San Borondón – die achte Insel   Teil I
Estamos en una isla. Una isla desconocida y deshabitada, una isla en medio del océano. Empiezo a albergar la esperanza de que estos territorios desconocidos sean San Borondón.
(Tagebuch Harvey, 15. Jänner 1865)

“Wir sind auf einer Insel. Einer unbekannten und unbewohnten Insel, einer Insel, inmittes des Ozeans. Ichh beginne die Hoffnung zu hegen, dass dieses unbekannte Territorium San Borondón sind."

Die “Islas Afortunadas” – die kanarischen Inseln, sind in der Regel sieben an der Zahl, doch die Legende einer weiteren Insel ist Teil des des kanarischen Kollektivbewusstseins, ja Teil der kanarischen Realität. Für die Kanarier ist es völlig normal von San Borondón zu sprechen und sprechen der Insel die selbe Existenz zu wie Lanzarote, Fuenteventura, Gran Canaria, La Palma, La Gomera, El Hierro und y Santa Cruz de Tenerife zu. Der Unterschied zu ihnen liegt nur darin, dass die sieben genannten Inseln ihre geographische Lage haben, die achte jedoch nicht.

Vielfach wurde versucht, San Borondón als Effekt von Wolkenkonstellationen zu erklären, doch das wird durch das Faktum erschwert, dass die Insel immer bei schönem, wolkenlosem Wetter auftaucht. Vor der Nordwestküste der westlichen, kleinen kanarischen Insel El Hierro steigt regelmässig eine Landmasse aus den atlantischen Fluten auf, die seit Jahrhunderten - dokumentarisch belegt - die Menschen in Staunen versetzt: Eine achte kanarische Insel – San Borondón.


Die Kanaren und Irland
San Borondón war wahrscheinlich schon in der Antike bekannt, auch wenn das nicht gesichert ist, zumindest nicht unter diesem Namen.
Der Name “San Borondón, Brandón oder Blandón leitet sich vom irischen Mönch San Brandón, Brendan, Brandaón oder Blandano ab, ein Prediger des 6. Jahrhundert. Der Schreiber Surio hat die Geschichte von San Brandón überliefert, schreibt über einen aussergewöhnlichen Mönch, der sein Kloster wegen eindringenden Neidern verlassen wollte. Er wusste, wahrscheinlich von Seeleuten, dass es im Atlantik einige Inseln gäbe. Sie sollten von grosser Schönheit sein – doch: leider waren sie von Ungläubigen bevölkert. Grund genug, um die britische Insel zu verlassen und sich auf die Suche nach exotischeren Insel zu begeben.

Surio und San Brandón (hispanisierte Form) schiffen sich ein. Nach langer erfolgloser Reise näherte sich die Osterfeiertage. In ihren Feierlichkeiten baten sie Gott um feste Erde unter ihren Füssen. Und Gott erhörte die Gebete seiner Jünger. Aus dem Nichts tauchte eine Insel auf. Sofort ging San Borondón und die Besatzung seines kleinen Schiffes dort vor Anker. Sie feierten die heilige Eucharistie auf der neuentdeckten Insel, anschliessend stochen sie erneut in See. Zu ihrem grossen Erstaunen bemerkten sie, dass die vermeinte Insel ein riesengrosser Wal gewesen war, der auf der Stelle wieder verschwand. So lautet die Überlieferung über den irischen Mönch, der fernab seiner Heimat zu weit grösserer Bekanntheit gelangte als im kalten Irland.
Mehr dazu findet sich in Jorge Sörgel de la Rosa: San Borondón: La vida de San Brendan, un monje irlandés.


