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Gut und Böse
Seit Jahrtausenden stellen sich die Menschen die Frage, ob es das Gut und das Böse gibt. Die Meinungen hierüber sind unterschiedlich. Zweifellos gibt es Menschen, die sich gut oder böse verhalten. Aber gibt es das Gute oder Böse als ein Prinzip des Seins? Ist es ein Faktor in der Weltordnung? Gibt es Gut und Böse auch im spirituellen Bereich? Oder in Kurzform: Gibt es einen guten und einen bösen Spirit? Gibt es einen Gott und einen Teufel?
Thanks to: © Gretchen Sveda

Hier möchte ich euch erzählen, wie ich diese Thematik sehe.
Wenn wir weit in die Evolution der Menschheit zurückgehen, dann dürfen wir davon ausgehen, dass die Menschen in vorgeschichtlicher Zeit sicher keine Vorstellung von Gut und Böse hatten. Sie lebten zusammen in Horden, gingen gemeinsam auf die Jagd oder sammelten essbare Pflanzen. Was sie erreichten gehörte allen. Persönliches Eigentum war so viel wie unbekannt und bezog sich höchstens auf ein paar Kleidungsstücke. Da gab's also nichts zum Wegnehmen. Außerdem war man aufeinander angewiesen und hätte sich nur selbst geschadet, wenn man andere geschädigt oder beleidigt hätte. Außerdem war die Erde noch nicht so dicht bevölkert, dass man um ein wenig mehr Land hätte kämpfen müssen.


Die Entwicklung
Dann entwickelte sich der Mensch weiter, erfand Waffen, baute Häuser. Nun gab es das persönliche Eigentum, nämlich ein Haus, Waffen, persönlich erworbene Lebensmittel und Vorräte. Sicher teilte man immer noch mit anderen, insbesondere mit der Familie, jedoch wurde das Individuum immer wichtiger. Die Menschen erkannten sich nun auch als Individuum und fühlten sich weniger stark einer Gruppe verbunden. Die Höherentwicklung des Intellekts machte diese Entwicklung möglich. Dabei hat sich das Gehirn kaum zu einer größeren Kapazität entwickelt, jedenfalls nicht in kurzen Zeitläufen. Vielmehr wurde das Wissen an die nachfolgende Generation weitergegeben und konnte auf diese Weise wachsen. Jede Generation fügte neue Erkenntnisse und Erfahrungen hinzu bis zum heutigen Tage. Wenn nicht jemand das Rad erfunden hätte, dann hätten wir heute keine Autos.
Die Entwicklung zum Individuum - oder besser gesagt: Die Erkenntnis des individuellen Seins - erzählt die Genesis mit der Geschichte des Sündenfalls. Die Menschen - so wird erzählt - hätten die Erkenntnis von Gut und Böse durch das Essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis erhalten. Im Englischen heißt dieser Baum jedoch "tree of knowledge", also Baum des kognitiven Wissens. Dies deutet auf die Entwicklung des Intellekts des Menschen hin.

Die Geschichte von Adam und Eva ist jedoch zu einfach erzählt. Was in der Menschheitsgeschichte tatsächlich stattgefunden hat, ist folgendes: Infolge der Entwicklung des Intellekts können wir abstrakt denken. Wir können uns Dinge vorstellen, planen und dann entsprechend der Planung handeln. Wir können ferner Waffen herstellen, die es uns leichter ermöglichen, andere Menschen zu bedrohen oder gar zu töten. Wir können also z.B. Menschen töten, um uns ihr Eigentum anzueignen.
Wir können uns jedoch auch vorstellen (und dann auch diese Vorstellung in die Tat umsetzen), dass wir Einfluss und Macht über andere Menschen ausüben. In dieser Wichtigkeit gefallen wir uns und fühlen uns anderen Menschen überlegen. Diese beiden Motive - Macht und Anhäufung von Eigentum - sind die hauptsächlichen Beweggründe, anderen Menschen zu schaden.


Also gibt es das Böse doch?
Langsam mit vorschnellen Urteilen! Versetzen wir uns zurück in die längst vergangenen Zeiten, als die Menschen mit Hilfe ihres Intellektes und somit des abstrakten Denkens die Möglichkeit erkannten, böse Taten zu tun, also sich Eigentum von anderen anzueignen oder Macht über andere auszuüben. Es ist sicher leicht nachzuvollziehen, dass sie erkannten, wie man - anders als Tiere, die nicht über diese höhere Intelligenz verfügen - diese bösen Taten infolge des höheren Intellekts ausführen konnte. Ein Tier wird sich nicht Eigentum von anderen aneignen. Es wird gar kein Eigentum anhäufen (außer Wintervorräte anzulegen, jedoch geschieht dies als instinktive Handlung und nicht infolge des abstrakten Denkens). Da das Tier über keinen so hohen Intellekt verfügt, kann es somit nicht bewusst und gewollt böse sein.


