee, Zauberer usw. bleibt immer an euch hängen. Denn es besteht eine Verbindung zwischen der Welt hier und der Welt dort, sonst könnte ja niemand dorthin gelangen, auch nicht auf Windpferden. Aber das soll ja kein Lehrgang fürs Zaubern sein, sondern ein Ausflug in die Anderswelt. Und jetzt kann's endlich losgehen!


Seid ihr alle angekommen, ja?
Fein, dann kommt mit mir in den Zauberwald. Dort, unter mächtigen, alten Bäumen wartet einer auf uns. Er ist uralt, hat einen weißen Bart und auch ein weißes, langes Gewand. Auf dem Kopf trägt er einen spitzen Zaubererhut, und er stützt sich auf einen langen, knotigen Stock. Er hat uns schon gesehen und winkt uns freundlich näher zutreten. Ja, wir kommen schon, Merlin! So heißt er nämlich, es ist Merlin, der Zauberer. Seit Hunderten, nein, Tausenden von Jahren wandert er schon zwischen unserer und der Anderswelt umher und sammelt Geschichten und Zauberdinge. Die sehen zwar auf den ersten Blick wie ganz gewöhnliche Dinge aus, aber wirklich nur auf den allerersten Blick, in jedem von ihnen steckt nämlich eine Geschichte.

Aber, nun wollen wir einmal höflich Guten Tag zu Merlin sagen! "Guten Tag, Merlin! Hast du vielleicht eine Geschichte für uns?" Da kramt er schon in seinem Sack, der Alte, und holt einen bunten, merkwürdig geformten Stein für uns heraus, einen Drachenstein. Legen wir ihn ans Ohr, seien wir ganz still. Und nun,... ja, er beginnt zu flüstern, ganz leise,... hört ihr schon etwas...?


Ein Drachenmärchen
Es gibt da eine Burg in der Anderswelt, die heißt Rapottenstein. Ein seltsamer Name, findet ihr nicht auch? Wie mag er wohl entstanden sein? Nun, das war so:

Bevor es die Burg Rapottenstein gab, wohnte auf dem Burgfelsen ein mächtiger Drache. Es war fast der letzte Drache auf der ganzen Welt. Nur noch im fernen China gab es noch ein paar davon. Er war riesengroß und furchtbar stark. Leider handeln alle Drachengeschichten, welche die Menschen einander erzählen, von bösen Drachen. Diesen Geschichten solltet ihr nicht glauben. Es sind Lügen. Die Menschen können es nämlich nicht ertragen, dass es Wesen gibt, die ihnen überlegen sind, deshalb verleumdeten sie die Drachen und erklärten sie zu gefährlichen Ungeheuern. In Wahrheit ist aber alles ganz anders. Die Drachen gaben damals dem Land ihre Kraft, solange die Menschen sie achteten und ehrten. Später, als die Menschen verlernt hatten, wie man mit Drachen umgehen muss, zogen sie sich zurück aus dieser Welt. Sie sind noch hier, aber wir können sie nicht mehr sehen. Genauso verhält es sich mit den Zwergen, den besten Freunden der Drachen. Wie, glaubt ihr, hätte es ein solch großes Tier zustandegebracht, sich seinen Rücken zu schrubben, seine Zähne sauber zu halten, oder sich an der zweiunddreißigsten Schuppe der hundertdreiundzwanzigsten Reihe links hinten zu kratzen, wenn es ihn juckte? Dazu brauchte man unbedingt die Zwerge. Auch die Höhle hielten sie sauber, dass es nur so blitzte. Nebenbei gingen sie noch ihren eigenen Geschäften nach, und das waren nicht wenige: die unterirdischen Schlote putzen, so das der Erdrauch abziehen konnte und es keine Erdbeben gab, die Erzadern polieren, Edelsteine für die Krone der Feenkönigin aus dem Berg holen usw usf. Kein Wunder also, dass man so selten Zwerge sehen kann, zählen sie doch heute noch zu den vielbeschäftigtsten Wesen des Märchenreiches.

