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Menschlich betrachtet I – Der Urknall
Diese faszinierende „Konstruktion Mensch“ zu begreifen ist nicht leicht. Aber schließlich beschäftigen uns die Fragen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen, im Grunde jeden Augenblick unseres Daseins.Diese Fragen zu ergründen ist mit Worten zwar so gut wie unmöglich, aber das Thema mal ausführlich zu beleuchten, kann immerhin hilfreich sein und wird Inhalt dieses Artikel-Zyklus sein.

Thanks to: © Gretchen Sveda

Vorweg bemerkt, es wird wohl nicht reichen, hier erst bei Adam und Eva zu beginnen. Wenn man es genau betrachtet, dann sind wir alle miteinander ein Zwischenprodukt – schließlich ist die Evolution ja nie zu Ende – oder mit einem früheren darwinistischen Modebegriff bezeichnet: Im Grunde kann man die Vertreter unserer Spezies auch nach wie vor als das missing link zwischen Affe und Mensch betrachten, auch wenn wir uns diesen Menschen der Zukunft noch nicht vorstellen können.

Uns als Zwischenprodukt zwischen Affe und Mensch zu betrachten ist ja schon mal eine Ansage, die viele von ihren Sitzen aufspringen lässt und vor allem christlich und andere konservativ Angehauchte werden vielleicht nicht gleich von Blasphemie sprechen, aber immerhin ist der Mensch doch die Krone der Schöpfung. Zumindest für diesen Planeten gilt das ja – für heute – aber betrachten wir es ruhig kurz genauer:
Was definieren wir eigentlich als unser Menschsein – also das, was uns vom Tier unterscheidet? Wohl zuerst, dass wir ein bei weitem größeres Abstraktionsvermögen haben als Tiere. Tiere können zwar auch in die Zukunft planen – sie wissen schließlich genau, wann sie für eine Handlung Bestrafung oder Belohnung zu erwarten haben, zumindest Tiere wie Affen, Hunde oder Katzen – aber mit der Komplexität des menschlichen Verstandes ist das nur ansatzweise vergleichbar.
Was uns beim Verhalten der Tiere ja auffällt, ist, dass sie im Gegensatz zu uns Menschen sehr impulsiv handeln – sozusagen, meist ohne die Auswirkungen und Folgen ihrer Handlungen zu „bedenken“. Auch wenn sie es irgendwie manches Mal zu tun scheinen, handeln sie schließlich erst meist impulsiv. Und sie werden sich auch selten fragen, was vor dem Urknall war oder Ähnliches...


Apropos Urknall
Diese Fähigkeit vernetzt zu denken ist es also, was wir selbst den Primaten voraus haben. Ein Urknall der Evolution: Der Mensch ist das erste Wesen auf diesem Planeten, das sich seiner selbst bewusst ist, also ein Ich entwickelt hat. Ist das so, dass nur wir Menschen das haben, ein Ego? Dieses unumstößliche Bewusstsein des „Ich bin“. Nun, inwiefern Tiere eine uns ähnliche Art der Selbstreflektion haben, werden wir wohl noch lange nicht feststellen können, aber es steht zumindest fest, dass unsere Großhirnrinde sich gegenüber allen anderen Tieren explosionsartig weiterentwickelt hat. Auch wenn Menschenaffen und Delfine die Fähigkeit besitzen, sich im Spiegel zu erkennen, also ohne Zweifel eine Selbstwahrnehmung besitzen.
Einige meinen, dass Seele nur ein Begriff für das Bewusstseinsfeld ist, das wir mit unseren Gedanken und Empfindungen bilden. Das würde allerdings auch bedeuten, dass es nach unserem Tod verpufft – ähnlich dem Zeitraum, den unser Körper braucht, um sich zu zersetzen – um zum All-Einen zurückzukehren. Es würde aber auch bedeuten, dass wir eine Seele, wenn auch in anderem Ausmaß, den Vertretern zumindest der Tierwelt ebenfalls zugestehen müssen.

