Ynys Mon – Die Druideninsel   Teil I
Stell dir vor… Die helle Sommersonne glitzert und spielt mit den sich kräuselnden Wellen der Menai Meerenge, und tausende Schilder werfen die blendenden Strahlen zurück; deine Augen schmerzen, die das unglaubliche Schauspiel, das sich vom Festland von Gwynedd nähert, beobachten.

Hunderte kleine Boote nähern sich der Insel, in ihnen tausende Soldaten in leuchtenden Rüstungen und Gewandungen in feinstem burgunder und rot. Von deinem Aussichtspunkt auf der Klippe kannst du im Wind die gellenden Rufe und Schreie der Frauen hören. Deine Mutter und deine Schwester sind unter ihnen, sie halten flammende Fackeln und schreien dem Angriff entgegen.
Neben dir stehen Deine Freunde, Deine Sippe, gelähmt durch den Anblick der Soldaten, die gekommen sind um den Kern eurer Existenz zu zerstören, eure Gesellschaft zu zermalmen, gnadenlos zu töten und zu verstümmeln ohne zu zögern. Dein Schwert fällt aus deiner schweißnassen Hand auf das sanfte grüne Gras zu deinen Füßen; als du dich bückst um es aufzuheben hörst du hinter dir die anderen kommen.

Die Derwyddon, die Druiden, sie kommen und rufen Worte und Flüche, die nie gesprochen werden sollten. Ihre Arme erheben sich zu den Göttern, ihre Seelen strecken sich bis zum Himmel in einem Schrei der Verzweiflung. Deine Haare sträuben sich, als ihre Schreie lauter und lauter werden, dir wird schlecht, eine seltsame Energie baut sich in dir auf, du atmest schneller und fühlst Panik in dir aufsteigen. Die Flüche der Druiden machen die Frauen noch wilder, ihre Schreie erreichen ein Crescendo und in einer einzigen Bewegung stürzen sie sich auf den herankommenden Feind. Mit Schwertern und Fackeln attackieren sie die Soldaten in ihren Booten und wie eine einzige Welle rennst du mit Deinen Männern um sich ihnen anzuschließen.
Aber in dieser Stille, dieser Ruhe vor der Schlacht, siehst du alles und nimmst es in dich auf: Die Schönheit der Meere, die Ruhe und Heiligkeit deiner geliebten Insel und die unausweichliche Zerstörung von allem, was du kennst, allem, was deinen Leuten etwas bedeutet und heilig ist – zerstört. Ein Kormoran erhebt sich von der Klippe und steigt in die Luft über die schreckliche Szene, und auch er sieht eine Zukunft: Leere und Kontrolle, ein Volk, das eingeengt und oberflächlich wird. Ein Land, das verwüstet und öde daliegt, abgebrannt und versengt, eine Insel, deren Magie sich in den Westen zurückzieht, zu den unsterblichen Ländern. Plötzlich ergreift dich die Welle und du stürzt auf den Strand zu, das Schwert leuchtend, ein Schrei entströmt deinen Lungen, du wirst so viele töten wie möglich und wirst stolz für dein Land und dein Volk sterben.

Die Frauen haben Hunderte getötet und die römischen Leichen bedecken den Strand, sie färben den Sand ein grausames Rosa. Aber noch immer kommen sie, mehr und mehr. Der erste Römer, auf den du triffst ist wie du, jung und angsterfüllt, und als dein Schwert durch seinen Unterleib sticht, sieht er dir in die Augen und du fühlst seinen Schmerz und seine Angst, er fällt auf die Knie und rotes Blut fließt aus seinem Mund. Er, ein Opfer, wie du selbst, erfüllt seine Pflicht gegenüber einer höheren Macht, sein Leben, oder deines, kümmert es ihn? Kümmert es dich? Warum sollte es? Er verkörpert die Macht der Zerstörung und plötzlich fühlst du ihm gegenüber Hass! Eine Träne erscheint in seinem Augenwinkel, aber Dein Hass treibt dich an, du ziehst dein Schwert durch sein Zwerchfell und er ist sofort tot. Es dauerte nur ein paar Sekunden. Du ziehst dein Schwert zurück und mit dem Können eines Kriegers springst du nach rechts. Der Soldat spürte kaum den kalten Wind deines Schwertes als es seinen Kopf von seinen Schultern trennte, mit einem Schrei geht dein Angriff weiter.
Mit glänzenden Schwertern werden deine Männer und Frauen getötet, die Druiden setzen ihren Hilfeschrei fort, aber es sind zu viele. Als der erste Druide ermordet wird, weißt du, dass es vergeblich ist. Die Druiden ziehen sich in ihre Wälder zurück. Dein Volk liegt tot und verstümmelt, ein Meer von römischen Soldaten dringt weiter vor, sie treiben deine Leute weiter in den Wald. Du liegst tödlich getroffen am Fuß einer Eiche, Rauch steigt zu den Wolken als der erste Baum angezündet wird. Nach wenigen Stunden hörst du die Schreie deiner Leute, als die Römer sie lebend auf die brennenden Scheiterhaufen werfen, die einst euer heiliger Wald waren.
Ein einzelner Soldat nähert sich dir, sein Schwert voller Blut, dem Blut deines Volkes; du kannst dich nicht bewegen, es gibt nichts mehr zu tun. Du greifst nach der Insel, die du so sehr liebst und sie antwortet... nicht alles ist verloren, die Magie wird sich nur eine Weile ausruhen. Das Schwert, dass der Soldat in dich sticht, ist heiß, er lacht über deinen Schmerz, aber dann ist Stille. Und als das Tor zum Westen sich dir öffnet, erkennst du, dass die Magie zurückkehren wird, und wieder werden Druiden auf diesem Land gehen.

