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Yin - Yang   Teil IV

Auf der Suche nach einem neuen Artikel für diese Rubrik ist Anufa über einen universitären Artikel zum Thema "Yin-Yang" gestoßen. Robin hat zu unserem großen Erstaunen sofort eingewilligt ihr die Erlaubnis zur Übersetzung und Veröffentlichung ihres Artikels im WurzelWerk zu geben. Vielen Dank dafür, es ist uns immer wieder eine große Freude, auch Material aus der wissenschaftlichen Ecke präsentieren zu können!
Thanks to: © Gretchen Sveda

In Dongs kosmologischer Sicht war das ganze Universum ein riesiges yinyang. Eines von vielen Beispielen dieser Sichtweise ist Dongs Vorschlag durch sinnvolle menschliche Einmischung Fluten zu kontrollieren und  Dürre zu verhindern. In Kapitel 74 („Den Regen suchen“) seiner „Luxuriant Gems of the Spring and Autumn” nimmt Dong an, das seine Trockenheit im Frühling zu viel yang anzeigt und zu wenig yin. Deshalb sollte man “das yin öffnen und das yang schließen” (1996: 432). Er schlägt vor, dass die Regierung das Südtor geschlossen halten sollte, welches die Richtung des yang ist. Männer, die das yang verkörpern, sollten in Zurückgezogenheit bleiben. Frauen, die das yin verkörpern, sollten in der Öffentlichkeit stehen. Er fordert sogar alle verheirateten Paare zum Sexualverkehr auf (ouchu) um mehr Interaktion zwischen yin und yang zu sichern. In einer solchen Zeit ist es auch wichtig Frauen glücklich zu machen. (1996: 436) In Kapitel 75 “Den Regen stoppen” behauptet Dong, das seine Flut beweist, dass es zu viel yin gibt, deshalb sollte man “das yang öffnen und das yin schließen” (1996: 438). Das Nordtor, die Richtung  des yin, sollte offen sein. Frauen sollten sich zurückziehen und Männer sollten sichtbar sein. Die Offiziere der Stadt sollten ihre Frauen aufs Land schicken um  sicher zu gehen, dass das yin das yang nicht überwältigt. Derk Bodde bezeichnet diese Praktik als “sympathische Sexualmagie”. (Bodde 1981: 373)

Schlussendlich yinyang spielt auch eine Schlüsselrolle im traditionellen chinesischen Denken im Bezug auf Gesundheit und den menschlichen Körper. Die frühen medizinischen Texte, bekannt als Huangdi neijing (Die klassische interne Medizin des gelben Kaisers), bieten eine detaillierte Aufzeichnung physiologischer Funktionen und pathologischen Veränderungen des Körpers und Anleitungen für Diagnose und Behandlung bezüglich yinyang.  Fünf Zang (Organe) – Nieren, Leber, Herz, Milz und Lunge – sind als yin klassifiziert. Sie kontrollieren die Speicherung der lebensichtigen Substanzen und qi. Sechs fu (Organe) – Gallenblase, Magen, Dünn- und Dickdarm, Blase und Dreifacher Erwärmer (bezugnehmend auf die drei Teile der Körperhöhle; der obere Erwärmer, der  Herz und Lunge beheimatet; der mittlere Erwärmer, der Milz und Magen beheimatet; und der untere Erwärmer, der Nieren , Blase und Dünn- Dickdarm beherbergt) sind yang und kontrollieren den Transport und die Verdauung der Nahrung. Die Speicherung ist eine yin Funktion und der Transport bzw. Transformation der Substanzen ist eine yang Funktion. Aber die zang und fu Organe können weiterhin in yin und yang geteilt werden. Die Aktivität oder Funktion jedes Organs ist sein yang Aspekt, während seine Substanz der yin Aspekt ist. Yin sollte geschmeidig fließen und yang sollte ausdauernd beleben. Sie regulieren sich selber um das Gleichgewicht zu halten. Yin und yang existieren nicht in Isolation sondern befinden sich in einem dynamischen Zustand, in dem sie interagieren und den komplizierten und komplexen menschlichen Körper bilden.


