Wenn man auf ganz alten Pfaden wandelt   Teil II

Ein SpendenArtikel von Christian, für den sich auch Anufa extra bedankt, da sie hier zu Hause ist. 
Erster Eindruck als wir auf dem Wall ankamen: eine eher sanfte Anhäufung von Erdmaterial. Links befand sich die Siedlung, rechts fällt das Gelände steil zur Schwechat im Helenental ab. Lediglich die Geradlinigkeit gibt Preis, dass es sich hier um eine von Menschenhand errichtete Konstruktion handelt.

Aber bevor wir darüber sprechen, wollen wir uns dem vorchristlichen Wall zuwenden. Als mein Bruder und ich in der Gegend ankamen, die uns vom Museumsdirektor Rudolf beschrieben wurde, mussten wir bald den ausgetretenen Wanderweg verlassen und uns durch dichtes Gestrüpp arbeiten, bis wir schließlich zuerst einem sanften Anstieg folgten, der dann relativ abrupt ins Schwechattal abfiel. Zuerst war nichts Außergewöhnliches zu vermerken, nichts was eine von Menschenhand errichtete Konstruktion andeuten würde. Bis wir uns um 90 Grad wandten. In diesem Moment wurde offensichtlich, dass wir uns auf dem Wall befanden. Als wir nämlich die leichte Anhöhe der Länge nach betrachteten, bemerkten wir, dass diese über hunderte Meter einer schnurgeraden Linie folgte. Die eindeutig geometrische Rundung und die Geradlinigkeit schloss ein natürliches Entstehen dieser Landschaftsform aus, war eindeutig von Menschenhand errichtet.

Ein Bereich wo die Aufschüttung besser erkennbar ist.

Und in diesem Moment wurde uns auch klar, dass wir auf einem Stück Erde standen, dass unsere Ahnen zwischen zwei und dreitausend Jahren vor uns aufgehäuft hatten. Damals patrouillierten Krieger entlang der Bastion, die Schilder über ihre Schultern gehängt, sich angeberisch über ihre heldenhaften Taten im Krieg und im Bett unterhaltend; andere wiederum standen Wache, an ihre Speere gelehnt und das Tal zu ihren Füßen beobachtend; Kinder spielten dereinst am Fuß des Walls, und stachelten sich gegenseitig an, das Verbotene zu tun, nämlich auf die Barrikade hinauf zu laufen um auch für einen Moment Krieger zu sein; Liebespaare könnten sich im Schatten des Walls in mondlosen Nächten geküsst haben. Und mein Bruder und ich standen einfach da und sorgten Geschichte über die Fußsohlen in uns auf.

Ein Eckpunkt der Wallanlage. Hier könnten durchaus Wachen gestanden haben. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass der Abhang bis ins Tal geschlägert und von Buschwerk befreit war, damit man jede Bewegung unten beim Fluss erkennen kann.

Als es Zeit war zu gehen, entschlossen wir uns nicht wieder direkt zum Wanderweg zurückzugehen, sondern dem Wall entlang zu marschieren. Wir wussten zwar nicht, wo genau wir hinkommen würden, aber das Gebiet ist so überschaubar, dass man sich nicht verirren kann. Was wir nicht erwartet hatten war, dass, nachdem der zuerst kerzengerade Wall sich später in einer sanften Kurve nach links wandte, er tatsächlich den Wanderweg kreuzte. Letzterer schnitt einfach durch die Aufschüttung. Wir hatten, als wir zuvor in das Gebiet gekommen waren, gar nicht bemerkt, dass dies der Fall war. Wir sahen einander an und fragten uns, wie viele tausende Menschen da schon durchgewandert waren ohne zu realisieren, dass sie gerade durch einen von unseren Vorfahren vor zig-tausend Jahren errichteten Wall hindurchgingen.

Das gelbe Oval zeigt die Stelle vom Burgstall an. Rechts die westlichen Ausläufer der Stadt Baden.

Nicht nur der Wall selbst, und die steile, vom Tal zu ihm hinaufführende Böschung trugen zum Schutz der Bewohner der Ansiedlung bei.

Obwohl, es musste in früheren Zeiten einmal ein Wissen um die Wehranlage gegeben haben, da der Flurname des Ortes „Burgstall“ ist. Obwohl es dort keine Burgruine gibt, oder irgendwelche Hinweise, dass dort einmal eine stand. Hatten die Leute im Mittelalter noch um den Verteidigungswall gewusst?

Gelber Punkt: Chateau de Thuriès nahe Pampelonne, Frankreich, den Galliern als Uxellodunum bekannt (uxellos: hoch und dunum: Hügelbefestigung). Dort kämpfte der Rest der von Vercingetorix aufgestellten gallischen Streitmacht ihre letzte Schlacht gegen Caesar, nach dem Debakel von Alesia

Auch der Verlauf des Flusses selbst bot den Menschen dort Sicherheit. Wie in der Karte zu sehen ist, windet sich die Schwechat dort in einer Schleife um den Burgstall. Und wenn Sie jetzt erraten haben, dass wir bei heiligen Landkarten angelangt sind, liegen Sie richtig. Zwar dient die Schleife durchaus auch militärischen Zwecken, so ist doch auffallend, dass solche Orte bei den Kelten ganz besonders beliebt waren. Graham Robb, ein britischer Radfahrer und Historiker hat sich die Mühe gemacht, das Gallische Frankreich zu „vermessen“, und das alles in einem Buch „The Ancient Paths“ detailliert beschrieben. Das untenstehende Bild zeigt eine befestigte Stadt der Gallier an einer ähnlichen Stelle.

Für mich persönlich ist das hervorragendes Material um im Lehnstuhl vor dem Feuer im offenen Kamin zu sitzen und Betrachtungen über unsere Vorfahren anzustellen. Wenn Robb recht hat mit seinen Theorien der Druidenmathematik und –geografie, kann es sein, dass deren Vorfahren bereits um solche Stellen wussten. Wir werden es wahrscheinlich nie wissen, aber es ist immer spannend darüber zu sinnieren.


Christian 


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