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Leben und Tod - Tod und Leben   Teil II

Die beiden Pole - Geburt und Tod - bilden den Rahmen in dem wir Menschen uns bewegen. Gerade zur Tag-und-Nachtgleiche, wenn die Tage wieder merklich kürzer werden, drängt sich der Gedanke an Abschied bei vielen von uns förmlich auf.
Sitara, die dem WurzelWerk wieder einen ihrer Artikel zur Verfügung gestellt hat, beschreibt anhand sehr persönlicher Erfahrung ihre Sicht des Todes. Die Übersetzung stammt aus der Feder von Anufa.
Thanks to: © Gretchen Sveda

„Der Geist einer Person ist auch nicht einfach weg weil der Körper kaputt gegangen ist. Wenn Leute sterben, dann wird unsere Energie wieder ein Teil vom Großen Ganzen. Du kannst sie nicht mehr auf dieselbe Weise sehen, aber du weißt, dass sie da sind, genauso wie du weißt, dass das Wasser noch da ist weil der Boden nass ist.“ Ich umarmte sie fest, während ich sie dabei beobachtete, wie sie versuchte zu verstehen, was ich ihr gesagt hatte.
„Also ist Yins Körper kaputt gegangen aber ihr Geist ist noch immer hier? Und sogar wenn du stirbst und ich dich nicht mehr sehen kann, dann wirst du auch noch immer hier sein?“ fragte sie. Ich konnte nicht anders als zu lächeln. Genauso, lobte ich sie. Genau so!

Wir begruben Yin im Garten unter einem Amberbaum. Wir weinten ein wenig. Meine Tochter sagte, dass sie ihr Meerschweinchen wirklich vermissen würde und darauf hatte ich nun wirklich keine Antwort mehr. Sorgen und Verlustgefühle sind der Preis den wir dafür zahlen, dass wir  in die menschliche Existenz inkarnieren. Wir entwickeln diese Verhaftungen, weil wir körperliche Wesen sind. Wir wachsen und reifen in unserem Glauben so weit – so zu hoffen – dass wir sicher sind, mehr zu sein als körperliche Wesen und dass Verlust eine Illusion ist, die durch den schmalen Blickwinkel unserer Menschlichkeit hervorgerufen wird. Aber momentan, für sie, waren die Lektionen Tod und Anerkennen, dass Trauer völlig in Ordnung ist, genug für einen Tag.


Wir werden erwachsen

Während diese Analogie, mit der ich meiner Tochter den Tod erklärte, funktioniert hat, so kann der Verlust von geliebten Menschen eine wahre Glaubenskrise für diejenigen bedeuten, die in der Craft leben. Viele Leute die auf diesen Weg gelangen haben einen judeo-christlichen Hintergrund. Und die einfache Wahrheit ist, dass Religion vornehmlich dazu geschaffen ist zwei Dinge zu erklären: das Leben und den Tod.
Einer der schwierigen Aspekte beim Umgang mit unserer sozialen im Christentum verwurzelten Programmierung ist, dass wir kaum je von Angesicht zu Angesicht mit diesen Themen konfrontiert werden, bis der Tod eines geliebten Menschen tatsächlich eintritt. Es ist wunderbar und gut zu erklären, dass die Leute „hinüber gehen“ und dass das Wasser, wie der Geist, die Seele, niemals wirklich weggeht. Aber es ist eine völlig andere Sache das auch tatsächlich zu glauben. Das kann jemanden, der trauert dazu bringen, noch einen andern Kampf außer dem der Trauer, ausfechten zu müssen – einen Glaubenskampf.

