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Das Rad des Jahres
In Wicca und im Paganismus ist es heute üblich, die sogenannten acht Sabbathe des Jahres zu zelebrieren. Manche Pagans feiern die Feste an jenen Tagen, deren Daten in den gängigen Büchern über das Hexentum zu finden sind, ohne über die Herkunft oder Validität dieser Information nachzudenken. Andere wiederum machen sich Gedanken darüber, was die astrologischen oder astronomischen Grundlagen für unsere Feste sein mögen. Hier ein paar Gedanken zu diesem Thema.

Seit urdenklichen Zeiten beobachten die Menschen den Sternenhimmel und den Lauf der Planeten. Zeitmessung und Erstellung von Kalendern gehört zu den ältesten Tätigkeiten der Menschheit. Alle Zeiteinheiten, die dem Menschen heute natürlich erscheinen sind durch astronomische Phänomene bedingt. Dies sind das Jahr, bedingt durch den Lauf der Erde um die Sonne, das Monat durch den Lauf des Mondes um die Erde und der Tag durch die Rotation der Erde um die eigene Achse. Aus der Sicht des Menschen bedeutet dies Wechsel der Jahreszeiten, Wechsel der Mondphasen und Wechsel zwischen Tag und Nacht.

Seit Jahrtausenden ist jedoch bekannt, dass die genaue Definition der Einheit der Zeit problematisch ist. Ein Monat kann nicht ganzzahlig in Tagen ausgedrückt werden und ein Jahr nicht ganzzahlig in Monaten. Um diese Problematik zu beseitigen erfand die Menschheit eine beträchtliche Anzahl von verschiedenen Kalendern. Wir wollen hier nicht auf das Thema der genauen Erfassung von jährlichen Vollmonden und Jahreszeiten in einem System eingehen sondern uns nur mit dem Sonnenjahr alleine beschäftigen.

Wir wollen annehmen, dass das erste Fest des Jahres der Frühlings-Äquinox sei. Äquinox bedeutet, dass Tag und Nacht gleich lang sind. Von nun an werden die Tage länger bis zum Sommer-Solstitium, dem Tag an dem die Sonne am höchsten steht. Darauf folgt das Herbst-Äquinoktium und letztlich das Winter-Solstitium mit der längsten Nacht und dem kürzesten Tag.
Diesen vier Daten ist je ein astrologisches Tierkreiszeichen zugeordnet. Frühling - Aries, Sommer - Cancer, Herbst - Libra und Winter - Capricorn. Diese werden auch Kardinale Tierkreiszeichen genannt. Jedes der 12 Tierkreiszeichen nimmt die Spanne von je 30° ein um so alle 360° des Kreises zu besetzen. Befindet sich die Sonne nun auf ihrem jährlichen Weg durch den Tierkreis in 0° Aries, Cancer, Libra oder Capricorn, so sprechen wir von Frühlingsbeginn, Sommerbeginn, etc.
Die anderen vier Jahresfeste, genannt Beltane, Lughnasadh, Samhain und Imbolc befinden sich zeitlich zwischen den Solstitien und Äquinoktien. Ihnen sind sie Tierkreiszeichen Taurus, Leo, Scorpio und Aquarius zugeordnet. Dies sind die Fixen Zeichen. Da die Energie hier ausgeglichen ist, feiert man sie wenn die Sonne in 15°, also der Mitte des Tierkreiszeichens steht. Die restlichen vier Tierkreiszeichen Gemini, Virgo, Sagittarius und Pisces werden Bewegliche Zeichen genannt. Kein Fest ist mit ihnen verbunden.
Die richtige Vorgangsweise um den genauen Zeitpunkt eines Festes zu ermitteln ist also der Blick in die astrologische Ephemeriden - Tabelle.

Ein wichtiger Punkt der hier geklärt werden muss ist der Unterschied zwischen Tierkreiszeichen (Tropischer Zodiak) und Konstellation (Siderischer Zodiak). Vor 2000 Jahren befanden sich die Tierkreiszeichen und die Konstellationen gleichen Namens zur selben Zeit an ungefähr der selben Stelle am Himmel. Astronomisch gesehen ist Frühlingsbeginn zu jenem Zeitpunkt an dem die Sonne den Himmelsäquator von Süden nach Norden überschreitet, also rund um den 21. März. Die Sonne trat also rund um dieses Datum in das Zeichen und die Konstellation Aries ein. Doch bald darauf bemerkten die Astrologen, dass die Zeichen verglichen mit den Konstellationen nach hinten rutschten. Dies geschah mit einer Geschwindigkeit von 1° in 72 Jahren. Diesem Phänomen liegt die sogenannte Präzession der Äquinoktien zugrunde. Das bedeutet nichts anderes als dass die Erdachse taumelt und sich dadurch ihre Schrägstellung ständig verändert. Dadurch verschiebt sich der Frühlingspunkt entlang der Ekliptik durch die Konstellationen nach hinten. Ein Rotationszyklus, auch Platonisches Jahr genannt, dauert etwa 26 000 Jahre. Das heisst also in etwa 24 000 Jahren werden Tierkreiszeichen und Konstellationen wieder übereinstimmen.
Die Astrologen die dies erkannten, wandten sich von den Konstellationen ab und arbeiteten von diesem Zeitpunkt an nur noch mit den (fiktiven) Tierkreiszeichen.
Aus diesem Grund kann die Sonne zum Frühlingsbeginn astronomisch und astrologisch gesehen in verschiedenen Zeichen stehen. (Manche Astronomen, welche die Astrologie und den tropischen Zodiak als unwissenschaftlich abtun vergessen, dass die Astronomie den Frühlingspunkt, in welcher Konstellation er sich auch immer befinden mag [z.B. am 20.03.2002 in 5° Pisces] als 0° Aries für die Deklination und Rektaszension sehen).

Ein weiteres Problem ist die (scheinbare) Diskrepanz zwischen exaktem Äquinoktialdatum und dem Datum der exakten Äquivalenz von Tag und Nacht respektive Solstitium und längstem oder kürzestem Tag. Dies erklärt sich aus der Differenz zwischen wahrer Solar-Zeit und mittlerer Solar-Zeit die als 'Angleichung der Zeit' bezeichnet wird.

Die Dauer des wahren Sonnentages ändert sich mit den Jahreszeiten, während die fiktive mittlere Sonne dies ausgleicht um eine konstante Dauer während des Jahres zu gewährleisten. Diese Angleichung der Zeit also bewirkt eine asymmetrische Verschiebung der Auf- und Untergangszeiten der Sonne. Das ist der Grund für die verschiedene Zeit von Sonnenauf und -untergang an den Äquinoktien und Solstitien.

Quellen und weiterführende Literatur:
Aveni, Anthony: Stairways to the Stars; Cassell 1997
Becker, Udo: Lexikon der Astrologie; Goldmann 1984
Crowther, P: Lid off the Cauldron; Muller 1981
De Santillana, Giorgio & von Dechend, Hertha: Hamlet's Mill; Godine 1977
Walker, Christopher (Ed.): Astronomy before the Telescope; BCA 1996


Anna & Peter


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