Schwer vorzustellen, aber das ist passiert, es passierte hier, an den Stränden von Mona, der gesegneten Insel der Druiden.
Der lebhafte Bericht von Tacitus und seine Beschreibung des Angriffs waren die Inspiration für diesen Bericht. Ich habe Glück auf dieser Insel Mona zu leben, und manchmal ist das Blutbad, dass die Römer angerichtet haben, schwer zu glauben. Das Blut wurde hier vergossen, Leben ausgelöscht, ich glaube manchmal vergessen wir, was unsere heidnischen Vorfahren durchgemacht haben, und das Leid, das sie ertragen mussten.


Anglesey
Die Bedeutung von Anglesey in der Einsenzeit ist heute jedem bekannt, aber was bleibt übrig? Was hinterließen die Druiden als ihr Erbe, ist ihre Magie jemals verschwunden? Im Westen von Britannien im alten Königreich Gwynedd liegt, so könnte man sagen, der wichtigste Ort von ganz Celtica: das ist Ynys Mon, Mona, oder in der modernen Welt Anglesey, benannt nach dem Wikinger Ongle.
In starkem Kontrast zu dem Reich von Gwynedd, dessen steile, mächtige Berge sich der Berührung des irischen Meeres hingeben, liegt diese gesegnete Insel. Mona ist die größte britische Insel und ist bemerkenswert flach, mit Ausnahme des nordöstlichen Viertels, dessen Hügel 150 Meter erreichen. Der Berg Holyhead (Caergybi) ist der höchste Punkt der Insel mit 220 Metern. Auf Monas Fläche von 290 Quadratmeilen liegen einige der fruchtbarsten Ebenen von Nordwales, und ihre grüne Landschaft sorgt seit Jahrtausenden für Nahrung und Weideland.

Gluckernde Bäche, verschlafene Flüsse und ruhige Seen flüstern die Geheimnisse der Insel und bieten Trinkwasser für Mensch und Tier, während verborgen unter ihren Hügeln in stillem Schlaf Schätze von Kupfer, Erz und andere Mineralien liegen, alle hat der Mensch für seinen Vorteil verwendet, manchmal auch für seine Gier. Die felsigen Klippen im Norden der Insel bieten Schutz und Brutstätten für Papageitaucher, Möwen, Wanderalken und andere Vögel. Rote Eichhörnchen leben glücklich in den Wäldern und Raben beherrschen die Lüfte. All das ist umgeben von den sanften und manchmal heimtückischen Wellen der warmen irischen See, gewärmt durch den Golfstrom.
Für den modernen Besucher ist es ein Park von wundervollen Attraktionen, Küstenspaziergängen, Wäldern, alte Hügelfestungen und eine der größten Ansammlungen von heiligen Orten in ganz Europa.
Trotzdem, die stillen Steine von Mona verbergen ein schreckliches Geheimnis, ein Geheimnis, das sowohl wunderbar als auch furchterregend ist. Das Blut derer, die Mona geliebt haben, die ermordet wurden, wegen ihrer sozialen und religiösen Einstellungen, ihr Blut befleckt, was einmal eine Insel des Lernens war, eine Insel der Musik, der Mythen und der Magie. Unzählige tausend fielen den Schwertern zum Opfer, abgeschlachtet wie Schweine von der zivilisierten Kampfmaschine Roms.

Many thanks to Emma Restall Orr for allowing us to translate this article and to the author Kristoffer Hughes for writing it. Und herzlichen Dank an Witch2be für die Übersetzungsarbeit!


Kristoffer Hughes


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