Grabstätten und Grabsteine   Teil III

Mich haben Friedhöfe und Grabstätten schon immer fasziniert und ich bin mit ziemlicher Sicherheit nicht die einzige, die dahingehend eine gewisse Affinität besitzt. In den nächsten Artikeln werde ich mich mit den Bestattungsriten und der Denkmalerrichtung für die Toten in den unterschiedlichen Kulturen beschäftigen.

Bild: Sarg-Kunst Huhn

Können Sie sich vorstellen in einer riesigen Kakaobohne beerdigt zu werden? Oder in einen gigantischen Huhn aus Holz, oder in einem knallroten Holz-Sportwagen? Die Bewohner des Südosten Ghanas können das, und sehen in dieser einzigartigen Form der letzten Ruhestätte, ihren Verstorbenen gegenüber, einen ganz speziellen Liebesbeweis.


Extravaganz über den Tod hinaus

Im Südosten Ghanas (Region von Greater Accra) befindet sich einige Ateliers, meist als Familienbetriebe geführt, die den Verstorbenen einen letzte Ruhestätte der besonderen Art zimmern. Hier können Verwandte die irrwitzigsten Särge bauen lassen. Jeder Sarg wird exakt nach den Vorstellungen der Hinterbliebenen gebaut und eigens von einem Künstler der Region handbemalt. Natürlich ist die Wahl des Motivs eines Sarges angelehnt an das Leben der Verstorbenen. So beerdigte man den Besitzer einer Kaffeebohnenplantage -wie sollte es anders sein- in einer bunten und fröhlichen Holz-Kaffeebohne. Eine Dame bestellte für ihre gluckenhafte und kürzlich verstorbene Mutter einen Sarg in der Form eines Riesenhuhns.


Bild: Sarg-Kunst Canon


Wie das Sarg Bauen zur Kunst wurde

Diese Form der Sarg-Kunst findet ihren Ursprung in einer Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts, in der sich die Häuptlinge in speziellen Sänften durch die Gegend tragen ließen. Diese Sänften stellten -je nach Clan und Vorliebe des Oberhauptes- die unterschiedlichsten Figuren dar und waren wichtige Status-Symbole. Ein Häuptling wünschte sich zur Zuschaustellung seiner wirtschaftlichen Kraft, eine Sänfte in Form einer riesigen Kakaobohne. Da er aber noch vor deren Fertigstellung starb, gab man ihm die Sänfte einfach mit ins Grab. Es ist zwar nicht bewiesen, doch gut vorstellbar, dass dies der Ursprung der Sarg-Kunst Ghanas war. So entwickelte sich eine derart spezielle Tradition, wie es sie kein zweites Mal auf der Welt gibt - ein Rückgang der Bestellungen ist für die Sargtischler nicht zu erwarten. Zumal sich die Bestellungen längst nicht mehr auf Ghana beschränken. Mittlerweile gehen Aufträge aus aller Welt ein. Trinkfreudige Bier-Liebhaber aus Deutschland wollen in Bierflaschen beerdigt werden, amerikanische Geschäftsmänner in überdimensionalen Handys. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Die Ausführung der handgefertigten Särge hat oft etwas mit dem Beruf des Verstorbenen zu tun oder auch mit dessen Hobbies und Vorlieben. So stellten die ghanaischen Sarg-Künstler unter anderem bereits Särge in Form von Fischen, Flaschen, Dosen, Hühnern, Tomaten, Autos, Flugzeugen, Schuhen, Früchten und sogar einer Canon Digitalkamera her. Die Ehre in einer Raubkatze beerdigt zu werden, wird allerdings nur Würdenträgern -Oberhäuptern des Clans- zu Teil.


Bild: Sarg-Kunst Fisch

Der bekannteste Sarg-Künstler war Seth Kane Kwei (1925 – 1992), der das Handwerk wohl von deinem Onkel Ataa Oko erlernte, die Quellen dazu sind nicht eindeutig belegbar. Kane Kwei führte gemeinsam mit seinem Bruder von 1951 an eine Sargmanufaktur in Teshie. Mittlerweile wurde diese von seinem Sohn Cedi Anang Kwei und später von seinem Enkel Eric Adjetey Anang übernommen. Seit die Särge in den 70er Jahren von einem Amerikaner in Teshie entdeckt wurden, erlangten sie auch außerhalb von Ghana große Bekanntheit. Erstmals wurde Seth Kane Kwei 1972 nach Kalifornien eingeladen, um seine Särge als Kunstwerke auszustellen. Die Ausstellung lief unter dem Namen „The Egg and The Ey“ und fand in Los Angelos statt. Seither folgten weitere internationale Ausstellungen der diversen Sarg-Künstler in den USA, in Europa sowie in Asien, beispielsweise 2011 unter dem Titel "Miracles of Africa" in Finnland.


Besänftigung der Toten

Die aufwendige Gestaltung der Särge hängt natürlich stark mit den Vorstellungen über das Jenseits zusammen. Nach dem Glauben der Ghanaer geht das Leben im Jenseits auch nach unserem Tod in etwa so weiter, wie hier im Diesseits. Allerdings haben die Verstorbenen in ihrem neuen Status als Ahnen größere Macht und ebenso einen Einfluss auf das Leben ihrer noch lebenden Verwandten. Man glaubt also, die Verstorbenen durch einen besonders exklusiven und kunstvollen Sarg positiv stimmen zu können. Hier spielt natürlich auch der materielle Wert eine Rolle, denn so ein Sarg ist nicht ganz billig, wenn man sich das Durchschnitts-Einkommen dieser Region ansieht. In etwa 500 US Dollar müssen die Hinterbliebenen für ihre extravaganten Sarg-Wünsche bezahlen.

Es beschleicht einen das Gefühl, die Menschen in Westafrika gingen mit dem Tod ganz anders um, als wir hier in Europa. Es scheint, als wäre der Tod viel mehr als Teil des Lebens anerkannt als bei uns und würde genauso gefeiert werden wie das Leben selbst. Sieht man die Bilder der bunten und phantasievollen Särge, könnte man meinen, in Ghana würden die Menschen auch mitten in der Trauer um die Verstorbenen, ihre Lebensfreude und vor allen Dingen auch ihren Humor nicht verlieren.


Bild: Beerdigung im Fisch

Quellen:
Regula Tschumi: Die vergrabenen Schätze der Ga. Sarg-Kunst aus Ghana. Bern 2006.
TV-Dokumentation: Ghana - Wie das Sein, so der Sarg. Frankreich 2010.
http://www.fr-online.de/panorama/seltsame-saerge-begrabt-mich-in-einer-gebaermutter,1472782,3354456.html;
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/sarg-kunst-in-ghana-flaschenpost-ins-jenseits-a-800719.html

Bildquellen:
http://www.arte.tv/guide/de/046335-000/ghana-wie-das-sein-so-der-sarg;
http://www.spiegel.de/fotostrecke/figurensaerge-in-ghana-tot-im-fisch-fotostrecke-75695.html

 


Leilani


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