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Grundsatzgedanken zur Polarität   Teil III
Bevor ich über Spirit schreibe, möchte ich einige Gedanken über das wohl allen mehr oder weniger bekannte YIN und YANG mit euch teilen. Im materiellen Bereich beschreibt diese alte chinesische Weisheit die Polarität in hervorragender Weise.
Thanks to: © Gretchen Sveda

Ich gehe mal davon aus, dass jeder das Symbol hierfür kennt. Dieses zeigt deutlich, dass zwar eine scharflinige Abgrenzung (also keine Grautöne) zwischen schwarzem und weissem Feld besteht, dass jedoch diese Linie nicht gerade ist, sondern schlangenförmig verläuft. Auch ist ein, wie ein Auge aussehendes, kleines Feld im weissen und ein gleiches im schwarzen Feld enthalten. Dies zeigt, dass die Trennung eben doch nicht ganz ist und in jedem Yin auch ein Teil von Yang und in jedem Yang auch ein Teil von Yin ist. Trotzdem ist schwarz eindeutig schwarz und weiss ist eindeutig weiss.

In der chinesischen Lehre des Taoismus (ausgesprochen Daoismus, deshalb auch manchmal so geschrieben) gab es zuerst das Alles und das Nichts. Wie ist das zu verstehen? Wie kann Nichts gleichzeitig auch Alles sein? – Für unser westliches Denken mag dies ein wenig schwierig zu verstehen sein. Im fernöstlichen Verständnis ist jedoch das Nichts nicht die Leere, also nicht das Nichts im westlichen Sinne. Es ist vielmehr eine Manifestation der kommenden Dinge (Diese Formulierung ist entnommen aus der Webpage http://medimihi.de/minihp.htm, die für interessierte Leser eine ausreichend umfangreiche, jedoch einfach gehaltene Information bieten kann). Dieser Zustand vor dem Entstehen der Materie wird Tao genannt.
Die Lehre des Taoismus besagt also, dass aus dem Nichts (in dem jedoch, in unserer westlichen Ausdrucksweise, das Kommende in der Planung schon enthalten war) die Materie entsteht. Wenn wir diese Lehre also auf diese kurze Aussage beschränken, dann stellen wir mit Erstaunen fest, dass die jüdisch-christliche Lehre so sehr verschieden von diesem Grundgedanken gar nicht ist. Auch hier wird aus dem Nichts (das man hier allerdings Gott nennt) die Materie „gemacht“. Gott hat also den Plan (oder er ist der Plan) und handelt danach. Am Anfang war das Wort (= die Idee, der Logos) und das Wort war bei Gott.(Joh. 1/1). Diese Idee ist nur ein wenig anders, eben westlich formuliert und das Nichts oder das Alles wird als ein persönlicher Gott interpretiert.

Ob im Fernen Osten oder im Abendland, damals konnten sich die Menschen offensichtlich nichts anderes vorstellen als dass die Materie mit einem Beginnen etwas zu tun hat. Dabei ist dies im Osten einfach ein „Entstehen“ (übrigens auch bei den Kelten, also unseren Vorfahren) und im christlichen Westen ein „Schöpfungsakt“. Aber gleich ist beiden Ansichten, dass die Materie oder die Existenz der Materie irgendwann einmal begonnen hat, auch wenn der „Plan“ dazu schon irgendwo da war.
Ich glaube, dass die heutige Menschheit sich ein ganzes Stück weiterentwickelt hat und dass wir nun anfangen können, diese Sichtweise weiter auszudehnen. Viele Menschen glauben heute an Re-Inkarnation, also an ein Wiederkommen, an eine Wiedergeburt. Im Osten, z.B. im Buddhismus, ist dies eine alte Weisheit. Allerdings ist der Buddhismus ebenso wie das Christentum, eine lineare Religion. Es gibt dort einen Anfang und ein Ende, auch wenn viele Inkarnationen dazwischen liegen. Das Ende ist das Nirwana, also wieder das Nichts.
Nach meiner Philosophie der Polarität ist das nicht so. Hier gibt es ein endloses Kommen und Gehen. Dies betrifft alles, die Erde, die Sonne, die Sterne eingeschlossen. Vor dem Tao, also vor dem Nichts, vor der Entstehung der Materie UND vor dem Nichts war schon mal Materie und vor dieser Materie war schon das Tao, das Nichts, und davor die Materie, und so wird es auch weitergehen. Es wird wieder ein Nichts kommen und dann wieder die Materie entstehen, usw...
Die Bezeichnung, die ich für dieses Nichts oder für dieses Tao habe, ist Spirit. Dies ist also das Nichtvorhandensein von Materie, die jedoch trotzdem schon in diesem Spirit enthalten ist. Yin und Yang also auch über das Materielle hinaus! Und nun gleich noch die entscheidende neue Anschauung: Nicht nur im Spirit (Tao) ist das Materielle enthalten, sondern es ist auch Spirit in der Materie enthalten. Dies ist das Geheimnis der Polarität! Und nun können wir auch wieder erkennen, dass ein heute sehr verbreitetes Denken über die Einheit gleichzeit auch Polarität sein kann, wenn man dies in der soeben beschriebenen Form sieht. Spirit und Materie bilden also zusammen eine Einheit.

Aber für heute gibt´s genug zum Denken und Nachdenken. Ich werde ein anderes Mal noch ein wenig weiterschreiben über die Abgrenzung und die Nichtabgrenzung der beiden Pole und über die Einheit.


Werner


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