Was uns zieht … und wohin

Durch einen Blogbeitrag angeregt, habe ich mir so meine Gedanken gemacht … passend zum Thema "Polaritäten" Vorausschickend sei erwähnt, dass ich hierbei keinen Unterschied mache, zwischen Männern und Frauen – was die Sicht auf oder die Reaktionsweisen und -muster in Beziehungen betrifft. So bin ich der Ansicht, dass der oben genannte Beitrag durchaus auch von einer Frau geschrieben hätte sein können …
Thanks to: © Gretchen Sveda

Auch ist die hauptsächlich erwähnte Zweierbeziehung nur eine Form von Beziehungen und damit nur ein Anfang (als Denkanstoß) und bei weitem nicht der Weisheit letzter Schluss oder gar ein erstrebenswertes Ideal. In meiner Sichtweise hat jede Beziehungsform Vor- und auch Nachteile.


Das Beste wollen und das Schlechteste liefern

Einer der Knackpunkte in Beziehungen ist für mich die Erwartungshaltung.
Wenn sich Menschen kennen lernen, dann versuchen die meisten sich instinktiv von der Schokoladenseite zu zeigen. Beste Manieren, immer super gestyled, pünktlich und maximal aufmerksam … für den Anfang einer Beziehung also die besten Voraussetzungen. Oder nicht? Eher nicht, wenn mich einer frägt. Die am Anfang gelegten Standards können, was Wunder, nicht in eine gemeinsame Zukunft transportiert werden, wenn sie extra zum Starten einer Beziehung etabliert wurden und nicht sowieso täglich gelebt werden.

Der Druck, der durch diesen Aufwand entsteht, staut sich unangenehm auf und steigert die Erwartungen an den anderen. Wenn man selber sich derartig anstrengt um dem anderen zu gefallen, dann wird das vom anderen genauso erwartet. Damit ist der Einstieg in eine Negativspirale geebnet.


Emotional guidance scale

Es kostet enorm Kraft sich als Idealbild zu präsentieren, wenn man das nicht tatsächlich ist, und es muss die ganze Zeit bewusst aufrecht erhalten werden. Diese Anstrengung ist natürlich mühsam und verschlechtert die persönliche Situation noch zusätzlich, weil jeder irgendwo schon weiß, dass soetwas auf Dauer nicht machbar sein wird. So kommt es zum freien Fall vom Enthusiasmus (durch den die Geschichte überhaupt erst ins Rollen kommt) in die Enttäuschung.

Ab dem Zeitpunkt geht’s dann rasant abwärts. Weil das Echo nicht wie gewünscht aussieht, die Kräfte einem auch schon ausgegangen sind und damit brechen genau die schlechtesten Eigenschaften, die mensch so im Keller hat, ans Licht. Danach gibt es Phasen in denen einem klar wird, dass der andere ja garnichts dafür kann und es kommt noch schlechtes Gewissen und ein Haufen an Selbstzweifeln dazu – was wieder weiter nach unten zieht. Je nach persönlicher Leidensfähigkeit endet es dann in Depression oder Beendigung der Beziehung.

Das klingt jetzt vielleicht ein wenig seltsam, eine Beziehung so auseinander zu nehmen, aber anhand der abgebildeten Spirale schaffe ich es durchaus meine erlebten Beziehungen nachzuvollziehen.


Wo bin ich denn zu Hause?

Der Weg, hin zu einer Lösung, die ich sehe (und die sehe ich für viele Problemstellungen!) ist, sich diese Prozesse erst einmal wirklich bewusst zu machen. Sich selber klar zu werden, wo auf diesen beiden Spiralen mensch selbst zu Hause ist und zu welchen Gelegenheiten … da wir ja alle mehrschichtig unterwegs sind. Was wir in Beziehung zu unseren Verwandten oder Kindern hinbekommen, das schaffen wir bei Partnern oder Liebesbeziehungen vielleicht nicht oder umgekehrt. Die Erweiterung von „ausschließlich Liebesbeziehung“ zu „Beziehung generell“ ist durchaus beabsichtigt! Für mich besteht dieselbe Dynamik, hie wie dort.

Sobald ich mir für die jeweilige Situation klar geworden bin, wo ich mich auf der Spirale befinde, kann ich mir ansehen, wie denn die Stationen weiter unten und weiter oben aussehen würden. Eine Veränderungen macht diesbezüglich nur in kleinen Schritten Sinn. Aber dazu gleich.


