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Die (spirituelle) Krise   Teil II

Suna Jones hat sich etliche Gedanken zum Thema "Krise" gemacht - ein Schlagwort, dass uns in den letzten paar Jahren besonders häufig um die Ohren geschlagen worden ist. Diesmal geht es um die ganz persönlichen Versionen davon. Herzlichen Dank an Suna, dass sie ihre Gedanken mit uns teilt!!
Thanks to: © Gretchen Sveda

Die innere Krise

Der folgende Teil befasst sich mit den persönlichen Krisen unserer Zeit und deren verborgenen (?) Ursachen. Betrachtet wird die Psyche als Spiegel einer (gesellschaftlichen) Wirklichkeit. Krisengesichter am Rande eines neuen Verständnishorizontes psychischer Krank/Gesund-heit.© Suna Jones

Woher stammt der Begriff spirituelle Krise?

Der Begriff, so wie ich ihn gebrauche, bezieht sich auf das Konzept des Bewusstseinsforschers und Mitbegründers der transpersonalen Psychologie Stanislav Grof. Geboren wurde der Psychiater, Medizinphilosoph und Psychotherapeut am 1. Juli 1931 in Prag. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und Partnerin Christina Grof veröffentlichte er die Anthologie Spirituelle Krisen im Kösel-Verlag. Das Werk wird meines Wissens nach derzeit nicht mehr aufgelegt – umso faszinierender und aufschlussreicher zeigt sich doch der Inhalt: Es finden sich zahlreiche (wissenschftliche) Aufsätze von Bewusstseinsforschern, Medizinern und spirituell Praktizierenden zu Themen Rund um psychische Phänomene. Ein Exkurs in die Grenzgebiete der noch jungen Bewusstseinsforschung und eine helfende Hand für (selbst)zweifelnde Betroffene.


Was verbirgt sich hinter dem Konzept?

Die Idee ist, dass eine nicht unwesentliche Anzahl der uns bekannten psychischen Phänomene von der behandelnden Wissenschaftsmedizin nur unzureichend verstanden und infolgedessen fälschlicherweise pathologisiert werden. Ich hatte diesen Missstand an anderer Stelle bereits erwähnt.  Schulmedizinisch sprechen wir von „psycho-pathologischen Erkrankungen“, „Geisteskrankheiten“ oder „Wahn“. Psychische Erscheinungen dieser Art (z.B. Schizophrenie oder allgemeiner psychotische Ausformungen) benötigen einen komplexen Diagnoseschlüssel und sind nicht durchweg therapierbar. Diese „Erkrankungen“ finden häufig keinen organischen Befund auf physischer Ebene, zum Beispiel eine neuronale Auswirkung auf Zellebene. Das heißt, ihre Ursachen sind oftmals körperlich-biologisch nicht nachzuvollziehen.

© Suna Jones
Krise im Innern

In diesen Fällen sprechen wir auch von psycho (= seelisch) – somatischen (= körperlich) Krankheiten. Problematisch ist insbesondere die medizinische Behandlung solcher Fälle – in Unkenntnis der (geistigen) Ursache eines Symptoms, ist die Symptomtherapie schließlich die einzig mögliche Vorgehensweise. Ist der Ursache einer Krankheit nicht auf physischer Ebene beizukommen, tendiert man dazu, seine Auswirkungen am Körper regulieren zu wollen. Durch das Außeracht lassen des Mechanismus von Ursache und Wirkung (eines Naturgesetztes!) auf seelischer Ebene, folgt in logischer Konsequenz auch nur das äußerlich-medizinische Kaschieren z.B durch die Syptomunterdrückung mit Pharmazeutika.

Diese und ähnliche Holzhammermethoden werden auch bei Erkrankungen, wie Depressionen, angewendet. Die Pharmazeutische Keule soll alle Ausdrucksformen seelischen Leids tilgen. Die sichtbare Konsequenz findet sich in den Behandlungszimmern Psychiatrischer Einrichtungen: Menschen, die wie betäubt in den seichten Wellen ihrer (pharmazeutisch) unterdrückten Gefühlswallungen schwimmen. Das intensive Fühlen wird gedrosselt. Um Übersteigerungen des psycho-emotionalen Ausdrucks zu hemmen, werden Substanzen auf Rezept verabreicht, die psychische Prozesse auf nervlicher Ebene beeinflussen. Wieder ein Mal wird das Pferd von Hinten aufgezäumt.

So zu beobachten u.a. auch bei Krebs: Das Wegschneiden und/oder Wegätzen schädlichen Gewebes (Tumore) ohne Behandlung der geistig-seelischen Komponente auf Kosten des Patienten. So ist es auch zu erklären, dass man den „Kampf gegen den Krebs“ oft nur auf Zeit gewinnen kann. Es ist, als schneide man den Stiel einer Tulpe ab und ließ sämtliche oberirdischen Auswüchse verschwinden… und wundere sich dann im folgenden Frühling über ihr erneutes Austreiben. Die Ursache – die Tulpenzwiebel – bleibt von den oberflächlichen Angriffen durch Gifte oder Klingen völlig unbehelligt.© Suna Jones


Der
Sinn im Hintergrund?

