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Yin - Yang   Teil I

Auf der Suche nach einem neuen Artikel für diese Rubrik ist Anufa über einen universitären Artikel zum Thema "Yin-Yang" gestoßen. Robin hat zu unserem großen Erstaunen sofort eingewilligt ihr die Erlaubnis zur Übersetzung und Veröffentlichung ihres Artikels im WurzelWerk zu geben. Vielen Dank dafür, es ist uns immer wieder eine große Freude, auch Material aus der wissenschaftlichen Ecke präsentieren zu können!
Thanks to: © Gretchen Sveda
yinyang

Yin-Yang ist eines der wichtigsten Konzepte, das von den unterschiedlichsten Schulen, die ganze Geschichte der chinesischen Philosophie hindurch geteilt wird. Wie bei den meisten anderen philosophischen chinesischen Begriffen, sind die Auswirkungen von Yin und Yang einfach zu beobachten, aber seine begriffliche Bedeutung ist nur sehr schwierig zu definieren. Abgesehen von den Unterschieden in der Interpretation, Anwendung und Verwendung von Yin-Yang, liegen drei Basisthemen fast jedem Einsatz des Konzepts in der chinesischen Philosophie zu Grunde.

(1) Yin-Yang als Verbundstoff der Natur mit dem Geist, der sich in jeder Existenz zeigt,
(2) Yin-Yang als Jiao (Interaktion) zwischen dem Anwachsen und Schwinden der kosmischen und menschlichen Bereiche und
(3) Yin-Yang als der Prozess der Harmonisierung, der eine bleibende und dynamische Balance aller Dinge gewährleistet. Wie das Zhuangzi (Chuang-tzu) in Anspruch nimmt

„Yin in seiner höchsten Form friert ein, während Yang in seiner höchsten Form kocht. Die Kälte kommt vom Himmel, während die Wärme von der Erde kommt. Die Interaktion dieser beiden erschafft das He (Harmonie), so gebiert sie alle Dinge. Vielleicht ist das das Gesetz von allem, obwohl es noch keine Form zu sehen gibt.“ (Zhuangzi, Kapitel 21)

In keinem dieser Konzepte von Yin-Yang gibt es eine wertende Hierarchie, so als ob das Yin vom Yang abgezogen (oder vice versa), als höher, metaphysisch getrennt oder unterschiedlich angesehen werden könnte. Stattdessen ist Yin-Yang sinnbildlich von einer wertenden Gleichheit, die in der vereinten, dynamischen und harmonisierten Struktur des Kosmos wurzelt. Als solche hat es als heuristischer Mechanismus gedient um eine kohärente Sicht auf die Welt durch die chinesische intellektuelle und religiöse Geschichte zu formulieren.


Ursprung der Begriffe Yin und Yang

Die frühsten chinesischen Zeichen für Yin und Yang finden sich als Ritzungen auf „Orakelknochen“ (Knochenüberbleibsel der unterschiedlichsten Tierarten, die in altchinesischen Orakeltechniken mindestens so früh wie im 14. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, gebraucht wurden) In diesen Inschriften sind Yin und Yang einfach nur Beschreibungen von Naturerscheinungen wie der Wetterlage, besonders die Bewegung der Sonne. Es gibt Sonnenlicht während des Tages (Yang) und einen Mangel an Sonnenlicht während der Nacht (Yin). Nach dem frühesten allgemeinen Wörterbuch der chinesischen Schriftzeichen (ca. 100 neuer Zeitrechnung) Xu Shen´s Shuowen jiezi (Erklärung von Einkomponentenzeichen und Analyse von Bindezeichen), bezieht sich Yin auf „eine geschlossene Türe, Dunkelheit, das Südufer eines Flusses und die Nordseite eines Berges“. Yang bezieht sich auf „Höhe, Helligkeit und die Südseite eines Berges“.  
Diese Bedeutungen von Yin und Yang fußen in den täglichen Lebenserfahrungen der frühen Chinesen. Die Landbevölkerung hängt vom Sonnenlicht ab für das Licht und für ihre täglichen Lebensroutinen. Sobald die Sonne aufgegangen war, gingen sie auf die Felder zur Arbeit; sobald die Sonne unterging, gingen sie nach Hause um sich auszurasten. Dieses, auf der Sonnen basierende, tägliche Muster, führte offensichtlich zu einem konzeptuellen Anspruch: Yang ist Bewegung (Dong) und Yin ist Ruhe (Jing). In seiner frühesten Verwendung, existierten Yin und Yang unabhängig und sie waren nicht verbunden. Die erste geschriebene Überlieferung von der verbundenen Verwendung beider Zeichen erscheint in einem Vers des Shijing (Buch der Lieder):

„Während ich die Landschaft des Hügels betrachte, suche ich nach Yin-Yang.“

Das weist darauf hin, dass Yang die sonnige Seite und Yin die schattige Seite des Hügels ist. Dieser Effekt der Sonne existiert über dem Hügel zur selben Zeit.


Die Yin-Yang Schule

Nach Sima Tan (Ssu-ma Tan, ca. 110 vor neuer Zeitrechnung), gab es eine Schule des Lehrens während der Perioden „Frühling und Herbst“ (770 – 481 vor neuer Zeitrechnung) und „kriegführende Staaten“ (403 – 221 vor neuer Zeitrechnung) die den Namen Yin-Yang trugen. Er listet diese Yin-Yang Schulen neben fünf anderen (Konfuzianisch, Mohistisch, Legalisten, Fatalisten und Daoisten) und definiert seine Theorie als „die Untersuchung des Shu (Kunst) von Yin und Yang“.
Nach ihm, fokussierte diese Schule auf Omen des Glücks und erforschte die Muster der vier Jahreszeiten. In anderen Worten beschäftigte sich die Yin-Yangschule mit Methoden der Divination oder Astronomie (Disziplinen, die im alten China, wie anderswo in der alten Welt, voneinander nicht unterschieden wurden) und der Kunst des Kalenders (welche das Studium der vier Jahreszeiten, der acht Richtungen, der zwölf Du (Maßeinheiten) und der vierundzwanzig Shijie (Zeiträume) beinhaltete. Gerade als die Konfuzianer (rujia) sich aus den Reihen der Rushi (studierten Herren) erhoben, die in der Musik und im Ritual heraus ragten, kamen diejenigen der Yin-Yang Schule von den Fangshi (Geheimräten) die sich auf die unterschiedlichsten Disziplinen mit Zahlen, genannt Shushu (Kunst der Zahlen)  spezialisiert hatten.

Dieses Shushu beinhaltete Tianwen (Astronomie), Lipu (Kalenderwissen), Wuxing (Fünf Phasen, korrelierende Theorie), Zhunguai (Divination mit Schildkrötpanzer), Zazha (Wahrsagen) und Xingfa (Gesichtdiagnose). Die Han-Dynastie Chronik Shiji (Aufzeichnungen des Historikers) listet Zou Yan (305 – 240 vor neuer Zeitrechnung) als Repräsentanten der Yin-Yang Schule, der profunde Kenntnisse der Theorie von Yin-Yang besaß und über hundert tausend Worte darüber geschrieben hatte. Jedoch hat keines seiner Werke überlebt.


Ende Teil I


Robin R. Wang


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