Der Stein der Weisen?!   Teil II

Im Altertum wurde nach dem Stein der Weisen gesucht und noch heute sprechen wir bei einer weitreichend sinnvollen Idee vom "Stein der Weisen". Manchmal weist es sich aber auch, dass die Suche nach dem Stein der Weisen verlorene Liebesmüh war.
Meine Gedanken zu Lithotherapie und Stein- bzw. Feinsinn ...

Die heute bekanntesten Zeichen für Steine und Metalle wurden von R. H. Charubel-Laarss in seinem Buch der Amulette und Talismane festgehalten. Aber auch in anderen Weltgegenden wurden Mineralien, Fossile und Edelsteine zu den unterschiedlichsten magischen Zwecken verwendet. Ob im alten Ägypten als in Skarabäusform geschnittener Lapislazuli, als Donnerkeil eines tibetischen Lamas, als Büffelstein im Medizinbeutel im Grab eines native Americans, als afrikanische Himmelsgott-Äxte (steinzeitliche Steinbeile) oder, oder oder - es gibt wohl kaum eine Zivilisation auf unserem Planeten, die ohne magische Steine ausgekommen wäre. Selbst wir hier und heute haben "Glücksmünzen" oder Schmuck, der uns Glück, Gesundheit, Liebe bringen oder andere Wünsche erfüllen soll.


Was wir so alles wissen oder zu wissen glauben

Gerade in "esoterischen" oder naturheilkundlich interessierten Kreisen kursieren die mannigfaltigsten Ansichten über die Verwendung und den sinnhaften Gebrauch von Steinen generell. Wer hat nicht von Hildegard von Bingen gehört oder von den magischen Boji-Steinen, von der strahlenabwehrenden Kraft eines Rosenquarzes vor dem Computerbildschirm oder den positiven Auswirkungen eines Bernsteins beim zahnenden Nachwuchs? Aber ist es wirklich so einfach und so klar überliefert, dass wir sicher sein können, konkretes Wissen unserer Vorfahren vermittelt zu bekommen?

In meinen Augen ist die Sache leider nicht ganz so einfach, wie vielfach dargestellt. Allein die Tatsache, dass z. B. die Heilige Hildegard (1098 - 1179) ihre Traktate zu einer sehr frühen Zeit - in Latein - abgefasst hatte und die als wissenschaftlich zu bezeichnende Mineralogie erst mit Georg Agricolas Werken tatsächlich als solche bezeichnet werden kann (1494 – 1555) sollte etwas zu denken geben... von Plinius (der um die Zeitenwende lebte) ganz zu schweigen!
Damit haben wir einerseits die Hürde der Übersetzung und andererseits die der Standardisierung. Was zur Zeit der Hildegard als Karfunkel bezeichnet worden ist, kann heute ein Granat, ein Rubin, ein Spinell oder ein ähnlich roter durchsichtiger Stein sein. Katzenaugen sind sogar heute noch mehr als verwirrend benamst. Rein "rechtlich" dürfte ausschließlich ein Chrysoberyll sich so nennen, faktisch werden aber rund hundert unterschiedliche Mineralien, sobald sie zur Kugel oder zum Cabochon geschliffen sind, ob des auftretenden Katzenaugeneffekts so genannt. Es soll auch schon des öfteren vorgekommen sein, dass ein glücklicher Käufer mit einem Labradoriten anstatt eines eigentlich gesuchten Mondsteins von dannen gezogen ist (und Mondstein kann schon verwirrend sein, weil sich dahinter die unterschiedlichsten Feldspate verbergen können). Ein wahres Verwirrspiel gibt es auch um den oft mit Engelenergie in Verbindung gebrachten Aqua-aura. Auf der einen Seite kann dieser Stein ein künstlich hergestelltes Produkt aus Bergkristall (durch Aufdampfen einer dünnen Goldschichte erscheint der Stein schlussendlich bläulich) oder aber auch ein natürlich vorkommender Coelestin sein. Alles ist möglich, wie im Lotto umso mehr, je länger etwas zurück liegt!!
Einige Gedanken sollten wir heute vielleicht auch an die mehr oder weniger lautere Heilsteinindustrie verschwenden. Nicht nur hat Verkaufspersonal schon einmal herbe Wissenslücken, so gibt es auch schwarze Schafe, die ganz bewusst eingefärbten Magnesit als Sugilit oder Türkis verkaufen. Wer mineralogisch nicht wirklich auf der Höhe ist, der ist mehr oder minder gezwungen den Aussagen des Verkäufers Glauben zu schenken oder eben selber zum Spezialisten zu werden, wenn es um die Echtheit der jeweiligen Schätze geht.

