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Eine Verbindung von
Bernstein zu „Feuer“ zu ziehen, liegt bei der „sonnigen“ Farbe,
den Herkunftsmythen und Eigenschaften des Bernstein
nicht all zu fern. Möglicherweise wurde das Brisingamen,
der Halsschmuck - oder Gürtel - der Göttin
Freyja als mit Schmucksteinen besetzt oder aus Steinen bestehend gedacht.
Bernstein ist jedoch nur eine Möglichkeit von vielen. Die Bedeutung
des Wortteils brisinga ist nicht sicher, vermutet
wird die Ableitungen vom poetischen altnordischen Begriff brísingr, „Feuer“.
(In einem norwegischen Dialekt bedeutet brisa 'aufflammen', 'glitzern',
'glänzen'.) Demnach stellte man sich das Schmuckstück
vielleicht „wie Feuer funkelnd“ oder „blitzend“ vor:
Von alters her ist dies eine geschätzte Eigenschaft von Edelsteinen.
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Holzrosensamen
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Aufgrund
gewisser Hinweise in den Schriftquellen, in denen das Brisingamen
erwähnt wird, haben manche Forscher jedoch auch
eine Verbindung zu den hafnýra, den „Meeresnieren“ hergestellt.
Hierbei, so wird vermutet, handelt es sich um die
rötlich braunen Früchte
oder Samen einer westindischen Pflanze. Vermutet wird
u.a. die Holzrose, der Merremia tuberosa, (Obwohl
diese weder rötlich-braun, noch nierenförmig sind.)
die vom Golfstrom nach Norden getragen wurden. In Norwegen heißen
diese Samen auch vettenyrer, „Wichtnieren“,
oder søbønner„
Seebohnen“, in Island lausnar-steinar „Geburtsteine“:
Diese „Steine“ dienten als Amulett, und
wurden Gebärenden an die Hüfte
oder Schenkel gebunden, damit sie eine komplikationslose
Geburt unterstützen.
Die Verbindung zu Freyja, die mit Geburt und Geburtshilfe
zu tun hat, wäre also äußerst naheliegend.
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| Völundr-Szene
nach dem Auzon-Kästchen |
Ein weiterer interessanter Hinweise auf einen magischen
Edelstein in der altnordischen Literatur ist der Stein
im Ring des Magier-Schmiedes Völundr (Wieland).
Wegen der Abbildungen auf dem Auzon- Kästchen - einer
aus Walbein geschnitzten Schatulle die verschiedene
biblische und einheimische mythologische Szenen zeigt
- wird ein Bezug zwischen dem berühmten
salomonischen Ring (auf der Rückseite des Kästchens)
und dem von Wieland gehaltenen magischen Ring (auf der
Vorderseite) gezogen.
Möglicherweise wurden der Ring des Völundr
und Salomos für identisch gehalten. Von Bedeutung
dabei ist, dass es der Stein des Ringes ist, der diesem
seine magische Wirkung verleiht. Dass Wielands Ring
tatsächlich
edelsteingeschmückt gedacht wurde, legt die Völundarkviða nahe.
Dort heißt es in Strophe 5:
„Er [Völundr] schlug rotes Gold
an harten Edelstein.“
Nach der Eiriks saga rauða („Saga von Erich
dem Roten“)
besaß die Seherin Thorbjörg einen messingbeschlagenen
Stab dessen Knauf ebenfalls mit einem Edelstein besetzt war. Was
genau für einer wird – wie bei Völundrs Stein
- allerdings bedauerlicher Weise nicht erwähnt.
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| Schwertanhänger |
Besonders während der Völkerwanderungs- und
Merowingerzeit wurden Schwertanhänger aus Edelsteinen
am Knauf der Waffe eingefügt oder an dem Schwertgriff,
bzw. der Scheide festgebunden. Insgesamt sind Schwertanhänger aus
c.a. 100 verschiedene Materialien gefunden worden,
darunter auch Bernstein, Almandin, Chalcedon und Bergkristall.
(Im Grab des Merowingerkönigs Childerich wurde
ein großer Bernstein gefunden, der ihm vermutlich
als Schwertanhänger gedient hatte.)
Die meisten dieser Anhänger waren donutförmige,
d.h. runde flache Scheiben mit einem Loch in der Mitte. Spekuliert
wird darüber, wie diese Talismane zum Schwert kamen:
Wurden sie ganz profan mit dem Schwertgehänge
zusammen gefertigt? Von einem Gefolgsherrn oder als Symbol
für die Schwurfreundschaft zwischen Kriegern vergeben? Vermutet
wird auch, dass diese Schwertanhänger eine Waffenglück
verheißende
Morgengabe der Frau an den Mann gewesen sein könnte,
da nicht selten ähnlich große „Donughts“ als
Spinnwirtel in Frauengräbern gefunden worden
sind. Die magischen Kräfte
des Steines jedenfalls sollten wohl das mit dem Schwert
verbundene Heil erhöhen.
Auch diese Idee der magischen Schwertanhänger ist jedoch nicht
originär germanisch, sondern
stammt ursprünglich aus dem Iran und wurde von den Hunnen
an die Germanen weitergegeben.
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Bergkristallkugel
aus der VWZ |
In Frauengräbern wurden häufig Bergkristall- oder Rauchtopaskugeln, die
Frauen am Gürtelgehänge getragen haben, gefunden.