Theorie ist gut – Praxis ist besser

Es gibt ja auch Beziehungen, die tatsächlich funktionieren – für BEIDE Protagonisten, wohlgemerkt. Wie das geht?
Was meine Erfahrung bis dato sagt: die Positivspirale wäre die Lösung und zwar in kleinen Schritten!

Einzig die Möglichkeiten dafür sind, gerade in unserer Gesellschaft, nicht annähernd so gut automatisiert wie die der Negativspirale. Den Enthusiasmus hätte ich ja schon erwähnt – der bildet aber nicht die Basis. Die wäre nämlich die Zufriedenheit. Das allein wäre schon einen ganzen Artikel wert …

Zufriedenheit ist, was ich vielfach beobachte, generell betrachtet kein Gefühl, das heute einen besonders hohen Stellenwert zu haben scheint. Höher, schneller, weiter, besser reicher und eine Ekstase nach der anderen, ist wohl eher, was sich viele Menschen wünschen. Das ist für mich eine Paradeerklärung dafür, dass Beziehungen heute eher kurzlebig sind und seriell gehandhabt oder manchmal garnicht erst angestrebt werden. Die Idee der Beziehung besteht bei vielen durchaus, aber derartig virtuell und idealisiert, dass eine Umsetzung kaum den Alltag erreicht und wenn, dann nicht auf Dauer. Was ich eingangs mit der Beschreibung des „Idealbildes“ schon erwähnt habe.

Stelle ich also fest, dass ich mich irgendwo auf der Negativspirale wiederfinde, dann habe ich die Möglichkeit, bewusst etwas dagegen zu unternehmen. Ein grundsätzliche Änderung meiner Einstellung wäre vorzunehmen und das, wie schon erwähnt, in kleinen Schritten. Wenn ich bereits im Stadium der Depression gefangen bin, dann macht es wenig Sinn mir vorzunehmen, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird das zum Scheitern verurteilt sein, weil es viel zu viel Kraft benötigen würde, mich bleibend auf diesem Status zu halten. Eine heftige Kraftanstrengung (mit oder ohne Hilfsmittel der unterschiedlichsten Arten – von Medikamenten bis zu künstlichen oder natürlichen Drogen oder Mentaltechniken) kann diesen Effekt durchaus hervorrufen, aber wie stehen wieder vor dem Problem, dass das nur eine kurzfristige Sache sein kann – weil eben künstlich hevorgerufen.
Viel erfolgversprechender ist es sich den Weg nach oben Schritt für schritt bewusst zu machen. Dazu gehört es (leider) sich den nicht gerade angenehmen Gefühlen auf dem Weg zu stellen und sie als Teil des Weges zu akzeptieren. Diese Aktzeptanz ist für mich absolut unabdingbar! Dass ich etwas gegen die Schwerkraft aufheben muss, wenn ich es oben haben will, das ist ein Naturgesetz, solange wir uns in einer materiellen und polar aufgebauten Welt befinden …Runter fallen die Dinge wesentlich einfacher. Gegen Gewohnheiten zu arbeiten ist damit auch wesentlich mühsamer als das zu machen,was mensch schon immer gemacht hat, und so weiter.

Sofern ich mir der einzelnen Stationen bewusst bin und auch verstanden habe, dass es ausschließlich darum geht Relationen zu erkennen (und nicht „Schuld“ zu verteilen!), kann ich damit beginnen meine Lebensrealität zu durchforsten ob ich mich irgendwo auf der Positivspirale wiederfinden kann. Der Plan ist, dass ich das schaffe und sei es nur in einer einzigen Situation!

Damit kann ich meine Basis bilden oder besser festigen! Die Basis, geformt durch die Zufriedenheit – weil ich zumindestens mit EINER Sitution zufrieden sein KANN.


… und wozu brauch ich das alles?

Für mich ist die Frage der Beziehungskisten eine sehr umfassende – weil ich der Ansicht bin, dass so gut wie alles in meinem Leben „Beziehung“ ist und Zufriedenheit ist für mich der Schlüssel. Wie auf den beiden Spiralen schön ersichtlich, ist die Basis auf der einen Seite (nach oben) die Zufriedenheit und die auf der anderen Seite (nach unten) die Langeweile. Täglich müssen wir uns neu entscheiden, was wir wählen und tun wir es nicht, dann entscheidet das Leben.


Anufa


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