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Die sich verändernde Rolle des Wicca-Mannes

Auf meinen Spaziergängen im Netz finde ich hie und da Gedanken, die mich ein wenig länger beschäftigen als andere. Diesmal möchte ich ein Thema, das ich in der Craft schon oft diskutiert habe, nochmals hier in den Polaritäten anreißen - wo könnte es auch sonst besser hinein passen?? Geschrieben wurde der Artikel von Morgan Ravenwood, übersetzt hat ihn für´s WurzelWerk Alfröðul und gefunden Anufa (wie so oft auf der Witches´Voice.
Thanks to: © Gretchen Sveda

Die Beobachtung

Es ist bedauerlich, aber zu oft wahr, dass sich Männer im Wicca und in vielen anderen Heidentraditionen in eine passive, nahezu inexistente Rolle gedrängt fühlen, und dadurch ihre weiblichen Gegenspieler einiger potentiell nützlicher Interaktionen, Beobachtungen und Lehren berauben.
Während Wicca-Frauen diese Haltung damit verteidigen würden, dass die monotheistischen Religionen männerbezogen sind, und dass sie zum Heidentum gekommen sind, um zu vermeiden, gezwungen zu sein, sich der männlichen Authorität zu unterwerfen, versäumen sie zu realisieren, dass jeder Glaube, der ein Geschlecht dem anderen vorzieht, einfach aus dem Gleichgewicht ist, und seine Mitglieder sowohl der spirituellen Befriedigung als auch der spirituellen Aufklärung beraubt.
Wir Wicca müssen uns erinnern, dass es ein Mann, Gerald Gardner, war, der ursprünglich den Glauben, den wir heute praktizieren, ins Leben gerufen und ihm eine Identität gegeben hat. Wie auch immer, er hat dies nicht alles alleine getan - er bekam viel Hilfe und Ansporn von Frauen, wie Doreen Valiente.  Vielleicht hat darum die Gardner-Tradition immer eine Gleichheit der Geschlechter gefördert. Seitdem hat es einige männliche Heiden gegeben, so wie Stuart Farrar, Oberon Zell, Isaac Bonewits, und in letzter Zeit Kerr Cuhulain und Christopher Penczak (der umfangreich über homosexuelle Wicca geschrieben hat, deren Zahl kontinuierlich wächst), deren Kenntnisse und Erfahrungen uns allen zu Gute kommen.

Eine kurze Übersicht einiger der wichtigeren Wicca Traditionen wird sicherlich einen Mann nicht inspirieren, sich den meisten von ihnen anschließen zu wollen, es sei denn, er möchte eine untergeordnete - und unterwürfige - Rolle spielen. Während einige, wie verschiedene Druidengruppen und die Alexandrian/Sanders und Gardners Tradition, anscheinend eher den Anschein erwecken, männliche Praktizierenden willkommen zu heißen, sind andere, wie die Dianischen und die Avalon Traditionen strikt matrifokal, gänzlich ohne Beteiligung von Männern. Es gibt endlose Listen von Wiccagruppen nur für Frauen im Netz, dagegen nur eine Handvoll für Männer. All dies läuft auf dieselbe Art von Sexismus hinaus, wie er von den Mainstreamreligionen praktiziert wird, und ist einfach nur kontraproduktiv.


Wo die Göttin, wo der Gott?

Uns allen sind die Konzepte der Dreifachen Göttin geläufig, die natürlich ebenso von Männern wie von Frauen verehrt wird. Während die meisten Frauen im Wicca die Phasen der Göttin auf ihr eigenes Leben beziehen, wie wenden sie das auf den Gott an und überlegen dabei, wie dieses Konzept auf Männer bezogen werden kann?
In meinen vielen Jahren des Studiums und der Korrespondenz mit anderen Praktizierenden habe ich einiges von sehr weisen männlichen Heiden gelernt. Ich fragte kürzlich einige von ihnen nach ihrer Meinung diesbezüglich und habe eigentlich sehr ähnliche Antworten bekommen, und zwar sagte ein (männlicher) Freund: “Ich hatte darüber wirklich nie nachgedacht!” Ich kann mir nicht helfen, aber ich empfinde das als wirklich peinlich.