© RothaniDie Wahrheit ist, dass es keine definitive Antwort gibt auf die Frage, was hinter dem Tod liegt. Mir gefällt der Gedanke, dass Hexen eine der tatsächlichen Wahrheit sehr naheliegende Antwort haben. Wir wissen, dass das Leben in Kreisen abläuft, dass Energie weder geschaffen noch zerstört werden kann. Wir wissen, das Tod und Geburt zu jeder Zeit passieren weil die Natur selbst uns das mit jedem weiteren Jahreskreis beweist. Als Teil dieses Kreises sind wir höheren Gesetzen unterworfen als allem, was Menschen erschaffen hat und uns als Antwort anbieten könnten. Ob Menschen nun Himmel erschaffen oder Höllen, Summerlands oder Wiedergeburten, es gibt eine Wahrheit hinter all diesen Geschichten.
Diese Wahrheit ist, dass da Leben ewig ist. Nicht das Leben wie in „physischer Körper“ sondern das Leben wie in „die Kraft die hinter der Form liegt“. Alles was eine Form hat, zerfällt, ob das nun eine Zelle ist, ein Mensch oder ein Stern. Aber die Energie, die Schwingung dieses Dinges bleibt bestehen. Das Universum kann nichts in seiner Gesamtheit zerstören. Der Tod ist nur eine Illusion.
In dieser judeo-christlichen Kultur ist es schwierig die Idee von Himmel und Hölle auf die Seite zu stellen. Sie ist tief in unserem kollektiven Unterbewusstsein verwoben. Abgesehen von den Gebeten der Prediger, die Begräbnisse als „Jesus-Werbeveranstaltungen“ gebrauchen wollen, gibt es nichts zu fürchten. Die Angst wir gelehrt wurden zu empfinden, ist die Angst, die von anderen Menschen weitergegeben wurde, die ebenfalls Angst hatten. Es wird uns wie ein Virus weitergegeben unter der Bedrohung dass eine richtige oder falsche Antwort der entscheidende Faktor für die Ewigkeit sein könnte. Antworte richtig, geh zu einem guten Platz. Antworte falsch und geh zu einem schlechten Platz. Das klingt wie die Abschlussprüfung in der Schule.
Nichts sonst in unserem menschlichen Leben benötigt eine richtige oder falsche Antwort um in der „richtigen“ Weise einzutreffen. Wenn du geboren wirst, gibt es keinen „richtigen“ Weg geboren zu werden, außer Menschen stecken ihre Finger in die Sache. Sogar Menschen, die niemals der Westlichen Kultur ausgesetzt waren, bekommen Kinder in derselben Art und Weise und sie haben auch genauso Seelen, wie wir das haben. Warum, wenn die Geburt und ihre tiefen Mysterien keine Einmischung vom menschlichen Geist benötigt, braucht der Tod sie um sicher zu stellen, dass wir das richtig hinbekommen? Nein, ich denke, dass der Tod die einzige Frage ist, die niemand je beantworten kann, und er so das Mysterium ist, das auf dem schwarzen Markt der Angst missbraucht wird.


Der Tod passiert

Er ist ein Ereignis einfach wie der Sonnenaufgang. Es ist das Leben, das diesem Tod vorangeht, das kostbar ist und das nicht so einfach bezwungen oder ausgelöscht werden kann. Es ist das Leben, das wir betrauern. Es ist das Erleben dieses geteilten Lebens das an unseren Herzen zerrt und uns erkennen lässt, dass jeder Tag und jeder Moment kostbar ist, dass wir das Glass nicht „ent-zerbrechen“ und das Wasser nicht wieder einsammeln können.
Obwohl das schwierig zu erreichen ist, müssen wir Hexen unsere Augen auf das Leben gerichtet halten. Der Tod ist nur ein Moment, ein Durchgang, ein Lidschlag. Das Leben ist all diese Momente, außer dem Tod. Wir bewegen uns durch viele Zimmer, die Leben genannt werden und der Tod ist einfach eine Türe. Die Götter bitten uns nicht darum an der Schwelle zu stehen und zu leiden. Die Götter ermuntern uns zu leben! Gut und in Fülle zu leben und zu wissen, wann die Zeit gekommen ist durch diese Tür durch zu gehen. Das ist das Gehen in einen anderen Raum des Lebens, noch eine Party, noch eine Szene, noch eine Zeit. Der Tod ist wie der kleine weiße Fleck auf dem Meerschweinchen meiner Tochter – eine Sommersprosse. Ein kleines Ding.
Unbesehen des Verlustes den du in diesem Moment empfunden hast, unbesehen welchem Glauben deine geliebten Menschen gefolgt sind, die Worte und Mythen von Menschen erschaffen können die Naturgesetze nicht verdrängen. Die Mutter erfasst uns jeden einzelnen sogar als sie uns aus Sternenstaub erschaffen hat. Sagt euer „Auf Wiedersehen“ nicht zu euren geliebten Menschen, sondern nur der Tag-zu-Tag Existenz, die ihr mit ihnen geteilt habt. Sie sind nie ferner als eure Gedanken, niemals ferner als euer Herz. Wie das Wasser, das in den Boden gesickert ist, haben sie euer Leben mit ihrer Gegenwart getränkt und ihr werdet nie ohne sie sein.

Durch unsere Beziehungen lernen wir diese größte der Mysterien – dass die Liebe und das Leben niemals enden. Möge euch diese Wahrheit trösten, in diesen Zeiten der Sorge und in allen Zeiten die da kommen mögen. Seid gesegnet, auf beiden Seiten des Schleiers den wir alle durchschreiten müssen.


Sitara Haye


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