Aber ein Phänomen erstaunt ja am Menschen: Einfach fast alle sind religiös. Die Geschichte scheint zu beweisen, dass Menschen nur dann nicht religiös sind, wenn sie sich ausschließlich der Maxime des Genusses hingeben, Schlagworte wie „Konsumgesellschaft“ sind keinem fremd.
Aber die Welt beweist auch, dass es zurzeit einen wahrhaft religösen Boom gibt. Maßgebliche Gruppen berufen sich immer deutlicher auf ihre Religion, allen voran die Vereinigten Staaten und der islamische Raum. Aber auch der Buddhismus und neue heidnische Bewegungen finden breiteren Raum. Der Mensch scheint Religion doch zu brauchen, es scheint ein Urbedürfnis zu sein – zumindest was die seelische Gesundheit betrifft – oder sollte ich „emotionale Sicherheit“ schreiben? Ist der erste Ursprung von Religion eine Art Sicherheitsbedürfnis in diesem endlosen, dunklen und auch kalten Universum? Zumindest heute kennen wir das so, aber auch Menschen früherer Zeiten haben sich wohl zu allererst gedacht, wenn es diese Schöpfung gibt, dann muss es wohl auch einen Schöpfer geben – alles ist ja schließlich immer wieder zusammenfassbar, bis halt nur noch eines übrig bleibt: das All-Eine. Und wenn es da wen gibt, – inwiefern, da ist sich wohl auch der Einzelne nicht ganz einig – ist dieses Wesen dann getrennt und außerhalb der Schöpfung, wie es die christliche Anschauung wäre, oder ist dieses Hyperwesen die Schöpfung selbst? Oder beides? Jedenfalls gibt es wohl überall in jeder Kultur einen Schöpfungsmythos. Die Frage, wie die Welt entstanden ist, scheint dem Menschen keine Ruhe zu lassen.

Ist dieses All-Eine fassbar oder können wir es schon allein deshalb nur abstrakt als Wort erfassen, weil es jenseits der dualen Welt liegt? Die Welt scheint ja in Gegensätze gespalten: Hell und dunkel, Gut und Böse, Sein oder Nicht-Sein... von jedem Ding gibt es sein Gegenteil – selbst bei den kleinsten Teilchen sind immer zwei verschränkt, jedes hat sein Gegen-Teil(chen), und ihr Schicksal hängt zusammen, egal wo im Kosmos sie sich gerade befinden. Vielleicht können wir die Welt überhaupt nur durch Gegensätze wahrnehmen. Wie sonst sollte der Verstand funktionieren, außer mit dieser Grundunterscheidung „ist so und so“ versus „ist nicht so und so“. Aber dazu später mehr.


Sind Tiere religiös?
Schimpansenmännchen machen bei etwas Beeindruckendem wie einem Gewitter Imponiergebärden, als wollten sie damit das Gewitter, oder zumindest den, der den Lärm macht, verscheuchen. An außergewöhnlichen Orten wie einem Wasserfall machen sie zuerst auch diese Drohgebärden, geraten aber dann in einen eigenartigen Zustand der Ruhe. Menschliche Forscher interpretierten das als religöses Empfinden – mag sein. Ist Angst vor dem Unfassbaren, Ehrfurcht oder stilles Staunen ein Beginn oder gar Grundprinzip von Religiosität?
Die Reaktionen unserer Vorfahren unterschieden sich vor noch nicht allzu langer Zeit nicht wirklich sehr von den naheliegenden Überlegungen eines Schimpansen: Wenn es donnert, dann muss es irgendwo jemanden geben, der den Lärm macht... Und wenn dieses Wesen einen solchen Lärm produzieren kann, dann muss es schon ziemlich viel größer sein als ich – sehr viel größer.

