Betreut von Leilani
Quarz, das Chamäleon der Heilsteine

Teil II - Der Amethyst

Der Stein, dem diesmal unser Interesse gilt, heißt Amethyst. Der Name "Amethyst" kommt vom griechischen Wort "amethystos", was „nicht berauschend“ bedeutet. Nach alten Überlieferungen sollte der Amethyst nämlich Betrunkene nüchtern machen. Er hat die Härte 7 auf der Skala nach Mohs.

Der Amethyst ist der Beweis für die Urkraft und Faszination der Farbe Violett. Seit Jahrtausenden ist das wohl auffälligste Mitglied der Quarzfamilie begehrtes Kleinod der kirchlichen und weltlichen Herrscher. In der Bibel beschrieb Moses ihn als Sinnbild für Gottes Geist im Brustpanzer des Hohepriesters.

Hildegard von Bingen schrieb über den Amethyst:

"Der Amethyst wächst, wenn die Sonne einen Hof hat, als habe sie einen Ring. Das ist dann der Fall, wenn sie irgendeine Veränderung am Gewand des Herrn, nämlich in der Kirche, ankündigt. Wenn er wächst, dann in Massen wie der Kieselstein, und deshalb gibt es so viele. Er ist warm und feurig und ein bisschen luftartig, weil zu der Zeit, da die Sonne, wie gesagt, einen Hof hat, die Luft ziemlich lau ist. Wenn jemand Flecken im Gesicht hat, befeuchte er einen Amethyst mit seinem Speichel und bestreiche mit dem auf diese Weise angefeuchteten Stein die Flecken. Dann lege er den Stein auch in dieses Wasser und wasche mit dem Wasser sein Gesicht. Dies mache er oft so, und er wird im Gesicht eine zarte Haut und eine schöne Farbe bekommen. Wenn jemand aufgrund einer plötzlichen Geschwulst irgendwo an seinem Körper geschwollen ist, befeuchte er diesen Stein mit seinem Speichel und berühre dann mit dem feuchten Stein überall die geschwollene Stelle: Die Schwellung wird zurückgehen und verschwinden."

Eine Unmenge an wunderbaren Kräften werden dem violetten Quarz in vielen Kulturen nachgesagt. Er schützte das Feld vor Unwettern und Schädlingsplagen, verlieh Jagdglück, vertrieb böse Geister und befreite den Verstand. Bei Plinius kann man lesen, dass dieser Edelstein, an einer geflochtenen Schnur aus Hundehaaren um den Hals getragen vor Schlangenbissen schützen soll. Amethyst könne auch überschüssige Magensäure neutralisieren und nach Hildegard von Bingen, wie ich schon erwähnte, gegen Insektenstiche und zur Verschönerung der Haut dienlich sein. Nicht nur im medizinischen Bereich hatte er seinen festen Platz, sondern wurde auch als Stein der Freundschaft geschätzt. Da er angeblich Keuschheit verleiht, Vertrauen und Frömmigkeit symbolisiert, nahm der Amethyst auch in der katholischen Kirche über viele Jahrhunderte einen wichtigen Platz ein. Er war der Stein der Bischöfe und Kardinäle und wir finden ihn in den Prälatenkreuzen und im so genannten Papstring im Pforzheimer Schmuckmuseum.

Eine sehr interessante Fähigkeit des violetten Quarzes ist eine Farbveränderung beim Erhitzen. Hellviolette Steine schlagen schon ab 250 Grad in ein leuchtendes Gelb um und klare werden bei 400 Grad gelb oder farblos. Viele Amethyste bleichen bereits im Tageslicht aus und eine Rückfärbung ist nur durch Radiumstrahlung zu erreichen. Dieser Farbverlust macht aber klar, dass Amethystschmuck nicht beim Sonnenbad, im Solarium oder im Schwarzlicht (Tanzlokal) getragen werden sollte.

Die wichtigsten Vorkommen liegen in Südbrasilien und im benachbarten Uruguay. Drittes wichtigstes Exportland ist Madagaskar. Verbreitet ist der Amethyst aber in allen Erdteilen. In Aztekengräbern fand man Amethyste besonders feiner Qualität, deren Fundstellen bis heute verschollen sind. In Kanada gibt es einen Ort namens "Amethyst-Harbor". Amethyst kommt dort sehr häufig vor, leider selten in Edelsteinqualität. Das Edelsteinzentrum Idar-Oberstein begründet seinen Ruhm mit auf den deutschen Amethystfunden und bezog früher auch Rohware aus den Zillertaler Alpen. Eine gute Stelle um dem violetten Quarz zu begegnen ist auch die Amethystwelt im niederösterreichischen Maissau. Früher spielten die Kinder mit den "blauen Steinen", die sie auf den Feldern fanden. Bald erkannten aber die Erwachsenen den Wert der Brocken und begannen systematisch nach ihnen zu suchen. 1999 wurden schließlich erste Sondierungen eingeleitet um die Ader genauer zu erforschen - und die Ergebnisse waren beinahe unglaublich.
Als sicher gilt, dass die Ader an die 450 Meter lang ist, an beiden Enden aber mit großer Wahrscheinlichkeit noch weiterführt. Damit zählt sie zu den bedeutendsten Amethyst-Konzentrationen der Erde. Einige Experten vermuten, dass die Ader die mächtigste der Welt sei. Ich kann mich noch gut erinnern an die Ofenbank meiner Eltern in der mein Vater, ein unermüdlicher Bastler, zwei Amethystscheiben aus Maissau eingebaut hatte die wie die Flügel eines Schmetterlings aussahen. Die größte bisher gefundene Amethystgeode wurde im Jahr 1900 in Rio Grande do Sul in Brasilien gefunden. Sie hatte eine Größe von zehn mal fünf mal drei Metern und wog 3,5 Tonnen. Dass Teil hat die Maße eines kleinen Zimmers und ist an seinen Wänden über und über mit kleinen Amethystkristallen bedeckt.

Ich empfehle den Amethyst in Wasser über Nacht eingelegt gegen Kopfschmerzen infolge von zu viel Alkoholkonsum. Alle 5 Minuten einen Schluck, bis das Glas leer ist. Besser wäre es aber beim Fortgehen einen getrommelten Amethyst als „Handschmeichler“ in der Tasche zu haben. Bei Kopfschmerzen generell hilft es, wenn man den Amethyst auf das„dritte Auge“ legt. Eine in der Nähe der Zimmerpflanzen aufgestellte Druse fördert das Wachstum der Pflanzen. Wer unter Konzentrationsschwäche leidet, sollte auf seinem Schreibtisch eine Kristallgruppe aufstellen. Auch bei der Bewältigung von Trauer wirkt dieser Stein unterstützend. Amethyste wirken zerstreuend auf Strahlen, Energien und Licht und haben so eine harmonisierende Wirkung. Im Gegensatz zu vielen anderen Steinen darf der Amethyst nicht in die Sonne gelegt werden, aber das sollte nach den obigen Ausführungen bereits klar sein! Einfach einmal im Monat unter fließendem Wasser entladen.

Die Faszination der violetten Schwester des klaren Bergkristalls liegt für viele schon alleine in der Sattheit der Farbe. Gar verzaubert sind viele vom Spiel der Töne, die diesem Mineral inne wohnen und uns auf zauberhafte Weise entzücken. Alles in allem ein wunderbarer Schatz, den die Göttin uns hier offenbart und den wir weise und dankbar benutzen sollten.


Dunkler_Clown


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