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Yin - Yang   Teil II

Auf der Suche nach einem neuen Artikel für diese Rubrik ist Anufa über einen universitären Artikel zum Thema "Yin-Yang" gestoßen. Robin hat zu unserem großen Erstaunen sofort eingewilligt ihr die Erlaubnis zur Übersetzung und Veröffentlichung ihres Artikels im WurzelWerk zu geben. Vielen Dank dafür, es ist uns immer wieder eine große Freude, auch Material aus der wissenschaftlichen Ecke präsentieren zu können!
Thanks to: © Gretchen Sveda

In der Han-Dynastie (202 v.n.Z. – 220 n.Z.) war Yin-Yang mit wuxing (fünf Phasen) assoziiert, die korellierende Kosmologie. Enstprechend dem Kapitel über den „Großen Plan“ im Shujing (Classic of Documents), bezieht sich wuxing auf materielle Substanzen, die bestimmte funktionale Attribute haben: von Wasser wird gesagt, dass es durchdringt und absteigt; von Feuer, dass es aufflammt und aufsteigt; von Holz, dass es sich entweder biegt oder gerade ist; von Metall, dass es gehorcht und verändert; von Erde, dass sie Samen aufnimmt und Ernten schenkt. Wuxing wird als numerologische Sortiermöglichkeit verwendet und erklärt die Konfiguration der Veränderung auf unterschiedlichen Ebenen. Die sogenannte yinyang wuxing Lehre – ein „früher Chinesischer Versuch in die Richtung der Ausarbeitung von Metaphysik und Kosmologie“ (Chan 1963: 245) – war eine Fusion dieser beiden Konzeptschienen, angewandt auf die Astronomie und Wahrsagekunst.


Yin-Yang als Qi (Lebensenergie)

Die langlebigste Interpretation von Yin-Yang ist im Chinesischen Denken mit dem Konzept von Qi (ch´i, Lebensenergie) verwandt. Dieser Interpretation folgend, werden Yin und Yang als im Universum tätiges Qi gesehen (in der Form von sowohl Yin als auch Yang). Im „Duke Shao“ Kapitel des Zuozuan (The Book of History) werden Yin und Yang zuerst als zwei von sechs himmlischen Qi definiert:

Es gibt sechs himmlische Einflüsse (qi) die herabsteigen und die fünf Geschmäcker hervorbringen, sich in den fünf Farben erweitern und sich in den fünf Tönen bestätigen; aber wenn sie im Übermaß sind, dann rufen sie die sechs Krankheiten hervor. Diese sechs Einflüsse werden bezeichnet als das Yin, das Yang, Wind, Regen, Finsternis und Helligkeit. Mittels ihrer Unterteilung bilden sie die vier Jahreszeiten; mittels ihrer Zusammengehörigkeit bilden sie die fünf (elementaren) Begriffe. Sobald einer von ihnen im Übermaß ist, bringt das sicher Unheil.  Ein Übermaß an Yin führt zu einer Kälteerkrankung; an Yang, zu einer Hitzeerkrankung. (Legge 1994: 580)

Hier sind Yin und Yang das Qi des Universums. Diese qi fließen innerhalb der Natur genauso wie innerhalb der Gesellschaft. Sie sind das Basisgewebe der Existenz:

Himmel und Erde haben ihre geregelten Abläufe, und Menschen mögen sie wegen ihrer Muster, die die strahlenden Körper des Himmels nachahmen, und mit den natürlichen Variationen der Erde in Übereinstimmung sind. (Himmel und Erde) produzieren die sechs atmosphärischen Zustände (qi) und benutzen die fünf materiellen Elemente. Diese Zustände (und Elemente) werden zu den fünf Geschmäckern, manifestieren sich in den fünf Farben und zeigen sich in den fünf Tönen. Sobald sie im Überfluss sind, folgt Unklarheit und Verwirrung und die Menschen verlieren ihre (eigentliche) Natur… Es gab Milde und Güte, Nettigkeit und Harmonie eine Nachahmung der schaffenden und nährenden Taten des Himmels. Es gab Liebe und Hass, Vergnügen und Zorn, Kummer und Freude, geschaffen von den sechs atmosphärischen Zuständen (qi). Deshalb imitierten (die weisen Herrscher) sorgfältig diese Verbindungen und Analogien (indem sie Zeremonien ausgestalteten), um diese sechs Impulse zu regulieren … Wenn es keinen Bruch zwischen Freude und Kummer gibt, dann befinden wir uns in einem Zustand der Harmonie mit der Natur des Himmels und der Erde, welcher folglich lang anhalten kann.  (Legge, 1994: 708).

So wird qi, eine Kraft, die aus dem Zusammenspiel von Yin und Yang hervorgeht, ein Kontext in dem Yin-Yang steht und funktioniert. Yin-Yang als qi gibt uns die Erklärung für die Entstehung des  Universums und dient als Baustein der Chinesischen intellektuellen Tradition. In vielen früheren Texten kann man beobachten, wie Yin-Yang eine philosophische Perspektive auf Himmel, Erde und Menschen schafft. Kapitel 42 des Laozi sagt, dass „alles in Yin eingebettet ist und Yang umarmt; durch chong qi (Lebenskraft) erreicht es he (Harmonie).“ Es geschieht durch die Funktion von Yin-Yang als qi und die Interaktion zwischen den beiden, dass alles entsteht. Zhuangzi spricht auch über das „qi von Yin und Yang“ : „Wenn das qi von Yin und Yang nicht in Harmonie ist und Kälte und Hitze auf unpassende Art kommen, dann nehmen alle Dinge Schaden.“ (Zhuangzi, Kap. 31) Auf der anderen Seite, „wenn die zwei eine erfolgreiche Vereinigung haben und Harmonie erreichen, dann werden alle Dinge erschaffen.“ (Zhuangzi, Kap. 21)

Die Interpretation von Yin-Yang als qi nimmt Yin-Yang als dynamische und natürliche Form fließender Energie wahr, eine Ergänzung in der ursprünglichen Schaffenskraft des Universums. Das Huainanzi  bietet detailliertere Erklärung des kosmologischen Prozesses von Yin und Yang:

Als Himmel und Erde geformt wurden, trennten sie sich in Yin und Yang. Yang ist erzeugt von Yin und Yin ist erzeugt von Yang. Yin und Yang wechseln sich gegenseitig ab, was vier Felder dazu bringt sich zu durchdringen (wie „himmlische Kreise“). Manchmal gibt das Leben, manchmal gibt das Tod, das bringt die Unzahl an Dingen zur Vollendung. (Kap. 2)


Ende Teil II


Robin R. Wang


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