In vorwikingerzeitlichen Gräbern sind diese Kugeln
besonders häufig in gotischen, angelsächsischen
und allemannischen Gebieten zu finden. Diese Kugeln wurden nie durchbohrt, sondern in Silber, Gold oder Bronze
gefasst. Vermutet wird, dass diese Kugeln im hellenistischen Bereich
gefertigt worden waren. Im Grab von Årslev in Dänemark
fand man eine solche Kugel mit gnostischer Inschrift.
In der Fachliteratur konnte ich zur vermutlichen magischen
Verwendung diesen Bergkristallkugeln leider nichts weiter finden,
in Romanen habe ich jedoch öfters die Vermutung gelesen, dass
sie den Frauen für divinatorische Zwecke, sozusagen als „Kristallkugel“ gedient
haben sollen.
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Verschiedene Formen
der „Visby-Linsen“
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In gotländischen Schatzfunden des 10. und 11.
Jhdts. kommen solche Anhänger in ovaler Variante
vor, sogenannten Visby- Linsen“. Diese Bergkristalle sind
so geschliffen, dass sie als Linsen oder Lupen verwendet
werden konnte. Vermutet wird, das die Steine aus dem
Orient über Rußland nach Gotland gekommen
sind, wo sie eingefasst und dann als Schmuckstücke, bzw.
Talismane getragen wurden. Gefasste und ungefasste
Objekte aus Bergkristall tauchten auf Gotland gegen
Ende des 11. Jahrhunderts auf und verschwanden ebenso plötzlich
wieder. Das legt den Verdacht nahe, daß alle
Stücke dieser Art Gotland bei ein und derselben
Gelegenheit erreichten, zum Beispiel über einen
Händler oder aber als Teil einer Kriegsbeute.
Vielleicht nicht wirklich magisch, aber auf jeden Fall äußerst
geheimnisvoll sind die Erwähnungen von sogenannten solarsteinn, „Sonnensteinen“,
die die Seefahrer der Wikingerzeit zur Navigation
benutzt haben sollen. Vermutet wird, dass es sich dabei um
Feldspat, (von schwedisch: fjäll, Berg und "Spat" wegen
der guten Spaltbarkeit) gehandelt haben wird, einem
Mineral der Gruppe der Silikat-Minerale, dessen Farbe von farblos über weiß, rosa, grün,
blau bis braun reichen kann.
Dieses Mineral polarisiert Licht und theoretisch könnte so
ein Stein geholfen haben den Sonnenstand zu bestimmen,
wenn Wolken die direkte Sicht auf diese behindert hätten. Auch
viele Hügelgräber, Steinsetzungen und andere steinerne
Monumente mit sakralem Charakter im Norden wurden
aus Findlingen mit Kristalleinschlüssen
errichtet, und nicht etwa aus anderem leichter zu
beschaffendem und bearbeitenden Material, das vor Ort vorhanden
war und abgebaut werden konnte.
Literatur:
• Arrhenius, B.: 'Bergkristall' in: RGA Bd. 2, Hrsg.: Beck, Heinrich
/ Jankuhn, Herbert / Ranke, Kurt / Wenskus, Reinhard, Berlin/New
York
1976, S. 267-269.
• Arrhenius, B.: Edelsteine, in: RGA Bd. 6, Hrsg.: Beck, Heinrich /
Jankuhn, Herbert / Ranke, Kurt / Wenskus, Reinhard, Berlin/New
York 1986,
S. 427 – 441.
•
Beckman, N./ Kålund, Kristian (Hrsg.): Alfræði íslenzk:
Islandsk encyklopædisk litteratur: Samfund til udgivelse
af gammel nordisk litteratur,
København 1914-16.
•
Braunstein, Ph.: 'Edelsteine' in: Lexikon des Mittelalters Bd. 3,
Auty, Robert (Hrsg.) , München 1986.
• Follmann, A.B.: 'Bernstein und Bernsteinhandel' in : RGA Bd. 2, Hrsg.:
Beck, Heinrich / Jankuhn, Herbert / Ranke, Kurt / Wenskus, Reinhard,
Berlin/New York 1976, S. 288-298.
•
Gienger., Michael: Lexikon der Heilsteine. Von Achat bis Zoisit,
32000 Saarbrücken.
•
Foote, Peter: 'Steinbøker', in KLNM Bd. 17, Karker, Allan
(Hrsg.) København 1972, Sp. 155-118,
• Klingenberg, Heinz: 'Brisingamen' in RGA Bd. 2, Hrsg.: Beck, Heinrich
/ Jankuhn, Herbert / Ranke, Kurt / Wenskus, Reinhard, Berlin/New
York 1976, S. 464-465.
• Meaney, Audrey: Drift Seeds and the Brisingamen, in: Folklore, Bd.
94, Nr. 1 (1983), S. 33-39.
•
Pachinger, A. M.: Glaube und Aberglaube im Steinreich, München,
1912.
•
Steuer, H.: 'Schwertanhänger' in RGA Bd. Bd 27: (Hrsg.): Beck,
Heinrich / Geuenich, Dieter / Steuer, Heiko Berlin/New York 2004,
S. 597-
601.
Bildnachweis:
•
1, 4 , 5, 6, 7, 8, 9: © by Wælceasig
• Bild Nr. 2: http://www.nlm.nih.gov/hmd/breath/Faces_asthma/VIIA29.html
• Bild Nr. 3: http://home.iprimus.com.au/sevenstars/breastplate.jpg
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