Es ist, als erwache die Seele
Plätze der Kraft in Wien

Pfarrkirche St. Michael, Wien 1

Kreuzkapelle

Blicken Sie bitte nach oben, bevor Sie die Kreuzkapelle betreten. Über Ihnen sind dreizehn Engelmedaillons und im Bogenfeld sieht man das Haupt Christi mit den Stifterfiguren. Interessant ist auch das Ornament aus Herzpalmetten. Die Palmette knüpft an das ägyptische Lotosblütenmotiv an. Da der Lotos die Eigenschaft hat, seine Blüten nachts tief ins Wasser zurückzuziehen, um sie bei Tagesanbruch wieder auftauchen zu lassen, wird die Pflanze mit der hervorbrechenden Sonne assoziiert. Sie stellt eine Verbindung zwischen göttlichem Licht und Finsternis her, sie ist ein Zeichen der Hoffnung und der Wiedergeburt. Aus dem Lotos wurde hier ein Herz : sieben Herzen rechts, sieben Herzen links und ein stehendes Herz in der Mitte.

Diese Kapelle wurde 1350 vom herzoglichen Küchenmeister Stiborius Chrezzel aus Dankbarkeit gestiftet. Er wurde damals verdächtigt, seinen Chef und Arbeitgeber Herzog Albrecht II. vergiften zu wollen. Doch der Küchenchef Chrezzel konnte seine Unschuld beweisen und beauftragte danach den Bau des Chorraumes.

Rechts neben dem Altartisch entdeckte man 1973 im Zuge von Umbauarbeiten eine gotische Priesterbank. Die Bank ist in das Mauerwerk hinein versetzt. Geschützt vor den Blicken anderer Gottesdienstbesucher und von einem Wasserlauf unterspült, saßen hier die Mönche.
Die Dynamik des Wassers wird verstärkt durch die architektonischen Formen über der Bank: Es sind dreii gotische Dreiecke, wobei das Dreieck für die Kraft des Geistes steht. Es ist ein stimulierender, geistig anregender Platz.

Fällt Ihr Blick auf die gegenüberliegende Seite, schrecken Sie nicht vor dem Totenkopf zurück. Er weist Sie nur auf unsere Vergänglichkeit hin. Unsere radiästhetischen Mutungen hier ergaben folgendes Bild:
Fünf unterirdische Wasserläufe verlaufen in West-Ost-Richtung, der mittlere von ihnen - auf ihm steht auch der Altar davon - wurde als pulsierende Fruchtbarkeits- oder Drachenlinie gemutet.
Die Drachenlinie verläuft von der Georgskapelle der Augustiner Kirche hierher zur Kreuzkapelle. Im Altarbereich verlaufen zwei Wasserläufe in Süd-Nord-Richtung. Die Mensa steht zusätzlich noch auf einer Curry-Kreuzung und einer Hartmann-Linie. Bereichernd, anregend und stimulierend für Körper, Seele und Geist ist dieser Platz, geschaffen für eine aufbauende Erholung nach einem eventuellen mühsamen Arbeitstag.

Turmkapelle und Teufelsgesichter
Die Turmkapelle, rechts neben dem Eingang, ist ein sehr harmonischer Raum mit einem alten Kreuzgewölbe aus dem dreizehnten Jahrhundert. Eine Kopie der Ikone der Maria Wegweiserin blickt uns entgegen, die einige Zeit als Ersatz für die gestohlene Ikone am Altar Verwendung fand. Die Ikone der Schwarzen Madonna wurde jedoch wieder gefunden, und sie kehrte in die Kirche zurück.

Seit alters trafen sich in der Kapelle des Turmes die Mitglieder der Nikolaisbruderschaft. Sie waren Schauspieler und Sänger. Die Kirche St. Michael ist somit nach alter Tradition die Künstlerpfarre von Wien, und jeden Montagabend gibt es hier einen Jourfixe der Wiener Künstler.
Durch die Turmkapelle verläuft die aus der Kreuzkapelle kommende Drachen- bzw. Fruchtbarkeitslinie. Die Drachen- oder Fruchtbarkeitslinien sind die alten Lebenslinien, deren vitale Kraft die Menschen veranlasste, sie zu „akupunktieren“ um so ihre fruchtbare Energie zur Verfügung zu haben. Die Drachen-, Fruchtbarkeits- oder Michaelslinien werden mit den europäischen Leylinien verglichen. Ihr Name leitet sich davon ab, dass sie Stätten verbinden, die den drachentötenden Heiligen geweiht wurden. Wie mit dieser fruchtbaren Energie umgegangen wird, das entscheidet jeder für sich selbst.

