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Stadtschamane
Ich bezeichne mich als Stadt-Schamane. Das verwundert die Menschen manchmal, denn wieso lebt ein Schamane nicht im Zelt oder in einer Höhle, oder zumindest auf dem Land?

Im Laufe der Jahre haben mich mehrmals Leute gefragt, wie es sich vereinbaren lasse, in der Stadt zu wohnen und Schamane zu sein. Ob es nicht angebrachter sei, auf dem Land und mehr naturverbunden zu leben. Meine Meinung ist, der Schamanismus kann in der urbanen Umgebung genauso gut gelebt werden .Hier sind einige Argumente zu diesem Thema:


Natürlich(e) Stadt
Es gibt sowieso zahlreiche Leute mit schamanischen Talenten. Wenn sie die Gelegenheit haben, sich bewusst damit auseinander zusetzen, können sie für sich und andere nutzbringende Dinge tun.
Mit ist schon die Aussage untergekommen, Magie solle in einer natürlichen und nicht in einer künstlichen Umgebung praktiziert werden. Dazu sage ich: Unsere Städte sind nicht künstlich, alles woraus sie gebaut wurden, stammt von unserem Planet Erde. Dass die Menschen ihren Lebensraum umgestalten, macht die Stadt nicht weniger wertvoll. Auch der Bau eines Bibers oder Fuchses, jeder Ameisenhaufen und auch Bienenwaben und Vogelnester wurden von ihren Bewohnern so gebaut und sind ein Bestandteil der Natur und nichts Künstliches.

Ich verwende für meine Rituale gerne CDs und Kassetten statt live zu trommeln. Okay, damit schone ich die Gehörgänge der Nachbarn und ich kann den Discman und die CDs leichter in eine Tasche packen als eine Trommel. Ist jetzt die Musikkonserve minderwertiger als die Trommel? Nein, beides ist ein Produkt unseres Planeten.

In der Stadt, wo viele Menschen leben, gibt es auch zahlreiche Probleme und Schwierigkeiten. Daher braucht man dort den Schamanen mehr als in der Wildnis, wo (hoffentlich) alles sauber und im Einklang ist.
Soviel reine Natur findet man leider nicht mehr in Europa. Daher ist es erforderlich, sich nach der Decke zu strecken. Kraftorte findest du auch in der Stadt, du musst nur die Augen offen halten. Meine Erfahrung hat mich gelehrt: die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du mit den Kräften des Ortes arbeitest, an dem du dich aufhältst.
Der Schamanismus war immer schon an die landschaftlichen, klimatischen und kulturellen Bedingungen angepasst. Dass man/frau ihn an die urbane Umgebung adaptiert ist somit nur logisch.


Schamanische Techniken
Die schamanischen Prinzipien funktionieren sowieso, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Heutzutage findet der ekstatische (Stammes-) Tanz in der Disco und beim Rockkonzert statt. Wenn Jugendliche einer bestimmte Szene oder Bewegung angehören, sind auch ritualisierte Kleidung und zeremonielle Gesichtsbemalung (Make-up) inkludiert. Tanzen ist ein Weg der Trance und Ekstase und gehört zur schamanischen Arbeit und Heilung dazu. In den letzten Jahren hat Trance-Musik sich immer größerer Beliebtheit erfreut, die alten Prinzipien kommen im neuen Gewand.
Auch Stammesmythen gibt es immer noch, in der heutigen Zeit heißen sie "Star Wars" oder "Herr der Ringe" und die Menschen suchen statt eines Mysterienspiels das Kino auf, um sich verzaubern zu lassen.
Spirituelle Techniken müssen an die Gegenwart angepasst werden, damit sie für uns anwendbar und nutzbringend sind. Dazu ein Beispiel: Wenn Menschen heutzutage ein Orakel brauchen, lesen sie (so hoffe ich jedenfalls) nicht mehr die Zukunft in den Eingeweiden von Tieren sondern in Tarotkarten und Runen. Wahrsagen ist eine uralte Sache, die Methode ist heute eben anders als früher.


Was tue ich als moderner Schamane
Ich mache Reisen in die nichtalltägliche Wirklichkeit, vorwiegend nach der Methode des Core-Schamanismus. Wenn jemand Hilfe und Unterstützung braucht, so stelle ich meistens zuerst den Kontakt zum Krafttier her. Anschliessend oder ergänzend entferne ich Engergie-Eindringlinge. Seltener und nur wenn ich es für unbedingt notwendig halte, mache ich eine Seelenrückführung.
Ich arbeite auch mit Sigillenmagie, da die Arbeit mit magischen Mustern und Bildern sich für mich als sehr brauchbar erwiesen hat. Diese Techniken näher zu erläutern würde jetzt den Rahmen des Artikels sprengen, daher nur kurz gesagt: ein Wunsch wird formuliert, die Buchstaben der Wörter werden in ein Muster umgearbeitet, wenn die Bedeutung des Musters vergessen wird, kann das Sigill ins Unterbewusstsein übermittelt werden, teils reicht auch einfach das Vergessen des Wunsches.
Ich feiere Jahresfeste nach Gelegenheit und Stimmung. Auf jeden Fall mache ich Rituale zu Yule/Weihnachten, Ostern und Samhain/Halloween. Immer wieder treffe ich auf die Aussage, die Jahresfeste und auch andere Rituale sind zur Heilung der Natur. Jetzt stellt sich die Frage, trifft das auch in der Stadt zu? Ich sage ja, es trifft zu. Denn durch Rituale und Feste heilen und würdigen wir die Natur in uns selbst und achten dadurch auch unsere Umgebung mehr.
Ich definiere mich als europäischer Schamane und verwende in meinen Ritualen christliche und heidnische Techniken und Symbole, da ich beides als gleichberechtigt und Bestandteil der europäischen Kultur ansehe.

In der heutigen Zeit sehe ich das schamanische Weltbild als sehr empfehlenswert an. Denn wenn wir uns (wieder) bewusst machen, dass alles was existiert lebendig ist und alles mit allem verbunden ist, dann sehen wir auch nicht mehr die Erde als etwas an, das einfach unter unseren Füssen ist. Dann sehen wird den Himmel und das Meer nicht mehr als irgendwo da draußen. Ich sehe Erde, Himmel und Meer als ein Teil von mir und mit mir in Verbindung stehend. Auch der Schamanismus gehört zu mir, auch die Computer gehören zu mir und die Natur in Stadt und Land gehört zu mir.

Mein besonderer Dank ergeht an Eunarius für Vorbild und Motivation zum Artikelschreiben
Es möge Segen sein


Silberwolf


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