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Gott – göttlich, Mann – männlich?

Zu diesem Artikel hat mich, einmal mehr, Damh (the Bard) angeregt, und deshalb werde ich ihn auch mehrmals zitieren …
Thanks to: © Gretchen Sveda

Damh hat gerade eben in seinem Blog einen Artikel veröffentlicht "A Horned God with no Horns". Das Thema „Gott“ beschäftigt mich schon seit meinen Anfängen, konkret seit dem 80ern des letzten Jahrhunderts.
Damals war gerade der spirituelle Feminismus in Österreich eingelangt und es formierten sich die ersten Frauengruppen. Es war sehr viel von „DER Göttin“ die Rede und dadurch trat „DER Gott“ in den Hintergrund. Bei vielen Ritualen „durfte“ er kaum zugegen sein, in manchen Gruppen kam er überhaupt nicht vor – es gab ausschließlich die „Große Göttin“.

Für eine Zeit war das für mich auch sehr wichtig, aus dem Katholizismus kommend, mich auf eine Muttergottheit zu fokussieren. Je mehr ich meine eigene Weiblichkeit wiederentdeckte, desto sicherer ich mir selber in mir wurde, desto wachsamer beobachtete ich die Männer rund um mich. Besonders gab mir immer zu denken, wenn wir Frauen endlos scheinende Diskussionen führten ob der Rollenverteilungen im Leben und im rituellen Prozedere und die Männer (in meinen Augen) entweder hilflos daneben standen und keinen Platz für sich finden konnten/wollten, grumpfelig am Feuer saßen, weil sie sich übergangen und ihres Platzes beraubt fühlten oder der Obergockel (die gab es zu meinen Anfangszeiten noch sehr häufig!) uns diskutieren ließ und zum Schluss dann sagte, was tatsächlich zu geschehen hätte.
Eigentlich unnötig zu sagen, dass keine dieser Gruppen besonders lang überlebte …

Danach gab es dann hie und da aufkommende Männergruppen, die versuchten ein "neues" (oder überhaupt ein) Männerbild zu kreieren - aber irgendwie fassten die auch nicht so richtig Fuß. Obwohl in meiner Wahrnehmung die Fragen unbeantwortet blieben ...
Was ist denn männlich? Wie findet Mann eine Identität für sich selber? Wie findet er sie in einer Gruppe? Braucht es in der Spiritualität die Kennung „männlich“?


Beltane und Samhain

Damh hat für mich die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Realität anhand der Geweihentwicklung der Hirsche schön aufgezeigt.
Neuheiden haben das männliche Prinzip in unserer Gegend häufig auf das männliche Rotwild projiziert. "Dummerweise" haben wir im Jahreskreis den Frühling als Zeit der Fruchtbarkeit ebenso in unsere Rituale inkludiert, weil da die Natur sichtlich erwacht und alles zu wachsen und zu sprießen beginnt. Gerade in dieser Zeit haben die Hirsche gerade kein prächtiges Geweih, weil deren Paarungszeit im Herbst liegt, und sie ihre Zeichen der Männlichkeit dann zum Kampf um die Weibchen brauchen!

Was aber auch sehr eindrücklich von ihm beschrieben wird ist, die Kraft und die Energie, die Damh im Kontakt mit der Hirschbrunft erlebt und persönlich erfahren hat.

In der Mänergruppe, die diese Erfahrung der Hirschbrunft teilte, wurde auch diskutiert, ob es möglich wäre, sich den Gehörnten Gott ohne sein Geweih vorzustellen. Niemand war davon begeistert, weil ja gerade das Geweih das Symbol für Männlichkeit und Fortpflanzungskraft darstellt.


Blick von außen

Als Frau habe ich lebenstechnisch so einige Erfahrungen mit Männern und durch meine spirituelle Arbeit auch mit Göttern (in invozierter oder meditativer Form). Trotzdem betrachte ich das Thema „Männlichkeit“ natürlich von außen.
Für mich als Frau ist dieses „Frausein“ von Bedeutung – auch wenn das „Menschsein“ für mich Vorrang hat. Ich gehöre auch zur Fraktion derer, die der Ansicht sind, dass Männer und Frauen durchaus Unterschiede aufweisen (auch außerhalb der primären, sekundären und tertiären Geschlechtsmerkmale) und etliche davon nicht ansozialisiert, sondern z. B. durch Hormone hervorgerufen sind und werden. Daraus ergibt sich auch, dass diese Merkmale veränderlich sind. Menschen sind vielschichtig: Körper, Geist und Seele bilden für mich eine Einheit und jeder Teil beeinflusst jeden anderen. Somit ist vieles, wenn nicht alles möglich und so gut wie nichts unmöglich … Es ist alles eine Frage der Sinnhaftigkeit!


Was findet Mann/Frau also sinnhaft?

Eine sehr persönliche Frage und im besonderen eine des Weltbildes, wie ich finde. In einem Weltbild, das auf dem Prinzip der Polarität fußt, braucht es eine These und eine Antithese um zu seiner persönlichen Synthese zu gelangen. Umgelegt stehe ich in Beziehung zu meinen Göttinnen und Göttern um dann zu meinem persönlichen Wesen zu gelangen. Diese extremen Pole finde ich in der Natur – deshalb ist die Craft für mich auch eine Naturreligion! Wie ich diese Natur wahrnehme, ist eine Sache, wie ich sie „werte“ liegt natürlich an meiner Sozialisation.

Anfänglich, wie gesagt, habe ich mich mit DER Göttin beschäftigt, sie ge- und erlebt und die durch sie repräsentierten Eigenschaften in mir selber – durch Beobachtungen und Wahrnehmungen in der Natur – gefunden.

Dasselbe Vorgehen habe ich dann adaptiert um Den Gott für mich und in mir zu entdecken.

Nach dreissig Jahren kann ich nun sagen, dass diese Vorgehensweise für mich absolut sinnvoll war und ich davon mehr profitiert habe als von den Möglichkeiten, die sich mir außerhalb der Craft geboten haben. Nichts desto Trotz ist es in meinen Augen die Aufgabe jedes Einzelnen, sich diese Frage erstens zu stellen und zweitens sie für sich selber zu beantworten. Ob diese Antwort real lebbar ist, diesen Beweis führt das Leben selbst!

Für mich hat es bis dato funktioniert und es würde mich freuen, von euch zu hören, wie es euch damit geht und ob ihr euch diese Frage überhaupt stellt/gestellt habt und wie eure Antwort darauf aussieht.


Anufa


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