Der Drache in unserer Geschichte, die sich einst auf dieser Burg zugetragen hat, hieß Boldo. Dieser Name war in Drachenkreisen sehr begehrt. Wer auf sich hielt, hieß so und sei es auch nur mit dem fünften Nachnamen. Boldo hatte eine Lieblingsbeschäftigung, und die war lange und ausgiebig zu schlafen und zu träumen. Nun dürft ihr aber nicht glauben, dass er faul war, nein, mit seinen Träumen nämlich, da hatte es eine besondere Bewandnis. Boldo träumte nämlich seine Welt ins Leben. Er träumte die Berge, die Wiesen und Wälder, die Flüsse, die Bäche, die Seen, den Himmel und die Wolken, den Wind, den Regen, den Schnee... und auch die Tiere und Menschen. Jetzt stellt euch nur mal vor, Boldo hätte nicht ausgiebig geträumt! Nicht auszudenken, wenn eines Morgens der Bauer Michel erwacht wäre und die Hälfte seines Bettes oder ein Stück seiner selbst hätte gefehlt, nur, weil Boldo vergessen hatte, es zu träumen. Daran seht ihr, wie wichtig Träume sind. Das haben wir von den Drachen gelernt, und wir können es heute noch ganz gut.
Deshalb verziehen die Menschen es ihm, wenn er sich beim Erwachen so sehr dehnte und streckte, dass der ganze Berg gewaltig dröhnte und bebte. Die Menschen lächelten dann verstehend und sagten: " Unser Boldo rappelt wieder. Sicher hat er gut geschlafen und ausgiebig geträumt, wie beruhigend."

Bald wurde der Berg "Rappelboldos Stein" genannt, und so ähnlich heißt er ja noch heute, wie wir schon gehört haben.

Alles hatte also seine Ordnung im Land: die Bäume, die Pflanzen, die Tiere und Menschen lebten friedlich zusammen. Dafür sorgte schon der Drache, er nahm die Verantwortung für seine Träume sehr ernst, das dürft ihr mir glauben.

Das wäre auch noch lange so geblieben, wenn nicht... ja wenn nicht ein Ritter in einem fernen Land von diesem Berg und seinem mächtigen Drachen gehört hätte. Damals gab es ja nur mehr ganz wenige Drachen auf der Welt, weil die Menschen dazu übergegangen waren, ihre eigenen Träume zu träumen. Da wurden die Drachen nicht mehr gebraucht und wurden auch nicht mehr geliebt und geachtet, deshalb zogen sie sich in ihr Reich zurück, und bald darauf hatten die Menschen sie vergessen und erklärten sie zu Märchengestalten.

Eines Tages kam ein fremder Ritter hierher, genau hierher, auf diesen Berg. Er hatte von diesem letzten, mächtigen Drachen gehört und gedachte nun mit eigenen Augen zu sehen, was es damit auf sich hatte. Vielleicht wollte er auch als Drachentöter berühmt werden, wer weiß? Als er sah, wie glücklich die Menschen in diesem Land lebten, wurde er neugierig und wollte wissen, was die Ursache dafür war. Wie erstaunt war unser Ritter, als er von den Drachenträumen erfuhr. In einem solchen Land wollte er leben, nein, nicht nur leben, er wollte hier eine mächtige Burg bauen und selbst oberster Träumer werden! Das musste der Gipfel des Glücks sein! Da gab es nur ein Hindernis, und das war, ihr habt es sicher schon erraten, ja eben, Rappelboldo, der Drache. Der musste ein für alle Mal einsehen, wer hier jetzt das Sagen hatte. Aber, wie war das anzustellen?
Da kam ihm der Zufall zu Hilfe. Eines Tages, als unser Ritter, er hieß übrigens Otto, umherstreifte, gelangte er an die Höhle des Drachen. Dieser war mit seiner Lieblingstätigkeit, dem Schlafen beschäftigt und träumte dem Müller Johann und seiner jungen Frau eben ein kleines Töchterlein. Das war ein heikles und ernstes Geschäft, und man durfte sich nicht den kleinsten Fehler leisten. Schließlich musste das kleine Menschlein dann ja ein ganzes Leben mit diesem Fehler zurande kommen.


Sternenelfe


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