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Von der Frauenforschung zur „Kritischen Patriarchatstheorie"

Ich möchte an dieser Stelle eine knappe Zusammenfassung geben eines ungewöhnlichen – weil abseits jeglicher Gender-Debatten stehenden – Ansatzes der modernen Frauenforschung. Dieser Ansatz nennt sich „Bielefelder Ansatz“ (entwickelt an der Universität Bielefeld) und wurde weiterentwickelt zur „Kritischen Patriarchatstheorie“ an der Universität Innsbruck (maßgeblich durch Dr. Claudia von Werlhof).
Thanks to: © Gretchen Sveda

 

PyramideDer Bielefelder Ansatz bedient sich zur Veranschaulichung des „Eisberg-Modells“ (siehe Abbildung) und will damit ausdrücken, dass nur ein kleiner Bereich gesellschaftlichen Seins offensichtlich ist. Die für uns normalen Verhältnisse resultieren aber aus Problematiken, die „unterhalb der Wasseroberfläche“, also für uns verborgen bzw. nicht beachtet, liegen.
Der Bielefelder Ansatz setzt die Frauenfrage in enge Beziehung mit der Kolonial-Frage.  Die Basis dieser Theorie besagt, dass Frauen und Kolonien eines gemeinsam haben: Beide gehören nicht zur „Kern-Gesellschaft“ (also männliche Lohnarbeiter im einen Fall, „Mutter-Staaten“ im anderen) sondern gelten als Naturressourcen und werden dementsprechend ausgebeutet.
Die Überlebensfrage von Staaten richtet sich an zwei wichtige Faktoren: Nahrungsmittelproduktion und „Menschenproduktion“. Historisch betrachtet wurde in Europa den Bauern das Land entrissen. Die vagabundierenden Ex-Bauern wurden in die Lohnarbeit gezwungen - ein Agrarsektor in den Händen Weniger entstand und der Staat sicherte sich somit die Grundlagen der Nahrungsmittelproduktion.

Eine Konsequenz des Zwangs zu Lohnarbeit war die „Hausfrauisierung“ der Frauen. Gewissermaßen wurde der Schritt vollzogen „von der Hexe zur Hausfrau“ (wobei die „Hexe“
hier positiv gewertet wird als eigenständige, den Naturzyklen verbundene Frau).
Damit der Lohnarbeiter seinen Verdienst nach Hause bringen konnte, wurden die Frauen also gewissermaßen ans Haus „gebunden“ um dort die Kinder zu versorgen und den Haushalt zu organisieren.
Praktischerweise hatte (und hat auch heute noch) der Staat damit zwei Arbeiter zum Lohn von einem – den Lohnarbeiter und seine Frau daheim, die gleich wieder die nächste Generation an Arbeitskräften kostenlos heranzieht.

Eine Analogie zu diesem Prozess der „Hausfrauisierung“ stellt das Trikont-Prinzip dar, welches den Kontinent Afrika als „Hausfrau der Welt“ bezeichnet. Vereinfacht und verkürzt stellt es sich folgendermaßen dar: Afrikaner wurden im Laufe der Geschichte verschleppt nach Amerika; dort mussten sie arbeiten und wurden ausgebeutet, was wiederum Wohlstand nach Europa brachte.

Der Zusammenhang zwischen Patriarchat und Kapitalismus ist auch heute noch erlebbar, denn die „Hausfrauisierung“ geht bis in die heutige Zeit in welcher Frauen für dieselbe Arbeit weniger bezahlt bekommen als Männer.
Eine Weiterentwicklung des Bielefelder Ansatzes geschah an der Universität Innsbruck und nennt sich „Kritische Patriarchatsforschung“. Der „Gender“-Ansatz (als „erfunden“ in den USA passend zum Neoliberalismus) wird dabei kritisch gesehen, da es „nur“ um eine Gleichstellung der Geschlechter innerhalb des bestehenden (patriarchalen) Systems gehe, nicht aber um eine Systemveränderung. Denn bestehende Ungerechtigkeiten wie Sklaverei, Ausbeutung, Missbrauch, Prostitution etc. werden nicht als Rückständigkeiten gesehen die zu beseitigen sind, sondern als systemimmanente Merkmale.

Von zentraler Bedeutung ist der Begriff „Transformation“. Aus Natur wird durch Transformation/Produktion eine Ware, und aus dieser wiederum wird Geld. Natur wird also verwandelt in „tote Waren“.
Diese Art der Produktion stellt sich außerhalb der natürlichen Zyklen und „verbraucht“ die Welt. Diese Technikkritik ist wichtiger Bestandteil der Kritischen Patriarchatsforschung und untersucht auch Bereiche, die uns als Heiden und Hexen wohl bekannt sind: So wird die Alchemie beschrieben als frühe Gesamtwissenschaft einhergehend mit dem Versuch einer männlichen Schöpfung.

Matriarchat verheißt nämlich nicht eine „Herrschaft der Frauen“, das griechische Wort arché bedeutet nämlich „Ursprung, Anfang“. „Am Anfang die Mutter“ wäre dementsprechend eine passendere Deutung – wiederum ein Konzept, welches uns Heiden und Hexen vertraut ist. Der Großteil der modernen Wicca und Hexen fühlt sich wohl vor allem angezogen durch die Bedeutung, welche die Große Göttin für unsereins hat; in der Dianischen Tradition und der Göttinnenspiritualität  wird der göttliche Heros beinahe ganz vernachlässigt. Die Göttin als diejenige, von der alles kommt und zu der alles zurückkehrt am Ende der Zeit – dieses Konzept ist uns mehr als nur bekannt.

Das Patriarchat äußert sich in unserer Zeit als Naturüberwindung, als Transformierung der Natur in etwas Künstliches. Männer wollen Schöpfer sein, und dieses alchemistische Projekt ist erst möglich durch die Technik der Moderne.


Erik


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