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Was ist ein Itako?
Kohkan Sasaki, emeritierter Professor der Komazawa Universität, ist ein Forscher auf dem Gebiet der religiösen Anthropologie, der den Schamanismus in Asien studiert. Kürzlich sprach er mit "The Daily Yomiuri" über Itako.
Übersetzt nach Miki Fujii / Journalist des "Daily Yomiuri"

Daily Yomiuri: Warum sind die meisten Itako Frauen?
Sasaki:
Dafür gibt es verschiedenste Erklärungen. Während in China und Südost-Asien männliche Schamanen verbreitet sind, überwiegen in Indien, Nord- und Südkorea und Japan, wo die Gesellschaft auf patriarchalen Werten aufgebaut ist, die weiblichen. Ich denke, daß in Gesellschaften, in denen die Frauen unterdrückt oder als untergeordnetes Geschlecht diskriminiert werden, Schamanen tendentiell eher weiblich sind. Indem sie sich selbst mit den Göttern in Verbindung bringen, sind Frauen in diesen Gesellschaften fähig, ihre Kräfte mit denen der Männer in Balance zu bringen.
Japaner glaubten, daß die Götter Mitleid mit jenen hatten, die sich in Schwierigkeiten befanden, besonders Kannon, die Buddhistische Göttin des Barmherzigkeit. Sie ist eine der Götter, an die von den Itako am meisten geglaubt wird.
Ich habe in der Okinawa Präfektur Yuta Schamanen ohne Nasen gesehen. Solche physischen Defekte wurden meistens als Symbol für eine übernatürliche Stigmatisierung betrachtet.
Die ältesten Hinweise über weibliche Schamanen in Japan, gehen auf das Wei Zhi zurück, eine chinesische Chronik aus dem dritten Jahrhundert. Eine Frau, die Himiko genannt und als Schamane beschrieben wurde, regierte einen frühen Japanischen politschen Zusammenschluß, der als Yamatai bekannt war, indem sie eine göttliche Kraft benutzte um mit den Göttern zu sprechen.
Die ersten Hinweise über weibliche Schamanen in der Japanischen Literatur gehen bis ins 11te Jahrhundert zurück.

Daily Yomiuri: An welche Religion glauben Itako?
Sasaki: Schamanismus basiert auf einer animistischen Volksreligion. Im Falle der Itako, glauben sie an eine Anzahl von Göttern, die aus unterschiedlichen Glaubenssystemen, wie dem Animismus, Buddhismus und Shintoismus, stammen. Anders, als einfach nur diese Systeme zu vermischen, legen sie spätere Religionen über bereits existierende, was den älteren Glauben und Göttern erlaubt eine starke Identität zu behalten.
Während einer Initiationszeremonie kommt jeder Itako mit den Göttern in Kontakt, die Besitz von ihm ergreifen. Sie lernen auch, welcher Gott unter welchen Umständen am kraftvollsten ist.

Daily Yomiuri: Wie wird die Intitationszeremonie durchgeführt?
Sasaki: Im Training für die Initiation, ziehen Itakos schon 100 Tage vorher einen weißen Kimono an. Sie übergießen sich mit kaltem Wasser aus einer Quelle, einem Fluß oder einem Teich - was normalerweise mitten im Winter stattfindet - und üben zu chanten. Drei Wochen vor der Initiation hören sie auf Getreide oder Salz zu essen und vermeiden künstliche Hitze. Das hilft dabei, einen Extremzustand des Geistes zu erreichen um einen Eintritt in die Trance zu erleichtern.
Während der Zeremonie selbst, wird die Itako Auszubildende als Braut gekleidet, was symbolisiert, daß sie einen Gott heiraten wird. Wiederholtes Trommeln und der Klang von Glocken hilft ihr dabei, die Aufmerksamkeit zu heben und den Geist vorzubereiten, während ältere Itako im Kreis herumsitzen und das Chanting unterstützen. Diese Sitzung kann Tage andauern, bis die Itako schlußendlichin Trance fällt. Das ist der Zeitpunkt, zu dem die Meister-Itako feststellt, von welchem Gott die Auszubildende "besessen" ist. Während dieses anstrengenden Rituals ist es den Auszubildenden nicht erlaubt, zu schlafen und das Essen wird auf ein Minimum reduziert. Weil viele Itakos an einer Sehschwäche leiden, müssen die Auszubildenden die verschiedensten Schriften auswendig lernen. Deshalb kennen einige Itakos die Schriften besser als einige wenig motivierte Priester.

Daily Yomiuri: Warum wurden Itakos dann nicht genauso respektiert wie Priester?
Sasaki: Der Unterschied zwischen Priestern und Schamanen liegt darin, dass Schamanen in Trance fallen, während Priester einfach um die Barmherzigkeit der Götter bitten. Priester kommen öfters aus bevorzugten Familien während Schamanen eher aus der unteren Gesellschaftsschichte stammen oder soziale Aussenseiter sind.
Bevor der Buddhismus und Konfuzianismus nach Japan kam, bedienten sich viele Herrscher der Dienste der Schamanen. Aber als dann dogmatische Religionen eingeführt wurden, wurde der Animismus als Aberglaube und Häresie der Eingeborenenkultur umgedeutet. Einen ähnlichen Trend sehen wir in vielen Zivilisationen rund um die Welt, in denen die Volksreligion von institutionalisierten Religionen wie dem Buddhismus, dem Christentum oder Islam ausgelöscht wurde.
Wahrscheinlich wurden die religiösen Rituale, die einst von den weiblichen Schamanen in Japan durchgeführt worden sind von den nachfolgenden Männern, mit den intelektuelleren Religionen, übernommen.

Daily Yomiuri: Wie können sie sicherstellen, dass eine Itako wirklich in Trance gefallen ist?
Sasaki: Obwohl das für den Forscher ein Knackpunkt ist, kann man niemals sicher sein, dass eine Trance vollkommen authentisch ist. Ich denke, der wichtigste Punkt ist, dass der Klient an die Kraft der Itako glaubt und die Gesellschaft diese Tradition akzeptiert. Das ist ein Aspekt, den alle Religionen gemeinsam haben.

Daily Yomiuri: Kann Itako zur Gesundheit des modernen Menschens beitragen?
Sasaki: Schamanismus kann dabei helfen, Schwächen der moderenen Kulturen auszugleichen, weil er Erleichterung für Menschen bei extremen Schmerzen oder Leid bringt, den Menschen die Möglichkeit gibt, besseren Gebrauch von ihrem täglichen Leben zu machen und dabei hilft, die Gesellschaft und Kultur funktionsfähig zu halten. Schamanismus füllt einige der leeren Stellen, die der moderne Rationalismus und die Wissenschaft nicht zu schließen vermögen.

Übersetzt nach Miki Fujii for The Yomiuri Shimbun

Miki Fujii


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