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Gen-Technologie und Naturreligion   Teil I
Kann, darf oder sollte ein naturreligiöser Mensch zum Thema Gentechnologie überhaupt eine andere Meinung haben, wie eine ausschließlich ablehnende?
Thanks to: © Gretchen Sveda

Ist Gentechnologie nicht der Inbegriff eines rein mechanistischen Bildes vom Menschen, deren Erforschung oder gar Anwendung; auch in Bereichen der therapeutischen Medizin, prinzipiell ein Tabu sein sollte?
Bevor ich mich der Frage zuwende, wie für mich eine Beurteilung der Gentechnologie aussehen könnte, da ich mich zu einer Naturreligion bekenne, möchte ich zunächst einmal das Schlagwort Gentechnologie definieren und die entsprechenden Techniken näher erläutern.

Gentechnologie, das wären alle technischen Verfahren, die zu einer - wie auch immer gearteten - Manipulation der Erbinformationen angewandt werden können. Welche Techniken stehen heute Wissenschaftlern zur Verfügung und was ist tatsächlich von dem machbar, was in journalistisch-polemisch aufbereiteten Pamphleten zu lesen steht?
Prinzipiell von der tatsächlichen Gentechnologie abzugrenzen ist das Klonen (Reproduktion bereits vorhandener, natürlich vorkommendem Erbmaterials in Zellen), die sog. Genanalyse von menschlichen Embryonen (Untersuchung des Erbmaterials auf Anzeichen defekter Genstrukturen oder Genen, die eine Krankheit auslösen können), da dies Techniken sind, die keine direkte Manipulation der natürlichen Gene bewirkt.
Am Beispiel der in den letzten zwei Jahren prosperierenden Sparte der sogenannten Gentherapie, möchte ich darstellen, wie man mit einem naturreligiösen Ansatz mit den ethischen und moralischen Problemen einer solchen Technologie umgehen könnte.


Wissenschaftliche Definition und Anwendungen der Gentherapie
Bei einer normalen medikamentösen Behandlung wird dem Körper ein Medikament in direkter Form zugeführt und damit eine Krankheit therapiert. Dies können die uns allen bekannten Kopfschmerztabletten sein aber auch die Verabreichung - etwa einer Spritze - von Antibiotika als Wirkstoff.

Bei der Gentherapie wird der Körper bzw. die menschliche Zelle durch von Außen zugeführte Genstrukturen dazu gebracht, diese Wirkstoffe selbst zu produzieren, vorzugsweise an dem Ort, an dem die Krankheit ein Symptom auslöst. Darin liegt auch der Vorteil dieser Therapie, neben den relativ geringen weiteren Einwirkungen auf die Zellen oder den Gesamtorganismus.
Klinisch eingesetzt wird diese Gentherapie nur bei bereits ausdifferenzierten Körperzellen des Menschen und bedeutet nicht! die Veränderung von Keimzellen bzw. des Genoms7 aller Körperzellen; sondern nur die spezifische Korrektur einer ganz speziellen Zellpopulation, die eine Erkrankung oder eine Fehlbildung aufzeigen.
Es gibt verschiedene Arten des Gentransfers zum Wirkort, die verschieden effizient sind und natürlich auch verschiedene Gefahren in sich bergen. Ein weiterer Faktor der bei einer Gentherapie beachtet werden muss, ist, dass man die ganze Sache ja nicht nur deswegen macht, um eine kleine, akute Erkrankung, wie etwa eine Erkältung zu bekämpfen, sondern bei chronischen oder erblich bedingten Erkrankungen eine permanente Wirkstoffausschüttung durch die körpereigenen Zellen erreichen will. Man nennt die verschiedenen Möglichkeiten des Einbringens der Genome sogenannte Vektoren. Solche Vektoren können z. B. verschiedene Virenarten sein, deren eigene RNA oder DNA durch die zu transportierende DNA ersetzt wurde, eine weitere Form ist die „nackte“ DNA oder auch DNA die in Liposomen sozusagen eingepackt ist.
Die Gefahren und Risiken wiegen vom therapeutischen Ansatz her eigentlich gleich schwer:
Denn ein Genom, welches mittels eines Virus in den Zellkern eingeschleust wird, sich dort etabliert und permanent einen Wirkstoff ausschüttet, dieser schließlich dadurch ein Krankheitssymptom lindert oder für eine Beschleunigung der Heilung sorgt, wird durch das Risiko erkauft, daß sich etwa genau dieses Virus rekombinieren kann und nun als potentieller Krankheitserreger im menschlichen Organismus herumgeistert. Demgegenüber stünde die weniger gefährliche aber auch therapeutisch weitaus ineffektivere Methode der „verhüllten“ oder der „nackten DNA“.

In der therapeutischen Anwendung befinden sich ca. fünf definierte Genstrukturen bei Patientenzahlen von etwa 500 - 1000 Menschen in den USA und Europa. Das Hauptanwendungsgebiet sind dabei schwere Infektionskrankheiten und maligne Erkrankungen, auch Mukoviscidose-Therapien werden bereits erprobt. Als Ausblick in die Zukunft könnte die Produktion von maßgeschneiderten DNS-Strukturen als ganz persönliches Medikament sein, wobei hier ein Hauptaugenmerk gerade auf die auf den Chromosomen verankerten und somit vererbbaren Erkrankungspotentiale gelegt wird. Allerdings nicht - um dies nochmals zu betonen - um das menschliche Genom selbst zu verändern, weil die Technik für dieses Verfahren (noch) nicht entwickelt sind und zweitens selbst mechanistisch denkende Naturwissenschaftler hierin ein großes ethisch-moralisches Problem sehen!


Ende Teil I


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