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Gen-Technologie und Naturreligion   Teil III
Kann, darf oder sollte ein naturreligiöser Mensch zum Thema Gentechnologie überhaupt eine andere Meinung haben, wie eine ausschließlich Ablehnende?
Thanks to: © Gretchen Sveda

Doch zurück zur Gentechnologie
Gibt es für einen naturreligiösen Menschen Kriterien, die eine ethische Beurteilung oder eine Diskussion zu diesem Thema überhaupt zulassen?
Ich denke, es gibt sie, denn es geht ja schließlich um die Gründe, warum entsprechende Verfahren entwickelt werden sollen und um die Auswirkungen, die diese Techniken auf uns als Menschen haben. Allerdings müssen wir dabei auf Beispiele oder Modelle zurückgreifen, die uns die Naturwissenschaft zur Verfügung stellt.

1. Beispiel: Gentherapie
Aus naturreligiösen Gründen heraus ist diese Art einer Behandlung von Krankheiten für mich vertretbar. Fakt: Ein Mensch ist krank, also bekommt er von einem Heilkundigen eine Therapie verpaßt, die die Krankheit entweder heilt oder aber die Symptome dieser Krankheit lindern kann, wenn diese Krankheit nicht endgültig heilbar ist. Die Methoden die für diese Heilung / Linderung genutzt werden, sind prinzipiell und ethisch-moralisch gleichwertig; egal ob es sich dabei um ein schamanistisches Heilungsritual oder eine Gentherapie handelt, denn:

„Wer heilt, hat Recht!“

2. Beispiel: Gentechnische Veränderungen von Pflanzen zur Entwicklung einer Resistenz gegen bestimmte
Pflanzenbehandlungsmittel

Sachlich geht es hierbei darum, dass eine Nahrungs- oder Nutzpflanze gegen die Auswirkungen einer ganz bestimmte Chemikalie geschützt ist, die bei der Pflanzung in Monokultur eingesetzt wird, um Nahrungskonkurrenten (Unkräuter) dieser Pflanze zu töten.
Dies ist aus naturreligiösen Gründen heraus für mich nicht vertretbar. Es werden durch diese Manipulationen definierte Abhängigkeiten zu Chemiekonzernen einerseits und ökologisch unvertretbare Anbaumethoden andererseits unterstützt, die letztlich dazu führen, dass das Ökosystem mit einer speziellen Chemikalie nachhaltig vergiftet werden könnte und die Abhängigkeit der Bauern vom jeweiligen Chemiekonzern etabliert wird.

3. Beispiel: Gentechnische Veränderungen von Pflanzen zur Entwicklung einer Resistenz gegen bestimmte Pflanzenkrankheiten
Sachlich geht es hierbei darum, dass eine Nahrungs- oder Nutzpflanze gegen die Auswirkungen einer ganz bestimmte Krankheit geschützt ist, die bei der Kultivierung dieser Pflanze auftritt und eine Mißernte hervorruft.
Dies ist aus naturreligiösen Gründen heraus für mich vertretbar. Denn es werden durch diese Manipulationen keine Abhängigkeiten zu Industriekonzernen einerseits und ökologisch unvertretbare Anbaumethoden andererseits unterstützt - vorausgesetzt, das Erntegut trägt diese Eigenschaften weiter und ist vom Bauern direkt zur Saat wiederzuverwenden; und es sich bei den Pflanzenkrankheiten um solche handelt, die nicht nur in Monokulturen vorkommen.

4. Beispiel : Erzeugung von Organismen, die extern Produkte herstellen, die Krankheiten heilen oder aber die Genesung unterstützen bzw. bestimmte Stoffe substituieren, die ein kranker Mensch nicht mehr herstellen kann
Dies ist aus naturreligiösen Gründen heraus für mich vertretbar. Denn es werden durch diese Manipulationen keine anderen Abhängigkeiten zu Pharmakonzernen hergestellt, die aus unserem etablierten gesellschaftlichen Kontext heraus nicht sowieso schon bestehen.