Aber was hat das alles mit Gott oder dem Teufel zu tun?
Wieder müssen wir ein wenig in die Vergangenheit zurückblicken. Diesmal nicht so weit zurück, nur so ungefähr 2.500 Jahre, oder auch in einigen Völkern ca. 3.000 Jahre.
In dieser Zeit taucht der Begriff des EINEN Gottes auf. Und wieder hat diese Entwicklung mit dem Intellekt etwas zu tun. Man erkannte, dass der Mensch Fähigkeiten besitzt, die den Tieren nicht gegeben waren. Diese Fähigkeiten waren das Denken und Planen. Man glaubte gleichzeitig, dass die Welt anscheinend nach einem erstaunlichen Plan errichtet war. Sie musste von einem übernatürlichen Wesen geplant und erschaffen worden sein, das über dieses abstrakte Denken und Planen verfügte, ähnlich wie die Menschen. Jedoch zusätzlich noch mit übernatürlichen Kräften ausgestattet. So wie auch wir selbst Pläne machen, so musste dieses übernatürliche Wesen Pläne zur Erschaffung der Welt gemacht haben. Dieses übernatürliche Wesen nannten sie Gott.
Nachdem ihre Intelligenz (ihr "Geist") ähnlich wie dieser Geist Gottes funktionierte - nämlich planen konnte - dachte man, beides müsse vom selben Ursprung kommen, nämlich Geist sein. Alles Übernatürliche, alles Geistige und Spirituelle, also alles, was nicht Materie ist, wurde diesem "Geist" zugeordnet. Geist und Spirit wurde somit als ein und dasselbe betrachtet. Diese Vorstellung dürfte der größte Irrtum der Menschheit sein. In dieser Denkweise gibt es nämlich keinen wirklichen Spirit, nämlich etwas, das tatsächlich jenseits von Materie, also auch jenseits von Denken liegt. Diese Vorstellung hat unsere westliche Welt bis zum heutigen Tag geprägt. Wir haben immer noch das gleiche Wort für "Geist" und "Spirit", wobei wir bei beiden die Gedankenwelt, das Planen, den Logos meinen ("Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott").


Aus eins mach zwei

In dieser Epoche entstanden die dualistischen Religionen, einschließlich des Juden-Christentums. Sie gehen davon aus, dass Gott die Personifizierung von dem Guten ist, und als Gegenspieler gibt es den Teufel (oder böse Dämonen oder sonst eine "böse" Personifizierung).
Wenn wir den Irrtum in unserer menschlichen Evolution erkennen und verstehen, was "Spirit" ist, dann werden wir auch verstehen, dass Spirit weder gut noch böse sein kann. Dann werden wir von dem Schwarz/Weiss-Denken des Dualismus wegkommen und das Gute und Böse nicht in einer übergeordneten "geistigen" Macht suchen, sondern im Menschen. Nur der Mensch kann gut und böse sein. Er kann anderen helfen oder sie schädigen oder gar töten. Um uns so zu verhalten, dass wir in der jeweiligen Gesellschaft oder Gemeinschaft friedlich und glücklich zusammen leben können, brauchen wir Regeln, die eine Gesellschaft aufstellen und auch auf Einhaltung dieser Regeln achten muss. Welche Regeln dies sind, wird je nach Struktur der Gesellschaft verschieden sein. Ohne Einhaltung solcher Regeln kann eine Gesellschaft nicht überleben! Diese Regeln können als Gesetze oder auch als moralische Verpflichtungen zur Anwendung kommen. Oder beides zusammen.


Es gibt also Gut und Böse nur im menschlichen Verhalten.
Wir verhalten uns gut, wenn wir anderen nicht mehr als notwendig schaden. Ein wenig werden wir sicher andere alleine schon durch unsere Existenz beeinträchtigen, auch die Umwelt, z.B. indem wir essen. Aber dies sind keine wirklichen Schäden, sonder ein Teil unseres Seins und jedes Wesen das ist, lebt in diesem Kreislauf. Aber wenn ich bewusst anderen Schaden zufüge, der sich hätte vermeiden lassen, dann bezeichne ich dies als böse. Gut ist natürlich das Gegenteil und braucht nicht extra erklärt zu werden.
Das Gute und das Böse im spirituellen Sein gibt es also nicht. Gut und Böse sind rein menschliche Eigenschaften, die es nur innerhalb der materiellen Seinsform gibt.
Nach meiner Meinung gibt es demnach auch keine guten und bösen Geister, also auch keine Dämonen. Spirits können jedoch auf unser Verhalten reagieren und das können wir dann als böse empfinden (oder als gut resp.).


In die Zukunft
Die dualistische Sichtweise von Gut und Böse als übergeordnetes Prinzip bringt uns nicht weiter in der menschlichen Entwicklung. In der dualistischen Sichtweise bekämpfen sich das Gute und das Böse ohne Unterlass. Jedes der beiden Prinzipien will gewinnen, will dominieren. In der Sichtweise der Polarität bedingen sich jeweils zwei zusammengehörende Paare. Ein Bekämpfen ist somit gar nicht möglich, denn die Pole müssen immer im Gleichgewicht sein. Es gibt hier keine Dominanz des Einen über das Andere. Die vielfältigen Probleme mit der Umwelt, mit dem Materialismus, mit Kriminalität, mit gestörten Partnerschaften, mit egozentrischem Verhalten usw. sind Folgen von der dualistischen Weltanschauung, die Gut und Böse als Prinzipien hinstellt und es nicht als einzig und alleine menschliches Verhalten sieht. Wenn wir diesen Dualismus überwinden, dann werden wir erkennen, dass jeder Mensch die Entscheidung für gutes oder schlechtes Verhalten IN SICH trägt. Um als Gesellschaft zu überleben, müssen wir uns für gutes Verhalten entscheiden. Wenn eine Gesellschaft nicht mehr überlebensfähig ist, weil sich die Individuen, die diese Gesellschaft ausmachen, nur noch um sich selbst kümmern, werden sie mit der Gesellschaft zusammen untergehen. Niemand kann ohne Gemeinschaft und ohne das Zusammenwirken anderer Menschen leben. Nur diese Erkenntnis bringt uns zum guten Verhalten, nicht eine Religion, die das Gute und das Böse als Prinzipien der Weltordnung erhebt.


Werner


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