Yin und Yang   Teil IV

Ein etwas anderer Blick auf die Dynamik zwischen "Yin und Yang", den Sacriba da tut und ich bin schon gespannt, was Euch dazu einfällt.
Thanks to: © Gretchen Sveda

Beispiele im Bereich Hetero-Sex im BDSM
Mann stößt Frau mit seinem Penis und “befiehlt” der Frau, sich nehmen zu lassen: Mann = Yang, Frau = Yin
Mann stößt Frau mit seinem Penis, während ihm die Frau “befiehlt”, wie genau er sie ficken soll: Frau = Yang, Mann = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still, Mann sagt der Frau, wie sie es sich besorgen soll: Mann = Yang, Frau = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still, Frau benutzt den Körper des Mannes als lustvolles Werkzeug: Frau = Yang, Mann = Yin

Beispiele im Bereich Homo-Sex im BDSM
Frau fingert weitere Frau, hält sie fest und “befiehlt” der anderen Frau, auf ihre Finger abzugehen:
Aktive Frau = Yang, Frau, die gefingert wird = Yin
Frau fingert weitere Frau, welche aber der ersten ansagt, wie genau sie gefingert werden möchte:
Frau, die gefingert wird = Yang, aktive Frau = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, hält ihn fest und “befiehlt” ihm, sich nehmen zu lassen:
Mann, der fickt = Yang, Mann, der sich ficken lässt = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, welcher aber dem ersten ansagt, wie er ihn ficken soll:
Mann, der sich ficken lässt = Yang, Mann, der fickt = Yin


Was ist eigentlich BDSM?

BDSM steht eigentlich für drei ineinander verwobene Begriffspaare:
B/D – Bondage/Discipline
D/S – Dominance/Submission
S/M – Sadism/Masochism
Die englischen Bezeichnungen können eins-zu-eins ins Deutsche übersetzt werden:
B/D – Bondage/Disziplin
D/S – Dominanz/Submission
S/M – Sadismus/Masochismus

Es handelt sich dabei um drei verschiedene Spielarten alternativer Sexualität, von denen sich jede der drei Gruppen noch in hunderte Feinvariationen mit eigener Bezeichnung auffächert.
Die Schreibweise der Begriffspaare ist ein Symbol: Der linke Buchstabe steht für die aktive, gebende und anstoßende Handlung (Yang), der rechte für die passive, aufnehmende und transformierende Handlung (Yin). Der Schrägstrich soll ausdrücken, dass die Begriffe Gegensätze sind, wird aber als “und” gelesen, da die aktive und die passive Seite ohne einander kein BDSM betreiben können.

Die Struktur eines (gesunden) BDSM-Spiels ist immer dieselbe:
Wenn von zwei beteiligten Menschen ausgegangen wird, übernimmt eine_r die Kontrolle über bestimmte, im Vorfeld vereinbarte Handlungen, während das Gegenüber die eigene Kontrolle über dieselben Handlungen abgibt. Der Mensch, der kontrolliert, wird Domoder Top genannt, der Mensch, der Kontrolle abgibt, Sub oder Bottom.

Bondage bezeichnet Fesselspiele mit einem aktiven (fesselnden) und einem passiven (gefesselten) Menschen. Die bekannteste Spielart ist dabei das Fesseln mit Seilen aus der japanischen Kultur, allerdings können genauso Handschellen, andere Menschen, die den passiven Menschen festhalten, oder Halterungen an der Wand als Mittel für Bondage dienen. Da solche bewegungseinschränkenden Methoden vom passiven Menschen “Disziplin” verlangen, heißt die Rolle im Spiel dementsprechend.

