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Männer im Zirkel – ein subjektiver Bericht

Auch wenn die Wissenschaft Subjektivität meist verwirft, dient sie vor allem der Psychologie als Datenquelle und soll auch im folgenden Artikel verwendet werden um Begegnungen mit heidnischen Männern und männlichen Hexen zu beschreiben. Nachstehendes darf übrigens auch mit Humor gelesen werden…
Thanks to: © Gretchen Sveda

Im Laufe meiner „heidnischen Laufbahn“ traf ich auf die unterschiedlichsten Geschlechtsgenossen und ich klassifiziere sie mittlerweile folgendermaßen:

A) Die Unsichtbaren
B) Die Stammtischler
C) Die Ehemänner
D) Die Alpha-Tiere
E) Das Licht der Hoffnung


A) Die Unsichtbaren

Die Unsichtbaren sind jener Typus Mann, auf den ich im Laufe meines beginnenden Interesses für Wicca und Hexen stieß. Ich nenne sie so, weil sie sich durch ein phänotypisches Merkmal hervortaten:  Ihre Unsichtbarkeit.
Weiblichen Heiden und Hexen mag dies am Beginn ihrer Studien entweder gar nicht oder im besten Sinne positiv auffallen. Ist doch das Fehlen männlicher Präpotenz oftmals ein wichtiger Grund sich eben diesem Weg zu widmen. Auch mir tat die Hinwendung zum weiblichen Aspekt der Schöpfung gut, doch irgendwann fragte ich mich: „Und wo stehe ich als Mann? Wie ist mein Rollenbild? Wie hat „der“ Wicca/Heide zu sein?“
Das Durchforsten der Literatur brachte mich nicht weit. Klassiker wie Marian Green oder Starhawk erwähnten Männer nicht gerade mal eben großzügig. Männliche Autoren wie Cunningham schienen keine geschlechtlichen Spezifika in ihrer schriftstellerischen Tätigkeit aufzuweisen und lasen sich ebenso wie ihre weiblichen Berufskollegen.
Pubertierend am Lande lebend und abseits jeglicher Stammtische oder Zirkel blieben männliche Identifikationsfiguren und Rollenbilder innerhalb des Heidentums für mich damals also vor allem eines – nämlich unsichtbar.


B) Die Stammtischler

Dieser Typus heidnischer Mann verzweigt sich in verschiedene „Unterarten“ von harmlos bis gruselig. Von letzteren soll hier die Rede sein.
Begegnungen am Stammtisch können ja vielfältiger Natur sein - wenn diese Treffen auch noch heidnischer Natur sind umso mehr.
In Erstaunen versetzten mich immer die „Grenzgänger“, welche keine spirituellen Herausforderungen scheuten und stolz von ihrem letzten Astral-Duell mit Drachen erzählten, welches natürlich seine Blessuren hinterlassen hatte, die sie in Form von Brandwunden stolz herumzeigten. Entzückend war auch jener Mann, der mir zu verstehen gab, dass er alle Menschen „anders“ sieht. Diese „Andersartigkeit“ betraf den Umstand, dass er zwar den Körper als solchen sah, aber an Stelle des Kopfes bot sich ihm immer der Anblick eines Tierkopfes, passend zum Charakter seines Gegenübers – dieser Zustand war permanenter Natur.
So konnte ich mich nicht ganz des Eindruckes erwehren, am Stammtisch einer Art „Wettkampfes der Fähigkeiten und Absurditäten“ ausgeliefert zu sein.


C) Die Ehemänner

….teilweise liebevoll auch „Mitläufer“ betitelt, kommen sie doch oft ihrer Gattin zuliebe zu den Jahreskreisfesten mit. Um dann nicht immer der Außenseiter bei den Festen zu sein, entschließen sie sich irgendwann, jetzt „doch auch irgendwie heidnisch“ zu sein.
Die „beeindruckendste“ Initiation eines Ehemannes, die mir zuteil wurde, geschah durch dessen Ehefrau und bestand darin, die Namen der Jahreskreisfeste auswendig zu können – was dieser nicht schaffte; aufgenommen wurde er aber dennoch in den Zirkel.
Diesen Typus Heiden-Mann trifft man nicht wirklich oft, da sein eigentliches Nicht-Interesse beinahe schon zu auffallend ist, um ignoriert zu werden und meist andere Zirkelmitglieder bald zu murren beginnen.


D) Die Alpha-Tiere

Das beeindruckendste am Alpha-Tier war seine Liste an Änderungsvorschlägen, die er doch tatsächlich zum ersten Treffen mit dem Zirkel mitnahm. Da half es auch nichts, dass wir ihm mitteilten an unserer Grundbasis nichts ändern zu wollen – die Umsetzung seiner Ideen blieb bis zum bitteren Ende im Mittelpunkt seines Interesses.
Dieser Typ heidnischer Mann ist zwar tatsächlich bewandert in „hexischen“ Belangen, doch fällt schon bald sein Faible für Hierarchien und „Grenzerfahrungen“ auf. Gerade letztere reizten „unseren“ Alpha-Mann zutiefst, egal welche Arbeiten gerade anstanden. Ob Kräuterpulver herstellen, Tinkturen ansetzen, Meditation oder einfach nur Ausflüge in die Natur -  Grenzerfahrungen mussten her, egal wie. Und so bestand für ihn das hehre Ziel der Kräuterarbeit in der Herstellung einer Bilsenkraut-Zigarette.
Alpha-Tiere führen oft recht bald zu Zwistigkeiten in Zirkeln, und so half auch in meinem Zirkel nur eines - ein sauberer Rauswurf.


E) Das Licht der Hoffnung

Das Licht der Hoffnung lernte ich erst vor kurzer Zeit kennen, als ich mich schon dabei ertappte, mich mit der Tatsache abzufinden dass ich meine heidnischen Geschlechtsgenossen einfach nicht leiden kann. So machte ich mich mit dem Rest des Zirkels auf zur Besichtigung eines neuen „Bewerbers“, innerlich vollbeladen mit Vorurteilen und Stereotypen und in Erwartung eines Typus A bis D.
Nun, sämtliche Erwartungen mussten über Bord geworfen und redlich revidiert werden, denn mein Gegenüber hatte nicht an Bodenhaftung verloren, wollte sich keine giftigen Kräuter einverleiben, hatte keine Liste mit Vorschlägen für den Zirkel dabei und hörte auch keine göttlichen Stimmen. Alles in Allem einfach nur eine angenehme Person, die auch fähig war über Themen der Alltagswelt in aller Differenziertheit zu plaudern.


Mein Schluss

Es bleibt mir letztendlich die Erkenntnis, dass Männer des Typ A bis D zwar auch, aber nicht nur vorhanden sind und das „Licht der Hoffnung“ womöglich sogar weiter verbreitet sein mag, als meine Vorurteile es bisher zu glauben zuließen ...


Erik


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