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Intelligent Design
Seit längerer Zeit geistert das Schlagwort des Intelligent Design durch die christliche Welt. Ich habe bereits vor einiger Zeit einen satirischen Artikel für die ThemenRubrik DrachenSabber darüber geschrieben, jetzt möchte ich das Thema auch mal ernsthafter betrachten.
Thanks to: © Gretchen Sveda

Der Begriff selbst tauchte bereits Mitte des 18. Jahrhunderts auf, damals schon als Reaktion auf Darwins Theorien. In neuerer Zeit wurde er allerdings von den Kreationisten vereinnahmt, die der Idee sehr fundamentalistische Züge aufgezwungen haben. Nicht nur, dass evangelikale Kreise in den USA dies als Argument dafür sehen, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen wurde und - die Bibel wörtlich genommen - auch nicht älter als einige tausend Jahre ist, sondern diese Überlieferung soll in Zukunft ebenso als mögliche wissenschaftliche Tatsache gelehrt werden wie die Naturwissenschaften, deren Erkenntnisse grundsätzlich in Frage gestellt werden. Demnach müssten auch die Saurier zeitgleich mit dem Menschen existiert haben und Vieles mehr, was sich daraus an Ungereimtheiten ergibt.
Inzwischen soll jeder zweite Amerikaner der extremen Auffassung sein, dass die Bibel wörtlich zu nehmen ist und auch in Europa ist dieser religiöse Exportartikel bereits angekommen. Selbst der katholische Kardinal Schönborn hat vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt, als er sich dazu geäußert hat.

Es geht mir aber nicht darum, innerchristliche fundamentalistische Strömungen zu erörtern. Ich verfolge die vielen Diskussionen seit Jahren sehr interessiert, denn mir fällt eines immer wieder und äußerst deutlich auf, nämlich, dass es sich hier wieder einmal um einen typischen Fall von Schwarz-Weiß-Malerei handelt. Daher passt diese Thematik meines Erachtens auch sehr gut in die Rubrik Polaritäten. Der festgefahrene Zank zwischen den Wissenschaftlern, die mit Recht argumentieren, dass man religiöse Glaubensinhalte nicht als Wissenschaft bezeichnen kann und den Kreationisten, die den archaisch anmutenden Standpunkt vertreten, die Bibel sei Gottes Wort und somit per se wortwörtlich zu nehmen und in jeder Hinsicht wahr. Mit dem wohl allseits bekannten „Exklusivrecht auf die Wahrheit“ der meisten Religionen will ich mich hier aber ebenso wenig befassen, viel mehr will ich darlegen, dass auch hier die Wahrheit sehr wohl, und wie so oft, genau in der Mitte liegen kann.


Der goldene Mittelweg der Wahrheit
Die Wissenschaft kann uns bislang nicht erklären, warum die Welt mittels circa zwanzig sogenannten Naturkonstanten einer äußerst peniblen Feinabstimmung zu unterliegen scheint, denn würde sich auch nur einer dieser Werte geringfügig ändern, gäbe es noch nicht einmal Materie in diesem Universum. Nun, auch diese Tatsache verleitet wohl zu der Annahme, dass hier dran gedreht wurde, dass es hier quasi zumindest irgendwo Jemanden geben muss, der diese Feinabstimmung vorgenommen hat. Interessanterweise legen neuere Erkenntnisse aber sogar nahe, dass sich zumindest manche dieser „konstanten“ Werte mit der Zeit verändern.
Für mich persönlich ist ja die für mich fast schon ans Zwanghafte grenzende Unterscheidungsucht, ob es jetzt einen „Schöpfer“ außerhalb dieser Welt gibt, der sozusagen an den Reglern sitzt und alles so einstellt, dass es passt und alles funktioniert, oder ob ich das Universum selbst als intelligentes Wesen betrachte, das sich selbst steuert und aus sich heraus selbst göttlich ist, mehr als überflüssig. Jede diesbezügliche  Frage wie z.B. „Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?“ bzw. „Hat das Orchester nun einen Dirigenten oder nicht?“ bringt mich persönlich nicht weiter, weil es für mich nur noch in der Frage mündet: Was macht es für einen Unterschied??