Sadismus/Masochismus steht für das Zufügen von (Lust-)Schmerz mit einem ausführenden und einem empfangenden Menschen. Das kann mit allen Mitteln passieren, die Schmerz erzeugen: Klassisch sind Reitgerten oder Peitschen, genauso geht es jedoch mit der Hand (was Spanking genannt wird), oder Alltagsgegenständen wie einer Haarbürste aus Holz. Auch schmerzerzeugende Temperaturunterschiede durch Eiswürfel oder heißes Wachs auf der Haut fallen unter diese Kategorie.

Zwischen D/S auf der einen Seite und B/D und S/M auf der anderen Seite gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während das Ziel des Kontrollaustauschs bei Bondage/Disziplin Bewegungseinschränkung ist, sowie bei S/M die Erzeugung von Schmerz, hat D/S keine Vorgabe, welchen Bereich die Kontrolle umspannen soll. Daher sind B/D und S/M eine Unterkategorie von D/S – eben D/S bei bestimmten Handlungen.
D/S selbst kann in jeder beliebigen Handlung stattfinden, weswegen für die Beteiligten eines Spiels besonders wichtig ist, im Vorfeld zu vereinbaren, für welche Handlungen für die Dauer des Spiels D/S gelten soll, und für welche nicht.
So kann D/S strikt auf ein bestimmtes Thema beschränkt sein – zum Beispiel, wenn bei Bondage/Disziplin der_die Fesselnde nur Anweisungen gibt, die notwendig sind, damit die Fesseln funktionieren. Das Gleiche gilt natürlich für Sadismus/Masochismus. Wenn vereinbart wurde, dass D/S auch für andere Handlungen gilt, könnte der_die Fesselnde als Dom danach noch andere Menschen ins Spiel einladen und kontrollieren, von wem sich der gefesselte Menschen wie berühren lassen darf.
Um zu betonen, dass ein solches “erweitertes” D/S stattfindet, kann die aktive Handlung mit Großbuchstaben und die passive mit Kleinbuchstaben geschrieben werden: D/s, B/d (Bondage mit Dominanz) oder S/m (Schmerz zufügen mit Dominanz). Szenegänger ziehen außerdem dieselbe Differenz zwischen Top/Bottom von Dom/Sub: Das letztere Begriffspaar steht wiederum für ein erweitertes D/S.

Ohne Kontrollaustausch funktioniert Konsens verbal über die Sprache (Ja = Ja, Vielleicht = Nein, aber frag später nochmal, Nein = Nein) oder nonverbal über Körpersprache (sich zu jemanden hin/sich von jemandem weg bewegen). Da es in einem BDSM-Spiel um bewussten Kontrollaustausch geht – der passive Mensch also für Lustgewinn im Spiel bewusst auf die Standard-Möglichkeiten zur Konsensherstellung verzichtet – sind zusätzliche Ausdrucksweisen zur Konsensherstellung zwingend erforderlich:
Bei allen BDSM-Spielarten geschieht das in Form von Sicherheitswörtern (Safe Words) und/oder Sicherheitszeichen (Safe Gestures): Bottom/passiver Mensch und Top/aktiver Mensch müssen im Vorfeld Wörter, Geräusche oder Zeichen vereinbaren, mit denen Bottom bei allen Handlungen zu jeder Zeit ein Stoppsignal geben kann, das von Top prompt befolgt wird. Die Worte “Nein” oder “Stopp” können ebenso als Stoppsignal dienen wie extra ausgedachte Codewörter. Mindestens ein Stoppsignal muss dabei die komplette Aufhebung des Kontrollaustauschs bewirken: Dann ist das Spiel pausiert oder beendet und alle Beteiligten stehen wieder auf derselben Stufe – und können, wenn benötigt, die Regeln des Spiels auf Augenhöhe neu verhandeln.

BDSM ohne Sicherheitswörter oder -zeichen oder falls Top auf Stoppsignale nicht reagiert, ist nicht “besonders experimentell”, sondern sexueller Missbrauch! Bei Anzeige wird dieser vom Staat Österreich auch als solcher strafrechtlich verfolgt!


Sacriba


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