Das Kupfertal - eine erdige Geschichte   Teil I

Ich habe mir lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreiben soll, oder ob es nicht besser ist meine Erfahrungen bzw. Empfindungen für mich zu behalten.

Zum Einen fühle ich mich im Grunde nicht kompetent genug, wenn es um Kraftorte geht. Ich habe keine Ahnung von Geomantie, Leylines oder dem Rutengehen. Mich erstaunt es immer, wenn ich mit Leuten unterwegs bin, die die Kräfte vor Ort unmittelbar spüren können – ich kann jeweils nur sagen, ob es mir dort grundsätzlich gut geht oder nicht. Warum, wieso, weshalb … keine Ahnung.
Zum Anderen hätte ich natürlich diesen ganz persönlichen Ort – meinen Kraftort – gerne für mich ganz allein – ohne dass ich dort über „Massen“ von anderen Menschen stolpere.

Weg ins Kupfertal  
Weg ins Kupfertal

Letztendlich bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich euch das Kupfertal nicht vorenthalten will – auch wenn meine Beschreibungen (abgesehen vom historischen Teil) nur auf meinen persönlichen, laienhaften – was das Beurteilen von Kraftorten anbelangt – Eindrücken basieren.


Wegweiser zur Neugier

Meine erste Begegnung mit dem Kupfertal war in Form eines kleinen Wegweisers an der Straße. Diese befahre ich sehr gerne, weil sie in einer wunderschönen Landschaft mit historischem Hintergrund liegt. Der Name Kupfertal, mit dem zusätzlichen Hinweis „Römerweg“, hat mein Interesse geweckt und als ich mir einmal die Zeit genommen habe, die Überreste eines römischen Wachturmes in der Nähe zu besuchen, packte mich die Neugier und ich fasste den Entschluss, mich in dieses Tal zu wagen.

Der Weg führt am Anfang, sanft ansteigend, entlang von Weinterrassen und folgt einem kleinen Bach, dem Dürrenbach. Obwohl das Dorf schon etwas hinter einem liegt, ist die „Zivilisation“ in Form von Kulturlandschaft noch deutlich zu spüren und zu sehen. So kommt nach einer Kurve plötzlich ein an den Hang geschmiegtes Haus in Sicht, das unmittelbar an dem kleinen Bach liegt – abgelegen und doch nicht weit vom Schuss. Mein erster Gedanke war – ja, da kann ich mir auch vorstellen zu leben (oder zumindest die Wochenenden zu verbringen).
Je weiter man ins Tal hineinkommt, desto rarer werden die kulturellen Zeichen, wie etwa ein künstlich angelegter Fischteich oder Obstplantagen. Schließlich werden die Felsformationen rechts und links des Weges, die so typisch für diese geologische Landschaft sind, häufiger, bis man schließlich praktisch vor einem natürlichen „Tor“ steht.

  Felsformation
Felsformation

 




Das Tor zur „Laubschüssel“

Beim Durchschreiten ist selbst mir aufgefallen, dass sich etwas verändert – die Stimmung wird anders, das Licht verändert sich, man hat das Gefühl bewusst auszuatmen, insgesamt einfach ruhiger zu werden. Nach einiger Zeit kommt auf der linken Seite ein kleiner Holzsteg über den Dürrenbach und wenn man diesem Weg folgt, gelangt man zu einer versteckten Felsformation, die sich an den Hang schmiegt. Der Raum, der sich dadurch gebildet hat,  ist wie eine „Schüssel“ geformt, die das ganze Jahr über mit einem dicken Laubteppich gefüllt/ausgelegt ist.

Um mich nicht in „technischen“ Beschreibungen (ich hoffe, dass Ganze hört sich nicht an wie in einem Tourismusprospekt) zu verlieren, versuche ich meine Gefühle und Empfindungen an diesem Ort zu beschreiben. Für mich ist dieser Kraftort sehr mit dem Element Erde verbunden. Wenn ich recht hektisch bin, es beruflich oder privat zu stressig wird – dann nehme ich mir bewusst die Zeit,  ins Kupfertal zu fahren um wieder zur Ruhe bzw. runter zu kommen.

Blätterdach  
Blätterdach

Am Nachmittag legt sich für ein paar Stunden die Sonne rein und es ist einfach herrlich in dieser „Laubschüssel“ zu liegen oder sich ins Laub einzugraben (allerdings sollte dabei auf eine aktive Zeckenschutzimpfung geachtet werden) und in der Sonne zu dösen. Obwohl oberhalb des Kupfertales ein Güterweg verläuft, der hauptsächlich für den Anrainerverkehr genutzt wird (im Winter mangels Schneeräumung ohne Ketten nicht wirklich zu empfehlen, glaubt mir), ist Verkehrslärm nur selten zu hören. Die Geräuschkulisse setzt sich aus Vögelgezwitscher, dem Rauschen des darunter liegenden Dürrenbaches, dem Knistern der Blätter, dem Summen der verschiedenen Insekten und dem gelegentlichen Signal der Eisenbahn zusammen. Bei einem Besuch mit Freunden haben wir auch drei Rufhörner in diesem Raum erklingen lassen und die Akustik ist einfach umwerfend. Ich habe dabei auch ausprobiert den Ton der Hörner mit zu singen - ich musste dazu nur den Mund aufmachen und Luft über meine Stimmbänder gleiten lassen. Diese haben die Vibration der Hörnerklänge, die von den Felsen zurück prallen, von ganz allein aufgenommen.