Gleiche Geschlechterlegitimation ist, wenn du darüber nachdenkst, nicht so schwer. Wenn wir die junge Göttin als Mädchen ansehen, dann könnten wir ihr männliches Pendant als den Jüngling/Recken/Studenten ansehen. Wenn sie ihre Mutterphase erreicht, reift ihr Gemahl zum Vater/Krieger/Jäger heran.
Die Meinungen gehen darüber auseinander, wann eine Frau alt genug ist, dass sie sich selbst als “altes Weib” ansieht (und von anderen als solches angesehen wird), aber auf der anderen Seite der Medaille haben wir wieder ihren Gemahl, der ein Ältester/Weiser/Großvater wird. Obwohl männliche Wicca die Göttin in diesen Inkarnationen verehren, könnten sie sich nicht wohler fühlen, wenn dem Gott ähnliches Ansehen zuteil werden würde? Die weiblichen Wicca, welche zu Coven gehören mögen, die die Göttin bis zur Ausschließung des Gottes verehren, könnten sich dann auch etwas mehr im Gleichgewicht fühlen.
Wenn wir uns die Historie des Heidentums anschauen, finden wir eine große Zahl von männlichen Gottheiten wie Cernunnos, Dagda, Lugh, Cuchulainn, Pan, Osiris, Zeus, Apollo, und viele mehr. Im Ritual, vor allem, wenn für einen besonderen Zweck gebeten wird, ist es weise, eine solche Bitte an eine Gottheit zu richten, die bestimmte Charakteristika im Sinne des Objektes der Bitte hat.

Speziell männliche Wicca mögen einige Themen haben, bei denen sie sich wohler fühlen, wenn sie diese mit einer männlichen Gottheit teilen, umgedreht weibliche Wicca. Das heißt nicht, dass sie die Verehrung der Göttin in ihren vielen Formen eliminieren würden (oder sollten) – im Gegenteil, die männlichen Wicca aus meiner Bekanntschaft sind ihr sehr ergeben.


Wie bei allem, Gleichgewicht und Maßhalten sind die Schlüssel

Wir müssen nicht über unseren eigenen Jahreskreis hinausschauen, um zu verstehen wie wichtig der Gott für unsere Religion ist. Von Yule, wenn wir die Geburt des Gottes feiern, bis Samhain, wenn er stirbt und sich rüstet, an Yule wiedergeboren zu werden, unsere Sabbats sind ironischerweise auf den Gott ausgerichtet, mit der Göttin, die sowohl assistiert als auch in einer unterstützenden (aber nicht weniger bedeutenden) Rolle teilnimmt.
Konsequenterweise erscheint es unlogisch und kontraproduktiv, in anderen Wicca Zeremonien den Gott zusammen mit den männlichen Praktizierenden  in eine geringfügige Rolle zu drängen. Während ich sicherlich nicht für die Auflösung von Wicca Coven nur für Frauen plädiere, möchte ich diese ausdrücklich darin bekräftigen, in Erwägung zu ziehen, ernsthaft praktizierenden Männern zu gestatten, an ihren Riten teilzunehmen. Dies würde viele Möglichkeiten für Kameradschaft und das Teilen von Kenntnissen schaffen, welche die anerkannten Nachteile mit Sicherheit überwiegen.

Die Internetseite "religioustolerance.org" enthält die Beschreibung von Edain McCoy über die Verehrung von Wicca Gottheiten auf diese Weise: “Wir verehren eine Gottheit, die beides ist, Mann und Frau, Mutter Göttin und Vater Gott, die zusammen all das, was ist, war oder sein wird, geschaffen haben. Wir respektieren das Leben, (wert-)schätzen den freien Willen aller empfindsamen Wesen, und akzeptieren die Heiligkeit aller Schöpfung.” Und dann sagt der gleiche Artikel, "Wiccas feiern die sexuelle Polarität der Natur. Beispielsweise ist der befruchtende Regen eine Manifestation des männlichen Prinzips; die nährende Erde symbolisiert das Weibliche. Frauen sind gleich respektiert (und manchmal etwas höher im Rang) als Männer. Die Priesterin ist oft die höchstrangige Person im Coven - einer lokalen Wiccagruppe. Sie streben nach einer Ausgeglichenheit bzgl. Frauen und Männern in den meisten ihrer Covens (lokalen Gruppen), wenn auch Männer typischerweise in der Minderheit sind.”

Der letzte Satz verstärkt die Unausgeglichenheit, die in der Wicca Praxis existiert und spricht einen herausragenden Punkt an: wenn vielleicht mehr Männer wählten, involvierte Wicca zu werden, dann würde das die Zahl der Wicca Anhänger nach oben treiben und uns konsequenterweise zu einem ernst zunehmenden Faktor machen. Die Tage des “Besenkammer” Wicca neigen sich dem Ende zu und wir erkennen bereits die Vorteile, wie die Zulassung von Pentakeln auf den Grabsteinen von Wicca Veteranen seitens des Staates Virginia.

Wie auch immer, wir dürfen nicht vergessen, dass dafür, dass sich mehr Männer für Wicca interessieren, ihnen gleiche Anerkennung und Status erlaubt sein müssen. Dies ist ein Konzept, dessen Zeit gekommen ist.


Morgan Ravenwood ist seit 35 Jahren eine vielseitige Wicca und Schriftstellerin und war die Begründerin der ersten Heidengruppe in ihrer Gegend, des “Desert Moon Circle”. Sie ist eine engagierte Verfechterin der Gleichberechtigung und hat ausführliche Recherchen zu Hass, Verbrechen und Verfolgung gegen Heiden durchgeführt.


Morgan Ravenwood


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