Damit stellt sich, wie so oft im nicht wissenschaftlichem Kontext, die Frage nach der Kategorisierung. In welchem Gebiet bewege ich mich mit der Beurteilung einer Aussage über Steine?
Wenn wir alte Texte als Referenz hernehmen, dann ist es mehr als sinnvoll um die Begleitumstände des Geschriebenen sehr genau Bescheid zu wissen. Somit ist auch hier Expertentum gefragt, das leider nur zu selten zu finden ist. Von vielen Autoren wird dieser Grundsatz vernachlässigt und so verbreiten sich Fehleinschätzungen immer weiter (auch wenn heute Quellenangaben üblicher geworden sind als früher...). Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb finden sich in den unterschiedlichen Büchern der Heilstein-Fachliteratur einerseits große Unterschiede in der Beschreibung der einzelnen Steine andererseits dieselben Fehler im Bezug auf Mineralogie oder historische Korrektheit.

Was sich an Indikationen oder Anwendungsmöglichkeiten der Heilsteine findet ist ebenso vielfältig. Ein Standard lässt sich wohl kaum festlegen abgesehen davon, dass eine allgemeingültige Wirkung (geschweige denn eine wissenschaftlich nachweisbare und genau definierte) nicht dokumentiert ist.


Wie könnte denn dann ein sinnvoller Zugang aussehen?

Persönliche Erfahrungen können durchaus einen gewaltigen Wert haben. Nicht alles muss entweder wissenschaftlich oder durch Geschichte bzw. mündlich überlieferte Vergangenheit abgesichert oder bestätigt sein. Meine Erfahrung lehrt mich, dass ein im Bach gefundener Kiesel, den ich bespreche (mit einem ganz bestimmten Auftrag, einer ganz bestimmten Fähigkeit versehe), durchaus die gewünschte Wirkung zeigen kann. Ein schwarzer Bachkiesel erleichtert oder beseitigt dann Kopfschmerzen. Genauso aber tut das ein mit tibetanischen Heilmantras von einer Eingeweihten besprochener weisser Quarz oder ein Magnesit, der das lt. Heilsteinliteratur von sich aus tun soll.
Ich denke nicht, dass hierbei die chemische Zusammensetzung des jeweiligen Steines auch nur irgendeine signifikante Bedeutung hat (ausgenommen im Ayurveda und in der traditionellen chinesischen oder tibetischen Medizin, in der Steine bei bestimmten Kräuterrezepturen mitverarbeitet und eingenommen werden). Wichtig scheint mir in unseren Anwendungsweisen auf jeden Fall die Farbe zu sein (oder besser gesagt, das, was der jeweilige Anwender mit der Farbe verbindet!) In unserem Kulturkreis ist beispielsweise die Farbe Weiss besonders mit Reinheit und Licht verbunden, Rot ein Zeichen der Vitalität, der Liebe aber auch des Zornes oder des Blutes. Schwarz hingegen tendiert ins Geheimnisvolle, ist ein Zeichen der Trauer und "schluckt" Energie. Manche dieser Ansichten lassen sich durchaus erklären (durch Farbenlehre, Physik, Volksüberlieferungen etc) andere wurden oder werden einfach nur von der Mehrheit so empfunden. Ob der Wirkmechanismus sich nun ausschließlich auf einem Placeboeffekt gründet, irgendwann die Eigenschwingung der jeweiligen Substanzen in der Wirkung wissenschaftlich bewiesen werden kann oder sich noch etwas ganz anderes auftun wird - all das ist für mich nur von nachrangiger Bedeutung. Mir ist wichtig, dass Steine helfen und keinerlei Schaden anrichten. Damit meine ich nicht, dass sie keinen Schaden anrichten könnten, sondern dass sie so angewendet werden sollten, dass sie das nach menschlichem Ermessen nicht tun.

Generell empfehle ich jedem Interessierten sowohl sein Fühler in der Natur als auch auf Mineralienbörsen auszustrecken und schlichtweg persönliche Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Materialien und Anwendungsformen zu sammeln. Natürlich ist dazu ein wenig Grundwissen mehr als hilfreich!! Aus Sandrosen lässt sich nur schwerlich "Steinewasser" machen, Amethyste regelmässig im Solarium getragen werden in der Farbe auf Dauer zu wünschen übrig lassen und dass Bernstein leicht brenn- und schmelzbar ist, stellt auch kein großes Geheimis dar. Sind der Großteil dieser bodenständigen Grundlagen einmal erlernt, dann steht die Türe offen für Experimente aller Art. Allerdings würde ich immer empfehlen bei der Einnahme von Gesteinsmehl (welcher Herkunft auch immer!!) und "Steinelexieren" gesunden Hausverstand walten zu lassen.
Ausprobieren, ausprobieren und dokumentieren, dokumentieren sind die Schlagwörter, die den besten Erfolg garantieren.

Solltet ihr nun Lust bekommen haben, auf diesem Gebiet Erfahrungen zu sammeln oder vielleicht sogar gesammelte Erfahrungen mit anderen zu teilen - unsere Rubrik "SteinWeise" sucht seit mehr als einem Jahr eine(n) sach- und fachkundigen RubrikBetreuerIn mit Spaß am Austausch und am Werkeln mit den anderen WurzelWerklern. Mailt uns einfach einen Probeartikel, setzt euch mit uns in Verbindung und macht damit den Horizont unsere Ressourcen noch ein wenig weiter.


Anufa


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