Haben Sie das alte Fresko neben der Kapelle, datiert mit ca. 1350, schon entdeckt? Erzengel Michael wägt die Seelen ab. Auf der rechten Seite ist Maria mit ihrem Sohne und den guten Seelen in der Waagschale zu erkennen, links von Michael der Satan. Die bösen Seelen in der Waagschale tragen einen Schuppenkamm am Rücken und dürften etwas leichter sein. Des Teufels Gesicht ist völlig zerkratzt. Doch er zeigt uns noch zwei andere: das eine auf der rechten Gesäßbacke, das zweite im Genitalbereich. Es sind die verschiedenen Gesichter des Satans.

Der dämonische Platz und die Kraft der Wandlung
Jeder gute und starke Ort, sei es nun eine Kirche, ein Tempel, eine Synagoge, hat auch seinen "dunklen, dämonischen" Platz. Manchmal hat man beim Bau eines Tempels, z. B. in Tibet, auch den dunklen Mächten einen würdigen Raum zugewiesen. Das ist in unserer westlichen Kultur nicht üblich, doch diese Energie manifestiert sich eben an den "dunklen" Plätzen.
Man wusste früher vom Kampf der Kräfte und Mächte beim Kirchenbau und versuchte Abwehrmaßnahmen zu setzen. Doch oft gelang dem Bösen die Einkehr. Gefährlich sind die "wilden Gesellen", wenn sie verdrängt, als nicht existent angesehen werden. Jedoch können gut plazierte künstlerische Darstellungen, die das Dämonische zeigen, die sonst freischwebenden und zerstörerisch wirkenden Kräfte, an einen Platz binden.

Was geschieht nun an solchen Orten? Hier wird den Menschen Energie genommen, jede Forme von Energie, ob positiv oder negativ. Dadurch kann ein "Schockzustand", eine energetische Reinigung, ein Loslassen, eine Läuterung eintreten. Oft ist das mit einem momentanen physischen Schwächezustand verbunden. In diesem "gereinigten" Zustand kann der "Ort der Begegnung“, der geweihte Platz vielleicht lastenfreier betreten und erfahren werden. Sind Ihre Sinne offen und Gott zugewandt, werden Sie seine Nähe empfangen.

Die "Schwarze Madonna" in der Turmkapelle, Maria Hodegetria, hilft uns, den rechten Weg zu finden. Die dunklen Madonnen werden oft mit Gaia, der fruchtbaren Erdenmutter, in Verbindung gebracht. Nach Harald Jordan besitzen dunkle Madonnen die "Kraft der Wandlung":

„Es ist eine Kraft, die hoch gewürdigt werden soll, denn durch Wandlung ist Ganz-Werdung und damit Heilung möglich!“

So ist dieser Platz um die Turmkapelle außergewöhnlich: Hier verläuft die energievolle Fruchtbarkeitslinie, das Dämonische hat durch die Satansdarstellung im Fresko seinen Platz erhalten. Die dunkle Madonna in der Turmkapelle wandelt und unterstützt unsere fruchtbaren Energien - sie weist uns den Weg!

Wir sind wieder zum Haupteingang zurückgekommen und haben unseren Rundgang in der Basilika des heiligen Michael beendet.


Der Wiener Zentralfriedhof

"Verkauft's mein Gwand, ich fahr in Himmel..."

Gehen Sie zu erst zum Friedhof und Sie werden sehen, wie die Menschen einer Stadt mit ihren Toten umgehen. Sie können damit ihre Beziehung zum Tod erahnen, nicht aber ihren Umgang mit dem Sterben. Wir ehren und gedenken intensivst unserer Toten, doch wir fürchten die Begegnung mit den Sterbenden. Wir lassen sie, medizinisch bestens versorgt, in den Spitälern sterben.

Es gibt in Wien eine ausgezeichnete mobile Hospizbetreuung, die in allen Bereichen unterstützt und hilft, auch in der Trauer. Wien hatte Ende 1999 1.608.144 Einwohner, aber nur 30-40 Hospizbetten. Die Hospiz-Leistungen sind sehr aufwendig und teuer und daher sind alle diese Einrichtungen, europaweit, auf Spenden angewiesen. Am Ende des Buches sind aus diesem Grund drei Kontonummern der Caritas-Hospiz Betreuungen in Wien, in der Schweiz und in Deutschland angeführt - falls Sie ein wenig Kleingeld dafür übrig haben.
Und sie, die von uns Gehenden, brauchen unsere Liebe, unsere Fürsorge, unseren Trost, unsere Anerkennung, unseren Dank und unser Gebet in ihrer letzten Stunde. Sie hinterlassen uns ja auch etwas wie das ganz wunderbar in den „Zehn Ratschläge eines Sterbenden an seinen Begleiter, seine Freunde, seine Engvertrauten“ (aus der Broschüre „Park der Ruhe und Kraft“ des Wiener Zentralfriedhof) ausgedrückt wird:

