Ynys Mon – Die Druideninsel
Teil II

Warum war Mona so eine Bedrohung?
Im Jahre 60 B.C. während der Herrschaft von Nero, begann Suetonius Paulinus, kaiserlicher Verwalter von Britannien und Nachfolger von Veranius, seine Angriffe auf die bergigen Regionen von Nordwales und besiegte erfolgreich die Stämme des Festlandes, er tötete alle, die sich im widersetzten. Doch ist es offensichtlich, dass es sein Ziel war die Insel Mona einzunehmen und so die Macht der Druiden zu unterdrücken, die es dort gab. Tacitus berichtet:

Suetonius Paulinus erlebte zwei erfolgreiche Jahre in denen er neue Stämme besiegte und die Forts stärkte. Ermutigt dadurch attackierte er die Insel Mon, das Zentrum des Widerstandes der Einheimischen.

Mona hatte offensichtlich großen Einfluss auf die Stämme Britanniens und es scheint, dass die Hauptquelle dieses Einflusses die Druiden von Mona waren. Das war eine Bedrohung, der Rom nicht erlauben konnte zu wachsen, nicht einmal zu existieren, die Druiden und ihre Anhänger mussten zerstört werden.
Paulinus führte sein Heer in flachen Booten über die Meerenge Menai, sie wurden wahrscheinlich irgendwo am Fluss Dee oder in Caernarfon gebaut. Man schätzt, dass sechstausend Männer die Meerenge an diesem schicksalhaften Tag übersetzte, weitere viertausend Reiter wateten oder schwammen. Der Angriff fand zur Zeit der Ebbe statt um den Pferden eine sichere Überquerung zu ermöglichen. Den genauen Ort der Überquerung weiß man nicht.

Die Menai Meerenge ist eine der gefährlichsten Wasserstrassen von Britannien, berüchtigt für die Swillies, ein Phänomen von gekreuzten und Unterwasserströmungen die schon hunderte Menschen in den Tod gezogen haben, schwimmen ist auf einem Grossteil der Strecke unmöglich. Der enge Streifen zwischen Caernarfon und dem Bezirk Newbrough Warren scheint auf den ersten Blick relativ leicht zu überqueren, mit großen Sandbanken, die bei Ebbe sichtbar werden, aber die Strände von Mona sind voll von heimtückischem Treibsand, der alle Eindringlinge abfangen würde. Der Streifen zwischen Beaumaris und Llangoed im Südwesten aber, war wahrscheinlich viel seichter als heute und das verlorene Königreich Tir Helyg reicht fast bis zur Insel. War das die Stelle, wo die Römer ihren Angriff starteten?
Tacitus (c. 55-120 CE) beschreibt die Invasion:

Am Ufer stand das feindliche Heer, eine Dichte Formation von Männern und Waffen. Frauen in schwarzen Gewändern wie von Furien liefen dazwischen herum. Mit wilden Frisuren schwangen sie ihre Fackeln. Um sie herum die Druiden, die ihre Hände zum Himmel hoben und furchterregende Verwünschungen ausstießen, sie machten den (römischen) Soldaten Angst. Und so standen die Römer bewegungslos und verletzlich, wie gelähmt. Dann ermahnte sie ihr Befehlshaber, und sie befahlen sich gegenseitig nicht vor einem Heer von Frauen und Verrückten zu zittern. Sie trugen ihre Fahnen vorwärts, schlugen jeden Widerstand nieder und drängten die Bewohner in ihr eigenes Feuer. Danach wurde den Besiegten eine Garnison auferlegt und ihre Haine zerstört, Orte von wildem Aberglauben. Denn sie betrachteten es als ihre Pflicht ihre Altäre mit dem Blut der Gefangenen zu schmücken und sie kommunizierten mit ihren Göttern mit Hilfe von menschlichen Eingeweiden.
Annalen, 14.30

