Der Botanische Garten in Wien - Mitten in der Stadt verwurzeln   Teil I

Eine Adresse, die uns Wiener WurzelWerkler viele Jahre hindurch immer wieder und zu allen Jahreszeiten begeistert hat - der Botanische Garten. Mit Landogar als Wissens- und auch Weisheitsvermittler hatten wir vielfach die Möglichkeit inmitten von Hochhäusern und dem innerstädischen Verkehr in uns und um uns Ruhe und Seelennahrung zu finden. Hier gibt uns Rothani einen Einblick in eine der vom WuWe früher veranstalteten Führungen.

Ein wunderschöner Herbsttag – im Botanischen Garten in Wien sind noch jede Menge Leute unterwegs. Gegenüber dem Alpengarten hat sich auf Einladung vom Dunklen Clown eine große Gruppe von WurzelwerklerInnen versammelt und erwartet mit Spannung den Rundgang mit Landogar zum Thema "Mythologisches Baumwissen".


Baum

Wir starten mit einem grundsätzlichen Einstieg in dem wir erfahren, dass Bäume eigentlich in die Kategorie „Großgehölze“ fallen, im Gegensatz zu den „Kleingehölzen“ sprich Sträuchern. Dieser Begriff zeigt uns schon, dass Bäume heute nicht mehr als etwas Vertrautes, Mächtiges empfunden, sondern eher vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet werden à la groß ist besser als klein = mensch kriegt hier mehr Gewinn raus als bei was Kleinem. War früher der Baum immer Gegenstand göttlicher Beseeltheit, von höheren Mächten durchdrungen, so machte das Christentum, die Aufklärung und letztendlich die Industrialisierung dem ein unrühmliches Ende.
Und doch kommt es heute wieder zu einer Rückbesinnung zu dem ursprünglichen Verständnis für die Baumwelt – das Interesse unserer Gruppe zeigt dies deutlich.

Warum wurden/werden Bäume überhaupt verehrt? Nun der Baum gleicht zum einem in seiner Erscheinung einem aufrechten Wesen/Menschen und zum anderen sind sie große und beeindruckende Wesen.

Die Beziehung in den naturreligiösen Gesellschaften zwischen Baum und Mensch war/wird immer von einem Geben und Nehmen geprägt – dem Baum wurde immer etwas zurückgegeben, verschiedene Opfergaben oder Energie. Landogar appelliert an uns mit offenen Sinnen und bewusst durch den Wald zu gehen, denn der Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume und ein Baum ist mehr als ein Bestandteil des Waldes. Wenn wir dieses geschlossene und gleichzeitig offene System nicht bewusst wahrnehmen und erfahren dann können wir es gleich bleiben lassen – oder wie Landogar so schön umschreibt

„unsere Sehnsucht nach der Fahrt ins Grüne gleich in einem grün gestrichenen Raum ausleben“.

In den verschiedenen religiösen Vorstellungen werden den unterschiedlichen Bäumen verschiedene Gottheiten bzw. Kräfte und meist auch einem bestimmten Geschlecht (männlich/weiblich) zugeordnet. Landogar bezieht sich bei seinen Ausführungen auf die germanische Götterwelt – und damit starten wir unsere Reise durch die mythologische Baumwelt:

SCHWARZPAPPEL
Sie erfuhr keine starke göttliche Belegung, mit Ausnahme der Zitterpappel/Espe. Diese wurde bei den Kelten für die Wahrsagerei, Divination verwendet (das Rascheln der Blätter). Die Pappel bevorzugt eher feuchte Regionen und hat daher eine geringere Lebensdauer, da der weiche Boden den Sturmbruch begünstigt.

WEIßDORN
Ihm wird eine starke magische Kraft nachgesagt und daher verwundert es nicht, dass viele Kultstäbe aus diesem Holz hergestellt wurden/werden. Das Holz des Weißdorns ist nahezu unverwüstliche und hat ganz besondere Schwingungen. Im keltischen Bereich steht er auch für die Schwarze Magie und wurde bei den Slawen, Germanen zur Bannung von Vampiren, Werwölfen benutzt.
Heute werden seine Wirkstoffe in der Altersmedizin und für herzstärkende Mittel verwendet.

LINDE
Der germanische Wortstamm bedeutet „milde, sanft, frei“ und weist auf die Göttin Freya, die Göttin der Liebe und der Lust. Das Blatt der Linde wird meist als  herzförmig beschrieben, es könnte aber auch einen weiblicher Hintern und/oder die Form von weiblichen Brüsten darstellen.
Die Linde ist erfüllt mit der Kraft von Freya: die Frau hat die Freiheit,  die Kraft den zu wählen den sie mag, ihr wohnt die Kraft und die Lust der freien jungen Frau inne. Sie hat eine hütende, energetisierende Ausstrahlung und ist feuriger als die Birke.
Das Thing (Versammlung) der Germanen fand abwechselnd unter der Linde (weiblicher Aspekt) und unter der Eiche (männlicher Aspekt) statt. Die Linde als Versammlungsort wurde bis ins Mittelalter herauf gepflegt

Nachdem wir Frauen uns schweren Herzens wieder von der Linde losgelöst hatten ging es weiter mit der

BUCHE
Konkret stehen wir hier vor einer Rotbuche. Laut Überlieferung ist die Buche männlich und wird dem Gott Wotan zugeordnet.
Bei der Buche drängt sich uns sofort die Frage nach der Gültigkeit der Verhaltensregel bei Gewittern auf:

Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen!

Stimmt diese lang tradierte Regel oder nicht? Nun Landogar bietet uns einen Erklärungsversuch: Die Eiche wird dem Gott Donar/Thor zugeordnet und Donar gebietet über die Blitze und damit wird die Eiche eher dem Blitz zugeordnet als die Buche. Und darum könnten die Menschen darauf geschlossen habe, dass es bei Gewittern unter einer Buche weniger gefährlich ist als unter einer Eiche.
Wotan fand durch die schamanische Selbstopferung die Runen, brachte sie den Menschen, diese ritzten Runen daher in Buchenstäben. Dadurch bekommt der Ausdruck „(in) ein(em) Buch lesen“ eine ganz andere Bedeutung, nach dem Motto - es wurden Buchenstäbe geworfen und vom Boden aufgelesen. Dieses Beispiel zeigt uns, wie Kultelemente in der Sprache überleben können.
Die Früchte der Buche, die Bucheckern waren in Notzeiten, trotz ihrer leichten Giftigkeit, Nahrung für viele Menschen und das daraus gepresste Öl hält sich sehr lange.

Auch wir machen uns gleich an’s Verkosten bevor wir uns zum nächsten Baum begeben.


Ende Teil I


Rothani


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