„Und wenn dir mein Sterben ferner und ferner rückt, die letzten Kondolenzbriefe beantwortet sind, und du, wie es jedermann erwartet, in Trauer verharren willst, so wehre dich mit aller Kraft. Das viele Trauern in der Welt ist eine Seite unseres Unglaubens, und das Schlimmste ist, dass gerade so viele Christen Ernst mit Traurigkeit verwechseln und von der Sonne singen, ohne sie zu leben. Du sollst wissen, dass ich der Auferstehung näher bin als du selbst. Nimm in dein Leben mit, was wir zusammen erlebt haben, als ein kostbares Vermächtnis. Lass mein Sterben dein Gewinn sein. Lebe dein Leben fortan ein wenig bewusster als dein Leben vor dem Tod. Und es wird schöner, reifer und tiefer, inniger und freudiger sein, als es war vor meiner letzten Stunde, die meine erste ist.“

Viele Bewohner der Stadt, die die Kulturgeschichte mitprägten, liegen am Wiener Zentralfriedhof, in Reihen Seite an Seite. Der Wiener Zentralfriedhof, oft besungen und besucht, ist die Stadt der 3.000.000 Toten und der zweitgrößte europäische Friedhof nach Hamburg.

Der Zentralfriedhof bietet seit Juli 1999 einen Landschaftspark, der nach geomantischen Kriterien angelegt wurde. Die Idee und Auftraggeber war die Wiener Magistratsabteilung 43, in deren Zuständigkeit die Friedhöfe im Stadtgebiet fallen. Mit der Gestaltung wurde ein geomantische Aspekte berücksichtigender Architekt betraut, und die Radiästhesie legte man in die Hände „Fühlender“, die auch bei den Mutungsarbeiten in den hier beschriebenen Kirchen mitgearbeitet haben. Es ist ein außergewöhnliches Projekt, welches zeigt, dass die Radiästhesie und die Geomantie bei den städtischen Planungen der Magistratsabteilung 21B, zuständig für Stadtteilplanung und Flächennutzung, Anerkennung erfährt.

Der Park der Ruhe und Kraft wurde beim III. Tor des Zentralfriedhofes, Gruppe 23, angelegt. Es ist ein große Wiese mit einem alten Baumbestand, wo keine Toten beerdigt wurden. Der Park bietet den Besuchern Ruhe, Besinnung und Kontakt mit den Kräften der Natur, insbesondere mit den Pflanzen und Bäume, mit den Steinen und der Erde.
Durch eine fein abgestimmte Folge von verschiedenen Landschaftsgestaltungen, der auch kosmische und terrestrische Kräfte entsprechen, wird der Besucher zum Schauen und Spüren angeleitet und zur Bewusstwerdung seiner Gefühle geführt. Es sollen dadurch Blockaden gelockert, Trauer abgeladen und die Einheit in und mit der Natur erlebt werden, und - wenn es an der Zeit ist – eine innere Bereitschaft aufgebaut werden, das Vergangene loszulassen und ein neues, bewusstes Leben zu beginnen. Er ladet zum Krafttanken und zum Meditieren ein. Er ist aber auch ein Lehrpfad für Pflanzen, Bäume und Steine, weil alle Objekte mit erklärenden Tafeln versehen sind. Die Kraftbereiche wurden ebenfalls gekennzeichnet.

So entstand ein unterstützender, helfender und energetisch ausgleichender Ort der Kraft und Ruhe in einem Bereich der Trauer, der Tränen und der Toten.


Das WurzelWerk bekam diese Auszüge ihres Buches (Es ist, als erwache die Seele - Plätze der Kraft in Wien. Ein kontemplativer Reiseführer zu alten Kirchen und geheimnisvollen Orten, Gabriele Buchas, ISBN 3-85333-091-6, Vehling Verlag, Graz) direkt von Gabriele gespendet. Vielen herzlichen Dank dafür!! Und wer nun Lust bekommen hat, sich diese Gegenden selbst einmal anzusehen, der findet unter dem Autorenlink ihre Homepage und in unserem Kalender immer wieder Führungen, die Gabriele selbst gestaltet.


Gabriele Buchas


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