Elefanten wurden dabei beobachtet, dass sie sich merkwürdig verhalten, wenn sie auf Knochen verstorbener Herdenmitglieder treffen. Sie betasten mit ihrem Rüssel minutenlang die einzelnen Knochen, vor allem die Schädel, so als würden sie die verstorbenen Verwandten noch immer am Geruch erkennen. Manchesmal tragen sie einzelne Knochen auch an eine andere Stelle wie z.B. unter einen Busch oder tragen sie eine Weile mit sich herum.
Das kann man wohl bereits Ansätze eines Bestattungsverhaltens nennen wenn man will, aber schon allein die fast liebevolle Behandlung der Knochen lässt darauf schließen, dass sie zumindest ihrer Ahnen gedenken. Und soviel ich weiß, gilt der Ahnenkult als Ursprung von religiösen Systemen schlechthin.


Wofür wurden und werden Ahnen eigentlich verehrt?

Klugheit und Erfahrung allein scheinen noch kein Kriterium zu sein, zumindest nicht im Tierreich. Bei einer Horde einer indischen Makakenart (die übrigens im Matriarchat leben) hat das Wissen ihrer Führerin – die nicht die Anführerin ist, wohlgemerkt – die sie erfahren zu den entlegendsten Futterplätzen führt und allen so in der Trockenzeit immer wieder das Leben rettet, kaum Bedeutung und ändert nichts daran, dass sie als Angehörige der niedrigsten Kaste erst als Letzte an das Futter darf. (Ein erblicher sozialer Status ist also auch keine Erfindung des Menschen.)

Auch wir Menschen tun uns heute schwer, Wissen und Weisheit Älterer zu verehren, denn schließlich wissen wir hundert mal mehr als unsere Großväter und Großmütter und alle anderen davor erscheinen einem sowieso schon fast wie Steinzeitmenschen. Da gibt es einen springenden Punkt, der erst neuerdings zum Problem geworden ist: Wo kann man noch von jemandem wirkliche Lebenserfahrung lernen? Erfahrung, die uns in unserem heutigen Leben weiterhilft. Frühere Generationen kannten nicht einmal Computer, was sollen einem die schon raten können? „Wie man das Leben meistert“ könnte einem wahrscheinlich auch kaum einer mitteilen – werden heutzutage doch die wenigsten von einem erfüllten Leben berichten. Und so können ihre Ratschläge für uns nur hohl klingen – aber der Kontakt ist meistens sowieso schon abgerissen und so erübrigen sich Gespräche mit den Alten. Aber ich denke, unsere Eltern oder Großeltern werden nicht nur manches Mal salopp „die Alten“ genannt, weil sie im Vergleich alt sind, sondern – sie werden schließlich auch mal unsere Ahnen sein. Aber die Maxime der Weisheit des Alters und das Schätzen ihrer Lebenserfahrung ist uns heute abhanden gekommen, für Tiere trifft das allerdings noch zu.

Wenn man sich Naturvölker ansieht, dann verehren sie ihre Ahnen wegen ihrer Weisheit und bitten sie um Rat, oder sie werden gebeten, jemanden, oder was auch immer, zu beschützen. Das bedeutet, dass den Ahnen große Macht zugeschrieben wird. Klar, sie sind schon drüben und man würde meinen, dass sie von da aus auch einen besseren Überblick haben und vielleicht mit sogar noch Mächtigeren – also Göttern (oder auch Geistern) – direkt verhandeln können, oder gar selbst die Macht besitzen, die Dinge zu lenken. Naheliegend kommt es uns heute wohl vor, dass weise Anführer der Sippe auch nach ihrem Tod noch für ihre Erfahrung geschätzt wurden und man in kritischen Zeiten ihren jenseitigen Rat und auch ihren Schutz suchte. Lange Zeit später wurden die ägyptischen Pharaonen gleich vorweg als göttliche Inkarnation angesehen, um das Volk zu beschützen und zu leiten.
Es scheint aber auch, als wären neben Schutzgöttern die ersten Götter (wohl mitunter auch in Form der Ahnen selbst) Schicksalsgötter gewesen, denen der Einzelne oder auch die Gemeinschaft scheinbar hilflos ausgeliefert war, ganz ähnlich den Naturgewalten – möglicherweise, weil der Mensch diese eine Frage anscheinend nicht aushalten kann: „Warum?“
Um diese Gretchenfrage wird´s im zweiten Teil des Zyklus gehen.


Gwynnin


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