  Türkentor
Türkentor

 

 

 


Rückkehr inklusive Zeitreise

Nachdem man sich auf den Ort und die Stimmung eingelassen hat, und den Gedanken Zeit gegeben hat zur Ruhe zu kommen zieht einem, meiner Erfahrung nach, die Erde so richtig ein – als wenn der Laubteppich einem verschlucken will. An einem sonnigen Frühlingstag habe ich fast zwei Stunden schlafend dort verbracht. Nach dem Munter werden und dem Entschluss, wieder raus in die „Zivilisation“ (in meinen Alltag) zu gehen, fühlte ich mich ruhig, gestärkt und zuversichtlich, alles schaffen zu können. Obwohl der Abschied jedes Mal schwer fällt, ist der Drang wieder ins Leben zu gehen doch stärker.

Römerweg  
Römerweg

Für diesen Rückweg kann man zwischen zwei Routen wählen. Die eine ist einfach die gleiche Strecke wieder retour zu gehen. Meiner Erfahrung nach hat sie einerseits den Vorteil, die schnellere Variante zu sein und andererseits fällt das Ankommen im Hier und Jetzt einfacher – vergleichbar mit dem Auflösen eines Kreises. Die andere Variante nehme ich, wenn ich noch nicht so hundertprozentig davon überzeugt bin,  schnell wieder in den Alltag zu kommen. Wähle ich diese Strecke, dann geht es noch einige Zeit leicht bergauf, bis zu einer Weggabelung, wo es einerseits „bergwärts“ über den Kreuzberg zu einem kleinen Marienwallfahrtsort geht und andererseits talabwärts in Richtung „Türkentor“. Dieses ist Teil einer ehemaligen Talsperre gegen die aus dem Süden einfallenden Türken (17. Jhd.). Passiert man diesen letzten Überrest der alten Befestigungsanlage, gelangt man über eine Forststraße zum Römerweg, der sich durch den Wald nach unten schlängelt. Hier sind noch originale „Spurrinnen“ (Abdrücke von Holzrädern im Stein) von römischen Wagen zu finden. Schließlich findet man sich am Rande eines Dorfes und gelangt über ein kurzes Stück Bundesstraße wieder zum Ausgangspunkt der „Reise“ zurück.

  Felsenwächter
Felsenwächter

 




Grenzgebiet und Rückzugsort

Jetzt wäre es wohl an der Zeit, euch endlich den genauen Standort des Kupfertales zu verraten. So gerne ich mich dort alleine aufhalte, wird es doch sowohl von der örtlichen Bevölkerung, als auch von Wandertouristen besucht. Es finden sich bei der „Laubschüssel“ auch immer wieder Überreste von verschiedenen Ritualen – wie getrocknete Bananen, Blumen und Wachsreste. Trotzdem ist es mir bis jetzt gelungen dort allein zu sein, wenn ich das Bedürfnis hatte, allein sein zu wollen.

Opferbaum  
Opferbaum




Nun aber raus mit der Katze aus dem Sack – das Kupfertal befindet sich am südlichen Donauufer, am Rande des Dunkelsteinerwaldes zwischen Mautern und Melk (Niederösterreich). Ausgangspunkt ist der Ort Bacharnsdorf (Überreste eines römischen Burgus) und wenn man sich für die zweite Retourroute entscheidet, findet man sich in Mitterarnsdorf wieder.

Einen kurzen Auszug über die historische Bedeutung dieses Landstriches möchte ich euch nicht vorenthalten. Teile des Dunkelsteinerwaldes weisen schon eine Besiedlung in der Altsteinzeit (6. Jahrtausend v. Chr.) auf. Mehrere Opfer- und Kultstätten (an denen sich heute zum Großteil sakrale Denkmäler befinden) werden den Kelten zugeschrieben. Für die Römer waren die Täler des Dunkelsteinerwaldes, die Richtung Donau verlaufen, wichtige Versorgungswege für ihre Grenzstationen am Donaulimes. Da es keine direkte Verbindung an der Donau zwischen Favianis (Mautern) und Namare (Melk), aufgrund der stellenweise steilen Felswände, gab, wurden die Wachtürme entlang dieses Abschnittes über die Täler versorgt. Das frühe Mittelalter war in dieser Gegend durch die Auseinandersetzung zweiter Volksgruppen – der Slawen und der Bayern – geprägt. Nach dem Sieg der Bayern setzte die Besiedlung und mit ihr die Missionierung aus dem Westen ein. Zeugnis davon geben heute unter anderem Stift Melk und Stift Göttweig. Das Hochmittelalter war geprägt durch den Ausbau der Herrschaftsstrukturen, deren Überreste (Burgruine Aggstein oder Burgruine Hochenegg) und Festungen (Schloss Schönbühel) noch heute zu sehen sind.

  Rückzug unterm Blätterdach
Rückzug unterm Blätterdach

Dieser Landstrich war schon immer Grenzgebiet und Rückzugsort und meiner Empfindung nach hat er diese Qualität bis heute bewahrt.

Eine Strategie, um nicht allzu viele Leute auf meinen Kraftort aufmerksam zu machen habe ich noch entwickelt – der örtliche Wanderverein hat ein „nettes“ Hinweisschild an den Holzsteg über den Dürrenbach gestellt, dass ich bei jedem Besuch um ca. 90° verdrehe. So hoffe ich, dass mein ziviler Ungehorsam die Leute davon überzeugt, dass die „Schöne Felsformation“ eine ganz andere als meine „Laubschüssel“ ist.


Ende Teil I


Rothani


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