Auslöser der sog. Psychopathien, wie Grof in der Anthologie argumentiert, liegen im Immateriellen (außerhalb der körperlichen Ebene). Es wird explizit daraufhin gewiesen, dass die (medizinisch) weitverbreitete Wahrnehmung gewisser „psychischer Störungen“ zu einseitig sei. Wie auch bei anderen Autoren zu lesen (z. B. Rüdiger Dahlke oder Thorwald Dethlefsen), vernachlässigt die traditionelle Medizin grundlegende Faktoren bei der Behandlung vieler psychischer Ausdrucksformen. Anstelle einer prinzipiellen Pathologisierung plädiert dieses Werk für eine grundsätzlich andere Definition und Behandlung solcher Phänomene: Zuvorderst die Ent-Pathologisierung sowie die Einstufung entsprechender Befunde in die Kategorie der spirituellen Krisen.

Zu den (verkannten) spirituellen Krisen zählt man u.a.:

  • Die Schamanische Krise
  • Kundalini-Erwachen
  • Episoden von Einheitsbewusstsein
  • Psychologische Erneuerung durch die Rückkehr zum Zentrum
  • Krise der sensitiven Öffnung (Psychic opening)
  • Besessenheitszustände© Suna Jones
  • Nah-Tod-Erfahrungen


Anmerkung

Es handelt sich bei der Übersicht oben um einen Auszug aus der Dissertation „Spiritualität und Religiosität in der psychotherapeutischen Praxis. Eine bundesweite Befragung von Psychologischen Psychotherapeuten“ von Fr. Dr. phil. Liane Iris Hofmann an der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Online hier im PDF-Format nachzulesen. Dr. Hofmann bezieht sich in ihrer Arbeit ebenfalls auf Grof & Grof.

Der Unterschied zwischen der Psychopathie und spirituellen Krisen liegt vor allem in dem inhärenten Entwicklungspotenzial, das einer solchen „Krise“ zugrunde liegt und das während klassischer Therapien oftmals übersehen oder schlimmer noch, unterdrückt wird. Grof & Grof weisen in ihrer Publikation auch auf wenige Ausnahmen hin. Für Betroffene einer psycho-spirituellen Krise ist es immens wichtig, dass sie sich selbst nicht als „krank“ definieren und somit die Chancen einer tiefgreifenden persönlichen Entwicklung nicht verpassen.


Was
steckt dahinter?

Krisen in psychischer Dimension sind Erscheinungen unserer modernen (westlichen) Kultur. Erschreckend hoch ist die wachsende Anzahl psychosomatischer Erkrankungen wie Burnout, Depressionen oder die Entstehung von Krebs. Schizophrenie ist ein weiterer kaum therapierbarer Bewusstseinszustand, der sich der medizinischen Handhabe weiterhin ursächlich entzieht. Die zeitgenössische Psychiatrie, stark gekoppelt an die Ergebnisse aus Forschungsbereichen der Pharmaindustrien, betreibt im Großen und Ganzen nicht viel mehr als Symptomtherapie auf Kosten der Patienten.

Betroffene leiden darunter, dass Fachärzte und sonstige reguläre Anlaufstellen überfordert sind. Selbstzweifel, Schuldgefühle und Ängste sind die Folge. Nicht selten haben sie das Gefühl, “verrückt zu werden”, “den Hang zur Realität zu verlieren” oder sich selbst einfach als (unheilbar) “krank” zu definieren. Selbst in Unkenntnis über die Ursachen ihrer psychischen Krise, vertrauen sie sich den ebenso ratlosen Fachleuten an, nehmen Medikamente ein und versuchen sich von ihren Erlebnissen zu distanzieren.© Suna Jones

“…Um das Problem der spirituellen Krise zu verstehen, muss man es in dem größeren Zusammenhang der spirituellen Entwicklung sehen, als Komplikation eines evolutionären Prozesses, der zu einer reiferen und erfüllenderen Lebensweise führt. Die mystischen Lehren aller Zeiten kreisen um die Vorstellung, dass das ausschließliche Streben nach materiellen Zielen und Werten keineswegs das volle Potential des Menschen zum Ausdruck bringt. Aus dieser Sichtweise ist die Menschheit ein integraler Bestandteil der kreativen kosmischen Energie und Intelligenz und, in gewissem Sinne, mit ihr identisch und ihr angemessen. Das Entdecken der eigenen göttlichen Natur kann sowohl auf der individuellen wie auf der kollektiven Skala zu einer Lebensweise führen, die dem, was gewöhnlich als die Norm betrachtet wird, geradezu unvergleichlich überlegen ist.”

~~~ Stanislav Grof

AUSBLICK

~ Die {spirituelle} Krise III – Ein Portrait der Krise


Bilder: © Suna Jones

Ende Teil II


Suna Jones



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Grundsatzgedanken zur Polarität - Teil I     Werner, 15.03.2002




               
                   
                   



    

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