Schlußbemerkungen oder ethisches Glatteis
Letztlich geht es bei dieser ganzen Diskussion doch um den Menschen, Machtstrukturen und den gesellschaftlichen Kontext, in welchem er sich bewegt. Und um die Provokation und schließlich die Diskussion ethisch-moralischer Grundsätze die dem Kant´schen kategorischen Inperativ gerecht werden sollten. Und deswegen möchte ich an dieser Stelle eine Lunte entzünden, der eine Explosion an fruchtbarer Diskussionen folgen möge:

Provokation: Je weiter sich unsere Medizin und die Gentechnologie entwickelt, um so mehr kranke Menschen wird es geben!

Tatsache: Eine bestimmte Art der jugendlichen Diabetes ist vererbbar. Damit die Menschen, die an dieser Krankheit leiden, nicht sterben, wird Insulin - welches sie nicht produzieren können - durch künstliches oder gentechnologisch hergestelltes Insulin substituiert; die Methoden der Applikation (z.B. durch die Entwicklung von Insulinpumpen) optimiert oder eine entsprechende Gentherapie entwickelt.
Das heißt als Konsequenz, dass das Überleben der meisten dieser an Diabetes erkrankten Menschen über das Alter der Vermehrungsfähigkeit garantiert wird - was bedeutet, dass diese Menschen ihren berechtigten Wunsch nach eigenen Kindern erfüllen können.

Diskussion: In wie weit ist die Gesamtpopulation einer Gemeinschaft berechtigt, über diesen Kinderwunsch ein Urteil abzugeben oder einen solchen Kinderwunsch per gesellschaftlichen Tabus zu reglementieren, da die Erfüllung dieses Wunsches einzelner Individuen ja definitiv die Zahl der an vererbbarer Diabetes erkrankten Menschen der Gesamtpopulation erhöht?

Analyse: Ein an vererbbarer Diabetes erkrankter Mensch kann nur dann überleben, wenn die Gesellschaft dies zuläßt, indem sie die ökonomisch und okölogisch vetretbarsten Methoden unterstützt, damit Insulin hergestellt werden kann.

Synthese: Ein Recht auf individuelle Entscheidungsfreiheit aller Menschen kann nur dadurch gewährleistet werden, dass die Möglichkeiten geschaffen werden, die ein Überleben erkrankter Menschen gewährleistet - in aller Würde und mit allen wahrnehmbaren Rechten und wahrzunehmenden Pflichten, die unsere Gesellschaft ausmacht.

Wer könnte eine etisch-moralische Rechtfertigung dafür liefern, ein solches Recht auf Individualität, einzelnen Menschen oder Menschengruppen abzusprechen? Und wer sich als Individuum für ein solches Recht ausspricht; egal ob aus religiösen oder rational-mechanistischen Gründen, sollte auch über die Konsequenzen nachdenken, die dies mit sich bringt!
Und nicht hergehen und nicht nur über die Gefahren jammern und zetern, die dadurch entstehen. Sondern versuchen, sich eine ethische, moralische und gesellschaftliche Grundhaltung anzueignen, die im Prinzip schon seit Urzeiten begründet ist:
Die eigene persönliche Freiheit wird immer beeinflußt durch die Freiheit meiner Mitmenschen bzw. steht in einer Rückkopplung dazu. Wenn ich mich dafür entscheide, dass mein Kind mit der potentiellen Möglichkeit einer Krankheit geboren werden kann, dann entscheide ich mich auch für die technischen, ethischen und moralischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, wenn diese Krankheit ausbricht und dass diese Krankheit therapiert werden muss.

Nur wenn Eigenverantwortung und gesellschaftliches Gefüge in einer harmonischen, menschlichen Rückkopplung miteinander stehen, kann der Mensch als Art überleben!


Magister Botanicus


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