Das Yinyang Symbol

Es gibt keine klare oder eindeutige Möglichkeit um den genauen Ursprungszeitpunkt oder den Erfinder des populären yinyang Symboles zu benennen. Niemand hat je die Urheberschaft auf dieses wohlbekannte Bild erhoben. Wie dem auch sei, es gibt eine reichhaltige textliche und bildliche Geschichte, die zu seiner Erschaffung führt. Inspiriert von einer frühzeitlichen Vision der kosmischen Harmonie, haben chinesische Denker danach getrachtet, diese Ordnung in unterschiedlichen intellektuellen Konstrukten zu kodieren. Ob nun dieses zugrunde liegende Muster durch Worte und Konzepte oder Nummern und visuelle Bilder  formuliert werden sollte, wird schon seit der Han Dynastie diskutiert. Die Frage tauchte zuerst in der Interpretation des Yijing auf. Das Yijing ist rund um 64 Hexagramme (gua) aufgebaut, jedes besteht aus sechs parallelen gebrochenen oder durchgehenden Linien (yao). Jedes der 64 Hexagramme hat eine einzigartige Bedeutung; sein Bild (xiang) bezieht sich auf bestimmte natürliche Objekte und drückt die Bedeutung von menschlichen Unternehmungen und Vorhaben aus. Das Yijing hat so einen ganz speziellen Weg geschaffen, das Universum zu entschlüsseln. Hauptsächlich umfasst es drei Elemente: xiang (Bilder), shu (Zahlen) und li (Bedeutungen). Sie fungieren als Vermittler zwischen den himmlischen, kosmischen  Phänomenen und irdischen, menschlichem, täglichen Leben. Von der Han Dynastie über die Ming und Qing Dynastien (1368 – 1912 n. Zr) gab es eine andauernde Spannung zwischen zwei Geistesschulen: die Schule des xiangshu (Bilder und Zahlen) und die Schule des yili (Bedeutung und Logik). Der Streitpunkt zwischen diesen beiden ist, wie die Klassiker, besonders das Yijing zu interpretieren wären. Die Frage, die oft gestellt wurde, war, „Interpretiere ich die sechs Klassiker oder interpretieren die sechs Klassiker mich?“.

In der Xiangshu Schule ist der Weg der Interpretation der, einer figurative und nummerologische Repräsentation des Universums durch xiang (Bilder) und shu (Zahlen). Sie  konstatierte, dass xianshu unerlässliche Strukturen sind, die Wege des Himmels, der Erde und der Menschen ausdrücken. Der Schwerpunkt liegt auf der Anerkennung der Klassiker. Die Schule des Yili, auf der anderen Seite, fusst auf einer Erforschung der Bedeutung der Klassiker , auf der Basis der persönlichen Rekonstruktion. In anderen Worten behandelt die Schule des Yili alle Klassiker als unterstützenden Beweis der eigenen Ideen und Theorien. Der Schwerpunkt liegt eher mehr auf eigenen neuen Theorien als auf der Erklärung der Klassiker. Daraus folgt, dass unsere Fragestellungen auf dem Legat der Xiangshu Schule fußt.

Der üblichste Ansatz der Xiangshu Schule war es, tu (Diagramme) zu zeichnen. Generationen von Intellektuellen arbeiteten an der Formulierung und Erschaffung vielfältiger tu. Tu beschreiben oft Strukturen, Plätze und Zahlen durch schwarze und weiße Linien. Sie sind keine äesthetischen Objekte sondern dienen eher als Ausdrucksmittel um die grundlegenden Muster die die Phänomene des Universums regieren zu beschreiben. Tu sind Universen im Mikrokosmos und zeigen Behorsam um Normen oder Regeln zu definieren. Während der Song Dynastie (960 – 1279 n. Zr.) machte der daoistische Mönch Chen Tuan (960 – 989 n. Zr.) einen bedeutenden Beitrag zu dieser Tradition, indem er ein paar tu zeichnete um das Yijing zu beleuchten. Obwohl keines seiner tu direkt übermittelt worden ist, wird er als Vorläufer der Schule des tushu (Diagramme und Schriften) angesehen. Es wird gesagt, dass er drei tu hinterließ; seit seinem Tod ist das Suchen nach diesen tu ein beliebter Zeitvertreib der Gelehrten geworden.  Nach Chen Tuan tauchten drei Trends bei der Erschaffung von tu auf, beispielhaft in der Arbeit von drei neo-konfuzianischen Denkern ersichtlich: das Hetu (Diagram of River) und Luoshu (Chart of Luo) das dem Liu Mu (1011 – 1064 n. Zr.) zugeschrieben wird, Xiantian tu (Diagram of Prededing Heaven) das dem Shao Yong (1011 – 1077 n. Zr.) angerechnet wird und dem Taijitu (Diagram of the Great Ultimate) das dem Zhou Dunyi  (1017 – 1073 n. Zr.) zugeschrieben wird. Diese drei Moden führten höchstwahrscheinlich zur Schaffung des ersten yinyang Symbols von Zhao Huiyian (1351 – 1395 n. Zr.), genannt Tiandi Zhiran Hetu (Heaven and Earth´s Natural Diagram of the River) und ganz zu Beginn dieses Artikels abgebildet.


Quellenangaben und weiterführendes Literatur

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Robin. R. Wang


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