Die Kriegsmaschine Rom griff die Insel und ihre Bewohner immer und immer wieder an, sie zwang sie in die Mitte der Insel und nach Llangefni. Hier konnten sich die Bewohner von Mona besser vor den Angriffen schützen, indem sie den Pass über die Malltraethsümpfe schlossen, der die Insel in zwei Hälften teilen und für die Römer nur schwer zu durchqueren war. Die Einwohner leisteten so lange wie möglich Widerstand, aber Paulinus war fest entschlossen die Druiden und ihre Leute zu besiegen.
Die Legenden erzählen, dass römische Soldaten während des Angriffs aus den dunklen Wäldern gerannt kamen, verrückt und unfähig über den erlebten Horror zu sprechen, sie waren so außer sich, dass ihre eigenen Soldaten sie durch das Schwert von ihrer Qual erlösen mussten. Keltische Krieger stürzten sich von den Bäumen und köpften mit geschwungenen Messern ihre Feinde. Schließlich aber wurden die Kelten schwächer und müde und Rom siegte, Mona war eingenommen.
Man sagt, die Druiden verließen die Insel in einem Versuch ihr Wissen und ihre Magie zu retten, es gibt einige Hinweise, dass sie nach Westen über das irische Meer nach Irland gereist sind. In der Bucht von Dublin und auf der Insel von Lambay wurde eine alte Grabstätte entdeckt und in ihr ein bronzener Schwertgriff, der fast identisch ist mit einem, der am Schatzsee von Llyn Cerrig Bach im Nordwesten von Mona gefunden wurde. Man könnte annehmen, dass die Druiden in Irland Schutz fanden und die Brutalität von Rom überlebten, echte Beweise dafür gibt es aber nicht, wir werden es nie erfahren.
Die bekannte Geschichte der römischen Invasion endet hier, aber das war nicht das Ende von Mona. Suetonius Paulinus wurde in den Süden von England gerufen, wo es Ärger gab und eine mächtige Kraft sich den Mächten von Rom entgegenstellte. Boudicca, die Königin vom Stamm der Iceni, begann ihren Kampf gegen Rom, manche sagen als Reaktion auf die Eroberung von Mona und die Zerstörung der Druiden, ein interessantes Motiv, aber Beweise dafür gibt es nicht.

Für fast eine Generation wurde Mona relativ in Ruhe gelassen, langsam erholte sich das Volk und die Bewohner bauten ihre Dörfer und ihr Leben wieder auf, die Gesellschaftsstruktur der Insel war aber für immer verändert. Mit der Ankunft von Julius Agricola im Jahr 78 CE wurde das Ende der Druiden von Mona verlautbart und die Insel wurde nie wieder ein Zentrum des Druidentums. Von seinem Stützpunkt in Caernarfon gelang es Agricola Mona zur Unterwerfung zu bringen, die Flammen der Druiden wurden gelöscht.
Mona entwickelte sich zu einem Zentrum der wirtschaftlichen, religiösen und politischen Macht, warum weiß man bis heute nicht. Viele glauben, das sei zurückzuführen auf seine Lage, zwischen den Handelsrouten von Südengland und Irland. Für die Einheimischen liegt die Bedeutung von Mona nicht in materialistischen oder politischen Ebenen, sondern in der magischen Energie der Insel. Scheinbar gibt es hier mehr Tore zu der Anderswelt als man zählen kann. Jeder Fluss, jeder Hügel, jedes Wäldchen, jede Höhle und jeder Stein sind erklärte Tore zur verborgenen Anderswelt der Kelten. Legenden erzählen sogar von einem Eingang zu Avalon durch das Tor von Bryn Gwyddon (der Hügel der Wissenschaft), heute heißt dieser Hügel Bodafon Mountain, ein interessanter Ort, ein Hügel mit einer tiefen Einbuchtung auf seinem Gipfel und in dieser liegt der Bodafon See. Man sagt, jeder, der es wagt über den See zu fahren, würde auf die Insel Avalon verschwinden. Jeder, der auf diesem Hügel war und ruhig am friedlichen Ufer des Sees gestanden ist, weiß, dass es nur wenig Vorstellungskraft bedarf um das für möglich zu halten, Magie liegt dort spürbar in der Luft.

Heute fällt es schwer, sich den Horror vorzustellen, der vor zweitausend Jahren auf dieser schönen Insel geschah. Aber die Druiden hinterließen ein Erbe aus archäologischen Kunstwerken, Hügelfestungen und unzählbaren Legenden; sie gingen nicht im Stillen! Es gibt hier Orte von solcher Kraft und Magie, dass man noch heute die Stimmen unserer alten Familien hören kann. Ihre geflüsterten Geheimnisse erreichen uns mit der sanften Brise, und ein Herzschlag tönt über das Land, seine Schwingungen erwecken bei allen, die hierher kommen ein altes Wissen, ein Mysterium vergangener Zeiten, ein Geheimnis, das ursprünglich unser eigenes war.
Die Druiden verschwanden nie, sie veränderten sich nur. Wir sind noch immer hier und in uns tragen wir den Funken ihrer Weisheit, ihre Magie, ihr Awen.


Many thanks to
Emma Restall Orr for allowing us to translate this article and to the author Kristoffer Hughes for writing it. Und herzlichen Dank an Witch2be für die Übersetzungsarbeit!


Kristoffer Hughes


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