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Die Externsteine
oder "Wie man einen unmystischen Ort verzaubert".

Die Externsteine sind für Heiden, Hexen und Esoteriker schon seit langem eine Art deutsches Stonehenge. Über diesen Ort sind dicke Bücher geschrieben worden, wobei sich anscheinend niemand daran stört, dass die Autoren den Turm der Veleda (Veleda, germanische Seherin die nach der Überlieferung in einem Turm wohnte), das größte Heiligtum der Germanen, die zentrale Stätte der Kelten oder gar ein riesiges Monument (in Verbindung mit Stonehenge und den Cheops-Pyramiden) dort erscheinen zu lassen und das alles zur gleichen Zeit.
Ach ja, Zeit... Hier scheint es einen geheimen Wettstreit der Autoren zu geben, wer denn nun mehr Nullen als Jahreszahl aufbringen kann. So liest man alles von 3000 - 300.000 Jahren. Eine gesicherte Quelle für diese Erkenntnis kann aber keiner der Autoren vorbringen, niemand verrät seinen geheimen Quell der Weisheit.

In diesem Artikel sollen die Externsteine von einer anderen Seite angegangen werden, nicht den alten Mythos ans Licht holen, sondern die Schönheit des neuen Zaubers zeigen. Die exakte Geschichte der Steine würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher gehe ich nur auf die für Heiden wichtigen Details und Mythen ein.


Der entzauberte Ort
Die größte Grabung an den Externsteinen fand 1936 auf der Suche nach der "urgermanischen Kultstätte" durch die Nazis statt. Dabei sollte man sich klar darüber sein, dass es sich um eine politisch motivierte Grabung handelte und man zur Erreichung dieses Zieles auch zur Fälschung griff. (Siehe hierzu auch: "Macht & Mythos" Ausstellungskatalog, Landesmuseum Trier 2002).
Selbst diese mit guten finanziellen Mitteln ausgestattete Anstrengung brachte keine Beweise für eine Kultstätte an das Licht der Gegenwart. Die Funde waren in erster Linie aus dem Mittelalter und dem zu der Zeit dort ansässigen Kloster. Es wurden keine Opfergaben aus einer frühen Zeit gefunden, die eigentlich typisch für Kultstätten wären.
Damit waren die Externsteine wahrscheinlich eine kleine Kultstätte für die Region, aber keinesfalls ein zentrales Kultobjekt der Germanen. Allein der Begriff "die Germanen" ist schon irreführend, da es sich hierbei nicht um eine ethnische Gruppe, sondern wohl eher um viele kleine Stämme handelte - ähnlich den Ureinwohner Nordamerikas. Schon die Feindschaften zwischen diesen Stämmen ließen kein gemeinsames Heiligtum zu.


Die Mythen
Höhenkammer auf dem Kammerkopf
In der Höhenkammer befindet sich ein kleiner Altar und ein Wanddurchbruch, durch den die Sonne zur Sommersonnenwende scheint. Die Bearbeitungsspuren und auch die Bauweise lassen auf ein Entstehungsdatum im 17. Jahrhundert schließen. Zu dieser Zeit gab es das erste Mal eine "Germanenromantik" die dieses Bauwerk erklären könnte.

Das Grab am See
Angelegt von den Eremiten des dortigen Klosters, befindet sich am See eine kleines, in den Fels gemeißeltes Grab. Der genaue Zweck dieses Bauwerks ist unklar. Man vermutet ein "Momentum Morii" also einen Gedanken an den Tod, damit sich die Mönche ihrer Sterblichkeit bewußt waren.