Die Legende geht weiter...
So schreibt der portugiesische Seefahrer Luis Perdigón, dass der portugiesische König dem Entdecker von San Borondón ein wahres Vermögen zugestehen würde. Als im Juni 1519 der Frieden von Evora geschlossen wurde trat der portugiesische König das Recht zur Eroberung der Kanarischen Insel an das spanische Königshaus ab. Im enstprechenden Vertrag wird San Borondón als die Insel "La Isla Encubierta“ erwähnt: Die Unentdeckte. Noch im selben Jahrhundert wurde eine wahre Suche nach der schönen Unbekannten ausgeschrieben, die von den kanarischen Gerichten angeordnet wurde.
Das Resultat davon war ein Bericht von Alonso de Espinosa, Inselregent von El Hierro. Er meinte – und das bei Anwesenheit von 100 Zeugen – die Insel im Nordwesten von El Hierro geortet zu haben.

Weitere drei portugiesische Seefahrer aus Setúbal, unter anderem Pedro Vellos gaben an, nach einem schweren Gewitter in San Borondón an Land gegangen zu sein. Gefunden sollen sie dort menschliche Fussabdrücke haben, die doppelt so groß wie der eines normalen Fusses gewesen sein sollen, ein Holzkreuz und drei im Dreieck angeordnete Steine. Als sie erneut in See stochen verloren sie die Insel aus den Augen und drei Mann der Besatzung mussten auf der mit dichtem Urwald bewachsenen Insel zurück bleiben.

Der Inquisitor Pedro Ortiz de Funes nahm die Erklärung von Marcos Verde auf, der, von Afrika kommend, auf dem Weg zurück auf die kanarischen Inseln Kurs nahm. Ortiz behauptete, am Kurz auf die Kanaren auf einer unbekannten Insel aufgelaufen zu sein, musste allerdings aufgrund von starken Gewittern gleich weiter segeln. Ortiz folgten unzählige Suchaktionen nach der mitterlweile schon berühmt gewordenen Insel San Borondón.

Ein weiterer mittelalterlicher Bericht stammt von Francisco Alcaforado, Teilnehmer der Suche im Jahre 1420. Er schreibt folgendes über diese Reise. Als sie auf El Hierro ankamen, wurden sie von dort ansässigen Portugiesen darauf hingewiesen, dass man im Südwesten am Horizont öfters schwere, undurchdringliche Nebel sehen würde, die sich vom Meer bis in die Unendlichkeit des Himmels hinauf ziehen würden. Manchmal würde man aus dem Nebel auch ein furchtbares Brüllen vernehmen, dessen Herkunft unbekannt war. Laut den Portugiesen müsse das wohl der Höllenschlund sein oder zumindest das Ende der Welt.
Andere, etwas differenzierte Gemüter, waren der Ansicht, es müsse sich dabei um die Insel Cipango handeln, die von Marco Polo von Venedig beschrieben wurde. Es sollen sich dort mehrere spanische und portugiesische Bischöfe mit ihrem Gefolge aufhalten, um sich vor der Versklavung durch die arabischen Stämme zu verbergen. Das wäre auch der Grund, warum die Insel ein Geheimnis bleiben müsse. Dabei dürfte sich wohl die Legende vom Mönch San Borondón mit den zeitgenössischen Rumoren vermischt haben.
Die Besatzung des Schiffes wurde unruhig, beide Thesen gefielen ihnen wohl gar nicht. Zarco konnte die Besatzung nur mit Mühe ruhig halten. Beim nächsten Neumond lief er mit seinem Schiff aus und näherte sich der Nebelwand, entschlossen, das Geheimnis zu lüften.
Was Zarco vorfang, war eine von Urwäldern überzogene Insel und die immense Luffeuchtigkeit produzierte den mysteriösen Nebel. Eine Beschreibung, die sehr dem Aussehen der Insel La Gomera nahe kommt, die zu diesem Zeitpunkt allerdings schon lange bekannt und besiedelt war.

Auch Christopher Kolumbus kam nicht drum herum, seinen Platz in der Geschichte von San Borondón einzunehmen. Am 25. September 1492 vermerkt Kolumbus in seinem Tagebucht, dass einige seiner Matrosen auf die Maste kletterten, um die Landmasse zu orten, die aufgetaucht, aber genau so schnell wieder verschwunden sei.


Ende Teil I


Brighid


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