Die Überlegungen eines Burkhard Heim, der von Ursachen-Dimensionen im Universum ausgeht oder aktuell Erwin Lazlo, der ein A-Feld postuliert („A“ wie Akascha-Chronik), in dem jede Information des Universums wie in einer Super-Datenbank gespeichert ist, sind auch nichts anderes, als das Unfassbare mit einem Denk-Schema fassen zu wollen. Wir Menschen und unsere Wissenschaft tappen hier kognitiv noch völlig im Dunkeln und haben die Anzeichen auf die Existenz solcher uns verborgener Welten deshalb auch Dunkle Materie bzw. Dunkle Energie genannt, denn es sieht ganz so aus, dass wir nur einen Bruchteil dessen, was DA ist, auch wahrnehmen können, die sogenannte sichtbare Welt. Dem steht die umfassende Qualität spiritueller Erkenntnis entgegen, wenn sie nur bloß auch immer so umfassend wäre, denn auf dem Weg zur Religion scheint auch die tiefste Wahrheit zum Dogma und zur Teilwahrheit zu verkommen.
Vielleicht ist hier langsam verständlich, dass ich bei diesem Hickhack, den man ja auch als den ewigen Zwist zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte betrachten kann, nur noch herzhaft lachen kann. Die Wissenschaft hat bewiesen, dass es offensichtlich weit mehr gibt „als wir erträumen können, sperrt sich trotzdem nach wie vor im Elfenbeinturm ihrer eigenen Begrenztheit ein und hat nichts Besseres zu tun, als das Schildchen „Wahrheit“ vor die Tür zu hängen. Mein Eindruck ist, es ist nur ein allzu menschliches Bedürfnis, zu ignorieren, dass verstandesmäßig erfassbare Wahrheit ein äußerst wandelbares Gut ist, die Wahrheit von gestern ist der Schwachsinn von heute.
Dem gegenüber haben die Menschen erkannt, wenn sowieso alles relativ ist, dann kann ich ja auch ruhig davon ausgehen, dass Donar die Blitze vom Himmel schleudert. Und hier sind wir bei der religiösen, der spirituellen Seite der Sache gelandet. Denn wenn kognitive Wahrheiten eben zeitgeistiger Natur sind, dann finden sich im Reich der Religion und der spirituellen Erkenntnis vielleicht ja zeitlos gültigere Wahrheiten.


„Permanent Creation“ statt „Intelligent Design“
Vielen ist bekannt, was ein Fraktal ist – eine Grafik, die sich mittels der einen oder anderen relativ einfachen mathematischen Formel bis ins Unendliche verästelt und verfeinert. Auch die Welt kann man als riesiges Fraktal betrachten, alles ist in ständiger Veränderung begriffen, verfeinert sich, entwickelt sich weiter - denn darüber hinaus entsteht letztendlich durch den sogenannten „Zufall“ auch ständig etwas Neues, etwas, das vorher noch nicht da gewesen ist. Wäre ICH der Schöpfer dieser Welt (was ich im kleinen Maßstab ja auch bin) würde ich mich unendlich langweilen, wenn ich alles vorherbestimmt hätte und nur noch zufrieden (wenn das Werk gelingt) oder erbost (wenn was schief geht) zu sein bräuchte.
Für mich wäre es viel eher die ultimative Erfahrung, zu schauen, was sich daraus entwickelt. „Gott würfelt also doch“ wäre hierzu die scheinbar passende Sichtweise, wenn auch nicht vollends zutreffend. Man nennt es letztendlich „Kreativität“.

Nicht so ganz nebenbei: Warum sollte es in dieser sich ständig wandelnden Welt nicht auch zwischen dem „All“ und uns eine Instanz geben, die ein Auge auf einzelne Teilbereiche der Welt hat, damit sich die zahllosen einzelnen Melodien harmonisch ineinander fügen, ich denke, man nennt sie nach wie vor „Götter“, ohne ihr Sein wirklich ergründen zu können. Abseits der modernen spirituellen Sichtweise, dass im Grunde alles im Universum belebt ist, ist eines für mich auf keinen Fall zu übersehen, nämlich dass es eben überall die Tendenz zur Weiterentwicklung gibt, zur Evolution. Abseits jeglicher Idee eines intelligenten Designs nehme ich einfach eine allgegenwärtige systemimmanente Intelligenz wahr, eine Tendenz zum ständigen Gleichgewicht aller Zutaten, die eine simple Blaupause, der das Universum nur noch zu folgen hätte, wohl an Faszination weit übertrifft.

Dumm nur, dass einem hiermit jegliche Sicherheit genommen wurde, denn wenn nichts mehr determiniert ist, dann ist einem im Grunde auch der Glaube „an irgendwas Bestimmtes“ genommen, denn dann muss ich auch mich selbst uneingeschränkt als den Schöpfer meiner Welt – insofern im weitesten Sinne auch DER Welt (wie ich sie erlebe) -  wahrnehmen. Diese Erkenntnis ist allerdings für die meisten sehr schwer zu akzeptieren, bedeutet es ja auch, selbst die Verantwortung für alles, was mir wiederfährt, zu übernehmen. So wird es als „magisches Weltbild“ zum geistigen Eigentum einer kleinen Minderheit.

Auch das ändert sich mit der Zeit, ebenso wie alles andere, und letztendlich immer zum Besseren - zum intelligenteren Design.


Wikipedia-Links:
Intelligent Design, Kreationismus, Burkhard Heim, Ervin László


Gwynnin


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