Das Kreuzabnahme-Relief
Dieses Relief an Felsen 1 hat wohl den größten Mythos der Externsteine erschaffen. Es ist die älteste deutsche, aus gewachsenem Felsen gehauene Großplastik im monumentalen Stil, datiert um 1130. Sie gibt die Kreuzabnahme Christi wieder.
Zwei Details sind dabei interessant: Zum einem, das im Hintergrund eingemeißelte Andreas-Kreuz (kein Templer-Kreuz wie gerne behauptet), aber - viel wichtiger - ist dort ein geknickter Baum zu sehen. Der Baum wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Irminsul bezeichnet. Die Form dieses Baumes ist das Symbol der germanischen Weltensäule geworden. Macht man sich aber die Mühe ein bisschen nach zu forschen, stellt sich heraus, dass es vor dem 19. Jahrhundert keine Erwähnungen der Irminsul in dieser Form gab. Was es aber gibt sind Darstellungen von Dattelpalmen im Nahen Osten und zwar in genau dieser Art und Weise. Anscheinend hat der orientalische Künstler ein Motiv seiner Heimat in das Bildnis mit eingebaut. Ob es sich bei dem geknickten Baum allerdings trotzdem um die Irminsul handelt (als Zeichen des gebrochenen Heidentums), weiß nur noch der Künstler selber.


Standort der Irminsul?
Auf dem großen Felsen gibt es eine Mulde, die von einigen Autoren als Aufnahmemöglichkeit der Irminsul gedeutet wird. Schaut man sich diese Örtlichkeit aber näher an, so wäre sie wohl technisch nicht in der Lage gewesen so ein Bauwerk statisch zu unterstützen. Da scheint der Standort in Obermarsberg doch wesentlich besser gesichert, sowohl historisch, als eben auch archäologisch. Andererseits hat es aber bestimmt nicht nur eine Irminsul gegeben und so wäre eine kleine Weltensäule dort durchaus möglich gewesen.


Nur Gerüchte aus der Nazi Zeit?!
Auch das ist ein Mythos, dem man von Skeptikerseite widersprechen muss. So gibt es einen Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert, der schon Funde an den Externsteinen darstellt und den Kammerfels als Sitz der Veleda bezeichnet. Der Mythos Externsteine ist also wieder wesentlich älter, als die christliche Germanenlehre des 3. Reiches.


Alles aus...?!
Nein es gibt schon einiges, das die Externsteine zu etwas Besonderem macht. Allerdings konnten selbst die größten Befürworter einer Kultstätte keine Beweise für eine Bearbeitung zu germanischer Zeit finden. Das ist insofern zusätzlich plausibel, da die germanischen Völker allgemein nicht durch Kenntnisse in der Steinbearbeitung aufgefallen sind.
Man kann mit aller Vorsicht davon aus gehen, dass die Felsen bereits im Neolithikum eine gewisse Bedeutung hatten, die sich nahtlos bis in keltische Zeit fortgesetzt hat. Für die weitere Annahme, dass dann auch die
späteren germanischen Völker, nach Besiedlung der Gegend, den Ort sakral weiterhin nutzten, gibt es zwar keine direkten Belege, sie ist aber auch nicht gerade sehr ketzerisch und dürfte gerade durch die bewusste Christianisierung des Ortes in karolingischer Zeit gestützt werden.

Was aber viel wichtiger ist:
Die Externsteine sind heute zu einem Kultplatz geworden! Spirituelle Menschen jeder Richtung pilgern zu den Steinen und haben dort ihre ganz persönlichen Erlebnisse, die ihnen niemand nehmen kann. Auch wenn die Sonnenwenden selber mittlerweile zu einem Woodstock geworden sind, haben sich die Steine zu einem Treffpunkt alternativer Glaubensrichtungen entwickelt und sind ein Ort der Begegnung geworden.


Wegbeschreibung
Die Externsteine erreicht man z.B. von der A 33 Bielefeld-Paderborn, die man an der Abfahrt Nr.26 "Paderborn/Elsen" verläßt. Auf der B l fahrt man Richtung Horn. Die Externsteine liegen vor Horn und sind ausgeschildert. Etwa 300 Meter vor den Felsen befindet sich eine gebührenpflichtige Parkplatzanlage mit 750 Stellplätzen, einem Souvenirstand und dem Ausflugslokal.

Unser herzlicher Dank geht an Björgulf, der uns diesen Artikel für das WurzelWerk zur Verfügung gestellt hat.


Björgulf


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